Cathexis-Gruppe Grönebach

Kliniken u.a. in Deutschland (keine generellen Fragen)
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Malia
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Cathexis-Gruppe Grönebach

Beitrag Sa., 02.02.2019, 18:05

Hallo, ich war von 1986 bis 1991 Patientin in der Cathexis-Gruppe in Grönenbach und würde mich sehr gern austauschen mit anderen Patientinnen, die in dem Zeitraum in der Gruppe gewesen sind.
Wir sind ja jetzt alle im mittleren und höheren Alter und ich fände es interessant, zu erfahren, wie es mit anderen weiter gegangen ist.
Und ich würde mich natürlich sehr freuen, wieder Kontakt zu haben und gute (oder weniger gute)Erinnerungen auszutauschen.
Sich sorgen macht die Zukunft nicht leichter, die Gegenwart aber schwerer.
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Sadako
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 14:34

Hallo Malia, ich bin auch Excathexe, bin aber später da gewesen, ich glaube so 1995.
Da hat man schon etwas gemerkt, dass das Konzept keinen echten Rückhalt mehr von der Klinikleitung hatte.

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Malia
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 17:40

Ich war vor 7 Jahren noch mal dort und es war nur schrecklich.
E. (du weißt sicher, wen ich meine) hat mich völlig ignoriert und auch auf meine dreimalige Bitte um ein klärendes Gespräch darüber, wie wir miteinander umgehen könnten in dieser Zeit, nicht reagiert.
Ich war nach dieser ( eh unfreiwilligen, von der KK verlangten) "Reha" schlimmer dran als vorher und musste wegen Suizidalität abbrechen.
Das wäre damals nie passiert.

Trotzdem werde ich immer dankbar sein für die Erfahrungen von 1986-1991.
Ohne die wüsste ich gar nichts von besseren Möglichkeiten, leben zu können.
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 17:51

Das ist ja krass, ich hatte angenommen, dass sie schon lange nicht mehr da ist. Ich habe sie mal versucht zu googlen
irgendwann und da war sie nicht mehr als Personal gelistet. Arbeitet sie denn da noch? Sie muss doch inzwischen echt alt sein.
Es ist jedenfalls eine heftige Erfahrung, die du da gemacht hast. Das hätte mich auch aus der Bahn geworfen.
Die haben ja auch mir Reparenting gearbeitet und dann erscheint es mir um so krasser, wenn sie dir dermaßen die kalte Schulter gezeigt hat. Hattest du denn vorher einen guten Draht zu ihr?
Zumindest in meiner Zeit hat sie schon ein Stück polarisiert und sie hatte eindeutige Lieblinge und es gab auch Patienten, die absolut nicht bei ihr landen können. Gottseidank gab es ja noch den Cotherapeuten aber auch wenn zwei Therapeuten in der Gruppe waren … E. war die Cathexisgrupoe für mich. Ihr Cotherapeut war wie ein Schatten dagegen.
Ich war nur einmal da für 28 Wochen und wie gesagt, das ganze Konzept war irgendwie in Auflösung.

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Beitrag Mo., 22.06.2020, 18:12

Ja, sie war noch da und überhaupt nicht verändert im Verhalten, in Rente erst seit ein paar Jahren.
Sie war sehr wichtig für mich früher und hat mich über 4 Jahre intensiv begleitet.
Ich konnte mich nur lösen, indem ich sie innerlich abwertete und den Kontakt abbrach.
Trotzdem hab ich vieles von ihr (und den anderen Therapeuten, A.V.-R. und Th. F. z.B.) angenommen und bin quasi emotional aufgewacht und habe Sozialverhalten gelernt.

28 Wochen bleiben die "jungen" jetzt nur noch selten.
Und E. hat immer noch ihre Impulsdurchbrüche gehabt in den Vollversammlungen .
Einmal ist ihr fast das Gebiss rausgeflogen :lol:

Was auch seltsam war:
In meinen ersten Therapien dort haben sich alle geduzt, jetzt mussten wir das Personal plötzlich siezen.
Distanz war gefragt, was ja auch okay ist.
Trotzdem wäre ein Gespräch über den Umgang miteinander für mich wichtig gewesen.
So wusste ich überhaupt nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte.
Vor vielen Jahren so viel (auch körperliche) Nähe und jetzt plötzlich ganz viel Distanz.

