Gruppentherapie - hat schlecht angefangen

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.

mio
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:34

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:29 Ich gehe jetzt erst mal Frauen angrapschen, die Nachbarschaft mit lauter Musik beschallen und dann klaue ich mit ein neues Handy. Ich hab da jetzt Lust drauf und warum sollte ich mich ändern wenn ich halt so bin, nur damit sich ein paar andere Leute wohlfühlen können.
In dem Fall bewegst Du Dich aber glasklar außerhalb des GESETZLICHEN Rahmens, nicht innerhalb eines individuellen Wertesystems. Diese beiden Umstände klar voneinander unterscheiden zu können ist wesentlich wenn man Übergriffe objektiv beurteilen möchte.

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:42

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:29
Ob sie sich - ihr Verhalten - ändern werden liegt nicht allein in meiner Hand. Was sie aber höchstwahrscheinlich nicht tun werden ist, dass sie sich ändern werden weil ich das von ihnen gewaltsam FORDERE. ehungen" geht, dann ist DAS das destruktive Verhalten weil es eine Beziehung eigentlich verunmöglicht.


Wenn ich jemanden auffordere mich ausreden zu lassen und den lauten Ton zu mässigen ist das keine gewaltsame Forderung. Weder wenn ein Teilnehmer das tut noch wenn der Therapeut das tut.

Zweitens, bei eher dickfelligen Leuten muss man ggf schon recht deutlich werden, damit man wahrgenommen und ernstgenommen wird. Ausserdem, wenn es sich hier wirklich um schwer psychisch kranke Menschen handelt könnte es sein dass sie so stark dämpfende Medikamente nehmen müssen, dass sie sowieso nicht mehr sensibel auf ihre Umgebung reagieren können. Generell muss man das ausprobieren, es gibt dickfellig-übergriffige Leute bei denen es zu einem aha-Effekt und Aufhören der Übergriffe kommt wenn man sie einmal gezielt verbal so richtig anfährt und konfrontiert. Hab ich in dem Verein bei einem ehrenamtlichen Einsatz mehrfach so erlebt. Danach war die Sache geklärt und wir konnten gut und produktiv miteinander arbeiten. Das ist also durchaus einen Versuch wert wenn man mit nett auf die Person eingehen nichts erreicht und man irgendwie weiter zusammenarbeiten will oder muss.
Zuletzt geändert von münchnerkindl am Di., 07.07.2020, 12:46, insgesamt 1-mal geändert.

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:44

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:32
Schon mal was von "verdecktem Narzissmus" gehört?


Jepp, genau die unterstellen ihrer gesamten Umgebung gerne Narzissmus, wenn versucht wird sich gegen das übergriffige Verhalten abzugrenzen oder es abzustellen.
Zuletzt geändert von münchnerkindl am Di., 07.07.2020, 12:48, insgesamt 1-mal geändert.


mio
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:48

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:42 Wenn ich jemanden auffordere mich ausreden zu lassen und den lauten Ton zu mässigen ist das keine gewaltsame Forderung. Weder wenn ein Teilnehmer das tut noch wenn der Therapeut das tut.
Das stimmt, aber dennoch muss sich da niemand dran halten wenn das so nicht einverständlich festgelegt wurde.

Und WAS GENAU festgelegt wurde konnte ich bisher noch nicht so ganz rauslesen, da sich der Therapeut selbst - der ja die Regeln aufstellt - aber nicht groß dran zu stören scheint würde ich jetzt eher davon ausgehen dass das nicht so glasklar festgelegt ist wie es sich gewünscht oder erwartet wird.

Und DA liegt dann die Gewalt: In der individuellen Erwartung die erfüllt werden soll. Unabhängig davon was allgemein vereinbart wurde.

Meint: Ein Einzelner möchte die Regeln für die ganze Gruppe aufstellen ohne überhaupt in der Position dazu zu sein.

Und jetzt denke noch mal darüber nach WER sich hier aggressiv verhält.

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:50

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:48
münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:42 Wenn ich jemanden auffordere mich ausreden zu lassen und den lauten Ton zu mässigen ist das keine gewaltsame Forderung. Weder wenn ein Teilnehmer das tut noch wenn der Therapeut das tut.
Das stimmt, aber dennoch muss sich da niemand dran halten wenn das so nicht einverständlich festgelegt wurde.

Und WAS GENAU festgelegt wurde konnte ich bisher noch nicht so ganz rauslesen,


Ja, und dann läuft die Therapiegruppe eben ab wie ein schlecht moderiertes Internetforum, wo die Trolle ganze Threads kapern und zerschießen.


mio
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:52

Und was wäre dann die logische Konsequenz wenn das so wäre?

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:56

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:48
Und DA liegt dann die Gewalt: In der individuellen Erwartung die erfüllt werden soll. Unabhängig davon was allgemein vereinbart wurde.


Nein, die generelle Erwartung, dass ich verbal höflich behandelt werde ist keine Gewalt.

Wenn ich an einem MMA Kampf teilnehme kann und muss ich erwarten, dass ich da eine auf die Nuss bekomme. Eine Gruppentherapie ist aber kein verbaler MMA Kampf.


mio
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:57

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:56 Nein, die generelle Erwartung, dass ich verbal höflich behandelt werde ist keine Gewalt.
Wenn ich diese Erwartung meinerseits gewaltsam durchzusetzen versuche schon.

