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Mi., 08.06.2016, 09:00
Baerchen:
Bei mir selbst war es so (und ich habe dieses Selbstzerstörerische auch mitgebracht, dass es mir einfach nicht besser gehen durfte), dass ich das einerseits gebraucht habe, dass der Therapeut immer mal bei bestimmten Situationen sich auf meine Seite gestellt hat, wenn ich ihm von einem bestimmten Erlebnis berichtet habe. Dass er aber in anderen Situationen unsere Aufmerksamkeit auf MEIN Verhalten gelenkt hat, und ich halte beides für sehr wichtig: zu erfahren, dass es auch Menschen wirklich gut mit einem meinen. Und zu erfahren: Ich bin selbst nicht so machtlos, klein und schwach, wie ich mir das vorstelle. Ich habe Handlungsmöglichkeiten und muss niemandem die Macht darüber geben, wie der mich findet.
Vielleicht kannst du dir das auch bildlich vorstellen, dass du zwei Felder bearbeiten musst: den Umgang der Anderen mit dir und deinen Umgang mit dir selbst (und, na klar, auch mit den Anderen). Das erste Feld kannst du in der Vergangenheit nicht mehr beheben. Du kannst aber anerkennen, dass das Teil deiner Geschichte ist. In der Gegenwart kannst du lernen, dich abzugrenzen, was besser funktioniert, wenn du das zweite Feld bearbeitet hast und lernst, dich selbst wichtig zu nehmen. Dich überhaupt erst mal zu spüren, mit allem, was da ist. Das war auch eine wichtige Sache, die ich erfahren habe. Ich habe mich immer selbst kritisiert in der Therapie, für mein Langsamsein, für mein Selbstmitleid, für mein "Rumgelabere". Und er war da immer ganz ruhig und freundlich und sagte: "Und selbst WENN es so wäre: Sie dürfen hier so sein, wie Sie sind und wie Sie sich fühlen". Ich konnte dann irgendwann anfangen, mich selbst klarer zu sehen, ohne das bewerten zu müssen. Versuche doch "einfach mal" herauszufinden, wer du bist. Ohne im Hinterkopf die Bewertungsmaßstäbe der Anderen mit dir rumzuschleppen, die dir nichts nützen.