Wenn da niemand ist, der einen hält.

Fragen und Tipps zum Thema "Wie finde ich eine Freundin?" bzw. "Wie finde ich einen Freund?"
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Pustekuchenxc
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Wenn da niemand ist, der einen hält.

Beitrag Di., 01.01.2019, 22:45

Guten Abend ihr Lieben..

Offen und ehrlich? Mir fehlen ganz entscheidende Dinge in meinem Leben. Wärme, Geborgenheit und Nähe. Mal in den Arm genommen und einfach gehalten zu werden.

Durch Erlebnisse in der Vergangenheit und eine momentan für mich sehr schwere Zeit, kann ich das alles nur von Frauen zulassen. Berührungen von Männern ertrage ich gerade einfach nur schwer. Ich bin allerdings heterosexuell, da sind keine Absichten dabei. Nicht, dass das jemand denkt.

Um ehrlich zu sein bin ich es langsam satt, diesen Zustand hinzunehmen. Wirklich. Ich möchte mich nicht so fühlen müssen und kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir allein so geht.
Gerade Depressionen und schlimme Erlebnisse fordern im Alltag so viele Opfer. Man kann nicht immer nur stark sein. Manchmal hilft es so sehr, sich in starke Arme fallen lassen zu können.

Was ich mir erhoffe sind Menschen, denen es ähnlich geht. Ich möchte mich nicht mehr allein mit diesem Problem fühlen.. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir so geht.
Einsamkeit ist das schlimmste, was ein Mensch verspüren kann..

Danke fürs Lesen..
Schönen Abend.
Glaub nicht alles, was du denkst.

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Miss_Understood
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Beitrag Di., 01.01.2019, 22:57

Das stimmt. Einsamkeit nagt. (Ich bin es auch aktuell und merke, es ist sogar extrem unpopulär das zuzugeben. DAS ist für mich sogar das Schlimmste. Ich hoffe, dass man es hier kann.)

Wenn du so jung bist wie du hier schreibst, wirst du sicherlich leicht(er) noch Menschen, auch Frauen kennenlernen - sei es in Ausbildung und Studium oder auch in Vereinen. Vielleicht liegt dir Tanz nahe? Schonmal was von Contact Improvisiation gehört? Oder ein Kampfsport? In diesen Kreisen befinden sich oft Menschen, die körperlich aufgeschlossener und zugleich abgegrenzter sind. Auch in Kuschelgruppen (google mal) gibt's das. Contact Impro habe ich eine Weile gemacht. Oft saß man nach den Tanzsessions noch eng beisammen, weil man vorher ja auch körperlich 'in contact' war.
ch-ch-ch-chaaaaaaange

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Alex79
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Beitrag Fr., 26.04.2019, 19:50

Geht mir genauso. :/
Sex, gut und schön, aber das Gefühl von Nähe und Geborgenheit, eine Umarmung im richtigen Moment, so etwas ist einfach oft notwendig. Man wünscht sich einfach nur Nähe, bekommt sie aber nicht. :-( @Pustekuchen: Du bist damit definitiv nicht allein. Selbst einigen wenigen Männern geht es so. Nicht alle sind nur auf ONS aus, oder auf Sex allgemein fixiert.


cinikus
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Beitrag Di., 30.04.2019, 17:08



Interessante Erklärung zu Einsamkeit. In einem Ted-Talk habe ich gehört, dass es sogar so schädlich ist wie zwei Packungen Zigaretten am Tag rauchen. Ist also nichts, was man auf die leichte Schulter nehme sollte. Mir hat dieses Video sehr geholfen. Denn genau diese Entwicklungen kenne ich auch nur zu gut. Manchmal kam ich irgendwie automatisch da raus, und ebenso wieder da hinein. Jetzt, wo ich hier die Erklärung gesehen habe, finde ich das insofern tröstlich, weil ich weiß, dass ich mehr machen kann, als ich immer dachte. Dass vielleicht manches, was bei mir unter Sozialphobie oder Depression läuft, eigentlich "nur" die Folge von Einsamkeit ist. Und mir macht Mut, dass man diese Entwicklungen auch revidieren kann. Dass das Soziale ein "Muskel" ist, der gestärkt wird, wenn benutzt, und atrophiert, wenn nicht. Habe ich selbst so erlebt.