Hast du denn etwas für dich mitnehmen können ?
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 20:17

Ich habe mich nicht wirklich ganz öffnen können und bin da ein Stück weit unter dem Radar geblieben.
Dennoch habe ich etwas mitgenommen. Es war das erste Mal, dass ich in einer Klinik mich angenommen gefühlt habe.
In so fern habe ich schon etwas mitgenommen.
Ich bin (weil ich überangepasst war und in Deckung geblieben bin) von ihren Ausbrüchen weitgehend verschont geblieben aber ich erinnere mich an Klingelrunden, wo sie dermassen aufgedreht hat, dass alle nur da sassen wie Kühe wenn es donnert.
Der einzige vor dem sie richtig Respekt hatte war Conny.
Ich fand es gut, dass sie auch als Mensch greifbar war. Ich habe jetzt auch eine Therapeutin, die sich auch streitet mit mir und mir klar Grenzen aufzeigt, wenn ich in die Sch*** greife. Das habe ich mir damals genommen mit meinem verzweifelten Versuch mich zu verstecken. Erst gegen Ende der Therapie hat E mich mehr wahrgenommen. Vorher habe ich ... viel zu lange, die Musterschülerin abgegeben. Ich habe nichts falschgemacht, meine Verträge eingehalten,... aber ich habe mich nicht gezeigt. Schade eigentlich.

Das du damals in die Abwertung gehen musstest um dich lösen zu können, ist ja eigentlich typisch. Es ist allerdings echt blöd, dass E. dir ein klärendes Gespräch verweigert hat. Schwer zu verstehen, warum- außer vielleicht... E nimmt Dinge persönlich und ist manchmal wirklich gekränkt gewesen, meiner Erinnerung nach. Das ist ihr großer Vorteil, dass sie ihr Menschsein und ihre Rolle als Therapeutin nie getrennt hat, aber das kann eben auch ein Nachteil sein.

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Malia
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Beitrag Di., 23.06.2020, 09:51

In der Klinik "abzutauchen" war aber schon auch eine Leistung, bei so vielen "Beobachtern".
Du wirst deine guten Gründe dafür gehabt haben.

Die Überanpassung geschah bei mir wohl erst später, nachdem E. mich doch noch"gekriegt" hatte mit ihrer weichen Seite.
Da hatte ich dann viel zu verlieren.
In meinem ersten 10-moantigen Aufenthalt habe ich mich mit E. nur gekämpft und entsprechendes von ihr "kassiert".

Ich hatte das Konzept irgendwann total verinnerlicht und hatte in der Gruppe eine wichtige Position.
Das war notwendig, um einen gewissen Schutz zu haben, denn die Konfrontationen waren zum Teil schon hart, wenn man ohne Schutz da stand.
Das war übrigens auch bei meinem letzten Aufenthalt vor 7 Jahren noch so: wenn einer etwas "destruktives" , "beziehungsschädigendes" gefunden hatte, gab es kein "Entrinnen".

Conny ist ja leider vor wenigen Jahren plötzlich verstorben.
Vor dem hatte ich auch einen großen Respekt, wenn er in die Gruppe kam, weil zu viel "Passivität" vorhanden war.
Wir waren ja die erste Gruppe mit dem neuen Therapiekonzept.
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Beitrag Di., 23.06.2020, 10:51

