Gruppentherapie - hat schlecht angefangen

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 20:56

chrysokoll hat geschrieben: So., 05.07.2020, 19:49
sie ist doch keine aussenstehende neutrale Beobachterin, sondern aufgrund psychischer Probleme eine Teilnehmerin in einer Gruppentherapie, mitten im Gruppenprozess, ob sie will oder nicht.


Wenn du neu in eine Gruppe reinkommst bist du immer erst mal neutraler und unvoreingenommener Beobachter, da ist es egal ob du psychisch krank bist oder nicht und ob die neue Gruppe eine Schulklasse, ein Yogakurs oder eine Gruppentherapie ist.

Die soziale Situation "neu in einer Gruppe" ist immer die selbe.

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chrysokoll
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Beitrag So., 05.07.2020, 20:57

ich seh das anders und mich macht eben so ein "ich seh als einzige die Realität und alle anderen nicht" stutzig und hellhörig

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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 20:59

mio hat geschrieben: So., 05.07.2020, 20:17 Nur weil jemand psychische Probleme hat leidet er noch lange nicht automatisch auch an einem Verlust des Realitätssinns.


Gerade wenn man traumatisiert ist kann es auch sein, dass man feine Antennen für subtile Gewalt in der Kommunikation hat.


Ich finde es unverantwortlich, wenn ein Therapeut aggressive Gruppendynamiken einfach so laufen lässt. Immerhin haben viele Menschen mit psychischen Problemen Gewalterfahrungen machen müssen und sind deswegen krank geworden. Für solche MUSS eine Therapie ein geschützter Raum sein wo klar ist, dass keine Gewalt, auch keine in Form von verbalen Übergriffen und Verurteilungen passiert.

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Montana
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:02

Wer neu in einer Gruppe ist, ist doch an den Beziehungen innerhalb der Gruppe noch gar nicht beteiligt. Von "mitten im Gruppenprozess" kann gar keine Rede sein.
Ich habe mal an einer roten Ampel stehend einen Unfall mitten auf einer Kreuzung unmittelbar miterlebt. Und mir war vollkommen klar, wer den verursacht hatte. Ich blieb dort bis zum Eintreffen der Polizei um als Zeugin zur Verfügung zu stehen. Und niemand hat mir gesagt, ich hätte nur meine eigene Realität gesehen. Obwohl natürlich der Unfallverursacher gerne eine andere gehabt hätte.
Btw: der Therapeut hat doch sogar bestätigt, dass die Gruppe schon vor der Teilnahme der TE eine Art Kampfarena war.

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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:03

chrysokoll hat geschrieben: So., 05.07.2020, 20:57 ich seh das anders und mich macht eben so ein "ich seh als einzige die Realität und alle anderen nicht" stutzig und hellhörig


Naja, das muss ja wohl der Fall sein, wenn da eine Therapiegruppe von Menschen sich ständig gegenseitig verbal anmachen und weder der Therapeut noch die beteiligten Klienten das irgendwie unnormal oder veränderungsbedürftig finden. Die sehen dann ganz offensichtlich alle die Realität nicht, wenn so ein Kommunikationsstil für die alle okay ist und Konflikte einfach laufen und laufen und laufen ohne dass das zeitnah gelöst wird.

Ich meine, es gibt auch Familien, da ist so ein Umgang üblich und niemand findet es unnormal. :roll:
Zuletzt geändert von münchnerkindl am So., 05.07.2020, 21:05, insgesamt 1-mal geändert.


mio
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:04

Natürlich wissen wir das nicht, wir können nur das lesen was sie geschrieben hat.

Für mich klingt das Verhalten der Gruppe allerdings schon nach "Frühstörungen", so wie sie es beschreibt. Und was das angeht so finde ich eben dass man sich als jemand der vielleicht ganz andere Probleme hat da dann zu Recht "fehl am Platz" fühlen würde und sich das dann echt besser ersparen sollte und nach einer anderen Therapiemöglichkeit Ausschau halten.

Ob es so ist oder nicht kann hier ja niemand sagen, da kann sie nur selbst in sich gehen und für sich abklären ob solche Probleme nun "typisch" für sie sind oder nicht.

