Aschenbrödel in der Falle - Wie soll es weiter gehen?

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Michel
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Beitrag Do., 20.12.2012, 06:06

Wenn das alles so stimmt, wie du es eingangs geschildert hast, dann hättest du den Kontakt am besten schon damals abgebrochen, als du mit deinen Gefühlen nicht gehört worden bist.

Ich kenne aber die Situation mit einem kranken Elternteil, der einen einerseits runterzieht bzw. psychisch schädigt, den man andererseits aber auch nicht im Stich lassen oder der nicht immer optimalen staatlichen Obhut überlassen will. Einen Königsweg aus diesem Dilemma kenne ich nicht, gibt es wahrscheinlich auch nicht. Es gibt viele Menschen, die vor diesem Problem stehen. Was ein wenig hilft, ist, dass die Situation irgendwann vorbei ist, weil der Elternteil ja schon betagt ist und irgendwann stirbt. Ich glaube, was die Situation so schwierig macht, sind zwei Dinge: erstens, für sich selbst zu klären, welches Verhalten moralisch vertretbar ist. Die richtige Mischung zwischen Egoismus und Altruismus zu finden. Weil es keinen klaren Maßstab gibt. Niemand kann dir sagen, was genau der angemessene (Mittel-) Weg ist, weil nur du alles kennst, was sich zugetragen hat. Das zweite Problem ist, dass du für zwei Personen entscheidest, für deine Mutter und dich selbst (beide betrifft deine Entscheidung), aber du nur eine der beiden Sichtweisen wirklich kennst. Du steckst nicht in deiner Mutter, und deshalb kommt es dir vielleicht ungerecht vor, wenn du allein entscheidest, z.B. sie nicht mehr sehen zu wollen. Bei mir zumindest war das immer das Problem, dass ich mich fragte, ob ich nicht vielleicht unrecht hatte in meiner Einschätzung, und dass mein Elternteil nicht aus seiner Sicht recht haben könnte.

Was auch ein Problem war, war, dass ich meine Gefühle und meine Sichtweise nicht richtig artikulieren konnte. Heute könnte ich das besser. Und ich denke, du solltest auch Klartext reden, zum Beispiel so:

"Du hast mich nie respektiert, du respektierst mich heute noch nicht. Du sagst mir ständig, wie falsch ich alles mache und wie viel besser meine Schwester in allem ist. Und da willst du, dass ich mich um dich kümmere? Mit welchem Recht denn? Lass dir doch von Leuten helfen, die du so toll findest. Soll doch meine Schwester sich um dich kümmern. Die ist doch so toll, die schafft das bestimmt auch noch."

"Du tust mir nicht gut, weil du mich immer nur kritisierst und mein ganzes Leben lang auf mir rumgehackt hast. Und deshalb ertrage ich dich nicht. Deshalb kann ich mich nicht um dich kümmern. Es nimmt mich zu sehr mit. Das ist vielleicht schade, aber es ist deine eigene Schuld. Hättest du mal versucht, mich zu verstehen, könnten wir heute vielleicht harmonisch zusammensein. Und die Arbeit in deinem Haushalt / bei der Pflege macht mir an sich auch gar nichts aus. Ich bin nicht faul, die Arbeit ist nicht das Problem. Du bist es, die ein Problem für mich ist, und nach allem, was ich mir von dir anhören durfte, dürfte dich das eigentlich auch nicht überraschen. Man kann nicht jemand immer nur runterputzen und dann erwarten, dass diese Person darauf brennt, einem zu helfen."

"Wie soll man denn erfolgreich sein im Leben, wenn man von klein auf gesagt bekommt, wie verkehrt man ist? Ist dir schon mal die Idee gekommen, dass du als Mutter viel schlimmer versagt haben könntest, als ich jemals im Leben versagt habe?"

Wenn deine Mutter und Schwester dich wirklich immer so mies behandelt haben, dann lass die beiden doch glücklich miteinander werden, aber ohne dich.

Was Organisationen anbelangt, die sich um Alte oder Kranke kümmern, wenn es keine Verwandten gibt, die sich kümmern: Ist natürlich immer die Frage, ob die das genauso aufopferungsvoll tun wie die Verwandtschaft. Aber bei Euch gibt's ja immer noch die Schwester, die dafür sorgen kann, dass alles einigermaßen ordentlich gemacht wird. Man muss ja nicht jeden Handgriff selber machen, nur ein Auge drauf haben. Und im Zweifel hat sich deine Mutter das selbst eingebrockt. Berichte mal bitte von deinen Erfahrungen bezüglich fremder Hilfe.