Du bringst mich gerade richtig ins Nachdenken...
E.ˋs Impulsivität und ihre Ausbrüche waren glaube ich eine ungute Wiederholung für mich, gerade weil sie ja in der Elternrolle war. Das war für mich so bedrohlich, dass ich ihr keine Fläche geboten habe. Damit war ein echter therapeutischer Prozess im Grunde nicht möglich. Ich habe versucht mich in jemand zu wandeln, die von E Zuwendung bekommt. Ich hatte am Ende ein gutes Standing in der Gruppe und auch bei E. Leider war es vergiftete Nahrung, weil ich mich nicht gezeigt und zugemutet habe. Macht mich gerade traurig.
Es ist zu einem gewissen Punkt meine Verantwortung... ich war da noch nicht bereit wirklich hinzusehen und mit mir selbst offen zu sein. E. Hat aber durchaus Mitverantwortung, weil sie mit ihrer Art auch viel Angst verbreitet hat und sie war mit ihrem Charisma und ihrem Einfluss auch nicht konfrontierbar.
Meine Therapeutin jetzt hat mir klargemacht, dass Therapie nicht funktioniert, wenn ich mich in der therapeutischen Beziehung nicht sicher fühle.
Ich habe trotzdem etwas mitgenommen... die Gemeinschaft hat schon getragen und etwas von der Wärme, die es dort gab, ist angekommen.

Ich habe die, mit denen E. damals so heftig gekämpft hat, insgeheim beneidet. In diesen Kämpfen war ihre Liebe sehr spürbar, weißt du?

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Beitrag Di., 23.06.2020, 12:43

Sadako hat geschrieben: Di., 23.06.2020, 10:51 Du bringst mich gerade richtig ins Nachdenken...
Du mich auch ;-)
Schon bemerkenswert, dass Erfahrungen von vor 25/30 Jahren noch so bewegen können.

Ich lese bei dir Bedauern und auch etwas widersprüchliches, das noch immer in dir vorhanden zu sein scheint.
Vielleicht sehe ich das aber auch nur, weil genau das auch in mir ist, wenn ich an diese intensive Zeit (und an E.) denke.

Monatelang 24 Stunden unter Menschen zu sein, die ähnliche Probleme hatten, das allein hat schon eine neue Basis geschaffen.
Man musste niemandem etwas groß erklären.

Vorhin hab ich mich auch kurz an die Wärme erinnert, die ich manchmal spüren konnte.
Es war, neben allem Schwierigen, ein wenig wie in einer "guten" Familie.

Das Kämpfen hat sich insofern gelohnt, dass ich die Erfahrung machen konnte, dass Nähe nichts bedrohliches sein muss, sondern auch Schutz geben kann.
Schade, dass ich schon so lange keinen Zugang mehr dazu habe.
Tatsächlich hat jene Erfahrung vor 7 Jahren wohl dazu beigetragen.
Es ist als, als hätte E. mir die Erlaubnis zum Dasein gegeben - und wieder genommen.
Noch heute, wenn es mir so schlecht geht, denke ich, ich müsste sie nur nach Erlaubnis fragen, da sein zu dürfen.
Mir ist klar, dass das "das Kind" ist, das eine tiefe Bindung aufgenommen hat.

Ganz schön aufwühlend, unser Austausch. :cool:
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Beitrag Di., 23.06.2020, 16:15