Ich finde es nur falsch es so darzustellen als hätte jeder Mensch mit einem psychischen Problem automatisch ein Problem damit die Realität korrekt sehen zu können, das stimmt einfach nicht. Wenn so argumentiert wird dann kommen bereits da schon wieder ganz viele Projektionen ins Spiel und die Sachebene wird verlassen. Es hat nun mal nicht jeder psychisch Kranke ein Problem mit dem "Strukturniveau" und wer damit kein Problem hat wird wahrscheinlich nicht von einer Gruppe profitieren die sich aus Patienten zusammensetzt die ein solches Problem haben sondern der wird dann eher an der Situation verzweifeln wenn er sich da krampfhaft reinzwingt. Dahinter steht dann zwar sicher auch ein ernstzunehmendes Problem, aber das lässt sich dann auf anderem Wege wahrscheinlich konstruktiver lösen als durch "aushalten".

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Montana
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:05

Das nennt sich auch Betriebsblindheit.

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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:14

mio hat geschrieben: So., 05.07.2020, 21:04 Natürlich wissen wir das nicht, wir können nur das lesen was sie geschrieben hat.

Für mich klingt das Verhalten der Gruppe allerdings schon nach "Frühstörungen", so wie sie es beschreibt.



Ich kenne auch genug Leute mit solchen Störungen die ganz normal höflich sind.

Es ist eine Sache, wenn einem mal in einer Stresssituation die Sicherung durchbrennt und man überreagiert. Das findet man hinterher scheiße und peinlich und entschuldigen sich ggf auch hinterher für den Ausbruch.Das ist dann eine im Prinzip nette, menschenfreundliche Person wo halt gewisse Situationen überfordern und es zu solchen Reaktionen kommen kann.

Es ist was anderes, wenn Leute generell ein antisoziales Kommunikationsverhalten haben und da auch kein Problembewusstsein haben und einfach jede ihrer Launen an anderen ausagieren.

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Emily_Erdbeer
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:17

Ich sehe es ganz einfach.
Tut mir die Gruppe gut? Wenn nein, weg damit.
Völlig egal ob ich die Vollgestörte bin oder aber die in der Gruppe oder der Therapeut.

Dieses ganze psychologisieren Und bis ins kleinste Detail zerdenken bringt doch nichts, wenn es mir damit nicht gut geht.

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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:24

mio hat geschrieben: So., 05.07.2020, 21:04Es hat nun mal nicht jeder psychisch Kranke ein Problem mit dem "Strukturniveau" und wer damit kein Problem hat wird wahrscheinlich nicht von einer Gruppe profitieren die sich aus Patienten zusammensetzt die ein solches Problem haben


Von "einfach laufen lassen" profitieren auch die Leute mit dem aggressiv-dysfunktionalen Kommunikationsverhalten nicht. Wenn alle das so machen und das sogar vom Leiter so toleriert wird, warum sollten die dann jemals irgendwas dran ändern wollen? Und von wem sollten sie ein anderes Kommunikationsverhalten lernen?

Ich meine, auch Kinder lernen irgendwann aktiv durch das Eingreifen der Erwachsenen einen gewissen Respekt, dass gewisse Wörter nicht gehen, dass man andere ausreden lässt, dass man nicht rumschreit oder ständig nervt etc. Wenn die auf einem Entwicklungsniveau sind wo das noch nicht etabliert ist, dann ist es eben der Job des Therapeuten das zu tun. Weil wie bei Kindern, wenn übergriffige Erwachsene keine Grenzen gesetzt bekommen dann hören sie mit dem übergriffigen Verhalten auch nicht auf.

Dabei kann der Therapeut ja ganz höflich und nett vorgehen und aggressiv vorgetragene oder übergriffige Wortbeiträge einfach abbrechen und freundlich auf die Höflichkeitsregeln verweisen. Das hätte dann eine Chance, bei den verbal übergriffigen Leuten mal einen Denkprozess einzuleiten anstatt sie nur in ihrer ewigen Leier weitermachen zu lassen.

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Montana
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Beitrag So., 05.07.2020, 21:26

@Emily: Das stimmt allerdings. Und ich finde es mutig, das überhaupt auszuprobieren, so eine ambulante Gruppe. Ich würde das definitiv nicht machen.


mio
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Beitrag So., 05.07.2020, 22:17

münchnerkindl hat geschrieben: So., 05.07.2020, 21:14 Ich kenne auch genug Leute mit solchen Störungen die ganz normal höflich sind.
Die kenne ich auch, aber das ist eben nicht sonderlich "zuverlässig". Dh. man weiss nie wann die nächste Bombe hochgeht und auf sowas habe ich zB. wenig Lust. Und auch Entschuldigungen greifen sich irgendwann ab. Freiwillig tue ich mir das eher nicht an wenn es gehäuft vorkommt, unabhängig davon wie die Person dann im Nachgang damit umgeht, weshalb ich mir auch eher die "Grundsatzfrage" (Bringt mir diese Gruppe vielleicht was für meine EIGENEN Baustellen oder sehe ich das für mich so gar nicht?) stellen würde und weniger die Frage ob der Therapeut da was anders handhaben könnte/müsste bzw. mit besserem Beispiel vorangehen.

