War's das jetzt? (M,30)

Was Sie in Bezug auf Ihre eigene Zukunft, oder auch die gegenwärtige Entwicklung der Gesellschaft beschäftigt oder nachdenklich macht.
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Tupaclebt
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War's das jetzt? (M,30)

Beitrag Do., 17.10.2019, 07:34

Guten Tag zusammen,

ich war wirklich lange nicht mehr hier ...
Aber es gibt etwas, das mich beschäftigt, und wie ich in meinem Freundeskreis bemerkt habe, offenbar nicht nur mich. Vielleicht ist das auch einfach so ein "Millenial"-Ding, aber ich bemerke, dass ich zunehmend dieses Gefühl habe und dass ich damit nicht allein bin.

So, wieder viel zum Einstieg geredet, ohne was zu sagen. Was genau will ich?
Kurz zu mir: Ich gehe stramm auf die 30 zu, habe ein erfolgreich abgeschlossenes Studium, verdiene wirklich unverschämt gutes Geld in der IT und lebe mit meiner Freundin zusammen. Ich bin körperlich soweit gesund und habe zumindest noch hin und wieder soziale Kontakte zu Freunden (auch wenn die etwas nachgelassen haben, aber die haben alle viel zu tun).
Im Grunde könnte man also sagen, dass es mir (obwohl ich derzeit bei einer Psychotherapeutin in Behandlung bin) eigentlich gut geht. Jeder meiner Freunde, meine Mutter usw. sagt mir: "Du hast es wirklich gut gemacht. Du hast es geschafft."
Und ich sitze trotzdem fast jeden Abend da und frage mich: "War's das jetzt?"
Habe ich meine Ziele zu schnell erreicht? Oder fehlt mir gerade ein wenig die Perspektive, um mal etwas Neues auszuprobieren? Ich frage mich wirklich, was genau ich jetzt mit meinem Leben noch anfangen soll. An sich wäre es ja mein Wunschtraum gewesen, mehr mit meinen Kumpels machen zu können, denn die verdienen auch recht gut. Ich möchte mehr reisen, aber niemand hat Zeit oder Geld. Meine Freundin leider auch nicht.
Den Wunsch nach Kindern verspüre ich absolut nicht, das ist also auch kein Ziel, das ich mir setzen könnte, und für ein Haustier fehlt mir aufgrund der Arbeit einfach die Zeit, insofern ist "sich um ein Lebewesen kümmern" aktuell keine Option, um einen Sinn in seinem Dasein zu finden.
Hier sitze ich also, weiß nichts mit meinem Leben anzufangen und fühle mich noch dazu an manchen Tagen einfach einsam.
Ich habe dann immer das Bedürfnis, einfach alleine zu verreisen. Einfach den Rucksack vollstopfen und weg, keine Ahnung, wohin. Aber dazu habe ich wohl nicht so richtig den Mut (naja, und Zeit ist da auch so ein Problem, wenn man Vollzeit arbeiten gehen muss).

Aber das lustige ist: Ich habe mit eben jenen Kumpels, die keine Zeit haben, mal drüber gesprochen, und einer von ihnen meinte auch: "Ich frage mich schon an manchen Tagen, warum ich das alles hier mache. Irgendwie hoffe ich zwar, dass da noch mehr kommt, aber ich glaube es langsam nicht mehr."
Und wenn man sich in anderen Foren mal umschaut ... Viele junge Menschen zwischen 25 und 35 haben (gefühlt) ein ähnliches Problem. Viele Möglichkeiten, aber keine Fähigkeit zur Auswahl.

Joah, was genau ich mit diesem Thread jetzt bezwecken wollte, ist mir nicht ganz klar, vermutlich wollte ich einfach nur eine Diskussion starten und eure Meinung dazu hören :)

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Schnuckmuck
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Beitrag Do., 17.10.2019, 10:40

Ja, diese Phase hat jeder einmal. Es ist wohl normal.

Durch meinen heutigen kann bin ich auf die Idee gekommen, 2003 eine Weltreise zu machen, das war eine irre Erfahrung. Denn manches würde ich heute nicht mehr machen, zb, Kakerlaken, bruchbuden, Ratten, grenzwertige Nahrung, all das geht irgendwie wenn man jung ist besser. Auch bettwanzen sind nicht ganz so schlimm.

Heute würde ich bei einer Ratte, die durch dass ohne scheibefenster ins Zimmer kommt und an meinen Zehen riecht und knabbert, die Beherrschung verlieren.

