Kontaktabbruch Mutter - Schuldgefühle

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mental1978
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Kontaktabbruch Mutter - Schuldgefühle

Beitrag Fr., 05.02.2021, 22:39

Meine Mutter ist depressiv, suchtgefährdet, narzisstisch veranlagt und krank (Herz, Kreuz und Lunge). Das ganze hat schon in meiner Kindheit begonnen und schon von klein auf wurde mir beigebracht lieb zu sein dann würde es der Mama besser gehen. Mein Vater hat mitgemacht. Wenn ich was gesagt hab was ihr nicht gepasst hat bekam sie einen Anfall, hat mit Liebesentzug gedroht, mir gesagt ich wäre kein liebes Kind und mein Vater hat sich auf ihre Seite gestellt und mich gefragt was ich schon wieder angestellt hätte. Sie hat öfter mit Liebesentzug gedroht und ich hab dann gebettelt dass sie mich lieb haben soll und ich dafür ganz brav sein werde.

Dazwischen war sie eine liebe Mutter was ich mich erinnern kann (vieles verblasst) die mit mir wandern ging und skifahren. Aber immer wieder wurde sie zu einer angstmachenden Frau welche plötzlich völlig ausflippte und so getan hat als würde sie auf mich losgehen. Sie hat mich nie wirklich geschlagen aber ich dachte immer sie würde es tun. Nur 1x hat sie ein Messer nach mir geworfen da war sie nervlich fertig. Es ist nix passiert. Später als ich älter war hat sie begonnen mich zu demütigen. Ich wäre zu dick, hätte keine Freunde, wäre eigen und schwierig, würde keinen Sport machen nur in meiner Phantasiewelt leben und fernsehen und andere würden es doch auch schaffen abzunehmen usw (ich war nicht dick nur kräftig aber sie hatte immer Modelmaße). Sie hat mir gesagt ich wäre kalt und herzlos weil ich sie nicht so lieben könnte wie sie es wollte (ich konnte es einfach nicht, da war schon zu viel kaputt gegangen) Und sie hat mir immer und immer wieder das Gefühl gegeben wenn ich mich mal wehrte ich sei diejenige die Schuld hätte.

Ich hatte wirklich ein schweres Leben, war EXTREM schüchtern bin 3x an Alkoholiker geraten, einer davon hat mich geschlagen. Ich hatte 1 Jahr eine Esstörung wo ich nur mehr Brei schlucken konnte. Ich nehme seit 2007 Antideppressiva und hatte schon einige Therapien. Gerade habe ich wieder eine Psychologin aufgesucht. Als sie davon erfuhr meinte sie ich solle nicht über meine Kindheit reden. Sie meinte auch dass meine ehemalige Therapeutin viel zwischen ihr und mir kaputt gemacht habe. Gott sei Dank hab ich seit vielen Jahren eine gute Ehe (ohne Kinder, mein Wunsch) Auch meinen Mann machte sie runter, nicht direkt sondern nur bei mir. Zu allen anderen war sie immer ein Engel außer zu mir.

Und nun zu meinem Problem. Wieder einmal hab ich mit ihr Schluss gemacht und nur 1 Tag später fühl ich mich so schlecht als würde ich sie umgebracht haben. Es ist als könnte ich nicht mit der Frau aber auch nicht ohne sie leben. Aber ich glaube ich gehe kaputt wenn ich mich nicht endlich löse. Nur was wenn sie jetzt kaputt geht? Sie hat schon mal ein Kind (bei der Geburt) verloren. Nur ich kann mit der Frau nicht mehr. Auch wenn sie jetzt nicht immer nur schlecht zu mir war in letzter Zeit ich spüre in jeder Stimmlage, jedem Wort von ihr einen Vorwurf. Ich hab ihr schon öfter gesagt ich könne nicht mehr und bräuchte eine Pause und immer wieder hat sie gemeint ich wäre die Schwierige und hat mir so viel Schuldgefühle eingejagt dass ich sie wieder reumütig in mein Leben gelassen hab. Aber ich will es jetzt durchziehen. Hab sie sogar blockiert so dass sie mich nicht anrufen kann und nicht schreiben kann.

