8 Jahre Psychoanalyse - Fehlbehandlung ?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Ruli
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8 Jahre Psychoanalyse - Fehlbehandlung ?

Beitrag Mi., 27.06.2018, 20:24

Ich habe 8 Jahre lang Psychoanalyse bei einem Therapeuten gemacht.
Zum Beginn dieser Therapie ging es mir so schlecht, dass mir das Verfahren völlig egal war, ich auch keinerlei Erfahrung mit Therapien hatte und noch nicht mal wusste was sich genau hinter den unterschiedlichen Verfahrensbezeichnungen verbirgt. Es war schwer genug diesen Therapeuten zeitnah zu finden.
Ich litt und leide an sehr starken Zwangsgedanken, inneren Selbstangriffen und meine Denkfähigkeit war schwer eingeschränkt. Auch das spielte bei der unüberlegten Entscheidung diese Therapie zu beginnen sicher eine Rolle.
Ich wurde vom Therapeuten auch nicht über die Therapieform aufgeklärt und lies mich einfach naiv drauf ein, aus purer Not.
Über die Jahre verbesserte sich praktisch nichts und der Therpeut suggerierte mir immer wieder, dann noch mehr Stunden machen zu müssen und seine Therapieform wäre "hochwirksam" und anderen Formen weit überlegen.
Er ignorierte komplett meine Zwangsgedanken und arbeite rein bzgl. meines Verhältnisses zu meinen Eltern, obwohl ich bereits 15 Jahre dort nicht mehr wohne.
Aufgrund meines schlechten Gesamtzustandes durchschaute ich das nicht und machte immer weiter, ohne Verbesserungen.
Nach 7 Jahren fing ich an das gründlicher zu hinterfragen, informierte mich über Alternativen (Verhaltenstherapie) und mir wurde klar auf welchem Abstellgleis ich bei der Psychoanalyse gelandet war. Nach über 400h brach ich die Therapie ab.

Nach nur wenigen verhaltenstherapeutischen Gesprächen mit Fokus auf meine Zwangsgedanken wird mir bewusst wie ich meinen Zustand aktiv beeinflussen kann und meine Symptome lindern sich bereits, z.B. werden meine Gedanken klarer und ich kann mich besser steuern.
Ich bin körperlich aber völlig fertig und geschockt über so viel sinnlose Zeit mit vollen Energieeinsatz und naiver Gutgläubigkeit.

Meine Fragen:
- Wer hat ähnlich krasse Erfahrungen gemacht ?
- Ist Psychoanalyse bei schwersten Zwangsgedanken nicht komplett kontraindiziert ?
- Was bringt eine Beschwerde bei der Psychotherapeutenkammer ?

Vielen Dank.

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Philosophia
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Beitrag Mi., 27.06.2018, 20:49

Boa krass...ich mein, wie kann er dich so lang bei sich behalten, wenn sich für dich gar nichts bessert! Ich finde, es gibt schon Grund zur Beschwerde, er hat dich unnötig lang gehalten - und somit wohl deine Zeit und Energie verschwendet. Hast du es denn mit ihm mal versucht, zu klären - er muss doch selbst gesehen haben, dass da nix passiert und du unzufrieden bist, oder? - achso, ich hatte ähnliche Erfahrungen in einer Verhaltenstherapie, da wollte der Therapeut mich nicht gehen lassen
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lisbeth
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Beitrag Mi., 27.06.2018, 21:06

Hallo Ruli,

Es gibt leider immer wieder und viel zu viele Therapeutinnen und Therapeuten - in allen Verfahren - die so von sich selbst und ihrer Methode überzeugt sind, dass sie nicht über den Tellerrand schauen. Zum Schaden des Patienten. Leider. Denn bei Zwangsgedanken wäre VT tatsächlich angesagt, vor allem wenn sich mit Psychoanalyse keine Besserung einstellt. Dass der Analytiker dann 8 Jahre lang unbeirrt weitermacht, macht mich einfach nur sprachlos.