Noch was könnte wichtig sein: dass du dein Verhältnis zu deiner Mutter klärst, bevor sie stirbt oder nicht mehr richtig beisammen ist. (Wobei es im Moment wohl besser sein wird, sie nicht zu treffen. Aber vielleicht im Laufe der nächsten Jahre. Falls du dir nicht sowieso schon klar darüber bist, dass du keinen Kontakt mehr willst.) Wird sie sich vielleicht entschuldigen, wenn du ihr die o.a. Sätze an den Kopf schleuderst? Bleibt sie uneinsichtig und in der gleichen Haltung dir gegenüber wie die ganzen Jahre? Bleiben dann irgendwelche positiven Gefühle ihr gegenüber, oder ist sie für dich gestorben? Das macht es für dich vielleicht einfacher, zu entscheiden.

Ich wünsch dir viel Kraft.

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Aschenbrödel
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Beitrag Do., 20.12.2012, 09:05

Hallo Michel,
wenn ich deinen Beitrag lese, dann habe ich fast das Gefühl, du könntest in meine Seele sehen. Ja, das würde ich ihr gerne sagen und ich denke, das ist ein Teil des Problems - ich darf es ihr gegenüber nicht aussprechen, obwohl es der Wahrheit entspricht. Warum? Weil ich nicht an ihrem Tod schuld sein möchte. Klingt übertrieben? Ok, ich versuche die Sache etwas zu beleuchten. Meine Mutter war schon immer manipulativ, sie hielt die Familie mit ihren Psychomethoden und ihrem Opferdenken im Griff. Nicht nur mich, auch meinen Vater. Manchmal denke ich, dass bei der Art, wie sie mich behandelt, eigentlich mein Vater gemeint ist. Er ist schon lange tot, aber wir waren uns sehr ähnlich von unserer Empfindsamkeit.
Aber zurück zum Thema. Sie ist Bluthochdruckpatientin und kann sich richtig hochpuschen, dann muss mitten in der Nacht der Notarzt kommen und sie kommt ins Krankenhaus. Das habe ich schon mehrmals miterlebt. Ihr Bluthochdruck ist ihr Druckmittel. Früher war es das eisige Schweigen, mit dem sie uns bedacht hat, wenn wir nicht so taten wie sie wollte. Manchmal tagelang. Problem dabei ist, dass unsere Familie eine Anfälligkeit für Schlaganfall hat und bei älteren Menschen und einem Blutdruck von 240/100 ist das Risiko nunmal da.
Sie hat mir einmal - als ich noch Teenie war und einen Freund hatte - gedroht, wenn mein Vater einen Herzinfarkt bekäme und stürbe, wäre ich daran schuld. Das sitzt immer noch sehr tief und hat sicher mit meiner Angst zu tun. Mein Vater hatte mehrere Herzinfarkte. Kannst du dir vorstellen, wie es mir ging? Mein Vater starb schließlich an Krebs, aber die Angst an ihrem Tod schuld zu sein, hält mich davon ab, ihr das zu sagen, was an mir nagt.
Ich habe eine Ahnung, dass es diese ungesagten Worte sind, die mir zu schaffen machen. Hatte auch überlegt, einen Brief an sie zu schreiben und ihn dann zu verbrennen, so als symbolischer Akt, das was ich ihr sagen will, loszuwerden.
Ihr diese Worte ins Gesicht zu sagen, kann ich ehrlich nicht verantworten, auch wenn sie die Wahrheit verdient hätte.

Ja, damals, als ich ihr meine Gefühle geschildert hatte - vor vielen Jahren - hat sie mich am Ende gebeten, ihr zu verzeihen. Das hat mich weich gemacht, ich wollte damals daran glauben, dass nun alles gut wird. Heute weiß ich - in der Grundstruktur ändern sich Menschen nicht - jedenfalls nicht auf Dauer.

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Tolya
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Beitrag Do., 20.12.2012, 09:51

Aschenbrödel hat geschrieben:Es wäre ein großer Fortschritt für mich, wenn ich mir das wirklich klar machen könnte. Vom Verstand her weiß ich das, aber mein Pflichtgefühl macht mir richtig zu schaffen. Meine Mutter machte in der Erziehung niemals halbe Sachen und es hat ganz gut wohl funktioniert. Aber, ich arbeite daran.
Danke für Eure Unterstützung
Es gibt viele Arten der Hilfe
Sie kann bei dir einziehen und dann wirst du ihr Sklave, du kannst die 24/7 Krankenschwester sein und zusammenbrechen wenn du wieder mal um 3uhr nachts beim Notarzt stehst oder du kannst die Managerin sein die ihre Versorgung organisiert.
in allen 3 Fällen hilfst du.

wenn sie mit schweigen und bluthochdruck manipulieren möchte dann klappt das nur wenn einer sich erfolgreich manipulieren lässt.
Tue das nicht und sie wird es irgendwann kapieren, da sie dabei vereinsamt, ihre Gesundheit nachlässt ist dann aber auch ihre Verantwortung und nicht deine. Mir ist natürlcih klar dass es auch für dich ganz schwer ist um aus diese Muster aus zu steigen (die Manipulationsmuster kennst du seit deiner Kindheit). Vllt wäre therap. Hilfe nicht schlecht für dich.

