Durch Therapie hervorgerufene Zustände

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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stern
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 10:41

Ich verstehe dich sehr gut, was du meinst. Nur der Tenor ist ja: Rede mit deiner Therapeutin, die aber bisher nur mit der Schulter zuckte á la: Dazu kann ich jetzt auch nichts sagen. Man kann sich im übrigen auch eine Zweitmeinung einholen... nur am Rande bemerkt. Aus meiner Sicht hier nicht dringend nötig. Sondern besser: Zunächst Thera nochmals darauf ansprechen. Aber eine Möglichkeit wäre auch das, die offen steht.

Und wir sind hier alle keine Therapeuten, die das objektivER beurteilen zu können, das ist klar... sondern natürlich fließen in die Sichtweise auch eigene Erfahrungen mit ein (und natürlich wäre noch besser, man beschränkt sich auf die eigenen Erfahrung und packt diese nicht in allgemeingehaltene Rat-schläge, die letztlich doch "nur" dem eigenen Erfahrungsschatz entsprechen . Letzteres gibt es auch).

Nur gibt es unter Therapeuten (z.B. auch unter Systemikern) die Sichtweise: Wenn es einem wegen der Therapie schlechter geht, läuft etwas schief. Mal frei gesagt. Das nennt sich in Fachsprache, glaube ich, auch iatrogen. Oder es gibt auch so eine Art von sog. maligner Regression. Tja, das zu unterscheiden, ob wir nun davon sprechen oder von einem notwendigen Heilungsschritt, kann hier niemand. Nur lese ich eben auch folgendes Bedürfnis:
Ich möchte gerne entweder A) dass ich mir in der Situation helfen kann oder B) mir meine Thera sagt wie das wieder weg geht!
sowie
Leider geht es mir sehr schlecht damit
Und es gibt vielleicht Möglichkeiten zwischen
Vor einigen Jahren wusste ich nichts von diesen kindlichen Anteilen in mir die mir inzwischen zunehmend Probleme bereiten.
Und jetzt zunehmend davon aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Skepsis ist schon angebracht, dass das so vielleicht nicht im Sinne des Erfinders ist, sondern es sich die Thera hier etwas leicht macht à la: Machen sie mal daheim dies und jenes... womit es dem Patient schlecht geht... und was eigentlich erstmal mehr in die Therapie gehört.

Was ich auch so sehe: Manchmal können leichte Veränderungen hilfreich sein. Kann sein, muss nicht. Daher ansprechen. Sagte ja so gut wie jeder.
Oder es war wichtig für sie, diese Erfahrung mal zu machen. Keine Ahnung, ich bin nicht ihr Therapeut.
Wichtig ist (aus meiner Sicht) nicht nur, was der Therapeut sagt, sondern auch das eigenen Empfinden. Hier: Mir geht es schlecht damit. Nicht jeder Therapeut tut dem Patienten einen Gefallen, wenn er sagt, das muss so sein... sondern es kann ratsam sein, trotzdem das Selbstempfinden im Blick zu haben, um zu sagen: Ist mir too much. Bitte helfen sie mir. Ein Thera wird schließlich dafür bezahlt... und nicht, dass sich der Patient einen abquälen muss.
Liebe Grüße
stern 🌈💫
»Die Dummheit hat aufgehört sich zu schämen«
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Arthur
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 10:47

Liebe Stern,

ich gebe dir sachlich vollkommen recht. Aber mir ging es hier darum, dass manche Posts hier sehr einseitig waren, in meinem Dafürhalten, und diese Einseitigkeit wollte ich nicht so stehen lassen.

Ansonsten rennst du bei mir offene Türen ein. Wieso?

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stern
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 11:10

Oh, eigentlich nichts weiter... alles i.O. Ich sehe auch keinen großartigen Widerspruch. Ich habe es lediglich nicht so einseitig wahrgenommen.

Und wenn ich noch eine Aussage aufgreifen "darf":
Meine Therapeutin sagt mir ich solle dieses Gefühl nicht wegdrücken und sie schreib mir mal, dass es gut wäre das sich das Kind bei mir melden würde.
Z.B. dem würde ich grds. zustimmen. Nur, so finde ich, macht auch die Dosis das Gift. Und mein Bauchgefühl sagt mir:
So läuft es immer ab wenn "mich das Kind besucht". Erst stundenlang verzweifelt heulen, Kopfschmerzen, verschwommene Sicht bzw. wenn es tagsüber passiert, sehe ich am nächsten Tag aus wie ein Zombie, weil ich meine Augen kaum noch aufbekommen, starke Erschöpfung.....
Nah dran ist, die TE ja... jetzt ist vielleicht die Frage, ob es nicht zu sehr ausschert (aus meiner Sicht). Bauchgefühl: Das hört sich irgendwie nicht so ganz gut an... insbes. weil das Kind ja anscheinend auch nicht versorgt werden kann.

