Corona-Krise und Familien mit Kindern

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Corona-Krise und Familien mit Kindern

Beitrag Di., 31.03.2020, 20:23

Hallo,

hat jemand eine Idee wie das in Familien derzeit so abläuft.

Mutter von zwei Kindern, Lehrerin, daher grade zwangsbeurlaubt, also den ganzen Tag zu Hause. Nicht mal HomeOffice.

Der Mann selbstständig und kann sich seine Zeit ja frei einteilen - mein Chef. Zweimal die Woche macht er um 15:30 Uhr Schluss, um seine Kinder abzuholen. Jetzt ja nicht, denn die sind ja zu Hause. Nun war er gestern morgen später in der Firma, aber da war er vermutlich noch schnell beim Friseur, und ich denk' mir dann so - naja dann... Heute morgen kam er erst um 10:30 Uhr - und ich bin gespannt wie sich das weiter entwickelt. Denn das Gejammer der Frau wegen der Kinder war ja vorher schon. Zweimal die Woche muss er früher weg wegen der Kinder und regelmäßig Samstags hatte er sie dann mit im Büro, wenn er da noch was machen musste. Nun geht das natürlich so nicht mehr, da durch die Krise alles durcheinander läuft. Nun könnte man denken, die Frau hat ja Zeit und kann die Kinder betüddeln. Falls sich mein Verdacht bestätigt, ist ihr das aber zu viel und zu stressig und sie überlegt schon, wie sie ihren Mann da auch wieder einspannen kann.

Ich gebe zu, dass ich keine Kinder habe und daher eben da auch nicht gut mitreden kann. Ich hatte mich nur gewundert, dass vor zwei oder drei Wochen der Chef die Kinder mit auf Arbeit hatte und jetzt auch morgens noch später in der Firma ankommt. Mal sehen wie sich das entwickelt.

Mich interessiert mal, ob das überhaupt normal ist. Der Mann ist selbstständig und das hat sie ja auch gewusst als sie mit ihm zusammenkam und eine Familie gründete. Ich bin froh für meinen Job und wir könnten jetzt prima Rückstände abbauen. Ich weiß nicht, ob die Kanzlei die Krise überleben wird und ich meine Arbeite behalten kann und sehe dem natürlich auch mit einer Sorge entgegen, falls das ausufern sollte. Hat jemand Gedanken dazu und Erfahrungen. Die Großeltern fallen zur Zeit als Entlastung für die Mutter aus.

Es ist auch nicht so, dass es nichts zu tun gäbe. Die ganzen Anträge für Kurzarbeit und Zuschüsse für die Mandanten, das Tagesgeschäft ruht auch nicht wirklich. Es gibt immer noch genug Telefontermine und Mandanten kommen sogar auch noch persönlich vorbei - leider. Und die Frau hat vorher schon gemeint "du kannst dir deine Zeit doch freier einteilen" usw. Sicher denkt sie jetzt, er hat ja nichts groß zu tun in der Firma und er kann dies und jenes zu Hause noch mit übernehmen oder so. In letzter Zeit fährt er abends um 18:00 Uhr nach Hause, sitzt also auch nicht mehr bis spät nachts im Büro. Und ich frage mich dann so: was will sie denn eigentlich noch?

Bin ich zu hart in meinem Urteil und ist das jetzt in der Krise ein normales Verhalten, wenn nicht sogar schon vor der Krise normal? Da denkt man doch, sie ist doch jetzt den ganzen Tag zu Hause und kann sich um die Kinder kümmern... Wahrscheinlich erwarte ich da einfach zu viel? Oder ist das für sie ein Prinzip, dass sie das nicht allein macht? Ich kenne sie nicht wirklich, hab' sie nur dreimal kurz gesehen.