Warum fühl ich mich trotzdem schlecht? Ich hab keinen Fehler gemacht. Meine Therapie ist wieder am 9.2. aber bis dahin, kann mir irgendjemand sagen dass es normal ist sich so zu fühlen. Ich hab so Angst dass ich einen Rückzieher mache aber dann gehe ich kaputt. Ich habe ihr eine kurze aber böse Nachricht hinterlassen als ich gestern den Kontakt abgebrochen hab. Ich kann eh nicht mehr zurück warum glaub ich ich muss? So muss sich kalter Entzug anfühlen. Hat die Frau so viel Macht über mich? Ich hoff ich komme los.

(Hinweis Admin: Betreffzeile im Sinne der Lesbarkeit etwas verkürzt)
Zuletzt geändert von Tristezza am Sa., 06.02.2021, 14:39, insgesamt 1-mal geändert.


Wild Mustang
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Beitrag Fr., 05.02.2021, 22:45

Nein, du hast keinen Fehler gemacht.

Es ist auch im Grunde ganz normal, dass du dich dennoch damit erstmal nicht gut fühlst. Das wird aber vergehen, da muss man durch.

Gruß

Mustang
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candle.
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Beitrag Sa., 06.02.2021, 01:43

Hallo,

hast du es denn mal zum Thema in Therapie gemacht? Habt ihr den Kontaktabbruch vorbereitet? Und warum nicht erstmal "nur" distanzieren, dann wäre der Druck wohl nicht so hoch?

So eine Hauruckaktion kann nicht gut gehen und würde das wirklich vorher vorbereiten, denn es gibt ja auch andere Möglichkeiten die dich nicht so drangsaliert von deiner Mutter fühlen lassen. Da müßtest du aber sehr viel an dir selbst arbeiten um deiner Mutter nicht mehr wie ein Kind, sondern als eine erwachsene selbstewußte Frau zu begegnen.

LG candle
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saffiatou
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Beitrag Sa., 06.02.2021, 04:37

Meine Mutter ist ähnlich und ich habe eingesehen, dass nur ein Kontaktabbruch mir hilft und gut tut. Das ist inzwischen fast zehn Jahre her und es ist gut so, meistens. Die erste Zeit ist enorm schwer und immer wieder haben meine Eltern versucht mich unter Druck zu setzen, aber ich spüre dann, wie schlecht es mir geht und wieviel freier ich ohne sie bin. Eine Therapie machst du ja und die hilft dir sicher über diese Zeit hinweg,

Ein Tipp, beim Text bitte Absätze einfügen, das erleichtert das Lesen enorm.
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Beitrag Sa., 06.02.2021, 10:44

candle. hat geschrieben:
Sa., 06.02.2021, 01:43
Hallo,

hast du es denn mal zum Thema in Therapie gemacht? Habt ihr den Kontaktabbruch vorbereitet? Und warum nicht erstmal "nur" distanzieren, dann wäre der Druck wohl nicht so hoch?

So eine Hauruckaktion kann nicht gut gehen und würde das wirklich vorher vorbereiten, denn es gibt ja auch andere Möglichkeiten die dich nicht so drangsaliert von deiner Mutter fühlen lassen. Da müßtest du aber sehr viel an dir selbst arbeiten um deiner Mutter nicht mehr wie ein Kind, sondern als eine erwachsene selbstewußte Frau zu begegnen.

LG candle
Distanzieren hat nie funktioniert.


Wild Mustang
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Beitrag Sa., 06.02.2021, 10:50

Jede Trennung erzeugt halt Trennungsschmerz.

Aber auch die Einsicht, dass die eigene Mutter nichts taugt, ist nicht einfach.

Aber ohne diese Trennung wird man immer nur Mamas Kind bleiben. Was diese Sorte Mutter auch erreichen will. Die Tochter muss unten gehalten werden, damit die Mutter oben bleiben kann.

Gruß

Mustang
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Beitrag Sa., 06.02.2021, 10:56

saffiatou hat geschrieben:
Sa., 06.02.2021, 04:37
Meine Mutter ist ähnlich und ich habe eingesehen, dass nur ein Kontaktabbruch mir hilft und gut tut. Das ist inzwischen fast zehn Jahre her und es ist gut so, meistens. Die erste Zeit ist enorm schwer und immer wieder haben meine Eltern versucht mich unter Druck zu setzen, aber ich spüre dann, wie schlecht es mir geht und wieviel freier ich ohne sie bin. Eine Therapie machst du ja und die hilft dir sicher über diese Zeit hinweg,

Ein Tipp, beim bitte Absätze einfügen, das erleichtert das Lesen enorm.
Oh tut mir leid wg Textabstand, danke für den tip und deine Worte

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Beitrag Sa., 06.02.2021, 11:24

Dass alles auf einmal so schnell ging war weil ich plötzlich nicht mehr konnte und in diesem Moment am liebsten das Land gewechselt hätte damit sie mir nie mehr was sagen kann. Der Druck war einfach so groß und nach unserm letzten Telefonat hab ich geschrien.

