Vor Absturz bewahren

Dieser Bereich dient zum Austausch über Entzug, Entwöhnung und Therapie von substanzbezogenen Abhängigkeiten (wie Alkohol, Heroin, Psychedelische Drogen, Kokain, Nikotin, Cannabis, Zucker,..)
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look
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Vor Absturz bewahren

Beitrag Mi., 07.08.2019, 19:16

Hallo
eins vorweg , Ich trinke auch Alkohol in Maßen (wein/bier/kein Schnaps) und will kein Moralapostel sein.
Bei uns in der Kneipe treffe ich mich öfter Mal, es artet eigentlich nie aus, da ja fast alle Berufstätig sind.
Vor einen guten Jahr tauchte ein Gast auf, der erst sporadisch da war, dann öfter und nun täglich da ist. Die Trinkmenge war beachtlich und wurde stetig gesteigert. Er zeigt schon typische Merkmale aufzudunsen . Hab mal mitgezählt... er dürfte bei seinem Körperbau so täglich bei 2,5 -3,2 Promille liegen, kann sich dann auch noch klar artikulieren. Er wird hofiert ,, da er einiges ausgibt, was natürrlich den Wirt freut. Jetzt hat er auch noch eine Freundin gefunden die seit nuestem wieder trinkt und ihn auch noch ermuntert indem sie nicht gegenwirkt. Ich dachte erst, sie wäre gut für ihn. So sieht das schon fast nach Koabhängigkeit aus, was nicht der Plan war.
Wenn ich mal was anmerke bzgl. der Trinkmenge, bin ich gleich der Miesmacher bei meinen Bekannten, was ich schon bedenklich finde. Auch seine Freunde lassen das so laufen.
Ich möchte mich da jetzt nicht als der Moralapostel oder Miesmacher hinstellen, aber so geht der Mann den Bach runter.
Wie kann ich das ansprechen ohne Groll auf mich zu ziehen.
Oder soll ich das einfach laufen lassen,nicht nachhaken , bis es sich erledigt ?


Danke im Voraus


cinikus
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Beitrag Mi., 07.08.2019, 19:46

look hat geschrieben:
Mi., 07.08.2019, 19:16
Wie kann ich das ansprechen ohne Groll auf mich zu ziehen.
Einmal abgesehen von der Frage, was du von einem Wildfremden willst, wirst du bei diesem Thema IMMER Groll auf dich ziehen. Ob es der Ehepartner ist, ein Elternteil, ein Kind, ein Enkelkind, Geschwister, Geliebte, Onkeln, Tanten, Neffen, Nichten, beste Freunde, Bekannte, Kollegen ... mir fiele keine einzige Konstellation ein, in der dieses Thema völlig grollfrei angesprochen werden könnte. Wirklich. Selbst in tiefster Liebe und echter Sorge angesprochen, endet es immer in einem emotionalen Drama, bis hin zu Streit. Mir wäre bislang jedenfalls kein Fall bekannt, in dem der Betroffene sofort einsichtig und kooperativ gewesen wäre. Am Anfang fühlt er sich immer angegriffen, dann kommt der Selbstschutz, nicht selten mit Schuldzuweisungen.
Und dann eben die Frage, die ich vorerst unter den Tisch fallen ließ: Er ist ein Fremder, wenn ich das richtig lese. Was genau bringt DICH dazu, das ansprechen zu wollen? Was kümmert es DICH? Und frage dich, wie du reagieren würdest, wenn ein Fremder auf dich zukommt und dir eine Abhängigkeit unterstellt. Selbst, wenn du abhängig wärst ... wäre dir nicht suspekt, was diesen Fremden veranlasst, sich in dein Leben einzumischen?
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Pianolullaby
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Beitrag Mi., 07.08.2019, 20:22

kannst Du nicht, du wirst dabei immer der .... sein, denn es ist schlicht sein eigenes Verhalten,
und er kann es damit halten wie ihm beliebt.
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look
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Beitrag Do., 08.08.2019, 19:59

cinikus

So fremd ist er ja mittlerweile nicht mehr , ich sehe nur dass er immer weiter absackt.
Vom finanziellen mal abgesehen.
Ich kenne mittlerweile auch Gründe für die Sauferei und ich weiss dass es in seinem Job schon Gespräche gab.
Daran hindern kann ich ihn nicht, aber seine "besten Freunde" die ihn auch noch ermutigen anstatt mal mit ihm zu reden, sollten sich vielleicht mal Gedanken machen.