Die Frage ist die, ob man dem Chef anbietet, dass er seine Kinder öfter mitbringt, damit seine Frau entlastet ist?!? Oder ist das einfach nur dumm, dass man sich dann selber den Stress antut und es für die Kinder auch nicht das Wahre ist? Ist das normal, dass sie keine Rücksicht auf die Arbeitszeiten des Partners nimmt? Es sagt ja auch kein Mensch etwas, wenn man ab und an mal für die Familie im Einsatz ist... Sie fährt auch dieses Jahr zur Reha, weil sie so gestresst ist. Kann mir das auch vorstellen, dass es anstrengend ist. Ich frage mich manchmal nur, was hat sie sich vorgestellt mit zwei Kindern?

Hat jemand eine Ansicht dazu und Ideen? Sollte man ab einem bestimmten "Ausfall" des Chefs auf die Barrikaden gehen oder wäre das egoistisch, wenn nicht sogar unnötig? Oder gibt es vielleicht andere Lösungen? Wie machen das denn andere Familien? Und handelt es sich hier um eine "normale" Frau oder eine, die vielleicht schon rücksichtslos handelt und man sich das nicht gefallen lassen sollte? Ich kann das wohl nicht wirklich beurteilen. Und es geht mich eigentlich nichts an, wie die beiden das regeln. Sollte man eher seine "Hilfe" anbieten oder sich da lieber nicht auch noch einspannen lassen? Bin ich zu kleinlich, weil ich gerne meinen Arbeitsplatz erhalten möchte?

LG


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 31.03.2020, 20:42

Hallo,

mehrere Fragen haben sich für mich beim lesen ergeben:
wie verbandelt ist das Verhältnis von dir und deinem Chef, seid ihr zusammen?
bzw. Kannst du deiner Arbeit nur nachgehen, wenn dein Chef verfügbar ist?

LG
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Beitrag Di., 31.03.2020, 20:53

Nein, wir sind nicht zusammen. :kopfschuettel:

Meine Arbeit kann ich auch mal nachgehen, wenn er nicht da ist. Wir kommen insgesamt kaum hinterher mit der Arbeit und er ist kein typischer Chef wie: ich guck mal schnell drüber, was die Angestellten gearbeitet haben und fahre dann wieder nach Hause. Er hat wirklich sehr viel selber zu tun und hängt eh immer schon hinterher und schafft sein Pensum nicht. Teilweise hängt meine Arbeit aber eben auch davon ab, was er weggeschafft bekommt.

Es geht halt darum, falls sich das jetzt häufen sollte mit dem Familieneinsatz, was ja auch nicht mal unbedingt sein muss.


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 31.03.2020, 21:09

Ich würde, wenn es dich negativ beeinflusst klar kommunizieren, dass du so nicht arbeiten kannst.

Deine Aufgabe als Angestellte ist mMn nicht dir über seine Familienangelegenheiten Gedanken zu machen, dass muss er schon selber gebacken bekommen.

Man ist in der Regel eh nachsichtig in Krisensituationen. Aber deinen Aufgaben solltest du nachkommen können. Falls nicht, weil seine Situation dawischen grätscht, würd ich das thematisieren. Auch wenn ichs natürlich ein bisschen verstehen könnte.
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Beitrag Di., 31.03.2020, 21:51

Hallo theweirdeffekt,

danke für deine Antworten...

Werde das wohl tatsächlich dann davon abhängig machen, wie ich meine Arbeit machen kann usw. Wenn nicht müsste ich wohl mal das Gespräch dann suchen.

Mittlerweile sollte ich ihm aber wohl eher wieder mehr vertrauen, was das angeht, dass er rechtzeitig die Reißleine ziehen würde, wenn es das Geschäft zu stark beeinträchtigen sollte. Ein Kollege hat mir erzählt, dass er heute einen "Geschäftspartner" zusammengesch.... hat, der ihm in letzter Zeit (durch Corona hat der tatsächlich weniger zu tun oder so) nur die Zeit durch lange Telefonate stiehlt usw. Chef sagt auch, jetzt könnte man mal ein paar Rückstände abbauen und der Typ nervt nur und hält einen von der Arbeit ab :kopfschuettel: :lol:

Trotzdem herzlichen Dank für deinen Beitrag. Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen ;)

Gute N8


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 31.03.2020, 21:54

:D das klingt ja dann gut.