Schon vor einem Jahr habe ich angefangen, bewusst mehr auf soziale Kontakte zu achten, auch, wenn es keinen Spaß macht oder nur stresst. Ist ja ein Symptom, wie in dem Film, das einen isoliert, bzw. einem ebenso was vormacht, wie eine Depression. Mein Ziel war, pro Woche zumindest EINEN sozialen Kontakt haben. Mittlerweile schaffe ich im Durchschnitt drei und muss sagen, dass sich viel geändert hat. Ich bin weniger schüchtern, kann schneller reden, sehe in anderen eher das Postive und nicht so das Negative, habe weniger Angst vor Menschen und komme leichter ins Gespräch als früher. Mitunter gelingt es mir sogar, mit Fremden irgendwo wenige Worte zu wechseln, wenn die Situtation sich ergibt. Das ist für mich ein absolutes Novum.

Aber: die körperliche Einsamkeit bleibt. Sie tut manchmal auch körperlich weh. Es geht da in der Tat nicht um Sex, sondern um liebevolle Nähe, Geborgenheit, und ja, küssen. NUR küssen (für mich sehr intim, aber nicht zwangsläufig sexuell). Der Mangel daran verfestigt Teile meiner Depressionen, fördert Selbsthass und das Gefühl, nicht begehrenswert zu sein. Irgendwie ein Mensch zweiter oder dritter Klasse. Der zwar in vielen Aspekten halbwegs "funktioniert", aber essenzielle Bedürfnisse nicht gedeckt kriegen "darf".
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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rainman33
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Beitrag Sa., 29.06.2019, 21:29

Kokette Krokette hat geschrieben: Di., 30.04.2019, 17:08
Aber: die körperliche Einsamkeit bleibt. Sie tut manchmal auch körperlich weh. Es geht da in der Tat nicht um Sex, sondern um liebevolle Nähe, Geborgenheit, und ja, küssen. NUR küssen (für mich sehr intim, aber nicht zwangsläufig sexuell). Der Mangel daran verfestigt Teile meiner Depressionen, fördert Selbsthass und das Gefühl, nicht begehrenswert zu sein. Irgendwie ein Mensch zweiter oder dritter Klasse. Der zwar in vielen Aspekten halbwegs "funktioniert", aber essenzielle Bedürfnisse nicht gedeckt kriegen "darf".
Das kann ich soooo sehr bestätigen. Einsamkeit ist in jeder Hinsicht ein grausames und zerstörendes Gefühl, das langfristig die allermeisten Menschen psychisch krank macht. Und es führt zu einem endlosen Teufelskreis (bei mir zumindest), der immer schwerer zu durchbrechen ist. Je länger man keinerlei essenzielle persönliche oder körperliche Kontakte erlebt hat (bei mir seit vielen Jahren), desto weniger glaubt man noch daran, dass sich das noch jemals ändern könnte, bzw. desto stärker formieren sich die Gefühle und Gedanken, dass man einfach nicht in diese Gesellschaft passt, zu sehr psychisch gestört ist, einfach kein wertvolles Lebewesen ist, usw. Und in der heutigen Gesellschaft scheint es auch zunehmend schwieriger zu werden, dass Menschen noch halbwegs unvoreingenommen aufeinander zugehen (egal ob online oder offline..)...in der Hinsicht kommt es mir so vor, als ob die Effekte der Globalisierung genau das Gegenteil von dem bewirken, was man eigentlich vermuten könnte (oder gerne würde..)

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nulla
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Beitrag So., 30.06.2019, 10:10

Hallo,

ich möchte jetzt nicht zusätzlich auf einem sowieso schon schmerzhaften Punkt herumreiten, aber meint ihr jetzt wirklich GAR KEINE Umarmung o. ä., oder eher im Hinblick auf Partnerschaft?
"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht."
(Kafka)

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rainman33
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Beitrag So., 30.06.2019, 11:42

nulla hat geschrieben: So., 30.06.2019, 10:10 Hallo,

ich möchte jetzt nicht zusätzlich auf einem sowieso schon schmerzhaften Punkt herumreiten, aber meint ihr jetzt wirklich GAR KEINE Umarmung o. ä., oder eher im Hinblick auf Partnerschaft?
Na ja, Umarmung im freundschaftlichen Sinne von Verwandten (z.B. von einer Schwester) gibt es schon (wenn auch nur extrem selten, da man sich kaum sieht), aber das ist aus meiner Sicht was anderes und kann überhaupt nicht über die Einsamkeit hinwegtrösten. Wie schon oben einmal erwähnt, geht es dabei nicht explizit um Sexualität bzw. Intimität, aber eben schon um eine gewisse Form von körperlicher Nähe, physisch erlebter Zuneigung, etc. Auch mit sehr guten Freunden ist das möglich (wenn man das Glück hat, jemals solche engen Freunde zu haben). Ich hatte dieses Glück bislang nur einmal vor zig-Jahren...