Das Grundproblem bleibt ja bestehen auch wenn der Umgang damit ein "sozial verträglicherer" wird/wäre und wenn man sich damit einfach nicht wohl fühlt dann ist es der falsche Platz/Kontakt für einen selbst.

Es will auch gelernt sein nicht immer alles zu "entschuldigen".


mio
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Beitrag So., 05.07.2020, 22:39

münchnerkindl hat geschrieben: So., 05.07.2020, 21:24 Ich meine, auch Kinder lernen irgendwann aktiv durch das Eingreifen der Erwachsenen einen gewissen Respekt, dass gewisse Wörter nicht gehen, dass man andere ausreden lässt, dass man nicht rumschreit oder ständig nervt etc. Wenn die auf einem Entwicklungsniveau sind wo das noch nicht etabliert ist, dann ist es eben der Job des Therapeuten das zu tun. Weil wie bei Kindern, wenn übergriffige Erwachsene keine Grenzen gesetzt bekommen dann hören sie mit dem übergriffigen Verhalten auch nicht auf.
Funktioniert Gruppe so? Ich habe damit keine Erfahrung, sehe den Therapeuten da aber eher in "moderierender" Funktion und weniger als "Lehrer", das wäre für mich dann eher in einer Einzeltherapie gegeben.

Ich habe es immer so verstanden dass die Gruppe sich da schon auch "selbst regulieren" soll, also eher ähnlich einer "Kinderschar" die untereinander lernt Konflikte zu lösen und nur im "Notfall" zu Mama oder Papa rennt damit die regulierend/unterstützend eingreifen.

Der Umgangston ist ja nur das eine, das andere ist ja der hinter dem Umgangston liegende Konflikt und der "verschwindet" ja nicht dadurch dass ich Umgangsformen aufzwinge.

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Beitrag So., 05.07.2020, 22:51

mio hat geschrieben: So., 05.07.2020, 22:39 Funktioniert Gruppe so? Ich habe damit keine Erfahrung, sehe den Therapeuten da aber eher in "moderierender" Funktion und weniger als "Lehrer", das wäre für mich dann eher in einer Einzeltherapie gegeben.

Ich habe es immer so verstanden dass die Gruppe sich da schon auch "selbst regulieren" soll,

Wie soll sich eine Ansammlung übergriffig-aggressive Menschen ohne Problemeinsicht selbst regulieren?

Ich kenne Gruppen so, dass es Kommunikationsregeln gibt die völlig klar kommuniziert werden und eine Aufgabe des Leiters ist, einzuschreiten, wenn jemand sich nicht an die Regeln hält. Um über intime Lebenserfahrungen etc zu sprechen braucht es einen Rahmen wo sich alle Beteiligten sicher fühlen können. Wie soll eine Gruppentherapie funktionieren, wenn ich mit einem übergriffigen Kommentar rechnen muss oder man mich nicht ausreden lässt wenn ich mich öffne und etwas privates aus meinem Leben berichte?

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münchnerkindl
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Beitrag So., 05.07.2020, 22:56

mio hat geschrieben: So., 05.07.2020, 22:39
Der Umgangston ist ja nur das eine, das andere ist ja der hinter dem Umgangston liegende Konflikt und der "verschwindet" ja nicht dadurch dass ich Umgangsformen aufzwinge.

Da ist es dann der Job des Therapeuten das so zu moderieren, dass das wirkliche Problem gesucht und in adäquater Kommunikationsform besprochen wird.

Wenn jemand so unfähig ist einfache Höflichkeitsregeln in einem Gespräch einzuhalten wie nicht unterbrechen, keine Abwertungen, kein Gezanke anfangen, dann gehört so eine Person meiner Meinung nach nicht in eine tiefenpsychologische Gruppentherapie. Der braucht dann halt etwas anderes, DBT zur Affektregulierung, Verhaltenstherapie oÄ.

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