Es war nicht was sie gesagt hat, bis auf dass ich reizbar bin, sie ja so allein (stimmt NICHT sie hat Freunde die sie trotz Corona trifft) und sie hat Milliarden Freunde das sagt sie auch immer (Sei froh dass ich so viele Freunde hab die sich um mich kümmern usw bla bla bla) ich solle doch meinem Mann was kochen, ich soll meine Tante anrufen und die andere besuchen und ich solle nicht immer Angst haben (ich hab in paar Wochen eine Gabärmutterentfernung weil da Zellenveränderung ist) Diesmal hat sie mich nicht beleidigt oder so.

Was also VIEL schlimmer war WIE sie es gesagt hat. Dieses leidvolle dieses Gejammere dieses Anklagende in jedem Satz dieses ach ich weiß auch nicht wie ich es beschreiben soll, ich kenn den Tonfall seit meiner Kindheit. "Mit geht es nicht gut, jetzt musst Du da Mama wieder viel helfen und lieb sein" "Jetzt darfst du sie nicht aufregen"

Ich bin danach echt explodiert. Und was ich vergessen hab zu schreiben. Ich hab zwar einen Kontaktabbruch gemacht. Aber ich hab geschrieben ich brauche eine Pause.

In letzter Zeit hat sie mir auch immer wieder gesagt wer nicht aller bei ihrem Begräbnis singen, reden und spielen soll. Und ich besuche sie schon lange nicht mehr (nur sie war ab und zu bei uns) aber sie hat immer wieder versucht mich zu ihr zu locken damit ich unterschreib dass ich was von ihren Goldbarren haben kann wenn sie tot ist. Ehrlich gesagt, ich brauch ihr Geld nicht. Ich glaub sie versucht mich damit zu erpressen dass ich Angst hab sie stirbt. Aber von andern weiß ich dass sie zwar krank ist aber so weit is no lang nicht. Das sagt auch mein Mann.

Danke für Eure Antworten. Ich hab eh bald meine Psychologin und da reden wir dann drüber. Nur mein Druck und Leid war in diesem Moment so groß dass nichts anderes mehr möglich war ich wäre wohl zersprungen und das bringt dann auch nix.

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inlines
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Beitrag Do., 11.02.2021, 21:32

Wenn ich das alles so lese, frage ich mich, warum deine Mutter so ist, wie sie ist. Hast du sie jemals gefragt, wie ihre Kindheit war, und ob sie bei den eigenen Kindern etwas besser machen wollte?

Ich schätze es ist für die meisten Erwachsenen schwer, die Kinder in diese Welt zu entlassen. Sie predigen dann täglich ihre Sprüche, weil sie glauben, dass dies helfen würde, und nicht um den Kindern ihr Leben zu versauen. Vielleicht machst du das sogar selbst, wenn deine Kinder Teenies sind. Möglicherweise ist das alles nur eine Form der elterlichen Selbstberuhigung. Reine Bosheit oder teuflisches Ansinnen hier zu vermuten, ist für mich sehr dramatisiert.

Was auch ein Gesichtspunkt ist, ist deine Erkrankung. Womöglich geben sich diese die Schuld daran. Wehren diese Wahrheit aber vielleicht ab, weil sie das nicht verkraften könnten. Wenn mein Kind jahrlang wegen irgendetwas leiden müsste, ich würde verrückt werden vor Sorge. Aber dieses verrückt werden hilft ja nichts, wenn man eigentlich Klarheit und klärende Gespräche braucht - Gespräche in den sich gleichberechtigte offen gegenüberstehen, und die Fragen stellen, die einen wirklich interessieren, und Themen ansprechen, die dem Gegenüber wehtun, ohne dabei ausfällig oder beleidigend zu sein. Kommt diese Klärung nicht zu stande, ist es schwer zusammen zuhalten. Wichtig ist glaube ich auch, dass man damit umzugehen lernt, dass auf Gottes schöner Erde jeder Mensch seine eigene Wahrnehmung hat, und immer Differenzen bestehen bleiben.

Ich wünsche dir, dass du zur Ruhe kommst, und den Weg gehst, der dir gut tut und der dir richtig erscheint.

FG Inlines

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Beitrag Fr., 12.02.2021, 10:10

Glaube mir Gespräche habe ich schon oft genug versucht. Egal, du kannst es nicht verstehen, dazu musst du es selbst erlebt haben oder therapeut sein.

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Philosophia
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Beitrag Fr., 12.02.2021, 13:11

inlines hat geschrieben:
Do., 11.02.2021, 21:32
Wenn ich das alles so lese, frage ich mich, warum deine Mutter so ist, wie sie ist. Hast du sie jemals gefragt, wie ihre Kindheit war, und ob sie bei den eigenen Kindern etwas besser machen wollte?
So was ist echt das Letzte, was man in so einer Situation wie die TE brauchen kann. Kein Kind bricht aus Spaß den Kontakt zur Mutter ab. Und gerade die Kinder von solchen Müttern haben sich von morgens bis abends anhören müssen, wie schlimm sie es hatten... :kotz:
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer


Waldschratin
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Beitrag Fr., 12.02.2021, 16:27

mental1978 hat geschrieben:Was also VIEL schlimmer war WIE sie es gesagt hat. Dieses leidvolle dieses Gejammere dieses Anklagende in jedem Satz dieses ach ich weiß auch nicht wie ich es beschreiben soll, ich kenn den Tonfall seit meiner Kindheit. "Mit geht es nicht gut, jetzt musst Du da Mama wieder viel helfen und lieb sein"
Ich kenne diesen Tonfall und die ganze Ausdrucksweise nur zu gut von meiner Mutter.

Gleich mal ne "Warnung" vorneweg : Ich finde da sehr! deutliche Worte!

Was deine Mutter da Zeit deines Lebens betreibt, war und ist emotionaler Missbrauch.
Und wie jeder Missbrauch "bindet" er das Opfer auf ungute Weise an den Täter.

Hast du schon mal was vom Stockholm-Syndrom gehört? So ähnlich läuft es beim emotionalen Missbrauch zwischen Eltern und Kind auch. Nur, dass es die Eltern da umso leichter haben, weil das Kind keine Wahl hat und abhängig ist.

Ich finds toll, dass du jetzt mal ganze Sache gemacht hast!
Und glaube dir rundweg, dass es da keine "Zwischenstufen" hat geben können. War bei meiner Mutter ähnlich. Sie hat sich sogar noch von mir und meinen Reaktionen "genährt", als ich schon hunderte Kilometer weit weg von zuhause gelebt hab und den Kontakt eingestellt hatte zu ihr.

Die Schuldgefühle, die du jetzt hast, kenne ich auch nur zu gut.
Ich hab mir da von Anfang an geholfen mit "umgekehrter Denke" : Überleg mal, hast du je deiner Mutter irgend etwas recht machen können?
Warst du nicht sowieso immer die Böse, die Versagerin, die nur die Mutter zu quälen und zu nerven im Sinn hatte in der Wahrnehmung deiner Mutter?

Als ich das mal erkannt hatte, hab ich beschlossen, ich liefere ihr jetzt auch mal tatsächlich das, was sie eh von mir annimmt und denkt und wie sie mich sieht. Ich mache ihr mal tatsächlich das fiese Monster, das sie verstößt und sich nicht nach ihr umschaut und das alles kalt lässt, was sie angeht etc.
Das hat die Schuldgefühle etwas abgefangen, bis ich mich dran gewöhnt hatte.

Wenn deine Mutter dich "kriegen" will mit allerhand Sachen wie z.B. was du nach ihrem Tod alles veranlassen sollst, würde ich ihr einfach sagen : Regle das doch selber, jetzt, in deinem Sinne! Ich will damit nichts zu tun haben, das kannst du selber! (Macht jedes Beerdigungsinstitut, man kann Rechtsanwalt und Notar einschalten und und und).

Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst, dich aus den (emotionalen) Fängen deiner Mutter freizumachen! Ich weiß, wie schwer das ist, denn diese "Fänge" sind wie klebrige Fäden einer fetten Spinne, die nur drauf wartet, dass du an einem kleben bleibst, damit sie dich "einwickeln" und dann gepflegt "aussaugen" kann.

Mitleid hab ich mit deiner Mutter übrigens nicht. Auch wenn sie mit Sicherheit ihr eigenes Päckchen im Leben mitbekommen hat und bestimmt ne ausgefeilte psychische Diagnose ihr eigen nennt.
Das ist ein Grund für Verständnis. Aber deine Mutter hatte zu keinem Zeitpunkt deshalb das Recht und jetzt eine Entschuldigung dafür, dass sie nicht anders mit dir umgegangen ist!
Sie hätte selber zig Möglichkeiten gehabt : Sich Hilfe holen, Unterstützung, selber Therapie machen und und und.
Sie hat es aber sich leicht gemacht und dich als Fußabstreifer ihres eigenen Seelendrecks hergenommen.
Da erübrigt sich jegliches Mitleid, Verständnis oder Nachsicht für mich.
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch
Karl Valentin

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candle.
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Beitrag Fr., 12.02.2021, 17:17

Philosophia hat geschrieben:
Fr., 12.02.2021, 13:11
inlines hat geschrieben:
Do., 11.02.2021, 21:32
Wenn ich das alles so lese, frage ich mich, warum deine Mutter so ist, wie sie ist. Hast du sie jemals gefragt, wie ihre Kindheit war, und ob sie bei den eigenen Kindern etwas besser machen wollte?
So was ist echt das Letzte, was man in so einer Situation wie die TE brauchen kann. Kein Kind bricht aus Spaß den Kontakt zur Mutter ab. Und gerade die Kinder von solchen Müttern haben sich von morgens bis abends anhören müssen, wie schlimm sie es hatten... :kotz:
Ich finde das nicht das Letzte! Ich finde es ganz toll, wenn Familien gemeinsam neu zusammen finden können. Dass das nicht überall funktioniert, dürfte auch klar sein.

Ich persönlich finde es dann auch einfach zu wenig, wenn man selber klarkommen will, sich nicht auch mit dem Aufwachsen der eigenen Eltern zu beschäftigen und zu gucken warum sie so geworden sind um auch da ein bißchen Verständnis aufzubringen. Schließlich tragen wir auch von denen gute und schlechte Eigenschaften mit uns herum.

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Philosophia
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Beitrag Fr., 12.02.2021, 18:28

candle. hat geschrieben:
Fr., 12.02.2021, 17:17
Ich persönlich finde es dann auch einfach zu wenig, wenn man selber klarkommen will, sich nicht auch mit dem Aufwachsen der eigenen Eltern zu beschäftigen und zu gucken warum sie so geworden sind um auch da ein bißchen Verständnis aufzubringen. Schließlich tragen wir auch von denen gute und schlechte Eigenschaften mit uns herum.
Jo, dann hast du offenbar noch nicht erlebt, dass es immer noch ein Zacken schlimmer geht. Ich kenne die Story meiner Mutter in- und auswendig. Ich weiß, warum sie so wurde, wie sie ist - aber das gibt ihr nicht das Recht toxisch und missbräuchlich zu sein, immer und immer wieder! Jemand, der den Kontakt zu seiner Mutter abbricht, hat mit ihr die Hölle erlebt, die du offenbar nicht kennst, wenn du so urteilst! Ich finde es auch schön, wenn Familien wieder zusammenfinden, wenn es möglich ist, an Konflikten zu arbeiten. Wenn dem aber nicht so ist, dann muss man sich schützen - das nennt sich Selbstverantwortung! Hier gehts nicht um gute und schlechte Eigenschaften, hier gehts um Gift! Und das letzte, was man braucht, wenn man eeeendlich die Entscheidung getroffen hat, zu gehen, solche Worte á la deine Eltern hatten es auch schwer, versteh sie doch. :mad:
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Beitrag Fr., 12.02.2021, 18:39

Danke Philosophia!

Ich bin immer wieder entsetzt, wie sehr Eltern geschont und ihr Handeln entschuldigt werden. Für die Kinder bringt niemand Verständnis auf, es muss das Bild der „guten heiligen Familie“ erhalten bleiben. Ich kann auch mit Abstand herausfinden, warum meine Mutter, Vater etc sich so verhalten haben und gleichzeitig ihnen die Verantwortung überschreiben, die sie hatten und nie bereit zu tragen waren. Es bringt nichts immer wieder zu hoffen, dass sich etwas ändert, den dazu müssten die Eltern erst mal wirklich bereit sein, zu erkennen, was sie ihren Kindern angetan haben. Es verlängert nur das Leiden.
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