Beschwerdeweg: Ob es was bringt? Was würdest du für dich von der Beschwerde erhoffen oder erwarten?
Die Erfahrung zeigt, und davon gibt es leider viel zu viele Geschichten hier im Forum, dass eine Krähe der anderen in der Regel kein Auge aushacken wird. Gleichzeitig kostet eine Beschwerde viel Kraft und Nerven, die Gegenseite wird möglicherweise versuchen, deine Probleme in den Mittelpunkt zu stellen, und dir die "Schuld" am "Scheitern" in die Schuhe zu schieben. Das ist dann nochmal ein zusätzlicher Tiefschlag, möglicherweise.

Hat die Kasse denn die Analyse komplett bezahlt? Möglicherweise wäre das auch ein Weg (Antrag bei der KK, um zu prüfen, ob ein Behandlungsfehler vorliegt), weil die Kasse dann auch ein Interesse hätte, sich vom Analytiker einen Teil der Kosten zurückzuholen, wegen Fehlbehandlung und du dann die Unterstützung der Kasse hättest. Aber auch da kann es passieren, dass der MDK abwinkt und keinen "Fehler" erkennen kann, weil auch hier die Krähen-Regel gilt. Traurig, aber wahr.
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Ruli
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Beitrag Do., 28.06.2018, 18:51

Vielen Dank für eure Antworten.
Ich stelle mir auch die Frage, wie konnte der Therapeut mich so lange halten, obwohl es keine positive Entwicklung gab.
Mir ging es schon vor Beginn der Therapie jahrelang sehr schlecht. Ich war einmal in einer Klinik, wurde ansonsten mit Antidepressiva behandelt, die mir aber nicht wirklich halfen. Ich ging also nicht mit der Erwartung kurzfristiger Hilfe in die Therapie. Oberflächlich geschieht ja auch einiges in der Psychoanalyse, endloses aufbreiten der Kindheit und ich konnte alles Alltägliche dort abladen und der Therapeut schien nett und freundlich. Bezüglich meiner Erkrankung gab es allerdings keinen positiven Effekt. Ich kannte mich mit Therapieformen nicht aus und hinterfragte die Therapie und den Therapeuten nicht. Er hatte mir seine Methode auch nie erklärt, ich wusste nur irgendetwas mit Tiefenpsychologie. Die Therapie wurde 3-4 mal verlängert und ich gab sogar positive Rückmeldung in den Anträgen an die Krankenkassen, aus Alternativlosigkeit und dem Gefühl wenn es noch nicht besser geht, dann halt noch 50 Sitzungen. Diese Einstellung wurde auch bewusst vom Thereapeuten gefördert. Aus jetziger Sicht war ich unglaublich naiv und blind, aber halt auch krank, eingeschränkt, uninformiert und kraftlos, was gezielt ausgenutzt wurde. Ab dem Moment als ich begann zu Psychoanalyse nachzulesen, wurde mir sofort klar, das ist nichts für mich und für mein Problem völlig ungeeignet. Ab da konfrontierte ich den Therapeuten mit der nichtvorgenommenen Aufklärung und dem Vorwurf der Fehlbehandlung. Die fehlende Aufklärung bestritt er auch nicht.
In der ganzen Zeit ging er auch nie auf die Ausgangsdiagnose, schwerste Zwangsgedanken/Depression, ein, so das ich diese selber schon fast aus dem Auge verlor. Er sagte immer, "Was nutzt ihnen die Diagnose ?". Krankerweise fand ich mich damit ab. Jetzt ist mir klar, das Verhaltenstherapie die passende Therapieform ist und ich mache rasante Fortschritte mit nur 2 Treffen im Monat. Ich bekomme die Gedanken unter Kontrolle und fühle mich erstmalig auf einem guten Weg.
Entsprechend steigt meine Wut auf den Therapeuten und die unnötige lange Leidenszeit.
Für einer Beschwerde bei der Therapeutenkammer würde ich lieber von euch wissen, was ich da zu erwarten habe ?
Mein Vorwurf geht auf fehlende Aufklärung, Fehlbehandlung und jetzt auch noch Verweigerung der Akteneinsicht.
Hätte ich das Geld, wäre ein Anwalt schon eingeschaltet.
Gut möglich, dass die Kammer klar auf Seiten des Therapeuten ist, der wohl auch Analytiker ausbildet.
Ja, die KK hat alle ~420 Sitzungen bezahlt.
Die Idee eines Antrages bei der KK auf Untersuchung eines Behandlungsfehlers finde ich nicht schlecht, hatte ich noch nie von gehört. Mein Zustand zu Beginn der Therapie ist vielfältig belegbar und dass Psychoanalyse dafür nicht optimal oder gar ungeeignet ist, müsste sich vllt. gutachterlich feststellen lassen.

