Ich liebe mein Baby nicht

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MissMaineCoone
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Ich liebe mein Baby nicht

Beitrag Do., 05.09.2019, 08:10

Hallo,
keine Ahnung ob mir irgendwer helfen kann, ich möchte mir das zumindest einmal von der Seele schreiben. Vorweg - ich bin in Behandlung allerdings meinte meine Therapeutin dass sie nicht mehr wisse wie sie mir helfen könne.

Ich bin bereits im 8. Monat schwanger und will das Baby nicht. Noch 8 Wochen bis zur Geburt und ich kann es nicht aufhalten. Ich fühle mich schrecklich....

Ich liebe Babys und Kinder. Das war schon immer so und ich hatte nie einen stärkeren Wunsch als nach einer Familie. Vor 4 Jahren passierte es: Ich wurde ungeplant schwanger! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Mein Exfreund war auch erst erfreut, wir freuten uns zusammen und das war richtig toll. Hielt aber nicht lange denn nachdem er mit seiner Mutter geredet hatte, war er der Meinung ich hätte sein Leben zerstört. Er machte mich dauernd fertig, die Beziehung war generell eine Katastrophe aber ich dachte mir, auch wenn wir uns trennen dann sind eben nur Baby und ich eine Familie. Es störte mich nicht ohne ihn zu sein, das Baby war mir das Wichtigste. Im Endeffekt hatte ich jedoch eine Fehlgeburt. Mein Leben war komplett zerstört, als hätte jemand alles kaputt gemacht. Ich habe sehr lange gebraucht das zu verarbeiten. Mittlerweile weiß ich, dass es besser ist wie es gekommen ist. Mein Ex wäre kein Vater gewesen. Er hat mich wie Dreck behandelt und mir eingeredet ich bin nichts wert, er hätte unser Baby auch nicht gut behandelt.

Ich schaffte es mich von ihm zu trennen und nach einigen Monaten lernte ich wieder wen kennen. Ungelogen, er ist mein Traummann. Der liebste Mensch den ich kenne und wir verstehen uns blind. Ich kann gar nicht fassen so jemanden gefunden zu haben. Natürlich war auch mein Traum mit ihm eine Familie zu gründen. Nachdem wir bereits über ein Jahr zusammen wohnten, beschlossen wir mal die Pille abzusetzen. Ich ging davon aus, dass es etwas dauern würde bis ich schwanger werden würde. Fehlanzeige. Es klappte im ersten Zyklus und während ich ihm den Schwangerschaftstest zeigte, sah ich ihn genau an. Da war nur Schock, keine Freude. Er war richtig entsetzt und wollte dass ich noch einen Test machte. Im Endeffekt machte ich 4 und keiner davon brachte mir Freude. Er freute sich nicht, ich freute mich nicht. Es blieb einfach aus. Ich wurde depressiv und dachte an Abtreibung. Mein Freund ging es besser, er begann sich aufs Baby zu freuen und meine Worte verletzten ihn so sehr, dass er einmal sogar weinte. Immerhin hatte ich mir so sehr ein Baby gewunschen, warum will ich es nicht mehr?
Die Frage konnte ich auch nicht beantworten.
Die Schwangerschaft war anstrengend, ich hatte den ganzen Tag mit Erbrechen zu kämpfen und das 3 Monate lang. Zudem hatte ich Angst wieder eine Fehlgeburt zu erleiden. Ich suchte mir Hilfe bei einer Beratung für Schwangerschaftsdepression. Sie meinten es wird besser nach der 12 Woche, wenn die heikle Zeit vorbei ist. Wurde es etwas aber trotzdem weinte ich viel und wollte das Baby nicht. Wenn ich es spüre im Bauch, dann wird es besser! Ja anfangs war es etwas faszinierend, mittlerweile bin ich genervt.

Es ist schwierig, die Therapeutin wisse nicht weiter und ob ich schon an Adoption gedacht habe. Ja klar hab ich das, aber sowas hab ich nicht allein zu entscheiden. Außerdem gibt es auch Momente wo ich mich freue. Wenn ich Gewand oder Spielzeug kaufe. Daran denke dass wir gemeinsam was schönes erleben. Dass wir unser Baby baden und es umsorgen. Schöne Momente sind das. Und weiter? Es sind eben nur Momente auf die ich mich freue. Nicht mein ganzes restliches Leben. Ich kaufe meinem Kind nicht nur ein Spielzeug, spiele mit ihm eine Stunde und fahre dann weg um meine Ruhe zu haben. Das Kind wird immer da sein und das für immer. Das Leben zu zweit ist vorbei.
Mein Freund sagt, das wusste ich doch vorher schon und wollte unbedingt ein Baby! Und er hat Recht. Aber ich weiß nicht warum es jetzt anders ist.
Weil wir uns nicht gefreut haben über die Schwangerschaft? Weil er für mich der Richtige ist und ich mit ihm noch mehr Zeit zu zweit gebraucht hätte? Ging das alles zu schnell? Bin ich überfordert?
Ich habe eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung - kann es daran liegen?