Natürlich kann der sexuelle Aspekt bei unterschiedlichem Geschlecht u.U. irgendwann eine Rolle spielen, aber viel wichtiger dabei ist, dass man überhaupt von irgendjemand (zu dem man auch selbst ein gewisses Naheverhältnis und Vertrauen verspürt) auf körperlicher (oder auch ganzheitlicher) Ebene positiv wahrgenommen wird.

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nulla
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Beitrag So., 30.06.2019, 12:23

rainman33 hat geschrieben: So., 30.06.2019, 11:42 viel wichtiger dabei ist, dass man überhaupt von irgendjemand (zu dem man auch selbst ein gewisses Naheverhältnis und Vertrauen verspürt) auf körperlicher (oder auch ganzheitlicher) Ebene positiv wahrgenommen wird.
Ja, so formuliert kann ich das sehr gut nachvollziehen.

Mich hat der Titel des Threads getroffen, aber meine Sehnsucht danach, gehalten zu werden, hat weniger mit Körperlichkeit zu tun, sondern viel mehr mit dem Gefühl von echtem HALT. Wenn man geliebt wird, und dennoch hundert Umarmungen am Tag nicht das Gefühl vermitteln, gehalten zu werden. Einsamkeit inmitten von Menschen, die einem wohlgesonnen sind.
Obwohl das vermutlich alles irgendwie zusammenhängt, nachdem körperliche Nähe, Intimität und auch Sexualität aus meiner Sicht im Grunde einfach verschiedene Arten sind, miteinander zu kommunizieren.
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Pustekuchenxc
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Beitrag So., 30.06.2019, 14:00

Oh man, da wird ja jetzt wieder was hochgeholt, was ich schon verdrängt habe. Den Thread hab ich ganz vergessen.
Mittlerweile lerne ich, damit zu leben. Mal mehr und mal minder erfolgreich. Aber ich lerne es.

Ich verstehe nur gar nicht, wie ich darauf kam, das in diesem Abschnitt zu posten. Es ging dabei nie um Partnerschaft.
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nulla
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Beitrag So., 30.06.2019, 14:43

Pustekuchenxc hat geschrieben: So., 30.06.2019, 14:00 Oh man, da wird ja jetzt wieder was hochgeholt
Hab gar nicht aufs Datum geschaut, wann der Thread erstellt wurde... :cool:
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Shela
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Beitrag So., 30.06.2019, 15:29

rainman33 hat geschrieben: Sa., 29.06.2019, 21:29 Einsamkeit ist in jeder Hinsicht ein grausames und zerstörendes Gefühl, das langfristig die allermeisten Menschen psychisch krank macht. Und es führt zu einem endlosen Teufelskreis (bei mir zumindest), der immer schwerer zu durchbrechen ist. Je länger man keinerlei essenzielle persönliche oder körperliche Kontakte erlebt hat (bei mir seit vielen Jahren), desto weniger glaubt man noch daran, dass sich das noch jemals ändern könnte, bzw. desto stärker formieren sich die Gefühle und Gedanken, dass man einfach nicht in diese Gesellschaft passt, zu sehr psychisch gestört ist, einfach kein wertvolles Lebewesen ist, usw.
Leider Gottes, empfinde ich es auch so. Diese essentielle Gefühle nicht so in der Realität zu finden. Bei genauer Beobachtung sind es aber sehr alte Gefühle, die wir irgendwann längeren Zeitraum ausgesetzt waren. Die nur neu aufleben. Dennoch fühlt es sich an wie hier u. heute.
Ich durfte sie während einem stationären Aufnahme spüren u. es war gruselig, dabei sollte ich lernen alleine mit mir auszuhalten. Auch wertvoll nicht zu sein. Ich war froh, dass diese Tage vorbei waren.