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Mirielle
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Beitrag Do., 20.12.2012, 09:58

[quote="Aschenbrödel"] Warum? Weil ich nicht an ihrem Tod schuld sein möchte. [...] Sie ist Bluthochdruckpatientin und kann sich richtig hochpuschen, dann muss mitten in der Nacht der Notarzt kommen und sie kommt ins Krankenhaus.[...] /quote]

Sollte das wirklich der Grund sein warum du dich nicht traust dann hab doch ein Telefon Griffbereit um sofort den Notarzt rufen zu können falls sie anfängt sich hochzuschaukeln.
Aber das alles so belassen wie es ist und aufgrund von zugeschobener Pseudoverantwortung all diese schlimmen Dinge zu schlucken, das kann doch nicht der richtige Weg sein... daran zerbrichst du doch! Ist sie wichtiger als du?
*~~*~~*~~*~~*~~*~~*~~*~~*~~*

"Die größte Macht hat wohl das richtige Wort zur richtigen Zeit..."
Mark Twain

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Aschenbrödel
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Beitrag Do., 20.12.2012, 14:23

Meine Mutter zeigt Nerven. Sie ruft jetzt täglich an, um mich zu fragen, ob es mir schon besser geht - obwohl ich ihr jedes Mal sage, dass das Zeit braucht. Heute meinte sie: "Warum musste das ausgerechnet an meinem Geburtstag passieren". Wäre es weniger schlimm gewesen, wenn es an einem anderen Tag passiert wäre? Mein Mann meint, sie spürt unterbewußt, dass sie mit meinem Zusammenbruch etwas zu tun hat. Ich traue ihrem Bedauern nicht mehr, auch wenn sie mir schon wieder leid tut. Ja, ja ich weiß und ich halte mich zurück und fahre meine Schiene, lasse mich auf keine Diskussionen ein und wiederhole meine Sätze, wie eine Schallplatte mit Sprung. Vielleicht hat sie auch schon realisiert, dass sie meine Schwester niemals dazu bekommen wird, sich um sie zu kümmern. Die ist nämlich von der gleichen Sorte wie Mutter und dann wird's problematisch.
Eine positive Entwicklung kann ich heute doch noch berichten. Ich ging ans Telefon, sagte meine Sätze und nicht mal ihre Tränen brachten mich aus dem Konzept. Das Beste war, mein Körper blieb ruhig, keine Panikattacke, kein ausufernder Tremor. Wenn das so weiter geht muss ich ihr noch danken, dass sie mir geholfen hat, zu mir selbst zu stehen

Die Idee mit dem Managen der Pflege und ihrer Versorgung klingt immer besser. Wenn sie das nächste Mal anruft, werde ich ihr vorschlagen, mich um jemanden zu kümmern, der meinen Part übernimmt, wenn sie alleine nicht klar kommt. Es ist mir wichtig, dass ich nicht aus Verpflichtung zu ihr gehe, um sie zu sehen. Ich hätte damit gar nicht erst anfangen sollen, aber hinterher ist man immer klüger.
Sie kommt mir manchmal vor, wie eine Königin, die auf ihrem Thron sitzt und einfach erwartet, dass andere um sie herumspringen, sie unterhalten, sich um sie kümmern, ganz gleich wie sie sie behandelt. Obwohl sie nur wenige Kilometer von mir weg wohnt, besucht sie mich etwa drei Mal im Jahr und nach zwei Stunden will sie Heim, weil ihr angeblich alles zu viel ist. Meine Kinder haben schon vor Jahren erkannt, wie sie ist und ihren Kontakt auf - gegen Null reduziert. Wenn sie ihr unverhofft begegnen, werden ein paar bedeutungslose Sätze ausgetauscht und das war's. Ja, meine Kinder sind klüger und sogar vernünftiger als ich...

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peppermint patty
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Beitrag Do., 20.12.2012, 17:39