Es sind noch 8 Wochen bis zur Geburt und ich bin verzweifelt. Ich möchte meinem Baby die Liebe geben die es verdient. Es kann schließlich nichts dafür, es hat niemanden was getan. Ich hab so Angst dass es spürt dass ich es nicht so liebe wie es sich gehört.
Ich hab nicht gedacht dass mein größter Wunsch zu meinem größten Alptraum wird....


Sehr
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Beitrag Do., 05.09.2019, 12:02

Hallo, da du bereits in Therapie bist, was sagt denn die Therapeutin zu deinen Fragen? Und wieso wisse sie nicht mehr weiter? Was genau ist "weiter"? Kamst du nach der Fehlgeburt zur Therapie?
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Anti Lope
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Beitrag Do., 05.09.2019, 12:42

Liebe MissMainCoone,

ich kann mir vorstellen, dass du ambivalente Gefühle hast.. bei dieser Vorgeschichte :-(
Ich hatte in meiner Schwangerschaft auch widersprüchliche Gefühle und ich glaube, dass das ein Stück weit auch normal ist. Hormone spielen da eine Rolle, aber eben auch die Lebensumstände und das eigene psychischen Befinden.

Viel kann ich dir nicht raten, ich kenne dich ja nicht, aber vielleicht schaffst du es, dich mehr auf die Momente zu konzentrieren, die dir ein gutes Gefühl geben? Du hast den Wunsch nach Familie in dir und einen Partner der anscheinend zu dir und dem Baby steht und eine Therapeutin an deiner Seite (wobei ich ihre Aussagen etwas befremdlich finde). Das sind doch schon mal ganz gute Bedingungen. Vertrau dir und deinem Wunsch! Und versuche dir den Druck zu nehmen, irgendwie sein zu müssen.

Alles Gute für dich und das Baby!
Anti Lope
"Vegangenheit ist, wenn es nicht mehr wehtut." Mark Twain

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Philosophia
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Beitrag Do., 05.09.2019, 20:22

Wer sagt denn, dass nicht deine vorangegangene Fehlgeburt dafür sorgt, dass du dich nicht freuen kannst - so als Schutzmechanismus. So nach dem Motto: Bloß nicht binden, weil evtl. doch was schief gehen könnte. Was meinst du?
Und ansonsten...ich weiß nicht, Liebe kann nicht erzwungen werden, sie wächst oder eben nicht. Ich finde es total gut, dass du da so ehrlich bist! Wer sagt denn, dass da nicht vielleicht doch noch was entsteht, wenn du später dein lebendiges Baby in den Armen hältst. Und auch dann gilt es ja auch, sich kennenzulernen. Ein Baby ist doch auch ein neues Menschlein mit eigener Persönlichkeit.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer


theweirdeffekt
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Beitrag Do., 05.09.2019, 20:33

Das tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Ich les raus, dass dich seine (anfängliche Schock-)Reaktion verunsichert hat. Eine Mutmaßung: sie hat dich an deinen Ex erinnert, weswegen du das Kind lieber "ablehnst" als nochmal Gefahr zu laufen so eine traumatisch aufwühlende Zeit alleine durchstehen zu müssen?

Es könnte eine Art Selbstschutz sein, die vielleicht gar nichts mit der Liebe zu dem Baby, sondern mit unbewusster Angst zu tun hat. So eine Art FI-Schalter. Muss natürlich nicht stimmen, sind nur meine Gedanken dazu. Ansonsten bin ich bei sehr: was sagt denn die Therapeutin, wie lange gehst du schon hin etc?
Und bei AntiLope Vertrau dir und deinem Wunsch.

@Philo, habs zu spät gelesen. Hab auch die Vermutung


Alles Gute
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Blume1973
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 05:08

Liebe MissMainCoon!

Die Vorschreiber haben schon viel gute Denkanstöße gegeben. Was ich mir auch vorstellen könnte, ist, dass es nicht unbedingt so ist, dass du dein Baby nicht liebst, sondern, dass du große Angst hast, und die, deine Gefühle zu deinem Kind überschattet.

