Ich fühle und lebe.

Dieser Bereich ist speziell Erfolgsberichten und positiven Erfahrungen in und durch Psychotherapien gewidmet. Wie war es und was hat Ihnen geholfen? Lassen Sie uns positive Erfahrungsberichte sammeln, die Mut machen.

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montagne
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Ich fühle und lebe.

Beitrag Mi., 18.01.2012, 11:21

Ich glaube der Kern ist, durch meine Therapie bin ich der Mensch geworden, den ich okay finde, den ich oft annehmen kann. Ich führe das Leben, das ich leben will.
Das kann ich mit Gewissheit sagen, auch wenn ich meine Therapie zum Zeitpunkt des Schreibens noch läuft.

Ich habe in der Therapie Vertrauen wiedergefunden oder überhaupt gefunden. Ich meine damit ein wirkliches Urvertrauen. Vertrauen darauf, dass die Welt mehr gut ist als böse. Vertrauen, darin dass ich (soziale) Situationen gestalten kann, dass sie überhaupt gestaltbar sind. Glaube an das Gute im Menschen (obwohl ich das Schlechte und Schreckliche sehr deutlich gesehen habe). Vertrauen in mich und meine Gefühle.

Meine Therapeutin war oft für mich da. Manchmal wird einem etwas geschenkt im Leben, hat sie mal gesagt. Ich denke mir wurde u.a. dies geschenkt. Eine zweite Chance auf mein Leben. Sie hat mir das geschenkt und irgendwo war auch Glück dabei. Mir ging es so schlecht damals, ist schon sehr lange her. Ich habe paar Therapeuten angerufen und sie gab mir einen Termin wenige Tage später. Ich habe nie eine andere Therapeutin gesehen. Ich bin da gleich geblieben.

Ich habe meine Würde wiedergefunden. Ich habe Liebe wiedergefunden. Ich kann lieben und respektieren. Und ich kann es annehmen und fühlen geliebt zu werden. Kann es fühlen situativ angenommen zu werden, kann andere situativ annehmen wie sie sind. Nicht immer, aber immer öfters.

Die therapeutische Beziehung war bei mir ein ziemliches Auf und Ab, holprig, verkrampft, etwas wild und wirr kann man auch sagen. Es flogen unschöne gesprochene Worte, Briefe und auch Stifte, von beiden Seiten. Tränen, Wut, Verzweiflung, Ängste, Trauer, meinerseits. Auch ein vorläufiger Abbruch. Bin dann aber offenbar doch wieder hingegangen.

Aber es gab auch das Glänzen in ihren Augen, wenn sie mich ansah, Wohlwollen, Bemühen. Vor allem war sie immer wieder da. Ich konnte Lernen, das Beziehungen auch ernsthafte Streits überleben. Sowohl in mir, als auch in anderen.

Es heißt ja, je nach dem wie „satt“ man in der Kindheit wurde an Liebe, an verstanden werden, an angenommen sein, „Mutters Augenstern“ sein, umso gelassener kann man als Erwachsener mit Situationen umgehen, in denen man mal nicht gemocht, verstanden, angenommen und besonders ist.
Früher fiel mir sowas sehr schwer. Habe mich dann oft zurückgezogen.
Jetzt merke ich mehr und mehr, es ist okay, es geht. Und das lässt mich lockerer und freundlicher, weniger misstrauisch auf andere zugehen. Ich kann mich positiv einlassen, aber auch mal streiten, Kontra geben, für mich einstehen, ohne unbewusst panische Angst zu kriegen, das Lebenselixier Verbindung, Zuneigung, verstanden werden zu verlieren. Ich kann anderen das geben, kann da freimütiger sein, weil ich mich viel weniger „zu kurz gekommen“ im Leben fühle.
Nicht immer, aber oft genug.
amor fati

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carö
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 12:03

so schön, liebe montagne. danke fürs teilen!

kann mich noch so gut an diese schweren zeiten erinnern, an deine und meine... das ringen um vorankommen, um annahme, verstehen... um weniger misstrauen, weniger wut, mehr zuversicht und vertrauen.

es hat sich gelohnt!
einfach schön!
Es ist krass, was man erreichen kann, wenn man sich traut. (Aya Jaff)

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Elfchen
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 12:28

ja, es hat sich gelohnt, war harte arbeit, du hast es mit so viel ausdauer, bravour und zielstrebigkeit verfolgt, dieses ziel.

ich gratuliere dir, von ganzem herzen!

es geht mir grad sehr ähnlich, wenn auch mit etwas mehr kampf noch, was die eigene würde und den respekt angeht. aber es geht vorwärts.

danke dir, danke von herzen!
Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben. Epiktet


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montagne
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 13:10

Danke ihr zwei!
Ja carö, ich habe auch dran denken müssen...
Es war oft hart, aber wie kann es das nicht sein? Es sind so grundlegende Dinge, tief in einem drin. Das kaputt geschlagene, das nie da gewesene, es muss ein Stück weit weichen, sich wandeln in etwas heiles und etwas erfüllendes, substanzielles.