Hallo Aschenbrödel,

bei mir entsteht der Eindruck, Du hast Dich nicht von Deiner Mutter abgenabelt. Also im Teenageralter, oder bei Auszug, wenn Kinder flügge werden...
Kann das sein?
Ich komme deswegen drauf, weil ich von mir ein Muster kenne, dass ganz ähnlich abläuft. Also, wenn ich zu jemanden eine nahe Beziehung habe (Partnerschaft, Mutter, Therapeutin), und ich in der Beziehung nichts bekomme bzw. schlecht und entwertend behandelt werde, trenne ich mich nicht (naja, bisher war das so - jetzt ändere ich es gerade), weil ich irrationale Hoffnungen hege, dass doch noch alles gut wird. Ich werde doch noch gesehen, ich bin doch eine liebenswerte Tochter, Partnerin, Patientin, bekomme entsprechend noch meine Aufmerksamkeit und "Streicheleinheiten", etc...
Nein, niemals, never ever ist das geschehen. Und es wäre auch nie mehr geschehen. Das war nur in meiner Phantasie vorhanden. Deshalb war es gut aus diesen Beziehungen auszusteigen, mich zu lösen auch wenn es nicht leicht war. In der Beziehung zu Deiner Mutter wirst Du sehr wahrscheinlich auch nicht mehr das bekommen, was Du als Tochter eigentlich verdient hast. So leid mir das tut.
Und noch was, ich empfinde meiner Mutter gegenüber ebenfalls Mitleid, ABER dieses Gefühl benutze ich als Abwehr um die entwertenden Vorfälle, Kränkungen, Gewalt,... (die es in meiner Kindheit gab), nicht den Stellenwert einzuräumen den sie in Wahrheit haben. Denn dann kann ich wieder Hoffnung haben, dass noch alles "GUT" wird. Was es nie sein wird.

Ich hoffe sehr, dass Du gut für Dich sorgen lernst und Deinen Inneren Kritiker mal sagst was so abgegangen ist, und er danach die Klappe halten soll.
Alles Gute für Dich!

LG,
pp

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Aschenbrödel
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Beitrag Do., 20.12.2012, 18:08

Hallo PP,
das mit dem Abnabeln ist ein interessantes Stichwort - es löst etwas in mir aus, dass ich aber noch nicht artikulieren kann. Muss mich erst damit auseinadnersetzen. Ist auf jeden Fall hilfreich.
Ja, auch ich hatte viele, viele Jahre gehofft, dass wenn ich ganz lieb und fürsorglich bin (so wie früher als Kind) dann wird sie irgendwann einsehen, was sie mir vorenthalten hat und es nachholen. Als sie mich vor Jahren "um Verzeihung" für einige sehr schlimme Sachen gebeten hat, die sie mir angetan hat, da glaubte ich noch an "Wunder". Wir hatten davor ein halbes Jahr Funkstille. Doch ein halbes Jahr später war alles wieder wie früher. Es steigerte sich ganz allmählich bis heute. Da ist mir klar geworden, dass sie sich nicht ändern wird und ich keine Liebesbezeugungen von ihr zu erwarten brauche. Was mich treibt, ist eine Mischung aus Angst vor einer falschen Entscheidung und Pflichtgefühl. Ich bin erzkatholisch erzogen worden und obwohl ich meine Religion schon mit 13 abgelegt habe, wirken diese angstbelegten Moralvorstellungen immer noch in mir. Mein Verstand denkt vernünftig, aber mein Herz hängt immer noch in alten Mustern fest.

Dafür, dass sie meine Mutter ist, weiß ich so gut wie nichts über sie als Person oder ihre Vergangenheit. Sie hat mich schon immer sehr auf Distanz gehalten. Da sie auch nicht bereit ist, sich mit mir auszusprechen, werde ich wohl auch keine Möglichkeit haben, die Lücken zu füllen. Das Einzige, was ich ihren Äußerungen im Alltag entnehmen kann, ist, dass sie irgendwie "gefühlsgestört" ist. Sie hat ständig übertriebendes Mitleid mit den Schicksalen irgendwelcher Menschen, die sie in vielen Fällen gar nicht kennt. Wenn ihr Nachbar ein Problem hat, dann kann sie nicht schlafen, weil sie so mit ihm fühlt. Bei meiner Schwester ist sie ähnlich. Sie hat ständig Mitleid mit ihr, weil sie ja so viel Arbeit hat und es ihr nicht gut geht und warum sonst auch immer. Was mir aufgefallen ist, dass sie mit Menschen, die nicht ihre Wertvorstellungen teilen (auch Fremde) sehr hart und gefühllos sein kann. Und dazu zähle ich wohl auch. Dass ich mich "aus guten Gründen" die ihr bekannt sind, von der Religion abgewandt habe, war für sie ein schwerer Schlag, der sicherlich mit der aktuellen Situation auch zu tun hat, denn sie ist nicht nur einfach gläubig, sie glaubt, persönlich die Konsequenzen tragen zu müssen (Hölle) weil ich eine Heidin bin (ihre Worte).

Das mit dem Abnabeln werde ich mal wirken lassen und später was dazu schreiben.

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peppermint patty
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Beitrag Do., 20.12.2012, 18:34

Aschenbrödel hat geschrieben: Ja, auch ich hatte viele, viele Jahre gehofft, dass wenn ich ganz lieb und fürsorglich bin (so wie früher als Kind) dann wird sie irgendwann einsehen, was sie mir vorenthalten hat und es nachholen.


