Problem in der Therapie- Unsicherheit auf beiden Seiten

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
Antworten
Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Marzipanschnute
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
weiblich/female, 26
Beiträge: 729

Problem in der Therapie- Unsicherheit auf beiden Seiten

Beitrag Di., 29.01.2013, 21:42

Hallo,

heute war irgendwie ein komischer Tag und ich habe viel gegrübelt, über meine momentane Situation, mein Leben und meine Therapie.

Ich bin seit etwa Oktober in Therapie, eine Verhaltenstherapie wegen einer Panikstörung.

Mein Therapeut ist super, total sympathisch und ich fühle mich eigentlich ganz wohl in seiner Gegenwart.

Aber da bleibt dieses "eigentlich" das mich stört.
Zur Therapie zu gehen ist mir noch immer unangenehm, wenn ich in das Haus betrete in dem die Praxis ist, versuche ich mich immer möglichst unsichtbar zu machen, das Anmelden am Empfang ist immer der totale Horror. Jedes Mal das gleiche Gespräch, jedes Mal ist es als würde ich mir wieder eingestehen: Ich hab einen an der Waffel und brauche eine Therapie um mein Leben in den Griff zu kriegen.
Das ist aber auch noch nicht das Hauptproblem.

Es gibt Momente da macht mein Therapeut mich einfach nur irre wütend. Manchmal hab ich auch das Gefühl, er weiß selber nicht so genau was er jetzt machen soll. Ich erlebe ihn als sehr abwartend und zurückhaltend. Und dabei denke ich, dass mein Problem jetzt nicht so irre kompliziert ist, dass es nicht lösbar wäre. Nur hab ich nicht das Psychologische know-how, deswegen komme ich ja zu ihm. (Es gab da so eine Szene in der wir schwiegen, ich am liebsten aufgesprungen wäre, um das nicht noch länger aushalten zu müssen, und er dann seufzend in den Raum fragte: "Was kann man denn da wohl machen?" Ähm, ja, Herr Therapeut, wüsste ich das, könnte ich mir das ganze hier sparen, aber danke.)
Ich weiß, das einfachste wäre es, offen mit ihm darüber zu sprechen, aber wir beginnt man so ein Gespräch. "Übrigens, ich hab das Gefühl, Sie haben null Ahnung von dem was Sie hier machen." kann ich ihm ja schlecht vor den Latz knallen, zu mal dass ja auch gar nicht das ist was ich denke.

Ich hab nur das Gefühl, dass er gerade einfach nicht weiter kommt. Aber vielleicht ist das ja auch totaler Quatsch und wenn ich ihm das sage, mache ich mich total lächerlich ("Oh, sie denkt sie ist etwas Besonderes. Jemand mit einem besonders komplizierten Problem. Haha." Versteht ihr was ich meine?
Und wegen diesem Gefühl stehe ich wie vor einer Wand, beginne die Therapie anzuzweifeln, da sie auch irgendwie keinen Erfolg zeigt.

Hm, was ich mich jetzt wünsche kann ich selbst nicht sagen. Vielleicht reicht es ja schon, dass einfach mal hier aufgeschrieben zu haben. Aber vielleicht hat ja jemand von euch schon eine ähnliche Situation gehabt und erfolgreich gemeistert und kann mich jetzt an seinem Erfahrungsschatz teilhaben lassen.


Danke auf jeden Fall schon mal für's Lesen
“Das Schöne an der Zeit ist, das sie ohne Hilfestellung vergeht und sich nicht an dem stört, was in ihr geschieht.” Juli Zeh

Werbung


kaja
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 80
Beiträge: 4551

Beitrag Di., 29.01.2013, 22:03

Ähm, ja, Herr Therapeut, wüsste ich das, könnte ich mir das ganze hier sparen, aber danke
Genau das habe ich dem Therapeuten schon gesagt und er ist nicht tot umgefallen.

Ich denke bevor man sich überlegt wie man ein Gespräch beginnt und es dann lässt weil sich die Situation nicht ergibt, es anders läuft als man es sich ausgemalt hat, einen der Mut verlässt usw. sollte man im Moment reagieren.

Wenn Schweigen herrscht oder er zu zögerlich für Dich wirkt dann sag ihm das genau zu dem Zeitpunkt in dem es stattfindet.
z.B. : Es verunsichert mich wenn Sie...., Ich möchte von Ihnen wissen..., Bitte erklären Sie mir konkret..., Sie wirken gerade ratlos/unsicher auf mich, Ich habe Schwierigkeiten in die Praxis zu kommen, was kann man da machen ?...usw.