Man stelle sich vor, es handele sich um die eigene Tochter/Sohn oder ein Kind aus der Nachbarschaft. Da würde man vielleicht auch sagen, die Eltern sollen zunächst etwas eingreifen/helfen... hast du ja i.a.W. gesagt, es evtl. bis zur nächsten Sitzung mal zu unterlassen.
Liebe Grüße
stern 🌈💫
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Arthur
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 11:38

Ok vielleicht haben wir andere Themenschwerpunkte. Das eine ist: Wie läuft es grad bei Zuckerwürfel. Da sind wir uns einig, dass es ok ist etwas Gas rauszunehmen und sich noch mal mit der Therapeutin zu besprechen.

Mir geht darüberhinaus um folgendes:
zuckerwürfel hat geschrieben:Dann mache ich wohl Methoden aus der Traumatherapie ohne Traumatherapeutin und ohne offiziell ein Trauma zu haben.
Das ist ein Floh, den man ihr hier durch Halbwissen ins Ohr gesetzt hat und bei dem ich die Gefahr sehe, dass er einen konstruktiven Austausch mit der Therapeutin eher erschwert. Das ist mein Hauptpunkt.

Und zusätzlich:
zuckerwürfel hat geschrieben: Zur Selbstfürsorge versucht mich meine Thera auch zu bewegen.
Die Gründe warum jemand Schwierigkeiten mit Selbstfürsorge hat, können vielfältig sein.
Wenn einer dieser Gründe ist, dass man sich so eine Einstellung zurechtgelegt hat : "ich habe keine Gefühle, bin nie schwach, brauche nichts!" könnte es grade hilfreich sein, das mal anders zu erleben, um diese hinderliche Einstellung aufzuweichen.

Ohne also mehr über den Therapieprozess zu wissen, finde ich Aussagen, die (überspitzt) in die Richtung gehen: "Du fühlst dich schlecht = die Therapie läuft schlecht" kontraproduktiv - oder zumindest gewagt.

Ok?

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viciente
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 11:50

stern hat geschrieben:Nur gibt es unter Therapeuten (z.B. auch unter Systemikern) die Sichtweise: Wenn es einem wegen der Therapie schlechter geht, läuft etwas schief. ....... Tja, das zu unterscheiden, ob wir nun davon sprechen oder von einem notwendigen Heilungsschritt, kann hier niemand.
.. ganz genau so seh ich das auch, denn es stimmt schon, dass therapie nicht langfristig kränker machen darf, was daran jedoch z.b. eine "erstverschlimmerung" darstellt, weil jemand sinnvoller weise in die beschäftigung mit bisher unbekannten dingen eintaucht, kann HIER aufgrund der reinen schreiberei ausnahmslos niemand beurteilen. das, was da oft kommt, sind - wie auch von dir angesprochen - sehr häufig aus dem eigenen empfinden heraus erfolgende projektionen und damit eher schädliche rat-schläge. "mach das und mach das .." bzw. "ich kenn das von mir und ich hab .." ist zwar meist lieb gemeint, aber das wars dann auch schon.
.. deshalb stimme ich da arthur auch zu und erlebe schneerose´s - u.a. unglaublich einfühlsam differenzierte - beiträge so erfrischend, weil sie den eiertanz zwischen eigener erfahrung in verbindung mit der allgemeinen nutzbarkeit des dargestellten in einer selten erlebten weise auf die reihe bringt. DAS nenne ich liebe-voll.

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stern
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:01

Arthur hat geschrieben:
zuckerwürfel hat geschrieben:Dann mache ich wohl Methoden aus der Traumatherapie ohne Traumatherapeutin und ohne offiziell ein Trauma zu haben.
Das ist ein Floh, den man ihr hier durch Halbwissen ins Ohr gesetzt hat und bei dem ich die Gefahr sehe, dass er einen konstruktiven Austausch mit der Therapeutin eher erschwert. Das ist mein Hauptpunkt.
Ja, dann scheint es so sein, dass wir unterschiedliche Schwerpunkte haben... was aber natürlich völlig o.k. ist. Ich fand das nicht sooo erheblich, was ich auch begründen kann: Denn unabhängig ob Trauma oder nicht (der Begriff kann eh verschiedene Inhalte haben): Es erscheint mir unabhängig davon als too much. Und egal ob es um eine traumaspezifische Methode handelt oder nicht: Es ist halt ein Konzept für die Arbeit mit Innenkindern... gibt es fast wie Sand am Meer (sind auch teilweise etwas abweichend ausgestaltet, auch was die Zielrichtung angeht). Selbst wenn man das dezidiert weiß, so weiß ist das immer noch nicht sooo erhellend, um von Außen abschätzen zu wollen, ob es sich um einen in irgendeiner Form heilsamen Prozess handelt oder um einen iatrogenen.