Exakt das meine ich. Ich denke für ein Kind ist es ein angemessenes Verhalten, denn es muss ja irgendwie in der elterlichen Beziehung ausharren. Aber jetzt als Erwachsene macht man sich damit zum Opfer...
Aschenbrödel hat geschrieben:Dafür, dass sie meine Mutter ist, weiß ich so gut wie nichts über sie als Person oder ihre Vergangenheit.
Ich habe noch von niemanden so einen Satz gehört. Aber auch dass ist bei mir gleich. Wenn ich einer Therapeutin von meiner Mutter erzählen soll, weiss ich deshalb auch so gut wie nichts zu erzählen. Ich fand das bisher merkwürdig, aber jetzt auch noch mal überdenkenswert.
Aschenbrödel hat geschrieben:Wenn ihr Nachbar ein Problem hat, dann kann sie nicht schlafen, weil sie so mit ihm fühlt. Bei meiner Schwester ist sie ähnlich. Sie hat ständig Mitleid mit ihr, weil sie ja so viel Arbeit hat und es ihr nicht gut geht und warum sonst auch immer. Was mir aufgefallen ist, dass sie mit Menschen, die nicht ihre Wertvorstellungen teilen (auch Fremde) sehr hart und gefühllos sein kann. Und dazu zähle ich wohl auch.
Klinkt so, als würde Deine Mutter in gute und in böse Menschen aufspalten. Möglicherweise ist sie deshalb nicht in der Lage andere Seiten an den Menschen wahrzunehmen.
ABER: Das ist nicht DEIN, sondern IHR Problem!!

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Aschenbrödel
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Beitrag Do., 20.12.2012, 18:51

peppermint patty hat geschrieben: Klinkt so, als würde Deine Mutter in gute und in böse Menschen aufspalten. Möglicherweise ist sie deshalb nicht in der Lage andere Seiten an den Menschen wahrzunehmen.
ABER: Das ist nicht DEIN, sondern IHR Problem!!
So habe ich es bisher noch nie betrachtet, aber du hast 100%ig Recht. Genau das ist es! Eine Erklärung findet sich in ihren Glaubensüberzeugungen - da sind Menschen eben auch schwarz und weiß, also gut oder böse. Es gibt kein Grau. Es gibt Religionen, die versuchen, die Abtrünnigen zu retten, indem sie sie bekehren. Das hat sie auch versucht, meist mit Druck und Drohung. Hat nicht geklappt. Damit bin ich wohl unwiederruflich "böse" und eine Gefahr für ihre religiöse Integrität. Warum sie allerdings von einem bösen Menschen Hilfe annimmt, wird mir nicht so richtig klar.
Vielleicht, aber nur vielleicht, weil die in ihren Augen "guten" Menschen so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie keine Zeit für andere haben...

Wie meine Schwester da rein passt weiß ich allerdings nicht. So viel ich weiß lebt auch sie nicht nach den religiösen Werten unserer Mutter, müsste also auch ... "böse" sein. Na ja, vielleicht gibt es noch andere Kriterien, wie Haarfarbe oder Lieblingsfarbe

Ja, du hast Recht, das ist wirklich nicht mein Problem. Muss es mir aber trotzdem ständig vorsagen, damit es nicht aus meinem Blickwinkel verschwindet. Geht schneller als man denkt. Aber das ist es wert.

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Aschenbrödel
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Beitrag Sa., 22.12.2012, 11:16