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Broken Wing
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Beitrag Do., 28.06.2018, 22:59

Im Grunde gibt es dieses Problem bei allen Therapieformen, weil PT eben hauptsächlich durch den Glauben daran wirkt. Und alle Methoden behandeln alles, von Afterjucken bis zu deinen Zwangsgedanken. Aber hättest du mit einer VT begonnen, hättest du wohl aufgrund kürzerer Bewilligung auch weniger unter einer eventuell falschen Methode gelitten.

Ich hatte auch verhaltenstherapeutisch orientierte Formen, va in einer Klinik. Was soll ich dazu sagen? Am besten gar nichts. Ich gehöre wohl zu den Wenigen, die dankbar sind dafür, in den Genuss einer analytischen Therapie gekommen zu sein. Trotzdem bin ich kein Jünger irgendeiner Gallionsfigur geworden.

Was du im Falle einer beschwerde erwirkst? An den Schaltstellen sitzen zumeist Analytiker. Sie werden dir mit Verständnis begegnen und dir verständlich machen, warum deine Eltern noch immer dafür sorgen, dass du an schlechte Therapeuten kommst oder die guten als schlecht wahrnimmst, Stichwort Widerstand. Du bekämst also eine neue Analyse. Und der verhaltenstherapeutische wird dir erzählen, was die selbsterfüllende Prophezie ist und die erlernte Hilflosigkeit, die dich in diesen 8 Jahren daran gehindert hat, Google aufzurufen. Wie gesagt, alle Therapien können alles behandeln, ergo warst du ungeeignet für die Therapie. Du wirst also auch in diesem Fall eine VT bekommen, die dich für eine weitere Analyse stabilisiert, aber diesmal für die wahre, freudgetreue Version, durchgeführt von dem Dorf - ähm - Vereinsältesten.

Man kanns machen, aber wenn man dazu in der Lage ist, die 8 Jahre abzuschreiben und sich auf die Zukunft zu konzentrieren, schont man erstens die eigene Gesundheit und zweitens die Geldbörse. Ich hasse das professionelle, verständnisvolle Getue. Es ist so billig und ressourcenschonend für den Therapeuten, dass er das mindestens 5 Stunden täglich bringen kann. Und wie alle Güter wird es völlig überteuert an den Mann gebracht. Ich würde sie alle gerne mit einem nassen Fetzen verjagen, weil sie so so distanzlos geworden sind. Im Fernsehen erfahren wir die Ursachen für Terrorismus und trump, in den Schulen die für Kevin und am Klo die für harte Zeiten. Aber wurde allein dadurch irgendwas besser? Eben.
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spirit-cologne
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 00:47

Broken Wing hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 22:59 Im Grunde gibt es dieses Problem bei allen Therapieformen, weil PT eben hauptsächlich durch den Glauben daran wirkt.
Nö. Zum Teil spielt das eine Rolle, aber die Wirkfaktoren sind recht gut untersucht und verteilen sich auf jeweils ca. 30 % Therapeutenvariablen/therapeutische Beziehung, Therapieverfahren und Patientenvariablen (u.a. Reflexionsfähigkeit, Motivation, soziale Ressourcen, Intelligenz) und 10 % sonstige Faktoren.
Broken Wing hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 22:59 Und alle Methoden behandeln alles, von Afterjucken bis zu deinen Zwangsgedanken.
Stimmt ganz so auch nicht, es gibt (zumindest in Deutschland, wie es in Österreich ist, weiß ich nicht) Therapieleitlinien (ist was anderes als die Psychotherapierichtlinie!), die schon für bestimmte Erkrankungen bestimmte Vorgehensweisen als Empfehlung festlegen. Diese Leitlinien gibt es mittlerweile für viele Diagnosen, aber nicht für alle. Bei manchen Diagnosen sind tatsächlich mehrere Therapieverfahren als gleich wirksam vermerkt, für einige gibt es aber auch ausdrückliche Empfehlungen und die Therapeuten sind angehalten, die Patienten im Rahmen der Sprechstunde oder Probatorik darüber aufzuklären, wenn andere Therapieverfahren bessere Ergebnisse versprechen. Man kann zwar keinen Therapeuten zwingen, eine Behandlung abzulehnen, aber im Regressfall muss er schon schlüssig begründen können (und sollte das auch dokumentiert haben), warum er entgegen den Leitlinien vorgegangen ist. Kann er das nicht, wird schon von einem Behandlungsfehler ausgegangen.
Broken Wing hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 22:59 Was du im Falle einer beschwerde erwirkst? An den Schaltstellen sitzen zumeist Analytiker.
Auch das ist Quatsch, die Universitäten sind mittlerweile ganz in der Hand der Verhaltenstherapeuten und auch in den Verbänden sind sie inzwischen deutlich in der Überzahl.
Broken Wing hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 22:59 Wie gesagt, alle Therapien können alles behandeln, ergo warst du ungeeignet für die Therapie.
So einfach ist es wie gesagt nicht. Allerdings könnten deine "positiven" Stellungnahmen gegenüber den Krankenkasse zum Problem werden. Der Therapeut ist aber rechtlich in jedem Fall verpflichtet, dir Einsicht in seine gesamten Aufzeichnungen zu gewähren.
Broken Wing hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 22:59 Ich hasse das professionelle, verständnisvolle Getue. Es ist so billig und ressourcenschonend für den Therapeuten, dass er das mindestens 5 Stunden täglich bringen kann. Und wie alle Güter wird es völlig überteuert an den Mann gebracht.
Das finde ich eine unzulässige Verallgemeinerung. Es mag - wie in jedem Job - Therapeuten geben, die mehr oder weniger motiviert und interessiert an den Belangen ihrer Patienten und persönlich involviert sind, aber das zur Regel zu erklären, entspricht nicht der Realität. Ich glaube, dass du da eher von eigenen Erfahrungen ausgehend verallgemeinerst, ohne dich wirklich gut auszukennen. Wenn du dich näher dafür interessieren würdest, wüsstest du, was heutzutage ein junger Psychologe auf sich nehmen muss, um Psychotherapeut zu werden. Das macht niemand, der darauf aus ist, das große Geld zu verdienen (Der macht Arbeitspsychologie und geht in ein Unternehmen als Personaler oder Coach o.ä.). Dieses Pauschalurteil, Therapeuten wären überbezahlt, ist ebenfalls nicht richtig. Ich glaube, dass du auch das deutlich überschätzt. Das ist genauso, wie die Leute, die sich über die Stundensätze einer Kfz-Werkstatt aufregen und sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, dass das nicht der Stundenlohn des Mechanikers ist, sondern dass da sämtliche Kosten von bestritten werden müssen. Das ist bei Psychotherapeuten nicht anders, auch die müssen je nach Standort teilweise astronomische Praxismieten zahlen, Beiträge für alles mögliche angefangen von der Abrechnungstechnik bis zu Kammerbeiträgen, verpflichtende Fortbildungen usw.

Ich kann nicht verstehen warum so viele Leute heutzutage überhaupt kein Problem damit haben 800 € für ein Telefon zu bezahlen und das quasi als "lebensnotwendig" betrachten, aber gleichzeitig meinen, für ihre Gesundheit müssen andere Leute umsonst arbeiten. :kopfschuettel: (Das ist eine allgemeine Beobachtung, damit meine ich nicht dich persönlich, broken wing)
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Jenny Doe
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 05:26

Hallo Ruli,

ich könnte Dir zu Deiner Erfahrung und Problematik aus eigener Erfahrung sehr viel schreiben. Meine ersten Versuche dir zu antworten zeigten mir aber, dass ich mich nicht mehr mit dem selbst Erlebten beschäftigen möchte. Es war ein langer Weg für mich die Erfahrungen, die deinen sehr ähnlich sind, zu verarbeiten und hinter mir zu lassen. Fühl dich auch ohne Worte von mir verstanden.

Zu Deiner Frage Klage gegen den Therapeuten oder nicht: Wende Dich mal an folgende Adressen:
Ethikverein Psychotherapie
https://ethikverein.de/
Unabhängige Patientenberatung
https://www.patientenberatung.de/de/ber ... g-hannover
Der Ethikverein Psychotherapie und die Unabhängige Patientenberatung können Dir diesbezüglich weiter helfen.

Ich fürchte, aber, dass Du keinen Erfolg zu erwarten haben wirst. Die Erfahrung die du mit der PA gemacht hast, ... so arbeitet PA nun mal. Sie sucht die Ursachen in der Kindheit und hofft darauf, dass durch Aufarbeitung der Kindheit die Symptome von alleine verschwinden. Wenn Deine Zwangsstörung ihren Ursprung gar nicht in der Kindheit hat, dann ist so eine Therapie natürlich vergebliche Liebesmüh. Wirklich bewusst wurde auch mir das erst als ich nach gescheiterter PA in der VT saß und sah, es geht auch wesentlich zielstrebiger und schneller; Symptome verschwinden auch, wenn man direkt an ihnen arbeitet und auch ohne Jahre lang die ganze Kindheit durchzukauen (vor allem, wenn die Ursache gar nicht in der Kindheit liegt). Die Frage ist halt, was man als Klient wünscht und wo die Ursache der Symptomatik liegt: Die Kindheit aufarbeiten oder schnelle Symtombeseitigung. Dieses Wahl hattest Du nicht, da dich Dein Therapeut nicht über sein weiteres Vorgehen aufgeklärt hatte.
Zu der Aufklärungspflicht, der Dein Therapeut nicht nachgekommen ist (mein PA übrigens auch nicht): Diesbezüglich müsstest du dich mal informieren wie die Situation vor acht Jahren, als du die Therapie begonnen hast, aussah. Heute gibt es diese Aufklärungspflicht und ein Versäumnis wird als Behandlungsfehler angesehen. Wie es damals war weiß ich leider nicht.

Ein paar eigene Worte zu Deinen Klage-Überlegungen: Ich habe Klage gegen meine Analytikerin und ihre Supervisorin eingereicht. So ein Klageweg dauert Jahre, Jahre, in denen Du Deine Erfahrung immer und immer wieder durchgehen musst, ... spricht, Jahre, die dir die Möglichkeit nehmen die Erfahrung zu verarbeiten und mit dieser abzuschließen. Ich habe die Klage nicht bereut, ich brauchte dieses Gefühl mich wehren zu können. Dennoch, sie kostete mich weitere Lebensjahre. Darüber solltest du dir im Klaren sein. Du könntest alternativ auch den Weg wählen die Erfahrung in einer neuen Therapie zu verarbeiten und mit dieser abzuschließen.
Wir müssen das Leben loslassen, das wir geplant haben, damit wie das Leben leben können, das uns erwartet (Joseph Campbell). Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen (Hermann Hesse).