Ich finde dein Denken nämlich nachvollziehbar. Es sind nicht nur die schönen Momente da, die man mit seinem Baby hat, sondern eben auch, das, was du auch schreibst. Ich möchte hier nicht, die weniger schönen Situationen anführen, da du ohnehin schon damit „kämpfst“. Aber du siehst es realistisch und schwelgst nicht nur im Babyglück, wie die meisten jungen Mütter.

Und dazu kommt vielleicht auch die Angst dazu, dass du wieder etwas verlieren könntest. Eine Partnerschaft, die dir sehr viel bringt.

Das zusammen mit den ohnehin schon extremen Hormonschwankungen in einer Schwangerschaft, bringt dich völlig aus dem Gleichgewicht, denke ich. Man sollte den Einfluss der Hormone wirklich nicht unterschätzen.

Ich persönlich glaube, du schaffst das. Und auch deine Partnerschaft schafft das. Vlt kannst du versuchen, etwas loszulassen und euer neues Leben auf dich zukommen lassen? Es wird anders werden, aber es kann auch wunderschön sein, so wie es wird.

Alles Gute
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Die einzigen wirklichen Feinde des Menschen, sind seine negativen Gedanken.

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Sinarellas
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 06:57

ach quark, nicht nur bei der Vorgeschichte kann das passieren, das kann JEDER werdenden Mutter passieren und auch dannach ist es nicht ungewöhnlich, dass die Mutter-Kind Bindung nicht ordentlich einsetzt.

Kein Mensch ist verpflichtet sich über positive SS Tests zu freuen, das muss nicht sein, das ist auch erstmal ein schock und es ist einfach von mensch zu mensch, hormonhaushalt zu hormonhaushalt unterschiedlich wie das Gefühl drübe rist.

Also erstmal entdramatisieren.
Völlig sinnlos find ich den Adoptivkommentar, was soll das denn ?! Das Wesen ist noch nicht mal auf der Welt und du sollst über Adoption nachdenken?

versuch ruiger zu werden, wenn das wesen auf der Welt ist hast du sehr viel Zeit dich mit ihm auszusprechen, ja als Säugling kann man das vom ersten tag oder im Bauch an machen. Sprich mit dem Wesen in deinem Bauch, erzähle von deinen Sorgen Ängsten und sei auch einfach ehrlich. Du wirst sehen, es wird entlasten. Mach das immer wieder, bis du dich ausgesprochen hast. Du wirst dich wu ndern wie sich deine Einstellung verändert.
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Candykills
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 07:03

Während einer meiner Psychiatrie-Aufenthalte, hatten wir eine sehr junge Mutter dort, die ihr Baby - obwohl geplant - nicht lieben konnte und nicht haben wollte. Das ging soweit, dass als das Baby mit bei ihr auf der Station war, sie Mordgedanken hatte, so dass es ihr wieder abgenommen wurde.
Am Ende ist das Kind dann beim Vater geblieben und inzwischen (es ist jetzt 4 1/2) hat sie regelmäßigen Kontakt zum Kind, aber es lebt halt weiter beim Vater.
Worauf ich hinaus will: es kann sich bessern, so dass du doch noch eine Beziehung zu dem Kind aufbauen kannst.

Ich bin übrigens selbst vor einem Monat Vater geworden. Wir freuten uns die ganze Zeit auf das Kind, trotzdem hatte auch ich (und vielleicht auch meine Freundin) Ängste, ob ich das wohl schaffen werde, ob wir das schaffen und überhaupt, so viel Verantwortung für ein neues Leben und das für immer. Das Kind war auch nicht geplant.

Jetzt sind wir einfach nur super glücklich unseren kleinen Engel in den Armen halten zu können.
Ein Leben ohne Katze ist möglich...aber sinnlos.

„Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Kaonashi
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 12:58

MissMaineCoone hat geschrieben:
Do., 05.09.2019, 08:10
Es klappte im ersten Zyklus und während ich ihm den Schwangerschaftstest zeigte, sah ich ihn genau an. Da war nur Schock, keine Freude.
Hat er auch gesagt, dass er schockiert ist, oder hast du es nur seinem Gesichtsausdruck entnommen?

Ich habe mal gelesen, dass Menschen mit emotional-instabiler Persönlichkeitsstörung Schwierigkeiten haben, Gesichtsausdrücke richtig zu deuten. Sie lesen aus vielen Gesichtsausdrücken die Gefühle negativer ab, als sie sind.
Deshalb meine Frage. Vielleicht hattest du Angst, er könnte gleich reagieren wie der vorherige Partner.

Ich finde jedenfalls wichtig, dass die Bedürfnisse des Kindes in jedem Fall Vorrang haben, und dass man dafür dann halt eigene Bedürfnisse hinten anstellen muss. Denn der oder die Kleine ist völlig abhängig und kann nichts dafür, wie die Situation ist. Auch Adoption ist dabei nicht abwegig, aber natürlich gibt es ja noch den Vater, sodass eine Adoption doch eher unwahrscheinlich ist. Er wollte ja das Kind, denn ihr hattet ja besprochen, die Pille wegzulassen, das war ja vermutlich auch sein Wunsch, und nicht nur deiner.


Insel
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 14:04

Deine Ängste unterdrücken die positiven Gefühle derart, dass Du sie nicht wahrnehmen kannst....steigere Dich nicht da hinein! Ehrlich gesagt finde ich die Aussage Deiner Therapeutin ziemlich daneben.....sie sollte Dich unterstützen und Dir Mut machen!
Ja, das Leben verändert sich mit einem Kind und oft ist es auch anstrengend und schwer....aber ich bin mir sicher, dass Du das schaffst! Die Zweisamkeit ist damit zwar eingeschränkt, -erstmal-, aber nicht vorbei! So schnell werden Kinder groß, gehen in den Hort, zur Schule oder sind mal bei der Oma....da bleibt genug Freiraum für Dich und Deinen Partner.Es gibt ja auch Babysitter, die aufpassen, wenn Du einmal ausgehen willst.

Lass Dich von diesen negativen Angstgefühlen nicht völlig aus dem Gleichgewicht bringen! Warte die Geburt und die ersten Wochen ab....sich jetzt schon für eine Adoption zu entscheiden halte ich für falsch, Du hast Dein Kind ja noch garnicht in den Armen gehalten und es richtig kennengelernt.
Dass Dein Freund bei dem schnellen "Erfolg" eurer Bemühungen ein Kind zu zeugen erstmal etwas überrumpelt war, darfst Du nicht als grundlegende Ablehnung interpretieren....ich glaube, Du neigst gerade dazu, alles viel schwärzer zu sehen, als es ist! Du schriebst ja selbst, dass Du depressiv bist.Das ist eine sehr schlechte Vorraussetzung, solch weitreichende Entscheidungen zu treffen!
So wie ich es aus Deiner Schilderung herauslese, hast Du einen tollen Partner und zukünftigen Vater an Deiner Seite,- dass ist doch gold wert!
Versuche doch einmal, all das Gute an Deiner Lage zu sehen! Deine Gefühle können sich ändern. Gerade auch weil Du eine instabile Persönlichkeitsstörung hast, solltest Du darauf vertrauen, dass sich alles auch wieder zum Guten ändern kann,- es liegt allein an Deiner inneren Einstellung.....daran würde ich arbeiten und die Therapeutin auch noch einmal in die Pflicht nehmen.

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Kellerkind
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 15:20

Hallo MissMaineCoone,

ganz banal, weil ich gerade gestern erst in anderem Zusammenhang drüber gestolpert bin: wie sind denn deine Eisenwerte? Und natürlich Jod/Schilddrüsenwerte? Werden die Werte kontrolliert?
Als ich Eisenmangel googelte stand da u.a. dass unerkannter Eisenmangel (wegen erhöhten Bedarf in Schwangerschaft) als Ursache für Schwangerschafts- und postnatale Depressionen in Frage kommt. Eisenwerte werden nicht immer routinemässig erfasst, und die Symptome gerne auch mal den üblichen Schwangerschaftsymptomen zugeordnet.

Mit der drastischen Hormonumstellung bei der Geburt kann sich alles ändern. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Mütter, die sich sehr auf das Kind freuten, fallen dann in tiefste Depressionen, und Mütter, die zuvor sich kaum mit den Gedanken wirklich anfreunden konnten, sind auf einmal hin und weg. Von daher empfehle ich abwarten, aber durchaus sich schon mal einen Plan B zurecht zu legen, FALLS einem postnatale Depressionen überrollen. Denn wenn erst mal da drinnen, wird es schwer, noch pro-aktiv nach Hilfe zu suchen und so was dauert ja auch...

Leider stimmen deine Angaben ja nicht, ich bin sicher, du bist nicht männlich. Falls du aber wirklich erst 23 bist, kannst du vielleicht auch in eine Wohngruppe für junge Mütter gehen.
Beim Jugendamt gibt es auch Unterstützung in Form von Familienhilfe und ähnliches.
Man könnte auch schon mal vor Ort einen Therapeuten suchen, es dauert sehr, sehr lange um Therapieplätze zu kriegen, je früher man anfängt, um so besser. Falls man ihn hinterher nicht braucht, um so besser!
Wenn man länger drüber nachdenkt, fällt einem sicherlich noch ganz viel mehr ein, über das man sich im Vorfeld mal INFORMIEREN und GEDANKEN machen könnte für den Worstcase.