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Urmel66
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Beitrag So., 30.06.2019, 17:46

Kokette Krokette hat geschrieben: Di., 30.04.2019, 17:08

Interessante Erklärung zu Einsamkeit. In einem Ted-Talk habe ich gehört, dass es sogar so schädlich ist wie zwei Packungen Zigaretten am Tag rauchen. Ist also nichts, was man auf die leichte Schulter nehme sollte. Mir hat dieses Video sehr geholfen. Denn genau diese Entwicklungen kenne ich auch nur zu gut. Manchmal kam ich irgendwie automatisch da raus, und ebenso wieder da hinein. Jetzt, wo ich hier die Erklärung gesehen habe, finde ich das insofern tröstlich, weil ich weiß, dass ich mehr machen kann, als ich immer dachte. Dass vielleicht manches, was bei mir unter Sozialphobie oder Depression läuft, eigentlich "nur" die Folge von Einsamkeit ist. Und mir macht Mut, dass man diese Entwicklungen auch revidieren kann. Dass das Soziale ein "Muskel" ist, der gestärkt wird, wenn benutzt, und atrophiert, wenn nicht. Habe ich selbst so erlebt.

Schon vor einem Jahr habe ich angefangen, bewusst mehr auf soziale Kontakte zu achten, auch, wenn es keinen Spaß macht oder nur stresst. Ist ja ein Symptom, wie in dem Film, das einen isoliert, bzw. einem ebenso was vormacht, wie eine Depression. Mein Ziel war, pro Woche zumindest EINEN sozialen Kontakt haben. Mittlerweile schaffe ich im Durchschnitt drei und muss sagen, dass sich viel geändert hat. Ich bin weniger schüchtern, kann schneller reden, sehe in anderen eher das Postive und nicht so das Negative, habe weniger Angst vor Menschen und komme leichter ins Gespräch als früher. Mitunter gelingt es mir sogar, mit Fremden irgendwo wenige Worte zu wechseln, wenn die Situtation sich ergibt. Das ist für mich ein absolutes Novum.
Das Video finde ich sehr aufschlussreich und deinen Beitrag auch, da kann man sich gut einiges rausziehen, Danke dafür

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Hexogenbig
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Beitrag Sa., 20.07.2019, 00:41

Hallo Leute,

Das Video ist echt klasse!
Erklärt wirklich Einiges!
Ziemlich effektiv auch, daß ich mit meinem Gefühl einsam zu sein eben nicht alleine bin.

Das Gefühl einsam zu sein, erzeugt Mißtrauen ohne Ende.
Man sieht fast überwiegend Leute, die irgendwas gegen einen im Sinn haben.

Und glaubt auch oft, wenn etwas schiefläuft, es liegt an einem selbst.
(Man zieht sich den "Schuh" an)

Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für Menschen, die ich kenne und deren Verhalten ganz gut dazu passt.

Das sich das Ganze so simpel erklären lässt, ist ziemlich beruhigend :)

Das bedeutet ja eigentlich, man sollte einfach "nur" ein wenig Mut aufbringen bzw.
--etwas weniger mißtrauisch sein---.

Ich hab´s selbst ausprobiert, mit dem erstaunlichen Ergebnis, daß Menschen wieder auf mich zugekommen sind.
Mut lohnt sich manchmal wirklich!

Aber leider auch erst nachdem ich eine Therapie gemacht habe.

Der Austausch hier im Forum bringt ja auch schon eine ganze Menge :-)

Das hat mich und hoffentlich auch andere wieder etwas weiter gebracht.

Thanks! Und schöne Grüsse von Mytch :anonym:
I am one of those
neurodramatic fools
-neurotic to the bone-
no doubt about it!

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Leo-01
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Beitrag Sa., 20.07.2019, 01:44

Das Thread-THEMA (ist ja egal, daß es nun von Jan. 2019 wieder hochgeholt wurde) ist zeitlos und immer aktuell ;-).

Wenn ich das jetzt lese, werde ich stutzig.

