Warum mögen mich die Menschen nicht?

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Traube
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Warum mögen mich die Menschen nicht?

Beitrag Mi., 19.12.2012, 19:53

Hallo,

mich belastet in den letzten Jahren immer mehr die Frage, welches Problem andere Menschen mit mir haben.
Sicherlich, ich habe wenig Selbstbewusstsein und dadurch auch wenig Ausstrahlung, doch ist das ein Grund, dass man teilweise so hasserfüllt auf mich reagiert?

Schon als kleines Mädchen mochten mich andere Kinder nicht.
Ich war eher schüchtern, aber manchmal wurde mir auch zum Vorwurf gemacht, dass ich zu albern sei.
Man liebte es mich zu provozieren bis ich wütend wurde. Das dauerte, weil ich ein sehr gutmütiges Kind war. Doch wenn ich mich ärgerte, konnte ich mich nicht adäquat wehren. Ich schrie dann los und beschimpfte meine Mitschüler.
In der Abizeitung stand über mich:"Stille Wasser sind flach. Ihr Lieblingsspruch: Du blöde Kuh!"

Wenn man mich manchmal auch nicht unbedingt provozierte und vera....te, dann wurde ich ausgegrenzt. Es kam einige Male vor, dass ich mich mit einem Mädchen ein bisschen angefreundet hatte. Doch dann kam jedes Mal ein drittes dazu und machte die sich anbahnende Freunschaft gleich kaputt. Ich war wieder außen vor.

In der Pubertät fand ich keinen Anschluss an Gleichaltrige.
Ich war sehr unreif und andererseits fand man mich zu brav und langweilig.
Außerdem teilten die Mitschülerinnen meine Interessen nicht (Pferde und Fremdsprachen).
Ich wurde oft tyrannisiert.
Daher suchte ich mehr den Kontakt zu wesentlich jüngeren, bei denen ich mich nicht verstellen musste und mich so geben konnte, wie ich war.

Ein gutes Verhältnis hatte ich immer zu meiner Oma. Ich hatte das Gefühl von ihr geliebt zu werden, aber je älter ich wurde, desto unfreier wurde ich auch ihr gegenüber. Ich erinnere mich, dass wenn ich ihr Erlebnisse oder den Verlauf eines Urlaubs erzählte, ich das ganze wie auswendig gelernt, abspulte.
Noch heute finde ich es befremdlich, dass ich bei ihrem Tod einen Tag traurig war und sie dann vergaß.
So wie ich bei fast allen Menschen reagiere, die aus meinem Leben verschwinden.

Heute im Erwachsenenalter ist es immer noch so wie früher.
Ich komme bei anderen nie an und stoße sehr häufig auf Ablehnung.
Oft habe ich den Eindruck, dass wenn man sich mit mir abgibt, ist es nur aus Langeweile oder aus Mitleid. Oft sind es dann ältere Frauen, die sich ein bisschen um mich kümmern.

Ich erlebe überwiegend zweierlei Reaktionen auf meine Person.
Entweder macht man sich über mich lustig oder man begegnet mir regelrecht mit Verachtung und Hass.
Die bösen Sprüche, die ich schon kassiert habe, könnte ich gar nicht alle niederschreiben. Es täte auch zu weh sich alles wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Sogar von psychisch Kranken wurde ich nicht akzeptiert!
Vor einigen Jahren machte ich eine Therapie in einer Tagesklinik, wo ich auch ein paar Kontakte aufbaute.
Doch gemocht wurde ich auch da nicht.
Einmal machten wir in einer Gruppentherapiestunde ein "Spiel", das für mich äußerst würdelos verlief. Und zwar musste jeder Patient auswählen, in welchem Verhältnis er/sie zu jedem anderen Patienten der Gruppe gern stehen würde.
Zur Auswahl standen:
- sie als Vertraute haben
- sie als Chefin haben
- eine Woche mit ihr auf einer einsamen Insel verbringen
- sie ärgern
Bis auf eine Person hatten alle Mitpatienten bei mir "sie ärgern" gewählt.
Ich hätte heulen können, aber wie in fast jeder demütigenden Situation zeigte ich auch da keine Tränen.
Wenn ich mal in der Gegenwart anderer weinte, wurde ich verachtet, nie getröstet. Wie in meiner Kindheit, wo meine Mutter mich anschrie, ich sollte aufhören zu heulen.