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chrysokoll
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Beitrag Di., 07.07.2020, 12:59

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:56
Nein, die generelle Erwartung, dass ich verbal höflich behandelt werde ist keine Gewalt.

Gruppentherapie ist aber kein verbaler MMA Kampf.
erwarten kann ich immer viel. Es gibt aber nunmal weder Anspruch noch Garantie das das erfüllt wird.
Auch nicht in einer Gruppentherapie

Nochmal: Die Teilnehmer werden sich nicht ändern, auch nicht wenn sich der TE auf den Kopf stellt und mit den Ohren wackelt.
Und der Therapeut auch nicht.

Auch nicht wenn er noch so oft fordert "ich hab aber einen Anspruch drauf dass die sich alle so verhalten wie ich das will und richtig finde und brauche"
Das wird nicht passieren

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:00

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:52 Und was wäre dann die logische Konsequenz wenn das so wäre?


Anschauen, sich denken, was ist denn das für ein unterirdischer Saftladen, so eine primitive Nummer tu ich mir nicht an und nicht mehr hingehen.

Wenn du einen Job hast wo ständig verbale Übergriffe stattfinden wirst du dir vermutlich wenn du die Möglichkeit hast auf Dauer einen anderen suchen, und wenn dein Partner sich so verhält wirst du das hoffentlich auch entweder mit Paartherapie etc abstellen oder er ist dann halt irgendwann der Ex.


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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:03

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 13:00 Anschauen, sich denken, was ist denn das für ein unterirdischer Saftladen, so eine primitive Nummer tu ich mir nicht an und nicht mehr hingehen.
Eben! Nur dass das ja scheinbar "nicht geht" weil man selbst ja "so bedürftig" ist dass da mehr Angst davor da ist "allein zu sein" als sich was passenderes zu suchen. Und deshalb wird halt an der "Veränderungsschraube" gedreht.

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:05

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 12:57 Wenn ich diese Erwartung meinerseits gewaltsam durchzusetzen versuche schon.

Das hat sich der Täter dann selbst zuzuschreiben. Wie man in den Wald reinruft.... :roll:

Das ist eben in manchen Fällen nötig. Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn untragbares Verhalten gelegentlich auch mal sanktioniert wird.

Das ist wie mit Kinder, die brauchen auch hin und wieder mal ein glasklares "das läuft so nicht", weil so lange sie mit ihren Launen stets durchkommen gibt es keinen Grund was dran zu ändern. Und viele Leute sind halt auch im Erwachsenealter emotional noch auf diesem Kleinkindlevel, da muss man sie dann eben abholen.

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:10

mio hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 13:03 Eben! Nur dass das ja scheinbar "nicht geht" weil man selbst ja "so bedürftig" ist dass da mehr Angst davor da ist "allein zu sein" als sich was passenderes zu suchen.

Es ist nicht gerade einfach eine Therapie zu finden. Wenn man zB ländlich lebt hat man überhaupt nicht die große Auswahl. Dann ist es so, dass gerade die guten Therapeuten häufig lange Wartelisten haben und man da nicht so einfach reinkommt.


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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:16

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 13:05 Das hat sich der Täter dann selbst zuzuschreiben. Wie man in den Wald reinruft.... :roll:
Exakt das sage ich doch. Ich sehe nur die "Verteilung" ein wenig anders als Du.

Wenn eine Gruppe ihre Regeln hat dann hat die ihre Regeln. Die sind "innerhalb" der Gruppe definiert.

Komme ich nun als "Neuling" in diese Gruppe dann kann ich mich nicht hinstellen und sagen: So, und ab jetzt läuft hier alles anders! Nämlich nach MEINEN Regeln weil die nämlich viel besser sind als Eure.

Das sind Wertfragen, die kann man nicht einfach so "aufzwingen" sondern über die muss Einigkeit herrschen. Das heisst ich muss dann erst mal Überzeugungsarbeit leisten, also wenn ich soweit gehen will. Die leiste ich aber nicht indem ich sage: Herr Therapeut, setzen Sie jetzt gefälligst mal MEINE Regeln durch! So funktioniert das einfach nicht.

Ob man sich das geben möchte oder nicht muss man selbst entscheiden. Ich würde es mir nicht geben. Aber wenn man es sich gibt dann sollte man nicht nach dem Motto: "Ihr seid alle bekloppt, ich bin es nicht, also machen wir jetzt mal das was ich sage!" tun. Da wären dann doch die anderen Gruppenmitglieder echte Vollidioten wenn sie sich auf so ein "Spiel" einlassen würden.


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Beitrag Di., 07.07.2020, 13:18

münchnerkindl hat geschrieben: Di., 07.07.2020, 13:10 Es ist nicht gerade einfach eine Therapie zu finden. Wenn man zB ländlich lebt hat man überhaupt nicht die große Auswahl. Dann ist es so, dass gerade die guten Therapeuten häufig lange Wartelisten haben und man da nicht so einfach reinkommt.
Und deshalb tut man sich was an dass dazu führt dass es einem schlechter geht als ohne? Weil man ja nicht "anders kann"? Sorry, das Argument zieht nicht. Das ist typischer "Opfersprech".

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