Danke liebes Elfchen. Ich wünsche auch wirklich jedem von Herzen, dass er dieses Geschenk, wenn es ihm in der Kindheit nicht vergönnt war, so eben nochmal zu erleben. Eine Chance zu bekommen daran zu arbeiten.
Ich will Mut machen, weil es eben wirklich nicht einfach ist, aber es lohnt sich, aber Hallo!

Der Kampf, ich glaube von dem wird niemand je ganz frei sein. Ist okay, finde ich, für mich. Mein Weg geht ja auch noch weiter, jetzt in der Therapie und auf absehbare Zeit eben anders. Aber weiter geht es, denke ich, bis zu meinem Ableben.
amor fati

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Mary-Lou
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 14:10

Liebe montagne,

dein Bericht klingt so schön und gibt einem Hoffnung und Mut. Ich habe diesen ganzen Weg noch vor mir und es war gerade ein schönes Gefühl, deine Worte zu lesen. Ich habe mich sogar dabei ertappt, wie mir ein Lächeln ins Gesicht huschte.

Danke für diese Worte! Und ich freue mich, dass du solche Erfahrungen mit deiner Therapie erleben durftest.

Liebe Grüße
Mary-Lou
Frühling: „Eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit.” (Henry David Thoreau)

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Anne1997
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 18:38

Hallo montagne,

beim Lesen dachte ich nicht nur an Deinen jetzigen Profilnamen, sondern eben auch an "vallée", die da ganz viel durchklingt.
Von "vallée" zu "montagne", schön zu lesen.
Ertappte mich - wie so oft - beim Vergleichen: "jetzt ist die (scheinbar) auch schon so viel weiter, was kann ich denn bieten" - da schwingt wohl etwas "opfrige"
Larmoyanz mit.
Derlei Berichte laden mich zuerst zum "Verurteilen" meinerselbst ein und nein: da kenne ich ja so vieles, da schwingt beim Lesen so viel
eigenes Erlebtes mit und das, was ich von Dir kenne, von Dir im Verlaufe der Zeit so gelesen, gespürt habe.
Da hat sich auch bei mir vieles ereignet, sonst könnte ich ja gar nicht hier so schreiben (oder?). Viele Gefühle ...

"Mensch, Mensch", , klasse! Danke für Deine Zeilen ... ja sie machen Mut und sicherlich viele kennen hier den "Kampf" um sich selbst,
für Heilungsprozesse (der manchmal langsameren Art).

Danke für diese substantiellen Zeilen:
montagne hat geschrieben:Ich kann lieben und respektieren. Und ich kann es annehmen und fühlen geliebt zu werden. Kann es fühlen situativ angenommen zu werden, kann andere situativ annehmen wie sie sind. Nicht immer, aber immer öfters.
In jeder Lebensphase, in vielen Situationen ... ist dies immer wieder neu zu üben, anzupassen usw.

Entschuldige, dass hier jetzt etwas von mir reinschwingt - eigentlich sollte es ein Riesendankeschön an Dich sein! DANKE!
(und, by the way, an so viele, die hier so Wichtiges, Schönes, Heilsames schreiben ...).

Liebe Grüße,
Anne
Zuletzt geändert von Anne1997 am Mi., 18.01.2012, 19:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Lumi
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 19:10

Hallo montagne,

ich lese schon so lange mit und ich finde es wunderbar, was Du hier aufgeschrieben hast.
Endlich mal eine wirklich wirklich positive Stimme und es freut mich sehr zu lesen, dass Du dass alles durch Deine Therapie erfahren und erlernen konntest und kannst!

Mir selber macht das Mut, denn dass was Du dort beschreibst, ist genau das wonach ich suche. Es macht mir Hoffnung, dass der Weg den ich eingeschlagen habe mich doch an mein so herbeigesehentes Ziel bringen kann. Das es richtig ist durchzuhalten und dass ich mich nach einer abgeschlossenen VT nun doch noch in eine Analyse begeben werden. Das es sich einfach lohnt nicht locker zu lassen sondern durchzuhalten. Das es halt möglich ist, all diese Dinge zu finden und zu erlernen.

Danke für diesen post!

Dir weiterhin alles Gut!!!

Lumi


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montagne
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Beitrag Mi., 18.01.2012, 19:35

Hi Anne,
ich glaube jeder geht seinen eigenen Weg. Den hier skizzierten Weg habe ich hinter mir. Was ich in dem bereich vor mir habe, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau, aber ich denke es wird was kommen.

Wovon ich aber weiß, dass ich es noch vor mir habe ist die bessere Integration gewisser Erinnerungen. Auch Auseinandersetzung mit der Generation die mich erzogen hat, mit den konkreten Menschen die es waren. Das liegt noch vor mir, da sind viele andere hier sicher schon viel weiter. Da bin ich echt noch am Anfang. Aber ich bin in der Gewissheit, ich werde da einen für mich befriedigenden Weg gehen. Es ist so eine Sicherheit, die ich eben bekommen habe, das ich zwar tue was ich kann, aber auch darauf vertraue, dass sich alles fügen wird und Sinn machen wird. Ob ich es nun bei dieser Therapeutin mache oder woanders, jetzt oder später.
Okay wir versuchen etwas davon jetzt, aber es ist nicht mehr. Nur ein Versuch. Und auch wenn der nicht gut gelingen sollte (ein bisschen was ist ja schon gelungen, weil wir uns an das Thema angenähert haben), so wird das Gute in mir bleiben, das ich Geschenkt bekommen habe.
Ich denke das ist das wichtigste.
Und wenn das Gute so stabil ist, dass es bleiben kann, dann kanns eigentlich gar nicht schlecht werden, denke ich grad.

