Erfahrungen istdp, Davanloo, is-tdp

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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diesoderdas
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Re: Erfahrungen istdp, Davanloo, is-tdp

Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:07

spirit-cologne hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:03
Als Opfer darauf zu warten, dass der Täter sich schuldig fühlt oder sich gar entschuldigt, hieße, sich von einem Außenstehenden, der mir nicht einmal wohlgesonnen ist, abhängig zu machen. In meinen Augen keine gute Idee...
Ich spreche hier ja auch hauptsächlich von Erfahrungen aus der Therapie. Wenn da Sachen komisch laufen. Von dem Wirrwarr im Kopf. Von der Wut, wenn alle Verantwortung auf den Patienten geschoben wird.

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diesoderdas
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:11

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau die Menschen, die so vehement vertreten "jeder ist nur selbst verantwortlich für die eigenen Gefühle", genau die Menschen sind, die nicht sonderlich gut mit anderen Menschen auskommen.

Denke da gerade an eine spezielle Person, mit der ich ein paar Monate notgedrungen zu tun hatte. Hielt sich für ach so toll und menschlich toll und psychologisch gebildet. Nur doof, dass die Person mit so ziemlich jedem Menschen früher oder später Probleme hatte. Konnte selbst super gut austeilen - aber wehe die Person wurde selbst man geringfügig kritisiert. Da konnte man dann beim ausflippen zuschauen.

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stern
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:12

mio hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:05

Es gibt auch Leute die wollen dann einfach nix mehr mit Dir zu tun haben weil es ihnen reicht, nicht alle brauchen einen "Schuldspruch" oder sowas um sich vor übergriffigen Menschen zu schützen. ;-)
Damit kann ich auch sehr gut leben, wenn das Leute sind, die mir ansonsten eh höchstens blöd kommen (worum es ging). :-D
Über eine bereits geschehene Traumtisierung lässt sich natürlich nachträglich nicht selbst bestimmen,
Was somit belegt, dass man sich nicht jede Reaktion (hier eine Traumastörung mit entsprechenden emotionalen und sonstigen Reaktionen) selbst aussucht, aussuchen kann.

Die Annahme unbedingter Selbstbestimmung (z.B. zur Ohnmachtsabwehr) sehe ich als das Pendant zur Opferrollle an (lediglich am anderen Pol).
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mio
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:20

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:11
Konnte selbst super gut austeilen - aber wehe die Person wurde selbst man geringfügig kritisiert. Da konnte man dann beim ausflippen zuschauen.
Das was Du beschreibst ist der "Opferhaltung" gar nicht so unähnlich, auch hier ist der andere "schuld" und "verantwortlich" während man selbst gar nix dafür kann. Gleiches "Grundproblem", es äußert sich nur etwas anders.

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spirit-cologne
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:23

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:07
Ich spreche hier ja auch hauptsächlich von Erfahrungen aus der Therapie. Wenn da Sachen komisch laufen. Von dem Wirrwarr im Kopf. Von der Wut, wenn alle Verantwortung auf den Patienten geschoben wird.
Das ist in der Tat noch mal eine andere Nummer, weil der Therapeut dir gegenüber eine Garantenpflicht hat, also er ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dir kein Schaden entsteht. Das ist eine (rechtliche) Verpflichtung, die weit über die Verpflichtungen im Alltag hinaus geht. Ich halte im Prinzip gar nix von solchen konfrontativen Verfahren und wenn schon bedürfen sie einer besonderen Selbstreflexion hinsichtlich therapeutischen Vorgehens und Patientenauswahl. Das hat offenbar in deinem Fall beides nicht stattgefunden. Du als Patientin hast ja quasi schon die weiße Fahne gehisst, indem du dich in Therapie begeben hast, damit hast du ja von dir aus schon gesagt, dass du Hilfe brauchst. Insofern - ich kann ja nur das beurteilen, was du hier schreibst - liest sich das für mich schon nach eindeutigem therapeutischen Fehlverhalten, sowohl was die Patientenauswahl angeht (du wärst mit deiner Thematik nicht wirklich eine geeignete Patientin für eine solche Therapieform gewesen) als auch die Einschätzung deiner Verfassung während der Therapie (da hätte er merken müssen, dass das gerade nicht zielführend ist).

Ich fände es nur schade, wenn du dich, weil er sich nicht richtig verhalten hat, jetzt in dein Schneckenhaus zurückziehst und darauf verzichtest, therapeutisch daran zu arbeiten, dass du dich zukünftig (nicht nur gegenüber Therapeuten) besser abgrenzen kannst und lernst, deiner Wahrnehmung zukünftig so weit zu vertrauen, dass du direkt gehst, wenn du merkst, da läuft irgendwas gewaltig schief.
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mio
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:28

stern hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:12
wenn das Leute sind, die mir ansonsten eh höchstens blöd kommen (worum es ging). :-D
Wenn das nur ein paar ausgewählte Leute betrifft ist es ja nicht weiter wild, aber denen muss man dann ja auch nicht noch hinterherrennen um irgendwie an ihnen rum "zu ziehen", wenn sie einem eh nur blöd kommen. Also zB. auch keinem unfähigen Therapeuten.