Wenn ich mit einem Mann eine Beziehung einging, wurde ich auch da nur niedergemacht, so dass ich teilweise sehr aggressiv reagierte. Es war manchmal so schlimm, dass ich aus Wut und Hilflosigkeit das ganze Haus zusammengeschrien habe.
Somit kosteten mich die Jahre, die ich mit Männern verbracht habe, unendlich viel Kraft. Daher möchte ich heute auch keine Beziehung mehr, weil ich die Nerven nicht mehr habe und endgültig daran zerbrechen würde.

Was stimmt mit mir nicht?

Bitte lacht nicht, aber ich habe schon oft geglaubt vielleicht behindert auf manche Menschen zu wirken.
Wenn ich Kinderfotos betrachtete, suchte ich nach äußerlichen Anzeichen einer Behinderung. Doch ich wirkte nur wie ein schüchternes und sensibles Mädchen.

Was ist falsch an mir, sofern man das überhaupt meiner Schilderung entnehmen kann?
Könnt ihr mir einen Tipp geben?

Liebe Grüße,
Traube

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Kywalda
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 20:56

Liebe Traube,
dein Problem kommt mir sehr bekannt vor. Bis vor 3 Jahren habe ich auch geglaubt, keiner möge mich. Im Laufe meines Lebens erlebte ich immer wieder Mobbing. Mittlererweile weiß ich, dass es meine Verachtung mir selber gegenüber und mein Selbsthass waren, die mich davon abhielten, mich selber zu mögen. Das "strahlt" dann auf andere aus. Wie sollen andere mich mögen, wenn ich mich selber ablehne?
In meiner Therapie habe ich gelernt, mich selber anzunehmen. Ich kann inzwischen vorbehaltlos auf andere zugehen und spüre immer mehr, dass ich gemocht werde. Und wenn mich eine(r) nicht mag (sowas kommt vor bei 7 Milliarden Menschen), dann stört mich das nicht mehr- ich finde ja auch nicht jede(n) sympathisch. Was ich aber erwarte, ist eine respektvolle Behandlung. Sollte jemand meine Grenzen übertreten und mich angreifen, beleidigen oder demütigen, so wehre ich mich inzwischen. Aber das passiert so gut wie nicht mehr.
Alles Gute für dich- wir sind ja fast Nachbarinnen.

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Launebär
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 21:08

Hallo Traube!

Tut mir echt leid, was du erlebst!

Ich kann dir deine Frage nicht beantworten, warum dich Menschen nicht zu mögen scheinen. Auch als ich deinen Text gelesen habe, fand ich ihn sympathisch geschrieben und ich fand nichts daran seltsam oder so...

Eine Verständnisfrage zum "Spiel" in der Tagesklinik: meinten sie, dass sie dich ärgern würden oder dass du sie irgendwie ärgerst?

Ich kenne das so auch von früher, etwa zwischen 14 und 16 wurde ich ausgeschlossen und ausgelacht. Mir ist später aufgefallen, dass solche Situationen eine solchen Eigendynamik haben, dass die ganze Ablehnung eigentlich sehr wenig mit der Person selbst zu tun haben.

In der Tagesklinik habe ich auch nicht sooo gute Erfahrungen gemacht, viele waren einfach, mhhh, sehr einfach gestrickt und auch eher gehässig und kampflustig, weshalb auch immer.

Bist du dir sicher, dass die Ablehnung tatsächlich objektiv so stattfindet oder kann es auch sein, dass du da sehr sensibilisiert bist, aufgrund deiner früheren Erfahrungen?

