Ein wunderbarer Film u.a. über Sex im Alter.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolke_9
Auch darüber, dass eine Trennung nie einfach ist. Darüber, dass Sex nicht alles im Leben ist, aber etwas Besonderes.
Elmar, du hattest gefragt, ob ich es für denkbar halte, dass auch jemand, der bisher kein/ wenig Interesse an Sex gezeigt hat, das plötzlich tun würde, wenn er/ sich sich neu verliebt. Klar tue ich das, sonst hätte ich es nicht geschrieben.
Keine Garantie, keine zwingende Folge oder irgendwas - einfach eine Erfahrung, die ich in meinem Freundeskreis auch schon mitbekommen habe.
Dass es einfacher ist, sich in einen neuen Partner zu verlieben, als eine langjährige Beziehung wiederzubeleben -klar. Aber ich kenne eben auch mindestens ein Paar, das sich mit über 40 neu-gefunden hat, nach einer heftigen Krise, die in ähnlicher Form bei anderen Paaren eine Trennung zur Folge hat (ich glaube, auch das Paar war kurz getrennt. Lebt aber seitdem auf einer völlig anderen Basis miteinander. Besser miteinander.).
In meiner Welt ist Sex nicht einfach ein Bestandteil von vielen in einer langen Paarbeziehung.
Sex ist für mich ein Rückzugsort, der nur mir und meinem Mann gehört, wo wir etwas teilen, was ganz exklusiv uns gehört. Damit ist Sex gleichzeitig die Quelle von Zweisamkeit als auch Folge von erlebter Zweisamkeit in anderer Form im Alltag. Je näher ich mich meinem Mann im Alltag verbunden fühle, desto mehr Lust habe ich, mit ihm zu schlafen. Zu unserer Nähe und Zweisamkeit gehören aber unabdingbar auch Konflikte, ein immer wieder aufs Neue Erleben von: du bist du und ich bin ich. Du hast dein Leben, ich habe meins. Du empfindest das so, ich ganz anders. Wir sind ZWEI, die manchmal die Sehnsucht haben, EINS sein zu wollen, oder sich zumindest ganz nah sein zu wollen.
Ich schildere das, damit hoffentlich deutlich wird, dass es für mich komplett selbstverständlich ist, dass Sexleben und "sonstiges emotionales Leben" (ich weiß nicht mehr, wie du es genau ausgedrückt hattest) zusammen gehören.
Nicht in einer einfachen Gleichung übrigens, Beziehung super = Sex super. Manchmal ist der Alltag besonders ätzend und der Sex darum besonders wichtig (ist aber selten so bei uns).
Außerdem meine ich nicht, dass es für ein zufriedenes Sexleben irgendeinen objektiven Maßstab geben kann -
ein Paar kann sich also durchaus darauf einigen wenig/ keinen Sex zu haben, Sex nur außerhalb der Paarbeziehung zu haben oder was auch immer. Aber ein Sexleben, mit dem beide offen zufrieden sind, ist für mich nicht zu trennen von einer erfüllten Beziehung.
Was dann bei Problem die Henne und was das Ei ist, könnte man sich ja bei euch z.B. fragen. Aber vermutlich hilft einem die Antwort nicht so viel weiter. Tatsache ist: es fehlt jetzt etwas. Sex UND liebevolle Nähe, Interesse füreinander etc.
Meine Vermutung ist, dass auch deiner Frau etwas fehlt - aber wie dem auch sei, der einzige, der Verantwortung für dich und dein Handeln übernehmen kann, bist du selber. An wem immer es liegt, dass euer Sexleben nicht befriedigend für dich ist: es ist deine Entscheidung, dies nicht mehr offen zu thematisieren, trotzdem zu bleiben, gelegentlich Prostituierte aufzusuchen etc.
Diese Entscheidung kann für dich genau die richtige sein - mein Anspruch an eine Entscheidung die sich für mich richtig anfühlt ist aber der: ich kann offen zu ihr stehen (v.a. denjenigen gegenüber, die die Entscheidung unmittelbar mitbetrifft) und ich empfinde sie durch und durch als MEINE Entscheidung. Zu der ich natürlich aufgrund der Umstände (die auch durch andere mitgeprägt sind) gekommen bin, die aber letztlich meine Entscheidung ist.
Und diese beiden Punkte fehlen mir bei dir, Elmar. Denn du lässt immer wieder durchblicken, dass es ja eigentlich deine Frau ist, die etwas tun müsste, getan haben müsste etc. Dass du eigentlich nicht anders kannst (sprich: von ihr quasi gezwungen wirst) als so zu handeln (und dass es deshalb auch leidlich o.k. ist, deine Entscheidung für dich zu behalten).
Ich glaube, dass du dir mit dieser Haltung selber schadest - und das ist der Punkt, an dem ich auch sagen würde, dass eine Therapie helfen könnte.
Rosenfüchsin