Malia hat geschrieben: Di., 23.06.2020, 12:43

Ich lese bei dir Bedauern und auch etwas widersprüchliches, das noch immer in dir vorhanden zu sein scheint.
Vielleicht sehe ich das aber auch nur, weil genau das auch in mir ist, wenn ich an diese intensive Zeit (und an E.) denke.
Das nimmst du schon richtig wahr. Diese Intensität, diese familiäre Nähe war etwas, was ich so sehr mir gewünscht habe. Ich habe nur wenig davon nehmen können damals... weil ich viel zurück gehalten habe aus Angst ich bin nicht akzeptabel.
Ich habe trotzdem einige Krümel abbekommen und das war immerhin genug, dass es mich auch nach rund 25 Jahren noch anfasst. Viel davon hat tatsächlich mit E. als Person zu tun. Sie ist immer eine wichtige Person in meinem Leben geblieben, auch oder gerade weil es auch ungelöstes mit ihr gibt.
Malia hat geschrieben: Di., 23.06.2020, 12:43
Tatsächlich hat jene Erfahrung vor 7 Jahren wohl dazu beigetragen.
Es ist als, als hätte E. mir die Erlaubnis zum Dasein gegeben - und wieder genommen.
Noch heute, wenn es mir so schlecht geht, denke ich, ich müsste sie nur nach Erlaubnis fragen, da sein zu dürfen.
Mir ist klar, dass das "das Kind" ist, das eine tiefe Bindung aufgenommen hat.
Das beschreibst du etwas, was ich mit Abstand als ein ganz großes Problem sehe. Es hat vielleicht mit diesem Nachnähren zu tun. E. gibt den Patienten diese Existenzberechtigung, aber sie entzieht sie auch, wenn sich jemand in ihren Augen destruktiv verhält. Sie war die nährende aber auch die strafende Mutter.
Meine jetzige Therapeutin nimmt mich vielmehr selbst in die Verantwortung, sie verteilt auch mal „mütterliche“ Zuwendung an Kinder aber immer in der Klarheit, das das in dem speziellen Rahmen der Therapie und letztlich symbolisch ist. Grundsätzlich coacht sie eher mich für Kinderbedürfnisse gut sorgen zu lernen.
Das Thema bei vielen Excathexen die große Abhängigkeit und Fixierung auf E. wenn ich so zurück denke.
Und diese Abhängigkeit ist nicht immer gut gelöst worden. Ob E. das bewusst ist?
Sie ist nicht ohne eigene Probleme und gleichzeitig hat sie diese tiefe echte Zuneigung zu ihren Patienten (waren es bei dir auch fast nur Frauen?) und sie hat eine Ehrlichkeit Und Klarheit und eine Präsenz, die ich bis heute im Herzen trage.
Wie eine Flamme an der man sich wärmen konnte.

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Beitrag Di., 23.06.2020, 17:29

E. hat die mögliche und unerwünschte Abhängigkeit auch immer wieder zum Thema gemacht und sicher auch geglaubt, wir/ich hätten sie gut aufgelöst.
Alles, was mit Nähe zu tun hatte (das Gehaltenwerden vor allem) wurde vorher besprochen.
Wenn die erwachsene Ebene nicht klar war, gab es auch kein "Halten".
Das Thema bei vielen Excathexen die große Abhängigkeit und Fixierung auf E. wenn ich so zurück denke.
Und diese Abhängigkeit ist nicht immer gut gelöst worden. Ob E. das bewusst ist?
Mir fällt dazu ein, wie unsere erste Begegnung bei der Aufnahme zur Reha vor 7 Jahren war:
Ich stand an der Rezeption für die Formalitäten und sie stand plötzlich neben mir.
Wir grüßten uns und ich sagte noch "Alt sind wir geworden"
und sie: "Ja, beide getrennt voneinander"
Ich kann mir vorstellen, dass sie auch Angst hatte vor einer Auseinandersetzung mit mir, weil sie ja weiß, was alles damals - aus heutiger Sicht - falsch war.
Damit nach so langer Zeit konfrontiert zu werden, war sicher auch eine Herausforderung.
Und ich mit meinem schlechten Gewissen, weil ich mich durch Abwertung aus dieser Abhängigkeit gelöst habe, hab in dem Moment meine Bitte um ein Gespräch, die ich schon beim Vorstellungsgespräch geäußert hatte, nicht direkt ihr gegenüber wiederholen können.
Ich kam mir plötzlich aufdringlich vor.

Ja, die jetzige Therapeutin, die erste, die ich 4 Jahre nach dem "Reha-Dilemma" gesucht habe, drang auch immer auf "Mitgefühl mit mir selbst" - und ich komme damit nur sehr selten und nur für Sekunden in Kontakt.

Ich wünsche mir oft den Kontakt, zu dem weichen, berührbaren Teil in mir zurück, den ich vor 30 Jahren kennengelernt habe.
Aber durch die vielen einsamen Kämpfe seitdem ist mir der verloren gegangen.
Grundsätzlich coacht sie eher mich für Kinderbedürfnisse gut sorgen zu lernen
Das waren bei uns damals ja die Non-Verträge, mit den wir üben sollten, gut zu uns zu sein, nicht wahr.
Die gaben quasi die Erlaubnis.
Sie ist nicht ohne eigene Probleme und gleichzeitig hat sie diese tiefe echte Zuneigung zu ihren Patienten (waren es bei dir auch fast nur Frauen?) und sie hat eine Ehrlichkeit Und Klarheit und eine Präsenz, die ich bis heute im Herzen trage.
Wie eine Flamme an der man sich wärmen konnte.
Das kann ich beim Lesen auch spüren.
Aber es drängt sich doch sofort das Bild der E. auf, die ich ablehnen "musste", um ich selbst sein zu können.
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Beitrag Di., 23.06.2020, 18:11

Ich bin beeindruckt, wieviel mir emotional noch nah ist aus dieser Zeit, und auch, dass es bei dir ähnlich zu sein scheint.