Ich brauchte nach diesen 2 Jahren Mobbing etwa 6 Jahre, damit die grösste Angst vor erneutem Mobbing etwas verschwunden war. Deshalb frage ich. Und seit ich das wieder etwas entspannter sehen kann, komme ich viel leichter in Gruppen usw.

Bist du in Therapie?

(Antwort von Kywalda noch nicht gelesen)

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Antimaterie
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 21:22

Traube hat geschrieben:Was ist falsch an mir, sofern man das überhaupt meiner Schilderung entnehmen kann?
Könnt ihr mir einen Tipp geben?
Also ich denke erst mal die Kategorien falsch und richtig sind hier überhaupt nicht passend.
Traube hat geschrieben:- sie ärgern
Mmh, ich habe gerade mal überlegt, bei welchen Menschen so etwas in der Art bei mir ausgelöst werden würde.

Vielleicht ist der Kern, dass du nicht authetisch bist, dass du eine Maske aufhast (albern sein zum Beispiel) aus Angst vor Verletzungen?
Klar, macht das jeder irgendwie, aber vielleicht machst du das sehr stark?

Also heute ist es bei mir zumindest so, dass ich das komisch finde. Ich würde die Person dann nicht ärgern oder sonst wie abwerten, das entspricht nicht meiner Persönlichkeit, aber ich finde so was anstrengend: Eine Maske, die aus Albernheit besteht z. B.. Ich fühle mich wohler mit Menschen, die offen sind. Liegt vielleicht auch daran, dass ich schon mal eine Therapie gemacht habe und ich dadurch nun viel authetischer bin und ich diese Masken, wenn ich sie dann durchschaue, sie mir übertrieben und lächerlich vorkommen. Außerdem fühle ich mich dann angelogen.
Also alles ruft bei mir so was wie Abwehr hevor, nur das ich dann auf Distanz gehe, ich würde die Person nicht angreifen, weil ich denken würde, sie wird schon ihre Gründe haben und die sind vermutlich traurig.
Aber andere Menschen können da schon mit Aggression und Ablehnung regieren.

Also wenn deine Wahrnehmung wirklich stimmt. Vielleicht bewertest du auch die normale Ablehnung die jeder erfährt über, merkst sie dir stärker als Akzeptanz usw.?
Hast du Freunde?

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Traube
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 21:42

Danke für eure Antworten.

Das ganze ist sicherlich schwer einzuschätzen, da ihr mich nicht kennt und nur Mutmaßungen anstellen könnt.

Erst einmal zu der Frage zu dem "Spiel" in der Tagesklinik:
Die Mitpatienten hatten Lust mich zu ärgern. Woraus ich schloss, dass auch sie mich nicht mochten, obwohl ich freundlich zu ihnen war.
Als Diagnose erhielt ich im übrigen eine "nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher-vermeidenden, zwanghaften und schizoiden Anteilen".

Es kann schon sein, dass ich zeitweise so wirke, als wenn ich eine Maske trage.
Allerdings bin ich dann nicht wie in meiner Kindheit albern, sondern eher steif und gehemmt. Niemand soll meine wahren Gefühle erkennen.
So denken wahrscheinlich viele, dass ich ein phlegmatischer und gleichgültiger Mensch bin. Sie bemerken nicht, dass in mir ein Sturm tobt, den ich nur mühsam unter Kontrolle habe.
Es hat allerdings auch schon Menschen gegeben, die mein wahres Ich bemerkt haben und mir sagten, dass ich sehr verletzt wirke.
Es kamen auch Einschätzungen, dass ich wie eine Person wirke, die die Gefahren nicht kennt.

Ich glaube oft, dass ich nichts Gutes zu bieten habe.
Ich habe übrigens keine Freunde. Ich habe nie welche gehabt, obwohl ich manche für Freunde gehalten habe. Doch letztendlich stellte sich immer heraus, dass es nur Bekannte gewesen waren, die sich mit mir ein wenig die Zeit vertreiben oder mich für irgendetwas benutzen wollten.
In meiner Naivität habe ich das nur immer zu spät erkannt.
Ob ich mich nach Freundschaften sehne?
Heute nicht mehr, denn ich bin zu oft enttäuscht worden.