Ich kann Sinerellas nur beipflichten: Das mit der Vorfreude auf das Baby oder das große, große Mutterglück bei der Geburt ist oft nichts weiter als ein Ammenmärchen. Frau glaubt, es müsse so sein. Selbst wenn es nicht so, würde sie es nicht zugeben. Darf man es auch nicht laut aussprechen. Das gehört sich nicht. Man habe sich gefälligst zu freuen. Aber das ist Quatsch! Es ist, wie es ist. Und auch als Mutter ist man nun mal KEINE Heilige, sondern bleibt immer auch Mensch, mit Schwächen und Stärken.
"Breathe. Focus. Go."


cinikus
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 18:28

Vielleicht hilft dir ja das: Meine Schwester hatte auch Probleme, sich auf das Kind zu freuen. Für sie fühlte es sich an, als wachse ein Alien in ihrem Bauch. Ja, mitunter so gruselig nahm sie es wahr.
Aber nach der Geburt, als sie das Zwutschgerl das erste Mal in die Hände nahm, es das erste Mal sah, hat sie sich verliebt. So hat sie es beschrieben. Da sind total die Gefühle reingeknallt und sie war in einem richtigen Glückshormonrausch. Dass so was möglich sein könnte, hätte sie nie erwartet.
Ist vielleicht nicht immer so, was weiß ich schon, aber auch das gibt es und ist eine mögliche Zukunft. Ich glaube, Gefühle in Sachen Mutterschaft und Schwangerschaft sind extrem Tabubeladen. Das Gesellschaftsbild und die damit verbundenen Erwartungen sind reines Glück. Ich unterstelle aber, dass das in dieser reinen Form bei keiner werdenden Mutter vorkommt, und sämtliche Zweifel rauf und runtergespielt werden. Warum ich das denke? Weil meine Schwester mit ihren Gefühlen dahingehend sehr offen umging und sich nicht um Tabus scherte. Und siehe da, all die anderen Mütter wurden ob ihrer Offenheit selbst ebenfalls offener und haben zugegeben, dass auch sie mit diversen negativen Gefühlen zu kämpfen hatten und immer wieder kämpfen. Das finde ich normal. Himmel, es ändert sich so verdammt viel mit einem Kind, es wäre eher seltsam, wenn einem das keine Angst und allein Freude bereite. Weil das würde ja bedeuten, das bisherige Leben wäre so sch***e, dass jede gravierende, grundlegende Änderung Willkommen ist. Und das wäre keine gute Grundlage.
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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Claude
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 19:13

Ich hätte gerne ein Baby aber aus verschiedenen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in nächster Zeit eins haben werde sehr gering und deshalb komme ich mit solchen Threads nicht klar. Empfinde Wut darüber.
Deutschland ist ein Sozialstaat, Eltern werden unterstützt übrigens auch alleinerziehend. Ich verstehe die Sorgen der TE nicht. Sie soll froh sein, dass das Schicksaal ihr ein Baby gibt und dem Baby wird es nicht schlecht gehen.

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Philosophia
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 19:40

Ist ne Unverschämtheit, Claude, du weißt nicht, ob es dir nicht auch so gehen könnte, wenn du dann schwanger wärst. Die TE wollte sich auch nicht so fühlen und sie ist verzweifelt. Wegen solcher Engstirnigkeit wie deiner schweigen Mütter und töten womöglich ihr Baby oder sich oder sonst was. Es ist wichtig, dass das gesagt werden darf (also, dass eine Mutter sich so fühlt)!
Ich kann verstehe, dass es dir zu schaffen macht, dass es bei dir nicht klappt, aber deswegen dein Gefühl so auf alle zu übertragen, finde ich es schwierig!
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Kaonashi
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Beitrag Fr., 06.09.2019, 21:26

Das ist nicht unverschämt, das sind Gefühle. Ich hatte kurz dasselbe gedacht, nur habe ich keinen so starken Kinderwunsch bzw. eigentlich gar keinen. Aber trotzdem. Wenn man etwas entbehrt, jemand anders hat es und lamentiert darüber, dann ist es natürlich, dass man das nicht gleichmütig wahrnimmt. Ich finde, das darf man auch mal sagen, auch wenn es für die TE nicht hilfreich ist. Ich hoffe, wir müssen jetzt nicht 30 Seiten darüber streiten. Ich wollte nur Claude mal schnell in Schutz nehmen.