peppermint patty hat geschrieben:Hallo Aschenbrödel,

bei mir entsteht der Eindruck, Du hast Dich nicht von Deiner Mutter abgenabelt. Also im Teenageralter, oder bei Auszug, wenn Kinder flügge werden...
Kann das sein?
Ich komme deswegen drauf, weil ich von mir ein Muster kenne, dass ganz ähnlich abläuft. Also, wenn ich zu jemanden eine nahe Beziehung habe (Partnerschaft, Mutter, Therapeutin), und ich in der Beziehung nichts bekomme bzw. schlecht und entwertend behandelt werde, trenne ich mich nicht (naja, bisher war das so - jetzt ändere ich es gerade), weil ich irrationale Hoffnungen hege, dass doch noch alles gut wird. Ich werde doch noch gesehen, ich bin doch eine liebenswerte Tochter, Partnerin, Patientin, bekomme entsprechend noch meine Aufmerksamkeit und "Streicheleinheiten", etc...
Nein, niemals, never ever ist das geschehen. Und es wäre auch nie mehr geschehen. Das war nur in meiner Phantasie vorhanden. Deshalb war es gut aus diesen Beziehungen auszusteigen, mich zu lösen auch wenn es nicht leicht war. In der Beziehung zu Deiner Mutter wirst Du sehr wahrscheinlich auch nicht mehr das bekommen, was Du als Tochter eigentlich verdient hast. So leid mir das tut.
Und noch was, ich empfinde meiner Mutter gegenüber ebenfalls Mitleid, ABER dieses Gefühl benutze ich als Abwehr um die entwertenden Vorfälle, Kränkungen, Gewalt,... (die es in meiner Kindheit gab), nicht den Stellenwert einzuräumen den sie in Wahrheit haben.
Thema Abnabelung. Ich denke, die Schwierigkeit in meiner Situation ist, dass meine Mutter nicht bereit ist loszulassen. Das einzige, was mich dazu bringt, mich um sie zu kümmern ist mein Pflichtgefühl, dass ich nun angesichts der aktuellen Situation hinterfragen muss. Es ist da wohl noch ein ganzer Teil meiner Erziehung (Kinder haben für ihre Eltern zu sorgen und sie zu respektieren ganz gleich wie sie behandelt werden, weil es ihre Eltern sind (4. Gebot), der in mir wirkt. Ich tue mir wirklich schwer, in dieser Sache meinem Verstand zu folgen, obwohl ich im Alltag eher ein Kopfmensch bin. Wenn es aber um die Beziehung zu meiner Mutter geht, regrediere ich zum Kleinkind. Ich verstehe es nicht warum das passiert, zumal ich mich von der Vorstellung, ihre Gefühle für mich zu ändern, längst verabschiedet habe. Ich weiß aber, dass ich das überwinden muss. Ich merke auch dass es mit der Zeit leichter wird. Ich bin von Natur aus ein mitfühlender Mensch und meine Mutter weiß das für sich zu nutzen. Interessant ist, dass sie selbst sich nie um ihre Mutter gekümmert hat. Das hatte sie großzügigerweise ihrer Schwester überlassen. Tja, da ist wohl das Bindeglied zw. meiner Mutter und ihrer Lieblingstochter. Sie sind wohl gleich gestrickt und stehen sich deshalb näher, als mir, die so aus der Art geschlagen bin. Meine Mutter will im Grunde nur im Alter versorgt werden, sie empfindet meiner Beobachtung nach keine Verpflichtung emotional auch etwas zurückzugeben. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass sie mich für meine Leistungen bezahlt? Ich empfinde das als erniedrigend, weil für mich Geld nur ein gefühlloses Zahlungsmittel ist und keine Gefühle aufzuwiegen vermag. Meine Mutter sagt: Sie möchte nichts schuldig bleiben. Ich schaffe es oft, das zu verhindern, weil ich mich dadurch nachher sehr schlecht fühle, aber es kostet so viel Kraft, dass ich jedes Mal ganz energielos werde, wenn ich für ein paar Stunden bei ihr war.

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peppermint patty
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Beitrag Sa., 22.12.2012, 11:29

Aschenbrödel hat geschrieben: Könnt Ihr Euch vorstellen, dass sie mich für meine Leistungen bezahlt?
Na dann sieht sie es nur als Dienstleistung an. UND das ist gut so, weil dann ist die Person austauschbar und Du kannst Dich wunderbar raus ziehen.

ABER: DU hast dieses Pflichtgefühl und sie will wahrscheinlich nur DICH. Denn Dich kann sie kommandieren, herumschubsen, auf den Gefühlen herumtrampeln, Vorwürfe machen,... und sich durch die Bezahlung rechtschaffen fühlen

Es gibt also zwei Bereiche: Den Pflegebereich und den emotionalen Bereich... und Du solltest überlegen was Du für Dich willst.

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Aschenbrödel
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Beitrag Sa., 22.12.2012, 12:41

peppermint patty hat geschrieben:
Aschenbrödel hat geschrieben: Könnt Ihr Euch vorstellen, dass sie mich für meine Leistungen bezahlt?
Na dann sieht sie es nur als Dienstleistung an. UND das ist gut so, weil dann ist die Person austauschbar und Du kannst Dich wunderbar raus ziehen.

ABER: DU hast dieses Pflichtgefühl und sie will wahrscheinlich nur DICH. Denn Dich kann sie kommandieren, herumschubsen, auf den Gefühlen herumtrampeln, Vorwürfe machen,... und sich durch die Bezahlung rechtschaffen fühlen

Es gibt also zwei Bereiche: Den Pflegebereich und den emotionalen Bereich... und Du solltest überlegen was Du für Dich willst.

Du hast es mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht. Jetzt ist mir auch klar, warum die Bezahlung in mir so schlechte Gefühle auslöst.
Da ich auf emotionale Zuwendung von ihr nicht hoffen brauche, bleibt ja nur der pflegerische Bereich. Das könnte ich im Prinzip tun, wenn... ich annehmen könnte, dass sie einfach ein Mensch ist, der zu tieferen Emotionen nicht fähig ist, wie zum Beispiel bei bestimmten Demenzerkrankungen. Da sie sich aber anderen Menschen gegenüber durchaus rücksichtsvoll verhält und auch Gefühle zeigt, fehlt mir einfach die professionelle Distanz, die Pflegekräfte haben. Wäre ich ein Mensch mit einem starken Selbstwertgefühl, wäre mir ihr Verhalten vermutlich völlig egal, aber so bin ich nunmal nicht. Es verletzt mich, wenn sie mir offen Respekt versagt oder mir durch ihr Verhalten zeigt, dass sie nur auf meine Arbeitskraft Wert legt und ich ihr als Mensch völlig egal bin.