Emotionale Nähe aufzubauen fällt mir schwer.
Doch wenn ich jemandem einmal große Zuneigung entgegenbringe, kann ich zur Klette und besitzergreifend werden.
Wenn ich jemanden mag, kann ich auch sehr liebevoll und fürsorglich sein.
Was mich oft erstaunt, weil ich Liebe und Geborgenheit in meinem Elternhaus nie erfahren habe.

Ich glaube nicht, dass mich meine Wahrnehmung täuscht und mich mehr Menschen schätzen als ich wahrhaben will.
Mir fällt auch oft auf, dass wenn ich mal zufällig ehemaligen Kollegen oder Bekannten begegne, sie mich fast nie grüßen. Entweder tun sie so als hätten sie mich nicht gesehen und sie sehen mir direkt ins Gesicht und sagen nichts. Also haben sie mich nicht in guter Erinnerung.

Liebe Grüße,
Traube

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Aschenbrödel
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 22:04

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie du. Als ich Teenager war, wanderte meine Familie aus. Meine Herkunft, die Kulturunterschiede, die andere Sprache, die ich nicht sprach machten mich zu einem dankbaren Ziel für meine Mitschüler. Als ich in die Ausbildung kam, war ich schon so geschädigt, dass ich nur noch mit "Maske" überleben zu können glaubte. Die anderen spürten es sofort und reagierten entweder aggressib (Mobbing) oder mit Rückzug.
Erst nach der Therapie, als ich gelernt hatte, mich zu öffnen und zu zeigen, wer ich wirklich bin, habe ich Menschen gefunden, mit den ich mich austauschen, lachen und etwas unternehmen konnte. Natürlich gibt es auch heute noch viele Menschen, die mit meiner Art nicht klar kommen, aber jetzt weiß ich, dass ich nicht jedermanns Freund sein kann. Das hatte ich früher tatsächlich versucht. Klar, einige der sogenannten Freundschaften haben sich auch wieder aufgelöst, aber ich habe jetzt drei gute Freundinnen, die mich nicht nur kennen, wenn es mir gut geht, sondern mit den ich auch über meine Sorgen reden kann. So denke ich wenige gute Freunde sind immer noch besser als viele oberflächliche.
Ja, man geht immer ein Risiko ein, verletzt und enttäuscht zu werden, wenn man sich öffnet und sich zeigt, wie man ist, aber man kann auch unendlich viel gewinnen.

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Antimaterie
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Beitrag Mi., 19.12.2012, 22:19

Traube hat geschrieben: Mir fällt auch oft auf, dass wenn ich mal zufällig ehemaligen Kollegen oder Bekannten begegne, sie mich fast nie grüßen. Entweder tun sie so als hätten sie mich nicht gesehen und sie sehen mir direkt ins Gesicht und sagen nichts.
Grüßt du sie denn in dem Moment? Vielleicht denken] sie genau das gleiche über dich?

Traube hat geschrieben:Emotionale Nähe aufzubauen fällt mir schwer.
Traube hat geschrieben:die sich mit mir ein wenig die Zeit vertreiben oder mich für irgendetwas benutzen wollten.
Ich denke, dass das gerade Menschen anzieht, die "gerne" mal andere Menschen ausnutzen. Keine große emotionale Nähe aufbauen (=Unverbindlichkeit, Freundschaft kann jederzeit beendet werden) und eine Person, die die Tendenz hat sich mehr für die Bedürfniss der anderen zu interessieren als für die eigenen (=Das Ausnutzen funktioniert ja erst si).
Ich denke, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt und wertschätzt, strahlt man das aus und man wird schneller ausgenutzt.
Das kenne ich zumindest von mir. Also früher hab ich mich immer "kleiner" gefühlt als andere und wurde auch so behandelt. Heute ist das anders und ich werde anders behandelt. Also es muss irgendeinen Zusammenhang geben. Ich merke gerade, dass ich mich echt total verändert hab in der Hinsicht.
Traube hat geschrieben:Doch wenn ich jemandem einmal große Zuneigung entgegenbringe, kann ich zur Klette und besitzergreifend werden.
Das provoziert natürlich distanzschaffendes, ablehndes Verhalten, wenn man das Gefühl hat, die persönliche Freiheit ist in Gefahr.