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stern
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 05:57

Lass dich beraten. Mangelnder Erfolg alleine wäre kein Behandlungsfehler, PA ist bei Zwangsstörungen auch nicht kontraindiziert... evtl. ist die fehlende Aufklärung kritisch, je nach damaliger Rechtslage.

Davon losgelöst finde ich schon den Start einer PA bei einer Angst- oder Zwangsstörung als Ersttherapie unverantwortlich. Denn bes. Ängste und Zwänge sind oft verhaltenstherapeutisch sehr gut behandelbar. Und bes. bei solchen Störungen braucht es zunächst oft eine Symptomreduktion und konkrete Strategien an der Hand. Ich halte übrigens viel von psychoanalytischer Therapie, mache selbst eine... je nach Problemlage würde ich jedoch anderes als passender einschätzen. Möglich wäre evtl. auch eine stationäre Therapie. Als ich mal stationär war, konnte Zwangspatienten ganz gut geholfen werden. Auch mit Konfrontation, aber nicht nur... es wurde dann zB auch hintergründig geschaut, falls es sowas wie auslösende Momente gab.
Zuletzt geändert von stern am Fr., 29.06.2018, 06:05, insgesamt 1-mal geändert.
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lisbeth
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 06:03

Ruli hat geschrieben: Do., 28.06.2018, 18:51 Für einer Beschwerde bei der Therapeutenkammer würde ich lieber von euch wissen, was ich da zu erwarten habe ?
Nutze mal die Suchfunktion, da findest du hier schon die eine oder andere "Geschichte". Aber Vorsicht, die sind oft ziemlich "ernüchternd". Weil diese Institutionen sich meistens schützend vor die Therapeuten stellen. Weil es schwer ist, bestimmte Dinge aus einer Therapie wirklich nachzuweisen. Weil der Therapeut um den es geht, nach jahrelanger Therapie auch genug "Munition" im Gepäck hat, um deine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, und auch nicht zögern wird, diese Munition zu nutzen, weil er sich verteidigen will und nicht einfach sagen wird: Ja, ich bin schuldig.

Ansonsten solltest Du dir im Klaren darüber sein, was deine "Ziele" sind im Hinblick auf eine Beschwerde. Das kann dir hier niemand abnehmen. Und das sollte dir nach 8 Jahren Analyse auch möglich sein, das für dich herauszufinden ;-) Verschaffe dir Klarheit darüber, was du für dich selbst von einer Beschwerde erwartest. Denn nur dann wenn du dir darüber bewusst bist, kannst du auch schauen - evtl. auch mit deinem Therapeuten - ob dieser Beschwerdeweg überhaupt sinnvoll ist, um das Ziel zu erreichen. Oder auch mal schauen, welche anderen Wege es geben könnte.

Geht es darum, Rache zu üben? Oder darum, dass du vom Therapeuten eine Entschuldigung/Wiedergutmachung willst? Ihm (bildlich) auf die Finger zu hauen, damit er zumindest für die Zukunft etwas gelernt hat? Willst du verhindern, dass er noch mehr Patienten falsch behandelt? Oder willst du in deinem persönlichen Leid gesehen werden und dafür "Anerkennung" von außen bekommen? Geht es um eine Entschädigung? ... Das ließe sich noch fortsetzen...

Und pass bitte in alledem auch auf dich auf, dass aus diesem Wunsch nicht ein neuer 'Zwang' entsteht. Schau bitte mit dem aktuellen Therapeuten immer wieder ehrlich auf das Thema, damit du dich nach dem, was du mit dem Analytiker durchgemacht hast, dich jetzt nicht in einem Windmühlenkampf verstrickst, den du allein um des Kampfes willen gestartet hast...
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 06:03

Ach ja, fehlende Akteneinsicht geht nicht. Patientenrechtegesetz als Stichwort. Vllt. hilft bereits darauf zu verweisen und auf einen Anwalt, falls er dem nicht nachkommt.
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RoboCat
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 09:32

Was ich nicht ganz verstehe: Du hattest zwar die Kraft, eine PA acht Jahre lang durchzustehen mit weiterhin bestehender Symptomatik, aber die Kraft Google nach dem angwendeten Verfahren zu befragen, die gab es nicht. Ja klar, er hätte dich schon mehr aufklären können, aber du hättest auch aus eigenem Antrieb dir die Information beschaffen können. Ich denke, das kann man von einem erwachsenen Menschen, der in der Lage für eine ambulante Psychotherapie ist, erwarten kann.