Danke, dir auch eine gute Nacht und
LG
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Blume1973
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Beitrag Mi., 01.04.2020, 06:41

Meine ehrliche Meinung ist, dass ich finde, dass dich als Angestellte sein Familienleben nichts angeht.

So lange der Laden läuft und er dir deine Arbeit nicht abnehmen würde, wenn er mehr hier wäre, ist es doch egal, was er in seiner Freizeit macht.

Und wie könntest du auf die Barrikaden gehen? Würdest du der Arbeiterkammer melden, mein Chef kümmert sich zu wenig um seine Firma, weil er ein guter Vater zu sein scheint?

Ähm, naja da denk ich mir schon, lass den Mann doch sein Leben leben und mach einfach deine Arbeit.

Klingt hart, ich weiß, aber das fällt mir eben dazu ein. 🤷🏼‍♀️
Die einzigen wirklichen Feinde des Menschen, sind seine negativen Gedanken.

Albert Einstein

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Schnuckmuck
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Beitrag Mi., 01.04.2020, 08:46

Zwei paar Schuhe, er darf ohne deine Einmischung entscheiden, was er mit seiner Frau vereinbart,

Du darfst aber ein Gespräch suchen, neutral, wie er sich die Zusammenarbeit in diesen besonderen Zeiten vorstellt. Er ist der Kuchen, du der Krümel. Und ihm ist sicher gewusst, dass es schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen. Aber das ist seine Verantwortung,


Fighter1993
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Beitrag Do., 02.04.2020, 20:05

Ich finde auch, du hängst dich da in was rein, was dich genaugenommen nichts angeht. Zumal dir ja offensichtlich das Hintergrundwissen zur Familie fehlt: vielleicht hat die Frau selbst Probleme die jetzt durch einen unstrukturierten/anders gestalteten Tagesablauf sichtbarer/belastender für die Familie werden? Vielleicht sind die Kinder/die Frau krank und der Mann muss eben mehr daheim übernehmen? Vielleicht hat eines der Kinder Schwierigkeiten, die durch das aktuelle Chaos und ohne gewohnte Abläufe, alleine nicht händelbar sind? Steht der Chef selbst vielleicht vor einem Burnout und ist mit sich selbst jetzt konsequenter? "Genießt" er vielleicht auch einfach nur die Möglichkeit, morgens mit der Familie zu frühstücken oder Abends zusammen am Tisch zu sitzen weil Vereine, Sport etc nicht stattfinden und es jetzt eben einfach möglich ist ein Familienleben zu leben? Nimmt er Arbeit mit heim und du bekommst es nicht mit? Kommt er vielleicht noch zu anderen Zeit arbeiten wenn du nicht da bist? Oder oder oder... Du weißt zu wenig um urteilen zu können und selbst wenn, es ist das Leben deines Chefs, wie er es organisiert und strukturiert ist sein Ding bzw. das seiner Familie. Die aktuelle Situation ist für viele Menschen beängstigend und mit massiven Risiken - nicht nur gesundheitlich - verbunden.

Wenn allerdings deine Arbeit von seiner abhängt, dann würde ich das Gespräch suchen. Aber eben definitiv nicht auf der Ebene sein Privatleben da mit rein zu ziehen. Sondern sachlich feststellen, dass durch die veränderte Situation es dir schwerfällt, deiner Arbeit im geforderten Maß nachzukommen und wie man das gemeinschaftlich gut regeln und angehen kann

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Beitrag Mo., 13.04.2020, 14:36

Hallo,

danke für die vielen Antworten. Ich fühle mich auch mies dabei. Ich weiß halt nicht, ob das so okay ist oder nicht. Müssen ja aber die wissen. Es hat wohl letztens ziemlich Terz gegeben zu Hause, weil er ihr nicht oft genug zu Hause ist. Aber wie gesagt, ihr habt ja Recht.

Vielleicht wäre es halb so wild, wenn die Kanzlei nicht kurz vor dem Aus stehen würde. Wir hatten die ganze Zeit zu kämpfen und jetzt wegen Corona....Mein Chef meinte, er weiß nicht, ob er vielleicht doch in drei Monaten zu machen muss...

LG und bleibt gesund