Hier ein guter Artikel in der FAZ, betrifft auch die Flüchtlingspolitik
Abschied von den Lebenslügen
In der FAZ ist ein guter Kommentar von Berthold Kohler erschienen zum Ergebnis der Abstimmung über das türkische Referendum, macht auch Aussagen zur Flüchtlingspolitik und diese möchte ich hier zitieren:
Die knappe Zweidrittelmehrheit, die in Deutschland die Verwandlung der Türkei in ein Erdoganistan befürwortete, wirft kein gutes Licht auf die politische Kultur der hier lebenden Türken. Das müssen nun selbst jene Politiker und Parteien zugeben, die jahrzehntelang ein Loblied auf den Multikulturalismus sangen und ihm eine heilsame Wirkung gegen den Nationalismus zuschrieben – gegen den deutschen Nationalismus natürlich, denn einen böseren gab es aus Sicht der Multikulti-Ideologen nicht. Phänomene, die nicht in diese Weltanschauung passten, wurden schlicht ignoriert oder einem angeblichen Versagen der Mehrheitsgesellschaft angelastet.
Diese Reflexe sind selbst in der aktuellen Debatte noch zu erkennen, obwohl viele Lebenslügen der deutschen Ausländer- und Einwanderungspolitik schon vor Jahren aufgeflogen sind.[.]
Der größte Fehler der deutschen Integrationspolitik war es nicht, zu abweisend gewesen zu sein; sie war im Gegenteil zu großzügig und von einem falschen Verständnis von Toleranz geprägt. Die Immigration verlief bis in den Flüchtlingsherbst 2015 hinein weitgehend ungesteuert. [.]
Die Integration von vielen Menschen aus anderen Kulturkreisen, das müsste den Ingenieuren des Politischen inzwischen klar sein, gehört zu den schwierigsten Aufgaben, mit denen ein Gemeinwesen konfrontiert werden kann. Staaten, ihre Organe und ihre Bürger können einiges dafür tun, damit dieses Unterfangen gelingt – doch ist alle Müh’ vergebens, wenn die Eingewanderten sich gar nicht integrieren wollen.
Nationale und kulturelle Bindungen bestehen über Generationen hinweg und prägen politische Ansichten. Integrationsprozesse können, wie mitunter auch in Deutschland zu beobachten, rückwärts ablaufen. Schon die Zweidrittelmehrheit für Erdogan ist schmerzlich genug. Doch könnte es, wenn auch vielleicht erst in Jahren oder Jahrzehnten, zu weit schlimmeren Erfahrungen kommen, wenn die deutsche Politik die Lektionen, die ihr nicht erst an diesem Ostersonntag erteilt wurden, in der Flüchtlingsfrage ignoriert.
http://www.faz.net/aktuell/politik/tuer ... 77133.html
oder auch hier:
Die schleichende Veränderung europäischer Städte am Beispiel der Pariser Banlieues.
Frankreich: Vorstadt-Cafés als No-Go-Areas für Frauen
https://kurier.at/politik/ausland/frank ... 59.117.882