Diese Sätze habe ich , weitaus weniger diplomatisch, so oder so ähnlich bereits gesagt und immer eine Antwort bekommen. Oft waren sie auch der Einstieg in eine ausführliche Erklärung warum sich der Therapeut so verhält oder was seine Einschätzung ist. Zum Teil waren diese Erklärungen eine gute Hilfe und ziemliche Erleichterung, einfach weil ich es dann z.B besser einordnen konnte.

Ich denke übrigens, bis auf wenige Ausnahmen, findet es kaum jemand super zur Therapie "gehen zu müssen".
Vor irgendwas fürchtet sich doch jeder. Sei es davor bestimmte Themen anzusprechen, als endgültig plemplem zu gelten weil man zur Therapie geht usw.
So ungewöhnlich ist es also nicht und deshalb wird eine solche Aussage deinen Therapeuten auch kaum verunsichern.

Erfolg in der Therapie...hatten wir ja schon im Chat

LG kaja *so plemplem das Therapeut sie abholen muss*
After all this time ? Always.

Benutzeravatar

Razer2k
sporadischer Gast
sporadischer Gast
männlich/male, 24
Beiträge: 10

Beitrag Di., 29.01.2013, 22:29

Hallo Marzipanschnute,

so ein ähnliches Gefühl hatte ich auch auch wie du es oben beschrieben hast. Meine Therapeutin war ebenfalls eine sehr nette Person. So war es mir nach den ersten zwei Sitzungen gar nicht mehr unangenehm hinzugehen. Leider kam mir dann nach ca. 5 Therapiestunden schon der Gedanke, dass mir das Ganze nicht weiterhilft und ich dort umsonst hingehe... Das Blöde noch dazu meine Therapeutin war auf dem Gebiet für Zwänge nicht spezialisiert, daher war es für mich auch unverständlich warum mir bei ihr eine Therapie angeboten wurde. Somit habe ich nach 10 Therapiestunden abgebrochen, denn meine Therapeutin hat zu fast 100% der Sitzungen mit mir nur Themen behandelt die nichts oder wenig mit meinem ZWang zu tun hatten. Ich denke oftmals ist es nicht ganz leicht den richtigen Therapeuten zu finden.

Lg

Benutzeravatar

weidenkatz
Forums-Insider
Forums-Insider
weiblich/female, 35
Beiträge: 217

Beitrag Mi., 30.01.2013, 00:46

Ich hatte gestern ein ähnliches Problem, da habe ich erst mal gedacht "Was haben Sie noch mal studiert, Herr ..." und ein bisschen in mich hineingekichert bei dem Gedanken, ich würde das fragen, mich eine längere Weile geärgert über sein mangelndes Verständnis, mich noch eine Weile einsam und unverstanden gefühlt und dann endlich gesagt, dass ich mir bei solchen Äußerungen nicht sicher bin, ob er sie ernst meint oder er mich zu irgendwas provozieren will. Dann ging die Stunde endlich richtig los .

Werbung

Benutzeravatar

Reh
Helferlein
Helferlein
weiblich/female, 46
Beiträge: 46

Beitrag Do., 31.01.2013, 17:38

Hallo Marzipanschnute,

das Problem kenne ich gut. Ganz egal, ob mich mein Thera wütend macht, oder ich mich nicht von ihm verstanden fühle, oder ... oder
In der nächsten Stunde sage ich es ihm. Das sind immer die besten Stunden. Sprichs einfach aus. Überleg dir eine Formulierung, die nicht beleidigend ist. Z.B. "Manchmal macht mich das, was Sie mir sagen, furchtbar wütend." oder "Ich fühle mich hier oft unverstanden".

Probier es einfach aus. Wenn du Fortschritte in deiner Therapie willst, ist das ein Weg.

Benutzeravatar

Fast Forward
Forums-Insider
Forums-Insider
weiblich/female, 24
Beiträge: 369

Beitrag Do., 31.01.2013, 18:01

Mir ist in einer solchen Situation schon mal vorgekommen, dass ich ihm mitteilte, dass ich mich nicht ernst genommen fühle. Daraufhin folgte ein längeres Gespräch über seine Art zu Arbeiten und dass er mich sicher immer ernst nehme und tatsächlich auch nicht immer gleich eine intelligente Idee hat. Hamsterräder kommen auch den Theras mal vor Aber eine solche Diskussion kann den Knoten lösen und helfen, den Scheinwerfer mal auf etwas anderes zu richten. Vielleicht findet sich ja danach ein besserer Zugang zum Problem.

Werbung

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag