Ich will, dass mein Therapeut...

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Medea
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Ich will, dass mein Therapeut...

Beitrag Sa., 05.12.2009, 23:14

... mir im Alltag über den Weg läuft.
... mich gut findet und sich über mich freut.
... mich bewundert, wie gut ich alles meistere und wie lebendig
ich wieder bin.
... da ist wenn ich Angst habe oder mich alleine fühle und mich beschützt.
... mit mir zum Sport kommt und mir Anerkennung schenkt.
... meine Hand nimmt und sie ganz lang nicht mehr los lässt.
... ein guter Freund wird


Was ist nur los mit mir? Immer wieder erwische ich mich mit solchen Fantasien und Wünschen - bin dann entsetzt über mich selbst und versuche, diese Gedanken sofort zu stoppen.
Denn in Wirklichkeit will ich das gar nicht. Aber in meiner Phantasie.

Was soll ich damit anfangen? Woher kommt das? Warum denke ich so etwas?

Würde er mir tatsächlich im Alltag über den Weg laufen, würd ich wohl am liebsten im Erdboden versinken.
Aber warum denke ich dann so? Wie kann ich das stoppen?

Ich habe einerseits das Gefühl, mit diesen Gedanken meinen therapeuten zu mißbrauchen, zweitens meinen Mann zu hintergehen und drittens mir selbst was vor zu machen.

Was ist nur los mit mir?

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metropolis
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Beitrag So., 06.12.2009, 04:03

...mich in den Arm nimmt, wie eine Tochter, und mich hält, bis meine Tränen getrocknet sind
...die Therapie nie beendet und mich für immer bleiben lässt
...sich mir öffnet, damit auch ich für ihn dasein kann
...so wundervoll bleibt wie er ist
...nie aus meinem Gedächtnis verschwindet
...sich durch meine Therapie weiterentwickeln kann und von meinem Input profitiert
"Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können!"

Theodor Storm

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TimpeTe
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Beitrag So., 06.12.2009, 09:16

......mich mehr liebt als alle anderen
......mich als Frau wahrnimmt und begehrensert findet
......für mich Vater und Mutter zugleich ist
......mich intelligenter findet als alle anderen

ICH WILL DIE NR. 1 SEIN IN SEINEM LEBEN.............

Medea.....das was du fühlst ist ganz normal. Vielleicht kannst du das ja in der Therapie ansprechen. Ich weiss, das ist für viele peinlich, aber vielleicht wird ja aus diesen beiden ersten Beiträgen zu diesem Thema schon deutlich, dass du mit deinem Problem nicht alleine bist. Für uns Patienten ist alles neu, all diese Gefühle die sich da in die Seele schleichen, -ob man sie will, oder nicht.......Aber für dein Therapeut ist das ein bekanntes Geschehen. Und wenn er seine Arbeit gut macht, wird er ganz behutsam damit umgehen. Ich bin dabei zu diesem Thema ein Buch zu schreiben, weil mich das Heilungspotenzial dieser "Liebe", (die wirklich auch Liebe ist) so fasziniert. Titel: es ist die Liebe die heilt, sagt mein König.....
Wenn es machbar ist, so lass auch das schlechte Gewissen deinem Mann gegenüber, Mann/Frau muss nicht monogam lieben, unsere Herzen sind gross, da ist viel Raum zu lieben. Lieben zu können ist immer eine Bereicherung des Innenlebens. Es ist eine verwirrende Zeit, ich weiss wovon ich spreche. Aber mit der Zeit wird alles klarer, deutlicher und man kann es als "die tiefe Sehnsucht nach der Liebe der Ur-Mutter/Vater" erkennen ,welche
uns Menschen bedingungslos annimmt und liebt Ein lieber Gruss zu dir, medusa52
Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. (Mark Twain 1835-1910)

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~silence~
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Beitrag So., 06.12.2009, 09:57

... mich annimmt, wie ich wirklich bin.
... meine Gefühle akzeptieren kann, seien sie noch so irrational.
... mir Hoffnung aufzeigt, wo ich keine mehr sehe.
... unbewusste Vorgänge bewusst macht, um sie gemeinsam zu verstehen.
... immer aufs Neue versucht meine wahren Beweggründe zu verstehen.
... mich nicht nur als eine Patientin von Vielen sieht.
... mir immer als Anker erhalten bleiben wird.
... irgendwann mal mehr von sich zeigt und ich erkennen darf, wer er wirklich ist.
"Mir geht es nicht gut", sagte die Seele ~
"Aber der Mensch hört nicht auf mich".
"Dann lass mich krank werden", sagte der Körper ~
"Dann muss er auf Dich hören".

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Medea
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Beitrag So., 06.12.2009, 14:16

Hallo liebe alle,

danke für eure Texte - also ich seh schon, dass es anderen auch so geht. Das ist ein kleiner Trost.