Umdrehen, gehen. Anderen suchen.

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stern
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:30

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 12:24
Psychotherapeuten sind, finde ich, aber nochmal anders verantwortlich für das, was sie sagen. Ihr Job besteht nunmal größtenteils aus Worten, wann sie was wie sagen. Passend zum Patienten. Und das sollten sie ja möglichst gut einschätzen können, was welche Reaktion hervorbringt.
Natürlich. Zeigt sich auch darin, dass sie uU zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie z.B. Patienten durch unsachgemäße Behandlung retraumtisieren bzw. schaden. Also hier gibt es in der Tat Vorgaben, was professionell ist. Innerhalb dieses Rahmens gibt es natürlich Spielraum. Da kann man sich auch kaum rausreden damit, dass der Patient dies oder jenes ausgelöst hätte. Sondern die Maßgaben sind ganz klar, dass der Th. für seine Professionalität alleine verantwortlich ist. Und das ist so, weil es ein Gefälle zw. Therapeut und Patient gibt.
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Anna-Luisa
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:33

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 13:53
Hier kann sich der Täter aber auch nicht einfach zurücklehnen und sagen: "Liegt doch in der Verantwortung der Frau dass sie eine Traumafolgestörung bekommen hat. Damit hab ich gar nichts zu tun. " Das sagt dann lediglich aus, dass der Täter nichts falsch findet an dem was er getan hat. Oder keine Lust hat, dafür einzustehen, etwas falsches getan zu haben.
Doch, natürlich kann er das. Auch wenn er moralisch beteiligt ist. Tatsächlich wird er juristisch für die von ihm begangene Straftat (sofern angezeigt und nachgewiesen) zur Rechenschaft gezogen. Er wird aber nicht dafür belangt, dass das "Opfer" eine Traumafolgestörung entwickelt.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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diesoderdas
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:37

Ich red ja nicht von der juristischen Seite...


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Beitrag Fr., 16.08.2019, 14:40

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:37
Ich red ja nicht von der juristischen Seite...
Er kann es trotzdem. Schau Dir Psychopathen an, die können gar nicht anders! :!!:

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spirit-cologne
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 15:12

stern hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:12
Was somit belegt, dass man sich nicht jede Reaktion (hier eine Traumastörung mit entsprechenden emotionalen und sonstigen Reaktionen) selbst aussucht, aussuchen kann.

Die Annahme unbedingter Selbstbestimmung (z.B. zur Ohnmachtsabwehr) sehe ich als das Pendant zur Opferrollle an (lediglich am anderen Pol).
Das sagt ja auch keiner (zumindest ich nicht), dass man sich das aussuchen kann. Die Tatsache, dass eine Ursache in dir liegt, heißt ja noch lange nicht, dass du sie auch beeinflussen kannst. Ich habe ja geschrieben, dass Dinge wie Persönlichkeit, Lebens- und Lerngeschichte (dazu gehört auch kulturelles Umfeld) dafür verantwortlich sind, welche Handlungsbereitschaften in uns angelegt sind. Keines dieser Dinge sucht man sich aus und daher ist das auch keine unbedingte Selbstbestimmung. Man kann sie sich aber bewusst machen und stückweise in kleinen Schritten modifizieren, indem man Umbewertungen vornimmt und neue Erfahrungen macht. Natürlich dient diese therapeutische Arbeit der Bekämpfung (nicht der Abwehr im psychodynamischen Sinne!, denn man schaut das ja bewusst an) von Ohnmachtsgefühlen, dazu macht man ja Therapie.
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 15:12

mio hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:40
diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 14:37
Ich red ja nicht von der juristischen Seite...
Er kann es trotzdem. Schau Dir Psychopathen an, die können gar nicht anders! :!!:

Ob´s angebracht und richtig ist, nicht wer was kann... Jeder kann alles, muss aber nicht angebracht sein.

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Beitrag Fr., 16.08.2019, 15:43

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 15:12
Hier kann sich der Täter aber auch nicht einfach zurücklehnen und sagen: "Liegt doch in der Verantwortung der Frau dass sie eine Traumafolgestörung bekommen hat. Damit hab ich gar nichts zu tun. "
Natürlich kann er sich zurücklehnen, und genau das sagen. Wer sollte ihn daran hindern?
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 16:14

Anna-Luisa hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 15:43
diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 15:12
Hier kann sich der Täter aber auch nicht einfach zurücklehnen und sagen: "Liegt doch in der Verantwortung der Frau dass sie eine Traumafolgestörung bekommen hat. Damit hab ich gar nichts zu tun. "
Natürlich kann er sich zurücklehnen, und genau das sagen. Wer sollte ihn daran hindern?
Siehe Antwort eines weiter oben...

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Anna-Luisa
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Beitrag Fr., 16.08.2019, 16:16

diesoderdas hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 16:14
Anna-Luisa hat geschrieben:
Fr., 16.08.2019, 15:43


Natürlich kann er sich zurücklehnen, und genau das sagen. Wer sollte ihn daran hindern?
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