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Michel
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Beitrag Sa., 22.12.2012, 05:13

Traube hat geschrieben:Sicherlich, ich habe wenig Selbstbewusstsein und dadurch auch wenig Ausstrahlung (...)
Noch heute finde ich es befremdlich, dass ich bei ihrem Tod einen Tag traurig war und sie dann vergaß.
So wie ich bei fast allen Menschen reagiere, die aus meinem Leben verschwinden.
(...)
Ich erlebe überwiegend zweierlei Reaktionen auf meine Person.
Entweder macht man sich über mich lustig oder man begegnet mir regelrecht mit Verachtung und Hass. (...)
Bis auf eine Person hatten alle Mitpatienten bei mir "sie ärgern" gewählt.
Hallo Traube,

ich vermute mal ins Blaue hinein:
Du strahlst wahrscheinlich aus, nicht mit dir selbst im Reinen zu sein, und das kommt nie gut an. Menschen wollen keine Freunde, die um Anerkennung betteln, die nur etwas vorspielen, die übertrieben ängstlich oder unterwürfig sind oder etwas anderes in der Art. Das ist schonmal der Grund, warum kaum einer mit dir zu tun haben will.

Dann noch die Frage, warum viele so verächtlich reagieren. Ich glaube auch nicht, dass du dich in deiner Wahrnehmung irrst, jedenfalls nicht hauptsächlich. Irgendwas an deinem Verhalten reizt die Leute, dich ärgern zu wollen. Es ist schwer, das aus der Ferne zu sagen. Vorschlag: stell mal einen typischen Wortwechsel zwischen dir und einer Person, die verächtlich reagierte, hier ins Forum. Dann sagen wir unsere Meinung. Oder zeichne mal ein Gespräch auf und hör's dir selber wieder an. Analysiere es, überleg dir, wie jemand anders in derselben Situation reagiert hätte an deiner Stelle. Vielleicht kommst du drauf.

Weitere Idee: Überleg dir mal selbst, durch welches Verhalten jemand dich reizen würde, ihn zu ärgern.

Irgendwo hast du geschrieben, du seist als naiv oder albern bezeichnet worden. Ich könnte mir vorstellen, du reizt Leute, weil du sie nervst, ohne es zu merken. Zum Beispiel du machst Witze oder Bemerkungen, die sie nicht gut finden, aber du machst weiter damit, weil du gar nicht merkst, wie blöd sie das finden. Oder du bringst sie in eine peinliche Lage. Du trittst ihnen zu nahe, suchst Anerkennung auf eine Art, dass sie nicht ablehnen können, ohne dir das frech ins Gesicht zu sagen. Das machen sie aus Höflichkeit nicht, oder weil du dich als bemitleidenswertes Opfer darstellst (und so jemand tritt man nicht noch), aber sie fühlen sich zu etwas genötigt, was sie gar nicht wollten. Daher empfinden sie ein Rachebedürfnis. So nach dem Motto: Siehst du, dass ich dich gar nicht so toll mag, wie du denkst?
Das ist jetzt alles nur Spekulation. Aber irgendsowas muss es sein. Wenn dir die Sache wichtig ist, dann mach dir die Arbeit und stell hier Beispiele rein. Oder bezahl jemand, damit er dich begleitet und dir sagt, was es ist.
Noch was: wenn sie dich ärgern (wollen), haben sie wahrscheinlich auch das Gefühl, es mit dir machen zu können.

Dass du auf das Verschwinden von Personen hin keine starken Gefühle zeigst, heisst wohl, dass du ihnen nicht wirklich nahe warst. Vielleicht weil du ihnen gegenüber immer nur etwas vorgespielt hast? Weil du mit ihnen nie über deine wahren Probleme reden konntest? Weil du ganz allein hinter deiner Maske bist?