Zu den … nennen wir sie mal „Behandlungsfehlern“
Einerseits ist da natürlich das heutige Wissen über die Risiken oder Probleme in dem theoretischen Ansatz.
Ich sehe da aber, so schwer es mir fällt das zu benennen, noch mehr. Ich glaube das E. die Arbeit mit den Cathexen genauso verzweifelt gebraucht hat, wie sie gebraucht wurde. Sie hat ihre eigene Störung damals bei uns mal teilweise offen gemacht in einer Krise die sie bis in die Suizidalität gebracht hat. E. hatte glaube ich auch ein großes emotionales Loch in sich, was sie mit der Arbeit gefüllt hat. Mit dem Kopf hat sie versucht in sauberen und klaren Grenzen zu arbeiten aber vielleicht hat ein sehr bedürftiger Teil in ihr gute Ablösungen von Patienten unterbewusst sabotiert.
Du hast recht, dass die Vertragsarbeit einen liebevollen Umgang mit sich selbst fördern sollte.
Ich habe die positiven Sanktionen noch sehr gut und heilsam in Erinnerung.
Das könnte ich vielleicht in meinen Alltag jetzt integrieren, ich versuche mal etwas davon als Teil meines Krisenplans umzusetzen.
Letztlich waren aber in Grönenbach doch die Therapeuten, die Klinik, die Vollversammlung,.. eine Art Elterninstanz die Loben und auch Strafen konnte. In meiner Therapie werde ich jedesmal, wenn ich mein Verhalten werte, darauf hingewiesen und ich werde gefragt, wie ich formulieren kann, wenn ich etwas nur beschreibe und nicht werte.
Verantwortung und Selbstfürsorge ist so viel komplexer als etwas richtig oder falsch zu machen, das fange ich jetzt erst als olle Frau an zu lernen.
Malia, ich hoffe ganz doll, dass du ein wenig mehr Selbstfürsorge und Selbstliebe findest. Es ist schwer, das weiß ich und ich ringe immer wieder darum. Ich glaube in dem Moment, wo man sich selbst um Kinderbedürfnisse kümmert, muss man anerkennen, dass es so viel Mangel gibt, und dass niemand außer einem selbst diese Bedürfnisse erfüllen kann. Und das tut scheißweh. Es hat etwas mit Annehmen einer schlimmen Wunde und mit Abschied von der Hoffnung, dass jemand diese Wunde heilen kann, zu tun.
Ich kann das - auch deshalb - nur in Minischritten.

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Beitrag Di., 23.06.2020, 18:33

Ich glaube das E. die Arbeit mit den Cathexen genauso verzweifelt gebraucht hat, wie sie gebraucht wurde. Sie hat ihre eigene Störung damals bei uns mal teilweise offen gemacht in einer Krise die sie bis in die Suizidalität gebracht hat. E. hatte glaube ich auch ein großes emotionales Loch in sich, was sie mit der Arbeit gefüllt hat. Mit dem Kopf hat sie versucht in sauberen und klaren Grenzen zu arbeiten aber vielleicht hat ein sehr bedürftiger Teil in ihr gute Ablösungen von Patienten unterbewusst sabotiert.