Das soll kein Vorwurf sein, ich wundere mich nur, weil das für mich nicht so recht zusammenpassen will. Mir ist auch schleierhaft, was du dir durch eine Akteneinsicht erhoffst. Ich würde mir das an deiner Stelle gut überlegen, so eine Einsicht kann extrem belastend sein. Warum sich das antun?

Schau doch lieber nach vorne. Mit der VT hast du doch jetzt etwas gefunden, was dir in viel weniger Zeit deutlich mehr bringt. Wozu jetzt den Reibach mit dem Analytiker veranstalten? Wegen der "verschwiegenen" Diagnose? Er hat doch recht, denn dass du Zwangsgedanken hast, weißt du ja selbst. Was brignt dir da eine Diagnose wie "Sie haben soziale Phobie!" oder "Sie leiden an einer Anpassungsstörung!" ?? Solche Diagnosen werden von Analytikern übrigens nicht gestellt, das würde in den Bereich einer VT fallen.

Hast du mal mit dem aktuellen VT Therapeuten die Sache mit dem Analytiker besprochen? Gibt es etwas, wozu er dir rät?
:axt:


Jenny Doe
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 09:57

@ RoboCat
Du hattest zwar die Kraft, eine PA acht Jahre lang durchzustehen mit weiterhin bestehender Symptomatik, aber die Kraft Google nach dem angwendeten Verfahren zu befragen, die gab es nicht.
Ich kann Ruli da schon verstehen, siehe z.B.
Über die Jahre verbesserte sich praktisch nichts und der Therpeut suggerierte mir immer wieder, dann noch mehr Stunden machen zu müssen und seine Therapieform wäre "hochwirksam" und anderen Formen weit überlegen.
Es macht ja auch was mit einem Klienten, wenn Therapeuten einem suggerieren, dass das eigene Therapieverfahren hochwirksam ist, besser als andere Therapieverfahren ist und halt noch mehr Stunden erforderlich sind. Da kann man googlen so lange man will, ... Der Therapeut wälzt mit einem solchen Satz die Schuld auf den Patienten ab und suggeriert z.B. Sie bemühen sich nicht genug, sonst würde es ihnen besser gehen; an mir und meinem Verfahren kann es nicht liegen, das Verfahren ist hochwirksam, allen anderen Therapieformen überlegen. Sie bekommen bei mir die best erdenkliche Therapie, es muss also an ihnen liegen, dass sie ihnen nicht hilft. Sie sind ein besonders schwerer Fall, es ist eine weitere Verlängerung nötig. Sie können gerne in eine VT gehen, nur sollte ihnen klar sein, dass mein Verfahren der VT weit überlegen ist. Seine sie nicht so dumm und wechseln sie doch nicht in ein weniger wirksames Verfahren. Wenn ihnen die Therapie bei mir nicht hilft, muss es an ihnen liegen. .... .
Ich kenne solche scheinbar nach außen hin harmlos wirkende Sätze von Therapeuten auch und weiß aus eigener Erfahrung, wie sie auf den Klienten wirken. Da kann man nicht mal eben einfach aussteigen. Wenn man suggeriert bekommt, dass das Problem der nicht wirkenden Therapie bei einem selbst (Klient) liegt, guckt man erst mal bei sich und nicht bei Google oder beim Therapieverfahren. Die Aufmerksamkeit des Klienten wird mit solchen Sätzen ja vom Therapeuten und seiner eigenen Unvollkommenheit und dem Therapieverfahren weggelenkt. Der Therapeut verkauft sich und seine Therapie als vollkommen. Es dauert seine Zeit bis man als Klient merkt, dass es nicht an einem selbst liegt, sondern tatsächlich am unvollkommenenen Therapeuten und seinem Verfahren und seine Methoden, ...
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 10:13