Aber, was soll ich sagen, unsere Zeit ihm Outback von Australien hat uns dazu inspiriert unsere Hochzeit nur mit 8 Personen zu feiern, inkl uns, um dann am nächsten Tag für 3,5 Wochen nach Australien abzurüsten und die schönsten Ecken noch einmal mit dem Allrad zu bereisen,

Und ich denke, hätten wir die Zeit nicht gehabt, die einen auch zusammenschweißt, wären wir heute selbst mit Kindern nicht mehr zusammen. Aber wir haben uns am 14.052003 in Tilba, bei Tilba Tilba das ewige versprechen gegeben. Und daran halten wir uns.

Mein Mann ist ein Stoffel. Aber er akzeptiert mich, so wie ich bin. Und so lass ich ihn auch seine Macken haben.

Es hat sein gutes, tropenkrankheiten, grenzerfahrungen und wunderbares zusammen zu erleben!

Und! Es war kein Problem, danach wieder Arbeit zu finden. Ein sabbatical im Lebenslauf ist kein ko Kriterium!

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Claude
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Beitrag Do., 17.10.2019, 11:58

Was mir nur spontan einfiel, als ich deinen Beitrag las, war, dass du dir etwas gutes tun musst. Du musst mehr Dinge tun auf die du wirklich Lust hast, dir schöne Momente geben. Ausgleich zum Berufsalltag. Wenn du zu der Erkentnis kämst, dass das worauf du wirklich Lust hast eine einjährige Weltreise zu machen, müsstest du dich natürlich fragen wie du das mit deinen Beruf vereinbarst aber das weißt du vermutlich alles schon längst.
Dein Vorteil ist, dass du viel Geld hast, dass macht vieles leichter und manches möglich.

Du könntest auch einfach beschließen bei Ikarus (Reiseveranstalter) eine zweiwöchige Gruppenreise nach Indien zu machen. Wahrscheinlich hättest du gar keine Lust darauf und möchtest lieber auf andere Weiße verreisen (Rucksacktourismus hast du ja erwähnt) aber mit dem Beispiel wollte ich dir nur sagen, dass du auch Dinge ausprobieren kannst, die weder Mut noch besonders viel Aufwand erfordern.
(Aber vielleicht hast du auch schon viel ausprobiert und es war nicht genug oder nicht das richtige?)

Dass du schreibst Kinder haben, wäre kein Ziel für dich, wundert mich ehrlich gesagt etwas, denn (gerade wenn man in sicheren Lebensumständen ist) stelle ich es mir als sehr erfüllend vor, einen kleinen Menschen aufwachsen zu sehen und diesen auf sein eigenes Leben vorzubereiten. Wenn ich (kinderlos) an einen Punkt wäre in meinen Leben wäre, an dem ich mich frage "Soll das alles sein." dann würde ich das mit der Elternschaft erst recht machen. Denn es wäre ja eine neue Aufgabe. Aber ich weiß, dass jeder Mensch anders ist, jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Ziele und es ist möglich, dass dir Elternschaft tatsächlich nicht die Erfüllung gäbe, nach der du sich sehnst. Und klar wenn du jetzt die Einstellung bekämst "Ich bekomme ein Kind und dann geht es mir wieder gut" wäre das vermutlich auch gefährlich denn dann würdest du große Erwartungen an einen jungen Menschen stellen, der seine eigene Persönlichkeit hat. Wobei du mir wie eine Person scheinst, die Kindern einiges gutes mitgeben könnte (und das nicht nur in Bezug auf finanzielle Sicherheit).

Es gibt auch Menschen, die sagen von sich, dass sie erst über den Glauben an Gott begonnen haben, sich im tiefsten Innern gut zu fühlen.

Das sind nur meine Gedanken dazu aber wahrscheinlich waren sie nicht sehr produktiv.