Genau so hab ich mir vieles auch erklärt in all den Jahren, in denen ich versucht habe, meine Erfahrungen mit E. zu verarbeiten.
Daher: ich hätte ihr garantiert nichts getan, weil mir all das bewusst war.
Und ich wusste um ihre Ängste, weil ich das erste Cathexis-Treffen in meiner WG in Grönenbach organisiert hatte und sie von einer Ehemaligen sprach, vor deren Begegnung sie Angst hatte.
In meiner Therapie werde ich jedesmal, wenn ich mein Verhalten werte, darauf hingewiesen und ich werde gefragt, wie ich formulieren kann, wenn ich etwas nur beschreibe und nicht werte.
Das macht meine auch :)
Achtsamkeit ist eine gute Methode, zu lernen die eigenen Empfindungen wahrzunehmen, anzunehmen.
(und die anderer auch)
Ich glaube in dem Moment, wo man sich selbst um Kinderbedürfnisse kümmert, muss man anerkennen, dass es so viel Mangel gibt, und dass niemand außer einem selbst diese Bedürfnisse erfüllen kann
Ja, ich vermute, das ist der Grund, warum ich mich fast immer "zu" mache: wenn ich loslasse, stehe ich vor einem Mangel, den ich vielleicht nicht aushalte.
Ich bin beeindruckt, wieviel mir emotional noch nah ist aus dieser Zeit, und auch, dass es bei dir ähnlich zu sein scheint.
Wir kommen eben aus demselben "Stall" ;-)
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Beitrag Di., 23.06.2020, 19:21

Malia hat geschrieben: Di., 23.06.2020, 18:33 Wir kommen eben aus demselben "Stall" ;-)
Stimmt :lol:
Ich muss hetzt gerade darüber lächeln, wie „besonders“ die Stellung der Cathexen in der Klinik war. Irgendwie war da so ein richtiger Nimbus, einerseits dadurch bedingt, dass wir ja im Schnitt viel länger dawaren, aber auch durch die kleinen Sonderrechte. Der Therapeutieraum war unser Wohnzimmer, der Kater( Gab es den bei euch auch schon oder kam der nach dir?) und dass wir alle auf einem Flur waren, auf dem zumindest inoffiziell niemand ausser der Cathexisgrupoe etwas zu suchen hatte. Das war das erste und einzige Mal, dass ich Teil einer solchen „Elite“ war.
Malia hat geschrieben: Di., 23.06.2020, 18:33
Daher: ich hätte ihr garantiert nichts getan, weil mir all das bewusst war.
Und ich wusste um ihre Ängste, weil ich das erste Cathexis-Treffen in meiner WG in Grönenbach organisiert hatte und sie von einer Ehemaligen sprach, vor deren Begegnung sie Angst hatte.
Wie tragisch, dass sie dir so viel Mitgefühl und Empathiefähigkeit vermittelt hat, dass du sie mit ihren Schwächen angenommen hättest und dann aber nicht darauf vertrauen konnte, dass du gut mit ihr umgehst und quasi abgetaucht ist. Schade, dass sie die Erfahrung nicht machen konnte. Nicht nur schade für dich, auch schade für sie. :-(

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Beitrag Di., 23.06.2020, 21:02

Irgendwie war da so ein richtiger Nimbus, einerseits dadurch bedingt, dass wir ja im Schnitt viel länger dawaren, aber auch durch die kleinen Sonderrechte.
Und den eigenen Tisch im Speiseraum und das Recht, früher zum essen zu gehen und dass wir manche Gruppen nicht mitmachen mussten/sollten :cool:
Kater war noch keiner da.
Ab und zu wurde der "Sonderstatus" in der Vollversammlung konfrontiert.
Die "Normal-Neurotiker" waren eben neidisch ;-) auf uns "schwere Fälle" ;-)

Dieser Austausch mit dir hilft mir gerade dabei, doch noch eine "gute" Grenze zu bilden.
So, wie ich es mir von einem Gespräch mit E. erhofft hatte.

Abgetaucht bin eigentlich ich, weil ich nicht wusste, wie ich sie direkt (und nicht nur über das Team) ansprechen sollte, nachdem sie deutlich gemacht hatte, dass sie Distanz wollte.
Ich bin ihr dann 5 Wochen aus dem Weg gegangen, hab sie nie angesehen - war keine gute Basis für die Reha.
So langsam verstehe ich den Mechanismus des Ganzen.
Schade, dass sie die Erfahrung nicht machen konnte
Dabei hat sie mich in den fast 5Jahren gründlich kennengelernt (und gut erzogen ;-) )





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