Gleichgültigkeit und Ignoranz in der Gesellschaft.

Was Sie in Bezug auf Ihre eigene Zukunft, oder auch die gegenwärtige Entwicklung der Gesellschaft beschäftigt oder nachdenklich macht.
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Seerose47
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Gleichgültigkeit und Ignoranz in der Gesellschaft.

Beitrag Mi., 11.07.2018, 16:29

Hallo.

Ich wende mich mit diesem Thema ans Forum, weil mich das doch beschäftigt, und wahrscheinlich wollte ich es mir auch ein bisschen von der Seele schreiben. Obwohl ich mich ein bisschen schäme, weil ich unsicher bin und irgendwie den Eindruck hab, wegen "sowas" muss man kein Thema öffnen.

Es geht darum, dass ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, und im Vorbeifahren einen Unfall gesehen hab. Ein Auto stand auf der Straße direkt vor einer Laterne, und es war vorne kaputt, sogar auf der Straße lag was vom Auto.

Ich hab im Vorbeifahren gesehen dass auf der Fahrerseite und auf der Beifahrerseite die Airbags geöffnet waren, im Auto saß aber niemand mehr. Ein Polizist stand auf der Straße und hat andere Fahrzeuge "gelenkt."

Jetzt zu dem, was mich beschäftigt abgesehen davon, dass mich dieser Anblick doch betroffen hat: Neben mir saßen zwei Jungen, die ich ungefähr auf 12 oder 13 Jahre schätzen würde.

Und als wir dran Vorbeigefahren sind, sagt einer von den beiden, dass es nicht sein Problem sei, wenn jemand säuft und sich überfährt, und dass er sich Airbags "geiler" vorgestellt hätte.

Mich hat das ehrlich gesagt ziemlich getroffen, und seid dem hab ich die Frage im Kopf, warum schon Kinder und Jugendliche so ignorant und gleichgültig sind. Während der restlichen Fahrt waren beide am Zocken und unterhielten sich lebhaft.

In dem Moment fühlte ich mich gestört durch die beiden, weil mich der Anblick wie schon geschrieben mitgenommen hat und die beiden nicht grad ruhig waren.

Ich frage mich: Warum sind sogar Kinder in dem Alter und auch Jugendliche, schon so ignorant? Dass es in der Gesellschaft heutzutage leider so ist dass weggeguckt wird und eigentlich jeder nur an sich und sein Leben denkt, ist ja nichts neues.

Aber sogar bei Kindern? Wäre gespannt auf eine Diskussion, mich beschäftigt das und nimmt mich schon ziemlich mit. Würde gerne einfach ein paar Gedanken dazu lesen.

Und sorry, falls der Thread im falschen Bereich ist.

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Nico
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 16:38

Kinder sind so wie es ihnen die Erwachsenen vorleben.
Die Kinder zu kritisieren ist der falsche Weg.
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)

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Beitrag Mi., 11.07.2018, 16:49

Nico hat geschrieben: Mi., 11.07.2018, 16:38 Kinder sind so wie es ihnen die Erwachsenen vorleben.
Die Kinder zu kritisieren ist der falsche Weg.
Ich weiß, mir ist bewusst dass es auf Kinder abfärbt wie die Eltern sind. Ich hab mir in diesem Moment auch gedacht "was sind das für Eltern, was vermitteln die ihren Kindern für Werte", aber wollte das hier nicht so öffentlich schreiben, damit keiner denkt ich verurteile oder beschuldige irgendjemanden oder verhalte mich anmaßend.

Sorry, dass das so rüberkam.

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Nico
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 16:56

Außerdem ist es fast lebensnotwendig bis zu einem gewissen Grad abzustumpfen, sonst lässt sich das Leben wohl kaum ertragen.
Den meisten jungen Menschen fehlt es noch an eigener leidvoller Erfahrung wie schnell etwas passieren kann, daher vermuten sie bei jedem Zwischenfall kapitales persönliches Versagen.
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 17:45

Nico hat geschrieben: Mi., 11.07.2018, 16:56 Außerdem ist es fast lebensnotwendig bis zu einem gewissen Grad abzustumpfen, sonst lässt sich das Leben wohl kaum ertragen.
Den meisten jungen Menschen fehlt es noch an eigener leidvoller Erfahrung wie schnell etwas passieren kann, daher vermuten sie bei jedem Zwischenfall kapitales persönliches Versagen.
Wichtiger Punkt... Stimmt natürlich.