Dennoch glaube ich, mein Therapeut ist der falsche Adressator. Ich sollte diese Liebe, Anerkennung, Bewunderung, ect. von einer anderen Stelle bekommen und mir wünschen, nicht von ihm.
Er führt schließlich ein eigenstädniges Leben, ist verheiratet, hat Familie ect. und ich bin nur eine von einer ganzen Reihe an Klienten.
Wenn ich ihm das alles erzähle - überfordere ich ihn da nicht otal?

Also wenn jetzt eine Klientin meines Mannes solche Wünsche an ihn hätte und ich das wüßte - da würd ich ganz schön sauer werden....

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melli26
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Beitrag So., 06.12.2009, 14:29

hallo medea,

schöne thread idee und interessante beiträge, indenen ich mich total wiederfinde;-)

du schreibst, das dein therapeut der falsche wäre. beziehst du das auf die gefühle die er in dir weckt, bzw. die wünsche die du an ihn hast?

also ich kann dir sagen, dass ich mich in der gleichen situation befinde momentan. bespreche das auch mit meiner therapeutin. Die übertragung dieser gefühle und wünsche sind erlaubt und auch so wie ich das alles verstehe auch erwünscht. wenn ich den ganzen theoretischen hintergrund von psychotherapie / analyse richtig deute, kannst du sogar froh sein darüber, dass es sich momentan so entwickelt.

wenn du mit deinem thera darüber sprichst, könnt ihr sehr gut damit arbeiten. also ich persönlich habe super positive erfahrungen damit gemacht!

lg
melli
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anderer, du hinterläßt sonst selbst
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~silence~
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Beitrag So., 06.12.2009, 14:39

Hallo Medea
Medea hat geschrieben:Wenn ich ihm das alles erzähle - überfordere ich ihn da nicht total?
Ich weißt jetzt gar nicht was für eine Therapie Du machst,
aber ich denke nicht, dass Du Deinen Therapeuten überfordern würdest.
Es sind durchweg positive Gedanken, die Du ihm entgegen bringst -
warum also nicht aussprechen? - Therapeuten müssen mit so etwas umgehen können.
Das haben sie in ihrer Ausbildung gelernt.
Medea hat geschrieben:Also wenn jetzt eine Klientin meines Mannes solche Wünsche an ihn hätte und ich das wüßte - da würd ich ganz schön sauer werden....
Das ist ein berechtigter Gedanke! Jedoch denke ich, dass es nicht der richtige Weg sein kann sich in Therapiesitzungen mit seinen Einfällen zurückzuhalten, um die Frau des Therapeuten nicht zu belasten. Sie wird wohl wissen, dass ihr Mann so einiges zu hören bekommt. In den Sitzungen geht es ganz allein um Dich.

Trotzdem ist das leichter gesagt als getan. Ich tue mich auch sehr schwer mit Aussagen, die meinen Therapeuten direkt betreffen. Das hat bei mir auch sehr viel mit Scham zu tun ihn direkt anzusprechen.

Trau Dich!

LG
~silence~
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münchnerkindl
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Beitrag So., 06.12.2009, 16:08

Medea hat geschrieben:
Dennoch glaube ich, mein Therapeut ist der falsche Adressator. Ich sollte diese Liebe, Anerkennung, Bewunderung, ect. von einer anderen Stelle bekommen und mir wünschen, nicht von ihm.
Er führt schließlich ein eigenstädniges Leben, ist verheiratet, hat Familie ect. und ich bin nur eine von einer ganzen Reihe an Klienten.
Wenn ich ihm das alles erzähle - überfordere ich ihn da nicht otal?
Ja, nur Gefühlen ist es mitunter völlig egal, ob das Objekt des Begehrens nun das gewünschte ist. Immerhin ist es mit dem Therapeuten vermutlich noch weniger belastend wie mit dem netten Arbeitskollegen den du jeden Tag siehst, oder?

Seinen eigenen Emotionen solche "sollte nicht" Vorschriften zu machen ist nicht wirklich sinnvoll. Sinnvoll ist eher, wie man wenn es denn passiert ist konstruktivst möglcih damit umgeht.
Medea hat geschrieben:Also wenn jetzt eine Klientin meines Mannes solche Wünsche an ihn hätte und ich das wüßte - da würd ich ganz schön sauer werden....
Na, diese Partnerin wird ihn sich vermutlcih schon als Therapeut ausgesucht haben und wissen, was der Job ihres Gatten so mit sich bringt. Ich schätze, solche Wünsche und Sehnsüchte sind für Therapeuten täglich Brot. Stell dir mal vor, die Frau eines Gynäkologen oder Skilehrers....
Man geht ja bei einem Therapeuten davon aus, daß er (sie) sich an das Abstinenzgebot hält. Daß ein Therapeut eine mitunter sehr intime Verbindung zu Klienten hat, das gehört zum Beruf dazu.