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Jugendstil
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Beitrag Sa., 22.12.2012, 14:07

Ich habe die Erfahrung gemacht, wen Menschen nicht mögen, der mag sich selbst wenig bis gar nicht, und er hat leider, leider auch oft auf der Stirn stehen: "Hau mir eine rein. Ich bin gute Behandlung nicht wert."

Bevor du jetzt vielleicht empört reagierst: Ist aber doch Tatsache, dass du von dir selbst wenig hältst, oder?

Mein Rat: Schau weniger auf die anderen, schau auf dich. Sorge dafür, dass du dich selbst magst. "Wie das?" wirst du fragen. Indem du dir klar machst, dass du ein liebenswerter Mensch und mindestens so viel wert wie andere bist und das erst einmal selbst zu glauben beginnst, statt von den anderen zu erwarten, dass sie dir durch ihre Wertschätzung einen Grund geben, dich zu mögen. Die Wertschätzung anderer kommt in dem Moment, in dem du sie für dich selbst verinnerlicht hast, nicht umgekehrt.

Wie gesagt, ich habe selbst diese Erfahrung gemacht, daher erlaube mich mir, dir hier so vergliechsweise "hart" zu antworten.

Alles Gute.

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DepressivEr
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Beitrag Do., 03.01.2013, 00:12

Mir geht es ganz genauso, Traube, ich habe auch das volle Programm durchgemacht und als selbst Betroffener möchte ich sagen, dass die Ratschläge, die man so bekommt ja alle schön und gut sind, aber ein Verhalten, das man sich sein ganzes Leben lang aus den verschiedensten Gründen unbewusst antrainiert oder so zurechtgelegt hat, lässt sich nicht so einfach durch Umdenken ändern. Als einsamer Mensch ohne Beziehung oder Freunde ist man aber auch nicht gerne gesehen, was sich enorm demotivierend auf den Kampf gegen den "Selbsthass", der uns attestiert wird, auswirkt. Man bekommt als Mensch, der zwar von den physischen Mermalen her recht normal aussieht, allerdings wie versteinert durch die Gegend wandert aber auch keine Chance auf Eingliederung in die Gesellschaft. Es muss wohl die Eigenschaft sein, die der Rest der Menschheit so abstoßend findet, wie keine andere. Dabei wird Toleranz heute in vielerlei Hinsicht von zahlreichen Menschengruppierungen sehr hoch gehalten, aber wenn es um die Gruppe derer geht, die immer schon ausgegrenzt waren, ohne jemals etwas "Böses" angestellt zu haben, wird ihnen, obwohl sie nichts getan haben, nicht verziehen. Man ist intolerant ihnen gegenüber, mit einer Überzeugung der Korrektheit dieser einseitigen Ablehnung, die ich - obwohl ich, das gebe ich zu, als selbst Betroffener zu keiner völlig objektiven Meinung fähig bin - so noch nie einer anderen Randgruppe gegenüber wahrgenommen habe. Ist es denn so schlimm, wenn man nicht so gut nach außen zeigen kann, was man fühlt? Ich mag mich übrigens durchaus, das allgegenwärtige, ablehnende Verhalten mir gegenüber lässt mich aber sehr an mir zweifeln.

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Rubeus Darko
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Beitrag Sa., 05.01.2013, 23:56