Einerseits:
Einsamkeits-Gefühle (das ist ja ein Gefühl!) ... kenne ich nicht. Ich kann (auch) bestens mit mir alleine sein. Es gibt für mich "zigtausend" Dinge, die mich beschäftigen u. vor allem ... die mich interessieren (u.a. Lesestoff u. damit -Welten). Darin gehe ich voll u. ganz auf. Und ... autark war ich schon immer. (Hat wohl den Nachteil, nicht so schnell Hilfe von anderen anzunehmen.) Obwohl ich nach Partnerschaftstrennungen ebenso gelitten habe wie andere auch. ABER: die Geborgenheit finde ich immer wieder in mir selber. (Auch wenn ich häufig über meine mir innewohnende Planlosigkeit bis hin zu Chaos-Momenten ... stöhne, mir immer wieder diesbzgl. ein Bein stelle, u.a zur Zeit recht viel Geld dadurch verliere ... den Halt oder die Geborgenheit in mir finde ich ... dann ... sofort wieder.) Insofern ist es mir fremd, wenn andere hier Einsamkeits-Gefühle IN SICH ertragen müssen. Kann es aber dennoch nachvollziehen, dieses beißende, unerträgliche, zerstörerische Gefühl.

Andererseits:
was mich aber stutzig macht, in mir:
ich kenne seit einiger Zeit (seit meiner letzten Partnerschaftstrennung) keine Umarmungen, keine körperliche Nähe, keine Intimitäten, kein Verliebtsein, keine für mich erfüllende Zweier-Sexualität ... mehr. Hmm ...

In welchen "geringen Graden" dieses mich nun betroffen macht, mir fehlt, mich vermissen läßt ... das gibt mir zu denken. Okay - eine gewisse niederschwellige? Sehnsucht ist da. Aber auch das "dringende Verlangen"?

Schön, daß das wieder aufgenommene Thema mich bewogen hat, diesbzgl. mal bei mir selber nachzuhaken.



*** Der Ruf des Lebens an uns wird niemals enden (H. Hesse)
*** Ich betrachte mein Leben als einen l e b e n s l a n g e n, unvollendeten Entwicklungs-Prozess (gemäß d. Individuation / C.G. Jung).
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Leo-01
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Beitrag Sa., 20.07.2019, 02:32

nulla,
@all,

ich habe in Deinem Tagebuch gelesen. Du hast sehr viele Menschen um Dich. Unternimmst viel.
Bist alles andere als physisch alleine. Fühlst Dich aber irgendwie "einsam". Zumindest nicht gehalten.

Auch hier schreibst Du wieder, daß Dir ein (innerer) Halt fehlt. Ich denke, diesen inneren Halt kannst nur Du Dir selber geben. Liegt es vielleicht daran, daß Du Dich nicht so magst, wie Du bist? Daß Du Dich selber nicht "liebst". Daß Du Dich nicht akzeptierst?

[Auch ich bin bzgl. meines Körpers nicht zufrieden; mein heutiger Fitness-Zustand gemessen an meinem früheren Ausdauer-durchtrainierten Körper (Leistungssport) ist eigentlich jämmerlich; ich rauche ziemlich viel (früher, eigentlich mein ganzes Leben lang, habe ich nie geraucht), ernähre mich nicht vernünftig - und dennoch .... ich "mag mich", auch mit diesen Schwächen. Von meinem Therapie-bedürftigen "Eskapaden" mal ganz zu schweigen. (Da liegt eine gewisse Selbstzerstörung vor, die mein Potential bei weitem nicht ausschöpfen läßt. Auch das gehört zu mir - aber ich habe auch "gewaltige" Stärken.)]

Der Rucksack der Vergangengeit, den muß ja jeder mit sich schleppen; bei Dir scheint aber das Gewicht zu erdrücken. Kann es sein, nulla, daß Du in Deiner (frühesten) Kindheit entweder wirklich nicht oder vermeintlich nicht geliebt wurdest? (Für die verletzte oder traumatisierte Kinderseele ... spielt der Unterschied zwischen "wirklich" und "vermeintlich=hinein interpretiert" keine Rolle.)

Kann es sein, daß Dein heutiges Verlassenheits-GEFÜHL nur ein Relikt aus früherer Zeit ist?

Vielleicht lohnt es sich, in Deine eigene Tiefe zu gehen, derart, daß Du Dich selber fragst, was Du eigentlich WIRKLICH WILLST. Also DU: fernab von irgendwelchem Getrieben-Sein ... (Muster, eingefräste Sozialisationsprozesse und andere nicht bewußte Zensoren). Denn ich habe den Eindruck, daß Dich da unbewußte Anteile in Dir zu etwas treiben, daß Du nicht SO leben willst.

PS: Fragen teilweise rhetorisch gestellt, so daß sie keiner öffentlichen Antwort bedürfen. (Wäre ja ggf. auch zu intim.)



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