Gestern war Funkstille, sie hat nicht angerufen und ich werde zunehmend ruhiger. Der Zeitfaktor wirkt. Auch meine Kinder sind jetzt zu Weihnachten da, das tut mir sehr gut. Ich habe mir überlegt, wie sie sich verhalten würden, wenn ich als Mutter sie so behandeln würde. Ich musste lachen, weil die Vorstellung völlig absurd war. Erstens könnte ich mich ihnen gegenüber gar nicht so verhalten, denn ich liebe sie und gestehe ihnen die für erwachsene Kinder nötigen Freiheiten, eigene Lebensentscheidungen zu treffen, ohne mich einzumischen. Ich fordere keine Besuche ein, freue mich aber sichtlich, wenn sie aus eigenen Stücken kommen. Ich habe es also tatsächlich geschafft, anders zu sein als meine Mutter, was wohl nicht ganz einfach ist, wenn ich zu dem Thema lese. Zweitens, wenn ich mich so verhalten würde, wie meine Mutter mir gegenüber, hätte ich wohl keine Gelegenheit, dies länger zu tun, weil sie sich dann einfach von mir abewenden würden.
Als mir das klar wurde, wurde mir auch klar, dass es kein Recht auf Respekt und Zuwendung gibt, wenn man auf den Gefühlen anderer herumtrampelt.
Ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

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Beitrag Sa., 22.12.2012, 15:31

Aschenbrödel hat geschrieben: fehlt mir einfach die professionelle Distanz, die Pflegekräfte haben.
Fehlt vor allem DEINER MUTTER die Distanz die SIE zu Pflegekräften hätte.
Aschenbrödel hat geschrieben:Wäre ich ein Mensch mit einem starken Selbstwertgefühl, wäre mir ihr Verhalten vermutlich völlig egal, aber so bin ich nunmal nicht. Es verletzt mich, wenn sie mir offen Respekt versagt oder mir durch ihr Verhalten zeigt, dass sie nur auf meine Arbeitskraft Wert legt und ich ihr als Mensch völlig egal bin.
Und deswegen ist es für Dich völlig ungesund diesen "Job" weiter zu machen. Und da Du austauschbar (sorry) bist, warum solltest Du Dich weiter damit belasten? Irgendwie werde ich den Eindruck auch nicht los, dass Deine Mutter versucht Dich dazu zu zwingen, Deine Dienste bei ihr abzuleisten. Zwar schätzt sie Dich nicht und dennoch sollst Du spuren, so ein Machtding???
Aschenbrödel hat geschrieben:Ich habe mir überlegt, wie sie sich verhalten würden, wenn ich als Mutter sie so behandeln würde.
Ich habe es also tatsächlich geschafft, anders zu sein als meine Mutter, was wohl nicht ganz einfach ist, wenn ich zu dem Thema lese.

Aschenbrödel hat geschrieben:Zweitens, wenn ich mich so verhalten würde, wie meine Mutter mir gegenüber, hätte ich wohl keine Gelegenheit, dies länger zu tun, weil sie sich dann einfach von mir abewenden würden.
Und Du fändest das Verhalten Deiner Kinder in dem Fall doch angemessen, oder?? Also ist es das bei dir auch!!
Aschenbrödel hat geschrieben:Ich denke, ich bin auf einem guten Weg.
Sehe ich auch so!!

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Aschenbrödel
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Beitrag So., 23.12.2012, 18:55

Meine Mutter will einfach nur versorgt werden, vorzugsweise von ihrer Lieblingstochter, die allerdings keinen Bock darauf hat und sich hinter ihrer Arbeit, Krankheit, Terminen oder was auch immer versteckt. Da bleibt meiner Mutter nicht mehr viel übrig, als mich unter Druck zu setzen, zumal sie es sich finanziell nicht leisten kann, all die "Dienstleistungen" von Fachkräften zu bezahlen. Ich kann es schon nachvollziehen. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass sie ALLE Register ziehen wird, um mich zu zwingen. Werde mich in den nächsten Wochen noch warm anziehen müssen.
Meine Kinder sind für die Weihnachtsfeiertage da, ich habe mit ihnen darüber gesprochen und konnte deutlich sehen, wie unmöglich sie das Verhalten meiner Mutter fanden. Mein Sohn (wohnt weiter weg) hat mir sogar Asyl angeboten, wenn ich es hier nicht mehr aushalte *g*
Es gibt so einen schönen Spruch: "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" - etwas weiter gegriffen, ist damit auch in meiner Situation alles gesagt.
Bis jetzt immer noch Funkstille. Meine Gedanken kreisen nicht mehr, wahrscheinlich weil ich jetzt ständig Menschen um mich habe, die mir zeigen, dass sie gerne mit mir zusammen sind.