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Tupaclebt
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Beitrag Do., 17.10.2019, 12:35

@Schmuckschmuck
Durch meinen heutigen kann bin ich auf die Idee gekommen, 2003 eine Weltreise zu machen, das war eine irre Erfahrung
Tatsächlich ist das etwas, das meine Freundin und ich auch schon länger planen. Problem hierbei ist: Ich kann es mir leisten, sie sich (aktuell noch) nicht. Und für uns beide reichen dann auch meine finanziellen Mittel nicht mehr so ganz aus :D

Mein Problem an der ganzen Sache ist allerdings, dass ich wirklich Angst habe, dass ich nach einer solchen Reise in ein wirklich tiefes Loch falle. Man kennt es ja, wenn man z.B. aus einem zweiwöchigen Urlaub zurück kommt und wieder in den Alltag finden muss. Da hat man auch erst mal das Urlaubstief. Und wenn ich das ganze jetzt ein Jahr lang mache, ständig neue Eindrücke gewinne usw., dann habe ich irgendwie Angst, nie wieder zurück in den Alltag zu finden :(

@Claude
Was mir nur spontan einfiel, als ich deinen Beitrag las, war, dass du dir etwas gutes tun musst. Du musst mehr Dinge tun auf die du wirklich Lust hast, dir schöne Momente geben.
Nach solchen Momenten suche ich gerade sehr intensiv, nach einem neuen Hobby etc.
Aber irgendwie langweilt mich alles ziemlich schnell :/
Dass du schreibst Kinder haben, wäre kein Ziel für dich, wundert mich ehrlich gesagt etwas, denn (gerade wenn man in sicheren Lebensumständen ist) stelle ich es mir als sehr erfüllend vor, einen kleinen Menschen aufwachsen zu sehen und diesen auf sein eigenes Leben vorzubereiten. Wenn ich (kinderlos) an einen Punkt wäre in meinen Leben wäre, an dem ich mich frage "Soll das alles sein." dann würde ich das mit der Elternschaft erst recht machen. Denn es wäre ja eine neue Aufgabe.
Ja, sollte man meinen, aber tatsächlich ist dem nicht so. Kann vielleicht auch daran liegen, dass ich mich dieser Herausforderung nicht gewachsen fühle, da ich im Augenblick nicht den Eindruck habe, dass ich wirklich "erwachsen" bin (übrigens noch so ein Problem, das ich von vielen Menschen meines Alters höre).
Und naja, am Ende hat meine Freundin da ja auch noch irgendwie n Wörtchen mitzureden, und die will auch keine Kinder, sogar noch weniger als ich :lol:

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Beitrag Do., 17.10.2019, 12:49

Tupaclebt hat geschrieben:Nach solchen Momenten suche ich gerade sehr intensiv, nach einem neuen Hobby etc.
Aber irgendwie langweilt mich alles ziemlich schnell :/
Wie wäre es dann mal mit ner ehrenamtlichen Tätigkeit?
Für jemand anderen Verantwortung übernehmen, ohne dass es einen gleich ein Leben lang "bindet" wie bei nem eigenen Kind?
Mal anderen was Gutes tun, vielleicht klappt es dann auch, dir selber leichter was Gutes zu tun?
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Wenn du nicht schlafen kannst, zähl nicht die Schafe, setz dich zum Hirten ans Feuer
Verf. unbek.

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Tupaclebt
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Beitrag Do., 17.10.2019, 13:20

Wie wäre es dann mal mit ner ehrenamtlichen Tätigkeit?
Für jemand anderen Verantwortung übernehmen, ohne dass es einen gleich ein Leben lang "bindet" wie bei nem eigenen Kind?
Mal anderen was Gutes tun, vielleicht klappt es dann auch, dir selber leichter was Gutes zu tun?
Hatte ich mir tatsächlich schon mal überlegt, aber da etwas zu finden, das mich wirklich erfüllt, könnte schwer werden. Ich muss zugeben, je weniger (fremde) Menschen ich um mich herum habe, desto wohler fühle ich mich (weswegen ich mittlerweile fast ausschließlich zu Hause arbeite).
Aber vielleicht könnte ich tatsächlich mal in einem Tierheim nachfragen, ob die jemanden brauchen, der ihre Hunde spazieren führt oder so...

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Schnuckmuck
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Beitrag Do., 17.10.2019, 13:49

Ich sehe keinen Grund in ein Loch zu fallen, eher, dass alle Akkus aufgeladen sind, man schätzt was man hat, denn wenn man nicht in den touristenecken verkehrt, dann lernt man ein Land richtig kennen. Und dann weiss man, wie es einem zuhause geht. Prima!

Das ist nur eine Ausrede.

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Tupaclebt
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Beitrag Do., 17.10.2019, 14:19

Das ist nur eine Ausrede.
Das traurige ist, ich weiß im Grunde, dass du recht hast xD
Naja, meine Freundin und ich haben diesen Plan eh schon lange ins Auge gefasst, vielleicht wird es wirklich mal Zeit, konkrete Pläne zu schmieden.