@Lumi: Danke. Ich wünsche dir viel Erfolg.
(Ich mache übrigens keine Analyse. Denke aber die Methode ist nicht ausschlaggebend, daher wollte ich das hier nicht extra erwähnen.)
amor fati

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(e)
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Beitrag So., 30.12.2012, 07:32

montagne hat geschrieben:Ich führe das Leben, das ich leben will.
Liebe montagne

Ich hoffe, ich kann das auch einmal von mir sagen. Eigentlich fand ich mich immer okay, da meine Problematik ich-synton ist. Durch die Therapie lernte ich, dass ich zwar okay bin, aber auch wieder nicht. Es ist wie bei jemandem, der einen krummen Rücken hat. Wenn er wirklich geradesteht, fällt er um. Er muss den krummen Rücken gegenkompensieren, um sich aufrechthalten zu können. Irgendwie ist das sehr sinnvoll, aber besser wäre natürlich, man könnte den krummen Rücken begradigen und damit auch die kompensierende Stehhaltung auflockern. Bestimmt gäbe es dann weniger Rückenbeschwerden und der Bewegungsradius wäre größer. Die Einschränkung wäre nicht mehr so groß und das ergäbe wiederum neue Lebensräume.
Lieben Gruß
elana

inaktiv, siehe Link in meinem Profil


Waldschratin
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Beitrag So., 30.12.2012, 08:24

Liebe Montagne,
ich freu mich für dich und mit dir!
Das liest sich wirklich wunderschön und mutmachend!Und auch,wenn du noch die eine oder andere Baustelle vor dir hast,ebenso hast du jetzt aber auch jede Menge Erfahrung drin,daß du was Gutes für dich draus gebastelt kriegst.
Danke fürs Teilen mit uns!
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Ich scheue mich nicht zu sagen, es ist die Wissenschaft für uns Religion geworden
Rudolf Virchow


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montagne
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Beitrag Mi., 23.01.2013, 17:16

Danke! Sehe eure Antworten jetzt erst.

Was ich oben schrieb ist ja auch schon nicht mehr aktuell.
Es hat sich bisher noch vertieft (kann gerne noch tiefer werden). Und ich spüre im leben wirklich ein Mehr an Selbstwertgefühl, an Positivem. In letzter Zeit merke ich, das ich wohl recht positiv auftrete und rüberkomme und das bringt Erfolge.
Etwas, was ich mir auch vor einem Jahr noch nicht so konkret vorstellen konnte.


Baustellen offen, kommt halt drauf an, wie man Baustellen definiert. Für mich sind s solche Dinge, die mich hindern meinen Weg zu gehen und mein Leben so zu gestalten, wie ich es will. Und ich würde sagen, das habe ich nicht mehr. das es dennoch immer was zu tun gibt, auch immer neue Themen auftauchen, klar, bin ja Mensch und das Leben scheint nicht nachzulassen Herausforderungen zu stellen. So isses halt.
amor fati

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raue See
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Beitrag So., 26.01.2014, 19:56

Liebe montagne,
deine Beiträge hier machen wirklich Mut es durchzustehen - vielen Dank!


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montagne
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Beitrag Fr., 21.02.2014, 18:01

Danke raue See.
Heute kam ich hier her und sehe dein Post. In der Tat braucht es Mut, denn ist est.. ja eine raue See... manchmal. Nicht immer, aber manchmal. Zur Zeit ist es wieder rau für mich. Aber ich glaube, ich kann es navigieren.


Wenn ich meine Posts hier lese, fühle ich, erinnere ich, wer ich war, vor einem und vor zwei Jahren. Da war ich ein anderer Mensch als jetzt. Ich bin ich, aber ich war doch ein anderer Mensch damals. Ich habe mich tiefer kennen gelernt seit dem. Es sind schwierige Aspekte, schwierige Anteile. Dennoch glaube ich, es ist gut so. Nur was man bewusst hat, kann man verändern oder eben bewusst damit umgehen und dem nicht mehr ausgeliefert sein.
Wenn auch in ganz kleinen Schritten für mich, ich glaube ich werde immer aktiver im Umgang mit mir. In den letzten zwei Jahren ist in jedem Jahr mehr aktiver Umgang hinzu gekommen. Weil ich mich halt besser kennen gelernt habe.

Allerdings muss ich auch sagen, je mehr ich über mich lerne, umso mehr merke ich, was wirklich noch irgendwo problematisch ist. Gut ist aber wiederum, dass ich meistens das Gefühl habe, ich werde damit umgehen können, auch über meine Therapiezeit hinaus.
amor fati