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Freistil
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Beitrag So., 06.12.2009, 20:18

Oh Leute,
dieser Thread und was ihr so schreibt, weckt echt Schmerz in mir. Mir gehts genauso und ich kämpfe irgendwo im Niemandsland zwischen "lass deine Wünsche zu, es ist okay, es wird dir viiiiiel über dich selbst zeigen" und "lass ja die Finger von diesen deinen Wünschen, sie werden nie never ever erfüllt werden, es tut dir einfach nur weh".
Ja, ich will, dass mein Therapeut...
- mich irgendwann einmal lange in der Arm nimmt
- an mich glaubt, wenn ich es nicht tue
- sich auf die Zeiten mit mir freut
- sich traut, mir etwas von sich selbst zu erzählen
- nicht geht, wenn die Analyse vorbei sein wird.
Und es tut soooo weh, das alles zu fühlen.
Ich denke, dass man all das fühlen DARF, dass es dazu gehört und dass es einem, wenn man sich dem stellt, viel über sich selbst verrät. Aber es wird auch Tränen kosten...
LG Eure freistil (nachdenklich)
Wenn das Herz denken könnte, stünde es still. (Pessoa)

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SamuelZ.
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Beitrag So., 06.12.2009, 20:33

... mir seine volle Aufmerksamkeit widmet, wenn wir uns gegenüber sitzen.

und wenn er dies nicht tut (Wecker gucken, zuviel Mitschreiben, nicht mehr erinnern...) dann werde ich richtig sauer.

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Tröte
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Beitrag So., 06.12.2009, 20:36

...dass sie mir meine ängste nimmt
...dass sie mir hilft, dass es mir wieder besser geht
...dass sie mich in den arm nimmt und mich tröstet
...dass sie mich nicht alleine lässt
...dass sie mir sagt, dass alles wieder gut wird
...dass sie mir sagt, was ich tun muss, damit es mir wieder gut geht

Zuletzt geändert von Tröte am So., 06.12.2009, 21:08, insgesamt 1-mal geändert.
"But these stories don't mean anything, when you got no one to tell them to. It's true, I was made for you :heart: "

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nacht01
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Beitrag So., 06.12.2009, 21:06

...dass er mir glaubt...
...dass er micht nicht fallen lässt...

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TimpeTe
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Beitrag So., 06.12.2009, 21:32

Es tut gut, eure Beiträge zu lesen....Es ist schön, dass ihr so ehrlich sein könnt......,Weil es sooooo schwierig ist........, und weil ich jetzt lesen kann, dass ich nicht alleine bin, die solches erlebt, oder erlebt hat. Danke euch allen......Medusa52
Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. (Mark Twain 1835-1910)

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hungryheart
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Beitrag Mo., 07.12.2009, 11:58

münchnerkindl hat geschrieben:
Medea hat geschrieben:Also wenn jetzt eine Klientin meines Mannes solche Wünsche an ihn hätte und ich das wüßte - da würd ich ganz schön sauer werden....
Na, diese Partnerin wird ihn sich vermutlcih schon als Therapeut ausgesucht haben und wissen, was der Job ihres Gatten so mit sich bringt. Ich schätze, solche Wünsche und Sehnsüchte sind für Therapeuten täglich Brot. Stell dir mal vor, die Frau eines Gynäkologen oder Skilehrers...

Naja, Frauen, die zum Gynäkologen gehen, haben auf dem Stuhl meistens keine verliebten Sehnsüchte, oder? Schon noch ein UNterschied.

Ich habe zwar keinen Therapeuten als Mann, aber ich bin mit einer eng befreundet.
(nicht meine eigene natürlich).
Sie ist mit mir (und auch mit ihren anderen Freundinnen) sehr distanziert. Einfach ein eher kühler Typ.
Ich weiß aber, dass sie mit ihren Patienten ganz anders ist. Da ist sie nahbar und herzlich.
(Ich hole sie manchmal von ihrem Arbeitsplatz ab und bekomme das dann mit. Und sie beschreibt sich auch so.)
Ich erwische mich manchmal bei einer gewissen Eifersucht gegenüber diesen Patienten...

das nur nebenbei.

Mich beschäftigt durch den thread die Frage, ob es denn gut ist, wenn man bekommt, was man sich wünscht.
Sind Umarmungen von Therapeuten gut?
ich habe sie bekommen und denke, es hat mir nicht geschadet. Aber inzwischen, mit so großem Abstand, sehe ich diese Umarmungen mehr und mehr kritisch.

Ich glaube, wenn einige ungünstige Faktoren zudammenkommen, können solche Umarmungen, kann alles, was man an Zuwendung bekommt, abhängig machen.

Ich glaube, ich hatte einfach nur Glück, dass sich meine Abhängigkeit trotzdem aufgelöst hat bzw. auflösen konnte.
Nimm was du willst und zahl dafür.

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Tröte
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Beitrag Mo., 07.12.2009, 12:39

ich für meinen teil hätte mir in der letzten stunde eine umarmung gewünscht. habe sie aber nicht bekommen, ich denke, dass meine therapeutin dies auch nicht machen würde (hatte sie nicht darauf angesprochen). sprich, (zumindest bei mir) ist zwischen wünschen und bekommen doch noch ein unterschied.

lg tröte
"But these stories don't mean anything, when you got no one to tell them to. It's true, I was made for you :heart: "