Ich sehe nur, dass die Thera ja nicht einmal vernünftige Antworten gibt. Und
So läuft es immer ab wenn "mich das Kind besucht".
dass es immer so ist... oder i.a.W. (bildlich): Nach ein paar Tassen, weiß man wie Kaffee schmeckt... den braucht man sich nicht einzuflössen bis einem schlecht ist und man einen Koffeinschock davon trägt. Die Dosis macht es oft.

Und zusätzlich:
zuckerwürfel hat geschrieben: Zur Selbstfürsorge versucht mich meine Thera auch zu bewegen.

Die Gründe warum jemand Schwierigkeiten mit Selbstfürsorge hat, können vielfältig sein.
"Zur Selbstfürsorge bewegen" klingt spannend... der erste selbstfürsorgliche Schritt ist aus meiner Sicht, erstmal die Thera zu bewegen, dass sie etwas unterstützend eingreift .
Liebe Grüße
stern 🌈💫
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viciente
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:04

stern hat geschrieben:"Zur Selbstfürsorge bewegen" klingt spannend... der erste selbstfürsorgliche Schritt ist aus meiner Sicht, erstmal die Thera zu bewegen, dass sie etwas unterstützend eingreift .
.. !

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Broken Wing
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:07

Totale Quacksalberei, was die Therapeutin da abzieht. Solange du das daheim machst, hat sie natürlich kein Problem. Aber mach das mal ein paar Stunden bei ihr. Dann hört sie sofort auf und fordert dich zum Zamreißen auf.
Ich fürchte, du steigerst dich da in etwas hinein.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Seelenhunger
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:09

Ich selber finde es schwierig mit den Erinnerungen ,die in der Therapie hervorgeholt werden zurecht zu kommen.
Man muss ausreichend stabilisiert sein,um auch mit inneren Anteilen zu arbeiten
Ich habe momentan keine therapeutische Unterstützung und habe meine Schwierigkeiten mit den aufgewühlten Erinnerungen zurecht zu kommen.
Das ist sicherlich eine persönliche Geschichte.
Aber ich mahne zur Vorsicht.
Du musst alles auch verarbeiten können.
Und mit deinen inneren umgehen können,so das es dir langfristig auch besser geht.
Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

LG Seelenhunger
LG Seelenhunger

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Arthur
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:25

stern hat geschrieben:"Zur Selbstfürsorge bewegen" klingt spannend... der erste selbstfürsorgliche Schritt ist aus meiner Sicht, erstmal die Thera zu bewegen, dass sie etwas unterstützend eingreift .
Ja, das ist eine Möglichkeit.

Zu allem anderen habe ich meine Ansichten oben dargelegt.

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Solage
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 12:48

Wir sind ja nun mal in einem Psychotherapie-Forum, in welchem selbstverständlich auch Erfahrungen ausgetauscht werden. Therapeuten sind hier ja selten unterwegs.
So gibt es immer jene, die gute und welche die schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Es fragt jemand um Rat und bekommt Antwort auch meistens aus dem eigenen Erfahrungsschatz.

Die Fragestellerin kann sich dann aussuchen, was für sie passt und entscheiden, welche Antworten hilfreich für sie sind. DAS gehört für mich auch zur Selbstfürsorge.

Mir wurde z. B. von fachlicher Seite gesagt, dass man mit Regression arbeiten kann, es aber auch wichtig ist, wieder aus der Regression herauszukommen. Am besten sei es, die regressiven Zustände zum Sitzungsende wieder aufzulösen. Das kann man, indem man die erwachsenen Anteile wieder betont.

Es besteht aber eben auch die Gefahr, sich in der Regression zu verlieren und darin abzusaufen. Das muss die Therapeutin erkennen und dem entgegenwirken.

Natürlich ist es wunderbar, wie Schneerose damit umgehen gelernt hat. Auch sehr wünschenswert.
Nur, wenn man es eben gerade nicht kann und so leidet wie Zuckerwürfel, dann besteht Handlungsbedarf!