Hallo ihr beiden,

kann euch gut verstehen, habe in meiner Kindheit und Jugend auch viele negative Erfahrungen machen müssen. Das ist zum Glück vorbei. Direkte, offene, d.h. von mir wahrgenommene Ablehung erfahre ich eigentlich nicht mehr. Entweder sind die Menschen geschickter/erwachsener/höflicher geworden, d. h. machen das eher indirekt, trauen sich das bei mir nicht mehr (z. B. aufgrund meiner Physis) oder ich gebe weniger Grund dazu, weil ich mich weiter entwickelt habe. Hoffe es ist vor allem letzteres, es trifft wohl aber alles drei irgendwie zu. Am Ende des Weges bin ich allerdings auch noch lange nicht.
auch keine Chance auf Eingliederung in die Gesellschaft. Dabei wird Toleranz heute in vielerlei Hinsicht von zahlreichen Menschengruppierungen sehr hoch gehalten, aber wenn es um die Gruppe derer geht, die immer schon ausgegrenzt waren, ohne jemals etwas "Böses" angestellt zu haben, wird ihnen, obwohl sie nichts getan haben, nicht verziehen.
Damit magst du Recht haben, aber es bringt dich auf deinem Weg nicht weiter. Deine Wut und Enttäsuchung über die mangelnde Fairness und Gerechtigkeit sieht die Schuld bei der Gesellschft. Selbst wenn du Recht hast, kann du diese nicht (oder nur ein bisschen ändern). Die ungeschriebenen Regeln kannst du nicht großartig ändern. Du kannst nur versuchen, das in einzelne Fetzten zerrissene Regelheft zusammenzusetzen, um mehr und mehr über die Regeln zu erfahren, d. h. darüber, wie das Spiel ("Gesellschaft", menschliches Zusammenleben") funktionert und nach den Regeln mitzuspielen.

Leider haben die psychisch "gesunden" Normalos meist überhaupt kein Verständnis, Einfühlungsverfügen usw. für solche wie uns. Die haben einfach keine Ahnung, worüber wir uns Gedanken machen, mit welchen scheinbaren Nichtigkeiten, wir uns aus ihrer Sicht rumschlagen. Verständnis kann man von denen leider oft nicht erwarten, höchsten von Gleichgesinnten und Experten.
Als einsamer Mensch ohne Beziehung oder Freunde ist man aber auch nicht gerne gesehen. Ist es denn so schlimm, wenn man nicht so gut nach außen zeigen kann, was man fühlt?
Menschen haben die freie Wahl, mit wem sie näher Kontakt haben möchten. Menschen haben auch nur begrenzt Zeit und Kapizität und können deshalb auch nicht mit jedem befreundet sein, sie müssen eine Auswahl treffen.
Ich denke, die meisten Menschen, wollen mit optimistischen, hilfsbereiten, humorvollen, interessanten, ehrlichen, loyalen Menschen befreundet sein, der bei Problemen hilft, aber keine Probleme macht.
Bei jemanden, der seine Gefühle nicht zeigt, weis man nicht, woran man ist, der hat möglicherweise was zu verbergen.
DepressivEr hat geschrieben:und als selbst Betroffener möchte ich sagen, dass die Ratschläge, die man so bekommt ja alle schön und gut sind, aber ein Verhalten, das man sich sein ganzes Leben lang aus den verschiedensten Gründen unbewusst antrainiert oder so zurechtgelegt hat, lässt sich nicht so einfach durch Umdenken ändern.
In der Tat ist es bei schweren Fällen nicht mit ein paar Ratschlägen aus diesem Forum und ein paar Selbsthilfebüchern getan, da müsste da sollte dann schon ein Profi, also ein Psychotherapeut ran.

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praline
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Beitrag Di., 08.01.2013, 14:13

liebe Traube

ich möchte etwas zu diesem "Spiel" sagen, in dem dich fast alle "ärgern" wollten: da du selbst schreibst, dass du nach aussen hin eher gleichmütig, manchmal fast phlegmatisch wirkst, könnte die tatsache dass jemand dich ärgern möchte für mich auch etwas ganz anderes, gar nicht so negatives bedeuten: der oder diejenige würde dich vielleicht einfach gerne mal aus der reserve locken um mehr von dir zu sehen! man möchte vielleicht, dass du dich zeigst, so wie du innerlich bist, dass du emotionen zeigst und deine maske ablegst!
das kann sogar, meiner meinung nach, auf symphatie deuten, denn wenn ich jemanden als sehr rücksichtsvoll und lieb wahrnehme, dann könnte es mich auch mal reizen, die zu "ärgern" (aber dann nur leichtes ärgern, mehr im sinne von schabernack treiben).