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 08.08.2019, 20:15

look hat geschrieben:
Do., 08.08.2019, 19:59
Daran hindern kann ich ihn nicht, aber seine "besten Freunde" die ihn auch noch ermutigen anstatt mal mit ihm zu reden, sollten sich vielleicht mal Gedanken machen.
Er trinkt vermutlich mit und ohne Ermutigung. Ich finde es auch gut, dass seine Freunde einfach nur seine Freunde sind. Und ihm nicht in SEIN Trinkverhalten reinreden.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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Beitrag Do., 08.08.2019, 23:06

Freunde merken normalerweise wenn was nicht passt.
Ich spreche aus Erfahrung.

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 08.08.2019, 23:24

look hat geschrieben:
Do., 08.08.2019, 23:06
Freunde merken normalerweise wenn was nicht passt.
Ich spreche aus Erfahrung.
Das hat doch auch keiner in Abrede gestellt?
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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look
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 06:20

Aha.
ich würde nem Freund helfen und nicht auch noch unterstützen.
Warten wir ab wann er in der Klinik ist, weil mqan ja offensichtlich wegsehen und sich nicht kümmerrn soll.

Da frag ich mal nen Fachmann.


cinikus
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 09:54

look hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 06:20
Warten wir ab wann er in der Klinik ist, weil mqan ja offensichtlich wegsehen und sich nicht kümmerrn soll.
Das sagt ja auch keiner. Nur, du willst ihn auf seine Sucht ansprechen, ohne Groll auf dich zu lenken. DAS wird nicht passieren. Auch, wenn du sein bester Freund wärst, würdest du mit einer Menge Stress rechnen müssen, wenn du da intervenieren willst.
Das heißt nicht, dass man nicht soll. Nur, dass man da selbst eine dicke Haut und Ausdauer braucht. Es spricht ja nix dagegen, dass du dich zum Punching-Ball seiner Erkenntnis machen möchtest. Nur muss es dir eben klar sein, dass es in seinen Augen erst einmal keine heilige Samaritertat sein wird, sondern eine bodenlose Unverschämtheit. Er mag das anders sehen, wenn er clean ist. Und das kann dauern oder nie passieren.
Oder anders: Jemanden auf eine Sucht festnageln ist erst einmal immer ein undankbarer Job. Eventuell gehen die Freunde den Weg deshalb nicht. Oder sie sind auf demselben Weg wie er in die Sucht. Oder er umgibt sich bewusst mit Saufkumpanen, weil er so seine Sucht kaschieren kann. Vielleicht sind das also gar nicht seine (vormaligen/echten) Freunde, sondern die, die übrig geblieben sind, nachdem ihm die echten Freunde mal ins Gewissen gesprochen haben. Denn ein Freund, der Bedenken hat, wird nicht mit ihm saufen gehen. Also sehr gut möglich, dass er die Freunde, die ihn bereits darauf angesprochen haben, aus seinem Leben gekickt hat. Du kennst ihn ja auch nur in dieser einen Situation und nicht sein 24/7-Leben und alle seine Kontakte. Vielleicht hat er schon ein Dutzend Freunde verstoßen.