@ spirit-cologne:

Ich erhebe hier nicht den Anspruch, sachlich und fundiert zu schreiben. In Ö haben viele Methoden die Anerkennung zur Krankenbehandlung, allerdings wurde hier auch einem gewissen Grander das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Mir sind keine Richtlinien für Indikationen bekannt. Nur die fundierten Gründe gegen die PA: Sie ist teuer, macht abhängig und sie ist teuer.
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Beitrag Fr., 29.06.2018, 12:44

Jenny Doe hat geschrieben: Fr., 29.06.2018, 09:57 Der Therapeut verkauft sich und seine Therapie als vollkommen. Es dauert seine Zeit bis man als Klient merkt, dass es nicht an einem selbst liegt, sondern tatsächlich am unvollkommenenen Therapeuten und seinem Verfahren und seine Methoden, ...
Hallo Jenny, ja, da muss ich dir auch zustimmen. Es erschreckt mich glaube ich einfach dass ich mir vorstelle, jemand ist volle acht Jahre in solch einer Verbindung gefangen, so denke ich muss man es ja schon fast nennen.

Andererseits gibts ja auch genügend Leute, die Sekten und Wunderheilern hinterherrennen. Auf der rationalen Ebene Antworten zu suchen, ist da sicher nicht weiterführend.

@Ruli: Ich kann deinen Ärger verstehen, jetzt wo du aus dem Dornröschenschlag erwacht bist. Mich würde interessieren, wie der Therapeut eigentlich reagiert hat, als du ihm geagt hast, sorry, aber ich breche ab. Gab es überhaupt ein Abschlussgespräch? Wie rechtfertigt er, dass er dir in acht Jahren nicht helfen konnte? Schiebt er es allein auf dich und deinen angeblichen unwillen, etwas zu verändern?
:axt:

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Beitrag Fr., 29.06.2018, 13:14

Und zu dem anstrengenden Job: Ich bin es ja nicht, die von 'Nachbeelterung', nachwachsen u.ä. spricht. Nehmen wir mal das Konzept der Nachbeelterung, müsste man sich mal Eltern mit 20-40 Kindern vorstellen, wie es in einer Praxis üblich ist. Die Ressourcen hat kaum jemand, die Kinder sind sich selbst überlassen und wenn 1-2 durchkommen, kann man es feiern.
Da in einer Therapie die Zeit kürzer als in der Familie ist und das Kind älter, müssten diese Ressourcen noch viel intensivierter sein. Sind sie aber nicht. Wie viel wert sind also Eltern, die 1-2 std Zeit haben, das Kind nicht lenken, weil keine Einmischung erlaubt, und das bloß für 300 Stunden?
Eben. Es ist billig. Mag ja sein, dass es für einen Menschen anstrengend ist, aber es muss so berechnet sein, dass der Therapeut gerade kostendeckend arbeitet, sonst könnte er das nicht dauerhaft machen. Ob der Patient was davon hat, spielt erst einmal keine Rolle. Das wird später mit wertlosen Studien und Werbung nachgeliefert. Aber immerhin haben wir spätestens Freud zu verdanken, dass Verrückte heute nicht mehr eingesperrt, geschlagen und elektrogeschockt werden, sondern ihnen zugehört.

Und die 25-80 Stunden Verhaltenstherapie, haha. Gegen schwere Beeinträchtigungen ist das lächerlich, da könnte ich mir genauso zu Weihnachten eine Wunderheilung wünschen. Bei mir hat gegen Zwangsgedanken keine Gedankenregulierung geholfen, weil der Zwang sich dann auf die Regulierung verschoben hat. Da habe ich mir lieber die Zwangsgedanken behalten, von denen hatte ich nämlich auch mehr.
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