liebe grüsse,

praline

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Beitrag Mo., 04.02.2013, 01:58

hallo ihr Lieben, hallo liebe Traube.....ja, das kommt mir doc recht bekannt vor....vor allem diees: selbst in ner Psychoklinik war ich immer der Außenseiter, das habe ich auch schon ganz oft schmerzhaft erfahren müssen. Da geht es einem Scheisse, man hält es daheim nimmer aus....und in der Klinik noch weniger. Ich stand dann meistens abends bei den Rauchern rum (hab geraucht, weil ich wenigstens irgendwo dabeisein wollte). Und war immer bei dr Schwester um sie vollzujammern, wie elend allein und verlassen ich mich fühle. Ic hatte immer ds Gefühl, ich bin enfach nicht "toll" genug, ein Scheiss-Gefühl, aber sowas kennt mir mit Sicherheit auch.
Jetzt bin ich 45, das mit den Kinder hat net geklappt; ich habe schon Freundinnen, die ich auch sehr gerne habe, aber da kommt auch immer weide dieses: eigentlich sind mir alle anderen egal, lasst mich in Ruhe! Ich hatte auch lange Jahre, wo ich ausser ein paar Ex-Lovern gar keine Vertraute hatte....das war sehr schwer...
Ich bin immer wieder angeeckt in der Arbeit, weil ich grundsätzlich eien andere Meinung hatte als die anderen und die auch lautstark verteidigte, kam jetzt net sooo doll an. War auch grad auf nem anderen Forum, wo ich tierisch eins auf den Deckel gekriegt hab, ich wäre IMMER so negativ (das stimmt nun nicht, da bin ich mir sicher), aber ich bin schon gerne besserwisserisch (bei meinen Freundinnen nicht, die mag ich ja ) - aber bei Leuten, bei denen ich das GEfühl hab, die können mir nix. Ich bin schon seit vielen, Jarhen schwer depressiv, das bringt auch net grad a Wahnsinns-Ausstrahlung
Ja, liebe Traube, das ärgern, das ist echt mies - ich würde da glaub ich - sowas von ausrasten - hab heute dem Sohn meiner Freundin gesagt: wenn man mich nachmacht, nachäfft, da versteh ich ganz schnell keinen Spass mehr (ist mir oft passiert, schücherner Pummel in der Schulzeit, auch die Eltern lachten gerne mal über mich; hab ich schon überwunden, zum Glück).
Liebe Traube, es ist so schade, dass du so wenig von dir rauslassen kannst, auch wenn es sehr, sehr schwer ist für dich, versuch es; wie hab ich das denn früher gemacht....? Ich weiss es nicht mehr...einfach weitergekämpft. Oft denke ich auch: wie kann mich meine Freundin denn immer noch mögen, ich bin doch gar nicht toll, fühl mich oft so oberscheisse, hab kann Job, kann Partner....und freu mich, wenn sie immer wieder anruft und wir uns treffen....nur so als Tipp: ich hab Freundinnen aus der Theatergruppe, aus der Fortbildung und von früheren Tätigkeiten, es sind nicht viele, aber es tut gut, wirklich gut - ich wünsch dir ganz viel Mut, soooo schrecklich, wie die anderen über dich denken, dich behandelt haben, kannst du gar net sein....die Schrecklichste, das war doch ich ))))


littlefairy
neu an Bo(a)rd!
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Beitrag Mo., 18.02.2013, 18:08

Liebe Traube

Ich kann mit Dir mitfühlen, bin mein ganzes leben lang auch nur auf Ablehnung gestossen und weiss nicht warum =(. bin auch sehr schüchtern, sensibel..Ich habe mich dann immer - bis heute untergeordnet und war übernett, aber das scheint auf Dauer auch keine Lösung =(Vielleicht Selbstbewusstsein auf/ausbauen? Ein "Opfer" erkennen andere ja immer zu leicht und denken sie könnten drauf rumhacken.....


Betty Sue
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Beitrag Mi., 27.02.2013, 18:52

hallo traube, mir geht es ähnlich.