Hast du Erfahrung mit Alkoholikern oder Süchtigen anderer Drogen? Wenn nicht, informiere dich wirklich gut, ehe du was tust. Und zwar um DICH zu schützen.
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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Beitrag Fr., 09.08.2019, 10:51

look hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 06:20
Aha.
ich würde nem Freund helfen und nicht auch noch unterstützen.
Warten wir ab wann er in der Klinik ist, weil mqan ja offensichtlich wegsehen und sich nicht kümmerrn soll.
Ich finde du maßt dir da ein bisschen viel an. Vielleicht hat der Freund ihnen bereits erklärt, dass ER SEIN Trinkkonsum in Ordnung findet, und man ihn mit "Hilfsangeboten" verschonen möge.

Und es macht keinen Unterschied, ob er sich zu Hause im Keller die Kante gibt, oder in der Kneipe zu viel trinkt.

Dann ist es doch netter, mit FREUNDEN zusammen zu sein, die man selber ausgewählt hat.
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Malia
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 12:32

look hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 06:20
Aha.
ich würde nem Freund helfen und nicht auch noch unterstützen.
Warten wir ab wann er in der Klinik ist, weil mqan ja offensichtlich wegsehen und sich nicht kümmerrn soll.

Da frag ich mal nen Fachmann.
Ich finde es gut, dass du dir Gedanken um das Wohl eines Mitmenschen machst.
Leider ist es so, dass es in der Regel schwer möglich ist, einen Alkoholiker mit mangelnder Einsicht und genug vorhandenem "Stoff" zu helfen.
Dass seine "Freunde" ihn nicht konfrontieren, hat mit deren eigenem Alkoholkonsum zu tun.

Bist du eigentlich wirklich ehrlich zu dir selbst, was dein eigenes Trinkverhalten angeht?
Die Tatsache, dass du es mit dem des offensichtlichen Alkoholkranken vergleichst, hat ja auch etwas zu bedeuten, oder?
Moralisten sind Menschen, die sich dort kratzen, wo es andere juckt.
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nulla
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 12:50

Anna-Luisa hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 10:51
Dann ist es doch netter, mit FREUNDEN zusammen zu sein, die man selber ausgewählt hat.
Ja, ist doch toll, wenn man sich in entspannter Atmosphäre darauf vorbereiten kann, im Anschluss dann daheim die Familie zu verprügeln...

Nicht mein Thema, wie ich gerade bemerke.
"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht."
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Anna-Luisa
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 12:54

nulla hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 12:50
Ja, ist doch toll, wenn man sich in entspannter Atmosphäre darauf vorbereiten kann, im Anschluss dann daheim die Familie zu verprügeln...
Entschuldigung, ich wusste nicht, dass du den Bekannten der TE kennst!
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nulla
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 12:56

Anna-Luisa hat geschrieben:
Fr., 09.08.2019, 10:51
Vielleicht hat der Freund ihnen bereits erklärt, dass ER SEIN Trinkkonsum in Ordnung findet, und man ihn mit "Hilfsangeboten" verschonen möge.
Du hast ja auch deine Phantasien dazu...
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Schnuckmuck
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Beitrag Fr., 09.08.2019, 13:13

Ich kann verstehen, dass du dir Sorgen um einen Menschen machst. Sicher kannst du ihn ansprechen. Bitte ihn doch einfach um ein Gespräch unter vier Augen. Frag, ob es ihm wirklich gut ginge. Ob er reden möchte oder ob er sich bewusst ist, dass er viel riskiert mit seinem Konsum. Und du kannst ja deutlich machen, dass du dich um ihn sorgst.

Ich finde das ist in einer stammjneipe, wo sich immer alle treffen und sich dort kennen lernenetwas anderes, als wenn man sich nur einmal im Monat sieht. Es kommt auf die Formulierung und Herangehensweise an. Und , dass man denjenigen nicht vor allen anderen anspricht und in Verlegenheit bringt.

Ich finde es toll wenn in dieser Zeit noch jemand bereit ist, sich in die nesseln zu setzen, ist sich doch heute jeder selbst der nächste.