No Twist
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Beitrag Do., 17.10.2019, 14:28

Während deiner Ausbildung hattest du doch bestimmt Ziele bzw. Vorstellungen vom Leben danach, oder? Ist dein Leben jetzt diesen Vorstellungen entsprechend?

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spirit-cologne
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Beitrag Do., 17.10.2019, 17:52

Tupaclebt hat geschrieben:
Do., 17.10.2019, 12:35

Tatsächlich ist das etwas, das meine Freundin und ich auch schon länger planen. Problem hierbei ist: Ich kann es mir leisten, sie sich (aktuell noch) nicht. Und für uns beide reichen dann auch meine finanziellen Mittel nicht mehr so ganz aus :D
Auch das halte ich eher für eine Ausrede... entweder ihr könnt die Reisepläne etwas kleiner stecken, dann reicht dein Geld für euch beide (Die Qualität des zu erlebenden Abenteuers Reise hängt nicht in erster Linie von der Entfernung oder dem Budget ab, sondern von der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen) oder du wartest einfach noch etwas und sparst so lange, bis das Geld für eure Pläne reicht (wenn du gut verdienst und keine großartigen finanziellen Verpflichtungen wie Kinder oder großes Haus hast, sollte das ja nicht zu lange dauern). Dass du einen Teil für sie mit übernimmst, finde ich völlig in Ordnung, wenn Sie wirklich deutlich weniger verdient und sich genauso anstrengt, wie du, um Geld beiseite zu legen. Liebe heißt auch teilen....

Abgesehen von Reiseplänen, die wie ich finde immer eine gute Idee sind, wenn man etwas verändern will, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr angenehm und entlastend in so einer Lebenssituation ist, wenn man aufhört, ständig nur um sich selbst, die eigenen Bedürfnisse und die eigene Selbstoptimierung zu kreisen. Von daher würde ich auch empfehlen, dich nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit umzusehen. Wenn man sich darauf einlässt, wie hilfsbedürftig andere Menschen (oder meinetwegen auch Tiere) sind, dann lernt man die Annehmlichkeiten des eigenen Lebens (und sei es nur, dass man gesund ist) mehr zu schätzen und es gibt einfach ein gutes Gefühl, helfen zu können, irgendwann stellt man sich dann diese Fragen nach dem "Wozu das alles?" gar nicht mehr.... Es gibt übrigens auch viele Möglichkeiten, sich auch ohne all zuviel Kontakt ehrenamtlich zu engagieren. Viele Hilfsorganisationen/Vereine suchen auch immer Leute, die Bürotätigkeiten übernehmen, am Webauftritt feilen, Spenden sammeln o.ä.
It is better to have tried in vain, than never tried at all...


cinikus
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Beitrag Do., 17.10.2019, 18:24

Laut Untersuchungen bereuen Menschen am Ende ihres Lebens weit mehr, was sie NICHT getan haben, als das, was sie vielleicht falsch gemacht haben. Dazu muss man allerdings nicht bis zum Totenbett warten. Ab einem gewissen Alter schwinden die Optionen von ganz alleine und das Bereuen fängt schon Jahrzehnte vor dem Tod an. Weil es für Manches eben nur eine gewisse Zeit gibt.

Anders: Ich stand innerhalb weniger Jahre an sehr vielen Totenbetten von lauter Leuten, die kurz vor ihrem Ruhestand an Krebs erkrankt waren. Sie alle hatten Pläne für diese Zeit der Freiheit nach der Karriere. Oft stand tatsächlich Reisen weit oben auf der Liste. Aber sie alle ... sind vorher gestorben. Für mich war das dann ein Weckruf. Ich war auf demselben Dampfer, alles, wofür mir aktuell der Mut fehlte, auf die Zeit im Ruhestand zu vertagen. Nun begriff ich, dass ich diesen Ruhestand vielleicht nie erreiche. Und dann? Meine Träume nie verwirklicht? Weil? Ich zu feige war? Zu viele gute Ausreden hatte?

Stelle dir vor, du bist 70 und schaust in den Spiegel. Was willst du dort sehen? Was willst du erlebt haben? Worauf willst du in deiner Vergangenheit blicken?

Ich sehe eine gewisse Gefahr, dass du deiner Freundin irgendwann vorwerfen könntest, ihretwegen dein Leben nicht gelebt zu haben. Wenn Reisen etwas ist, dass du getan haben musst, dann tu es. Und zwar so schnell wie möglich. In deiner Branche kannst du doch sicher ein Sabbatical aushandeln.