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Broken Wing
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Beiträge: 2978

Beitrag Mi., 24.09.2014, 13:29

@ Solage: So ist es. Es ist ein Forum, außer R.L.Fellner gibt es hier keine Fachleute. Man muss auch nicht immer dazu schreiben, dass es die eigene Meinung ist. No na no net - die des Nachbarn wird's sein. Ich darf erwarten, dass bei der Anmeldung die Forenregeln zur Kenntnis genommen wurden.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Schneerose
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Beiträge: 1134

Beitrag Mi., 24.09.2014, 18:40

Hallo Broken Wing,

hm, warum sollten hier keine anderen Fachleute unterwegs sein?
Die sind ja auch nur Menschen, mit eventuellen Problemen, oder eventuell im Studium zum Psychotherapeuten...manch einer davon bringt sich vielleicht doch auf die eine oder andere Art ein.
Oder Gestalttherapie lässt auch moderne Medien zu...
also von daher denke ich ist schon einiges möglich,
aber ich hoffe auch, dass es sich hier mehr um einen Austausch unter "Gleichgesinnten", bzw. um Anregung zur Selbsthilfe handelt...

was Forenregeln beim Anmelden betrifft,
naja, da muss ich mich selber bei der Nase nehmen...
aber aus Fehlern lernt man, und wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein
Bei Gelegenheit stelle ich mich mal im Blog "neue User" vor, aber gerade eben darf ich keinen neuen Beitrag schreiben, ist noch nicht im Rahmen der Netiquette...
"Der Einzige, der sich wirklich vernünftig benimmt ist mein Schneider, er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich sieht" :->

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Thread-EröffnerIn
zuckerwürfel
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Beiträge: 69

Beitrag Mi., 24.09.2014, 18:46

Da bin ich wieder. Danke an alle die mir geantwortet haben. Ich habe auch vor meiner Therapeutin noch mal darauf anzusprechen. Muss mich allerdings noch ne Weile gedulden, da sie noch im Urlaub ist. Bin mir noch nicht sicher, ob ich ihr das vorher per Mail schreiben soll damit ich sicher sein kann das ich alles dazu sage was ich loswerden möchte. Mal sehen.

Liebe Grüße


Jenny Doe
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Beitrag Mi., 24.09.2014, 19:12

@ zuckerwürfel

ich habe bisher nur die ersten Postings des Threads gelesen. Dabei ist mir Folgendes zitat von dir aufgefallen.
Sie hat mir gesagt ich soll mir das bildlich vorstellen was ich brauche und mir eine richtig schöne Vorstellung ausmalen was das Kind in mir glücklich und zufrieden machen könnte.

Ich glaube zu wissen, was das Kind in der Situation brauchen würde, aber da ich das nicht bekommen kann (es gibt ja keinen Mutterbestellservice) bleibt mir doch nur meine Fantasie.
Mir kamen folgende Gedanken:
Hilft es Dir, wenn du dir ein Ende vorstellst, das es in der Realität nicht gegeben hat und nie geben wird?
Wäre dir vielleicht mehr geholfen, wenn du die Realität so wie sie war und ist verarbeiten würdest, in dem Sinne, dass du lernst damit zu leben, dass du keine Mutter hast und lernst dir heute, das was du brauchst, in der Realität zu suchen?

Ich kann das, was Du schreibst, nachvollziehen, ... weiß natürlich nicht, ob es bei dir so sein könnte, wie es bei mir war. Ich fand den Ansatz, mir vorzustellen, wie alles schön endet, sehr schmerzhaft. Denn er machte mir noch mehr bewusst, als es mir ohnehin schon bewusst, dass Mutterliebe nur ein Traum ist und bleibt. Ich persönlich hätte es hilfreicher gefunden, wenn man mir dabei geholfen hätte mit der Realität, so wie sie war und ist, umzugehen.

Ich sollte mich damals auch um das "innere Kind" kümmern und ihm das geben, was es nie hatte. Ich bin in den Drogeriemarkt gegangen und habe mir eine Babyflasche gekauft, mit der ich mich am Abend (einmal und nie wieder) ins Bett legte. Abgesehen davon, dass ich mir mehr als albern vorkam, machte mir diese Erfahrung bewusst, dass ich nicht mehr das kleine Kind bin, das ich einst war. Ich bin heute erwachsen und manche kindlichen Bedürfnisse lassen sich heute nicht mehr befriedigen. Als ich das (selber) kapierte, habe ich den halben Schritt richtung "Heilung" geschafft, denn mir wurde klar, dass ich lernen muss zu akzeptieren, dass meine Kindheit verlaufen ist wie sie verlaufen ist, und dass ich trauern und loslassen muss und lernen muss mit der Realität zu leben wie sie war und ist. Heute habe ich solche Bedürfnisse gar nicht mehr.
Lerne aus der Vergangenheit, aber mache sie nicht zu deinem Leben. Wut festhalten ist wie Gift trinken und darauf warten, dass der Andere stirbt. Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens.

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