Bei mir persönlich, hat das heute auch wieder zu der Gewissheit geführt, wie schnell es doch gehen kann. Ich weiß nicht, was genau da passiert ist, aber was ich vom Auto gesehen hab, hat gereicht.

Und das ist meine Angst. Dass es irgendwann jemanden trifft, der mir wichtig ist. Es kann so schnell gehen, so unvorbereitet eintreten.

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Nico
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 18:01

Da spielen aber deine persönlichen Ängste mit rein, das hat mit den jungen Menschen im Bus oder Bim nix zu tun.
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 18:07

Nico hat geschrieben: Mi., 11.07.2018, 18:01 Da spielen aber deine persönlichen Ängste mit rein, das hat mit den jungen Menschen im Bus oder Bim nix zu tun.
Was ist bim?

Und ja, du hast Recht. Das ist eine Angst, die hab ich schon länger. Seid mir bewusst geworden ist, dass es nicht selbstverständlich ist, Menschen die einem wichtig sind, (bei sich) zu haben.

Die Situation hat mich wie schon erwähnt unter anderem wegen der beiden Jungen nachdenklich gemacht. Aber die ganze Situation war irgendwie... Mir fällt kein passendes Wort ein. Fühlte sich an wie in Watte gepackt.

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Nico
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 18:11

Bim ist Straßenbahn :lol:
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Beitrag Mi., 11.07.2018, 18:13

Nico hat geschrieben: Mi., 11.07.2018, 18:11 Bim ist Straßenbahn :lol:

:lol: Hab ich noch nie gehört. Fährt hier bei uns aber auch nicht. Musste gerade echt kurz lachen. :-D

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Beitrag Mi., 11.07.2018, 22:11

Na ja, wenn man es mal genau betrachtet, dann führt uns so ein Unfall eigentlich nur an die Realität heran: Es kann jederzeit jeden treffen.

Das Problem daran ist, dass es uns dabei stört, diese Tatsache wie sonst immer zu verdrängen. Wir klammern uns fest an die Illusion der Kontrolle: Das passiert nur den Anderen, ich fahre ja vorsichtig...Mein Ex hat mir immer gesagt: "Mir passiert nichts, ich fahre sicher und vorsichtig." Ich hab' dann immer geantwortet: "Nützt dir aber auch nix, wenn du auf der Autobahn im Stauende stehst und dir ein LKW, der das Stauende hinter der Kurve nicht rechtzeitig gesehen hat, dir von hinten ungebremst reindonnert..." (Diese Illusion der Kontrolle sorgt auch für die vielen schlechten Beifahrer... :-D )

Ich habe diese Illusion nicht, ich bin mir jederzeit bewusst, dass ich nichts und niemand festhalten kann und das gilt nicht nur für den Straßenverkehr. Aber das macht mich nicht fertig, sondern im Gegenteil, ich lebe dadurch bewusster, weil ich weiß dass jeder schöne Moment mit etwas oder jemand den man liebt, etwas Kostbares ist, das man genießen muss....

Kinder haben oft noch keine schweren Verluste erlebt. Es ist das Vorrecht der Kindheit und Jugend, sich für unbesiegbar und unsterblich zu halten... :-D
It is better to have tried in vain, than never tried at all...

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Broken Wing
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Beitrag Do., 12.07.2018, 15:32

Was das saufen betrifft, ja da hat der Teeny Recht, oder nicht?
In dem von ihm gedachten Fall kann man nur froh sein, dass es ihn und nur ihn getroffen hat. Autofahren ist gefährlich und daher ist darauf zu achten, dass die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigt wird. Ich kenne eine Frau, die schlecht sieht und trotzdem fährt. Wenn sie bei einem Unfall zu Schaden käme, würde ich mich weder wundern noch losheulen. Gestern hatte ich wieder einen, der sich nach einem Spritzer ins Auto setzte.