Wünsche Euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest.
LG
Aschenbrödel

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Beitrag Mi., 26.12.2012, 16:23

Über die Feiertage hatte ich Zeit und Ruhe über meine Situation nachzudenken und einen Aktionsplan zu entwerfen. Meine Seele hat sich etwas beruhigt und die Gedanken sind wieder einigermaßen klar. Ich habe mich gefragt: Was will ich? Was ist mir wichtig?
Die Antworten kamen schnell. Ich will von meiner Mutter nicht ferngesteuert werden. Ich will selbst entscheiden, wann ich was und warum mache.
Mir ist klar geworden, dass es keinen Sinn macht, nach dem WARUM zu fragen. Meine Mutter wird den Teufel tun, als einzugestehen, dass sie Fehler gemacht hat. Sie war schon immer unfehlbar - wie der Papst - und mit dieser Gewohnheit wird sie im Alter nicht brechen. Zumal dies ja bedeuten würde, dass sie in ihren Augen (jmd. etw. ) "schuldig wird, was sie um jeden Preis zu vermeiden sucht.
Ich hätte natürlich meiner Mutter jede Menge zu sagen, nur denke ich, dass es mich nicht weiter bringt.
Ich verspreche mir mehr davon, ab jetzt darauf zu achten, dass ich für meine Hilfe, die ich meiner Mutter gewähre, die Regeln mache. Weiterhin muß ich mir - gerade in ihrer Gegenwart - bewußt sein, dass jederzeit ein Manipulationsversuch erfolgen könnte. Natürlich macht das solche Treffen nicht gerade zum Vergnügen, aber... Ich habe überlegt, dass ich den Kontakt abbrechen könnte, aber das wäre dann nicht ich. Meine Mutter ist 90 und ich kann sie nicht einfach im Regen stehen lassen, zumal ich weiß, dass es meiner Schwester egal ist, was aus ihr wird. Ich kann meiner Mutter aber zeigen, dass ich und meine Bedürfnisse mir wichtiger sind als die anderer, indem ich was meine Unterstützung betrifft, Bedingungen stelle und darauf achte, dass sie eingehalten werden. Eine ganz wichtige Sache für mich ist, dass ich von ihr keinen Cent mehr annehme. Wenn sie meine Unterstützung anerkenen will, dann kann sie mich ja anrufen oder mich besuchen... Das dürfte ihr wesentlich schwerer fallen, als mir einen Schein in die Hand zu drücken. Ehrlich gespannt, weiß ich gar nicht wie sie diese Situation dann auflösen würde...
Es gibt keine regelmäßigen Hilfs-Termine mehr, wann ich was tue. Sie hat sich nach mir zu richten und wenn es ihr nicht genügt, dann kann sie ja gern meine Schwester für Hilfsleistungen bezahlen oder eine Fremde. Das werde ich ihr nicht explizit sagen, nur danach handeln.
Ich gebe ihr ihre Selbstbestimmung zurück in dem Sinne, dass sie die Verantwortung für unvernünftiges Handeln übernehmen darf - ganz gleich welche Konsequenzen daraus erwachsen. Wenn sie also meint, sie muss auf eine Leiter steigen, weil meine Schwester ja so viel zu tun hat und ich gerade keine Zeit habe, und sich die Knochen bricht, dann darf sie das gerne tun. Ich bin nicht ihre Aufsichtsperson und nicht ihre Krankenschwester.
Ich bin nicht mehr bereit mir über ihre Probleme einen "Kopf" zu machen. Wenn sie Rat braucht, dann soll sie sich den Umweg über mich sparen und gleich zu meiner Schwester gehen.
Ich werde meine Entscheidungen ihr gegenüber auch nicht mehr rechtfertigen, wie das bisher der Fall war. Sie kann meine Entscheidung akzeptieren oder auch nicht. Ihre Entscheidung.
Schwieriger wird es, gegen ihre Vorwürfe immun zu werden. Bisher habe ich dazu nur die Idee - sie nicht zu kommentieren und evtl. das Thema zu wechseln.

Meine Mutter rief vorgestern an und sagte, ich sollte ihr verzeihen. Das hatten wir schon vor ein paar Jahren. Gebracht hat es Null - danach ging es weiter wie gehabt. Deshalb lege ich keinen Wert auf Entschuldigungen, sie entlasten nur das schlechte Gewissen des Täters, bringen mir aber rein gar nichts. Jetzt will sie reden... aber... ich bestimme den Zeitpunkt. Punkt.

Ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Meinungen, sie haben einen großen Anteil daran, wie ich die Situation bearbeitet habe und welche Vorgehensweise ich gewählt habe.
Die Beziehung zu meiner Mutter wird ein ganzes Stück kühler und distanzierter sein, aber sie wird authentisch sein und das ist gut. Ich muss nicht mehr so tun, als wäre alles in Ordnung.

LG
Aschenbrödel

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