Gutes Spiel ist auch: Stelle dir vor, in einem Jahr bist du tot. Was möchtest du bis dahin auf jeden Fall noch erlebt haben? Tu es!

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Broken Wing
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Beitrag Do., 17.10.2019, 20:02

Mache, was du willst, am Ende wirst du es bereuen. Also bleib lieber bei dem, worin du gut bist. Glaubst du, dass Menschen, die Reisen, andere Sorgen haben als du? Oder vielleicht haben sie andere, aber diese äußern sich mit denselben Gefühlen von Reue und Mutlosigkeit.

In der Stunde des Todes wirst du dein Leben sowieso meinen, dass dein Leben sinnlos war. Liegt daran, dass das Leben tatsächlich sinnlos ist. Das wird im letzten Moment teilweise ersichtlich, aber trotzdem noch so verschleiert, dass man meint, es hätte an einem selbst gelegen. Was die Halbleiche im Stadium absoluter Verzweiflung von sich gibt, wird unhinterfragt als Weisheit für die Lebenden verkauft.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Emily_Erdbeer
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Beitrag Do., 17.10.2019, 20:11

Weißt du was dein Mangel ist?
Du selbst. Such nicht im Außen, such nach dir. Damit bist du bis zu deinem Tod beschäftigt.

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Kaonashi
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Beitrag Do., 17.10.2019, 20:37

spirit-cologne hat geschrieben:
Do., 17.10.2019, 17:52
Von daher würde ich auch empfehlen, dich nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit umzusehen.
Ich habe den Eindruck bekommen, dass Menschen, die etwas für andere tun, oft eine besondere Ausstrahlung haben. Dann, wenn sie es nicht für das eigene Ego tun, sondern weil es ihnen von Herzen wirklich Freude macht. Also nicht für Geld, nicht für die Dankbarkeit oder die Anerkennung. Die haben manchmal so ein Leuchten in den Augen und sind so offen und freundlich. Das bewundere ich. Insofern könnte es sein, dass eine ehrenamtliche Tätigkeit ein wirklich guter Tipp ist. Aber vielleicht können das nur bestimmte Menschen und nicht jeder, da bin ich nicht sicher.
Aber wenn es nicht die Erfüllung bringt, dann kann man immerhin viel Neues kennenlernen und bekommt eine andere Perspektive. Oft kommt es vielleicht auch zu einem Gefühl von Dankbarkeit, wenn es einem selbst gut geht.

Etwas mit Menschen zu machen, wäre für mich jetzt nicht drin, ich brauche selber Betreuung, aber ich glaube, das kann sehr erfüllend sein, wenn man sich traut.
Ich kenne jemanden, der minderjährige Flüchtlinge als Vormund betreut hat. Außerdem macht er bei einem Besuchsdienst für Senioren mit. Möglichkeiten gibt es sehr viele.
Gassigehen mit Hunden habe ich auch mal gemacht. Wenn es Spaß macht, ist es natürlich auch eine Möglichkeit. Hier in meiner Gegend gibt es jedoch so viele Gassigeher, dass man eigentlich gar nicht gebraucht wird. Eher könnte man Pflegestelle für irgendeine Tierarzt machen, aber dafür braucht es ein wenig Zeit. Ich habe das mal in kleinem Umfang für Kleintiere gemacht, aber das gab immer Stress, wenn ich den ganzen Tag arbeiten musste und ein Tier krank war.

Ansonsten dachte ich immer, dass auch eine Zeit im Ausland als Entwicklungshelfer neue Perspektiven bringen könnte.

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Nico
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Beitrag Fr., 18.10.2019, 03:54

@Tupaclebt
Ich vermute, dass bei dir genau der Wunsch, dass es das gewesen sein soll und möglichst keine Veränderung mehr eintritt, dahintersteckt.
Ein Mensch der wirklich l e b t, registriert laufend Ver - Anderungen und passt sich und seine LebensUmstände ( wenn auch meistens in sehr kleinen, nicht so weltbewegenden, heroischen Schritten) diesen Veränderungen an.
Andere wiederum tun das erst wenn ihr Leben durch ignorieren dieser Änderungsanforderung unerträglich geworden ist.
Und einige schaffen es, selbst diese Unerträglichkeit zu ignorieren und behaupten steif u fest, dass es nix mehr gibt dessen Änderung sich lohnen könnte.
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!