Aber dem Burschen ist es nicht gleichgültig. Wäre da was mit einem Airbag und viel Blut, würde er sicher sein Handy zücken. Find ich zum Kotzen.

Und natürlich weiß der Bub ja nicht, ob Alk überhaupt im Spiel war. Wollte er vielleicht wenigstens einmal im Bus der Coolste sein, wenn es schon im Schulhof nicht funktioniert?

Ansonsten würde ich auf das eigene Mitleid im nachhinein nichts geben. Davon hätte das Opfer auch nichts.
Ich bin da auch unkreativ. Vor wenigen Tagen bin ich versehentlich auf eine Person getreten, die auf einer öffentlich zugänglichen Treppe schlief. Ja was soll man tun? Ich habe mich wie automatisiert entschuldigt, weil ich natürlich nicht sehe, ob die Person (noch immer) schlief und bin weitergegangen. Sie würde ja später wieder dort weiterschlafen. So ist halt das Leben und es ist vor allem denjenigen ein Vorwurf zu machen, die ihre Krankheiten, ihre Armut und ihren Bildungsmangel gedankenlos weitervererben. Ja, auch Bildung wird hierzulande vererbt.
Habe ich mich für so eine Welt entschieden? Nein. Will ich, dass Menschen süchtig und krank, obdachlos und bettelnd leiden? Sicher nicht. Will ich Unfälle, Krankheiten, Naturkatastrophen? Ich bin ja nicht überdurchschnittlich sadistisch veranlagt.
Aber ich kann es nicht verhindern. Lieber setze ich mich dafür ein, dass bedürftige Menschen Sozialhilfe bekommen, dass es eine funktionierende Rettung und Polizei gibt als mich auf meine kleine Moral und auf meine noch kleinere Einflussphäre zu verlassen. Ich bin eben auch nicht größenwahnsinnig.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Broken Wing
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Beitrag Do., 12.07.2018, 16:11

Nico hat geschrieben: Mi., 11.07.2018, 16:38 Kinder sind so wie es ihnen die Erwachsenen vorleben.
Die Kinder zu kritisieren ist der falsche Weg.
Ganz so klein sind die Bürschchen aber auch nicht mehr. Da darf und soll man ihnen sehr wohl auf die zarten Fingerchen klopfen.
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Nico
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Beitrag Do., 12.07.2018, 16:20

Für mich noch immer zu klein ( zu jung) um sich dem negativen Einfluss der Eltern völlig entziehen zu können.
Schau dich hier um, da schaffen das 40 - 50 - 60jährige nicht.
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Broken Wing
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Beitrag Do., 12.07.2018, 17:57

Am Ende des Tages bin ich froh darüber, dass ich nicht in den Unfall involviert war, dass ich nicht auf der Treppe lag und von einer blinden niedergetrampelt wurde. Warum sollte ich bei einem Unfall spontan Mitleid emfpinden, wenn mich tagtäglich Menschen anbetteln, wo ich ebenfalls kein Mitleid empfinde? Ich habe mich an all diese Menschen angepasst und ignoriere sie in ihrer schieren Überzahl, wie alle Menschen überhaupt, die tagtäglich als natürliches Wegwerfprodukt entstehen.
Genervt bin ich höchstens darüber, dass mir der dort schlafende Mensch den Weg versperrt und der Unfall zur Verkehrsverzögerung führt. Da suche ich natürlich einen, dem ich die Schuld geben kann. Und irgendwen finde ich immer, schließlich sind von der Entstehung beider Fahrzeuge bis zu den Unfallbeteiligten, an der Konstruktion der Treppe und des öffentlichen Raums bis zum Schlafenden, viele fehlerbehaftete und fahrlässige Menschen beteiligt.

Wer anders tickt, werfe den ersten Stein, aber bitte nur virtuell, ich wohne in einer Wohnung mit großen Fenstern.
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Kaonashi
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Beitrag Do., 12.07.2018, 19:14

Jungen in dem Alter müssen so reden, weil sie cool sein müssen vor ihrem Freund oder Freunden.
Das darf man nicht für bare Münze nehmen. Innen können sie ganz anders fühlen.