Morddrohung aus Eifersucht

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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Melody_22
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Morddrohung aus Eifersucht

Beitrag Do., 07.10.2021, 13:46

Kann mir jemand helfen?
Meine Tochter hatte vor ein paar Monaten einen türk. Freund. Wir luden ihn ein und diskutierten offen über gewisse Ängste bzgl. interkulturelle Differenzen.
Der Freund machte häufiger spontan Schluss, da er mit sich selber Probleme hatte.
Gestern rief er mich an und erzählte mir, dass er meiner Tochter nachgezogen sei und nun auch 700 km entfernt wohne. Sie würde aber gerne ausgehen und Nummern von fremden Männern annehmen. Das dulde er nicht und nun würde er endgültig Schluss machen, bevor noch etwas passiere. Er selber habe nichts falsch gemacht.
Ich war erstmal überrascht, denn davon hatte meine Tochter nichts erzählt. Ich verstand nicht die Aussage: "er habe nichts falsch gemacht".....fand es aber komisch. Ich versuchte, zu deeskalieren und beruhigte ihn. Ermunterte ihn, nochmal mit ihr zu reden. Dass Vertrauen wichtig sei in einer Partnerschaft, und dass man auch als Frau Männer treffen könne, ohne sich gleich zu verlieben. Er schien sich zu beruhigen, nun war ich aber beunruhigt.
Daraufhin rief ich meine Tochter an und fragte, warum sie alles verheimlicht hatte.
Sie sagte, er sei gestört und hätte sie mit dem Messer bedroht, wolle ihr Leben zerstören.
-------Jetz frag ich mich, wie gefährlich ist er. Ist es schizophren, eine Psychose? Denn er scheint Wahnvorstellungen zu haben, sieht Dinge anders als sie sind. Wer kann ihn einweisen, denn er selber hat wohl schon angedeutet, instabil zu sein.
Was soll ich aus 700 km Entfernung anstellen? Und vor allem: wie kann ich mit ihm reden, wie redet man mit Psychotikern? Gibt man ihnen recht? Zeigt man sich verständig?
Danke für professionelle Hilfen!!

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Beitrag Do., 07.10.2021, 14:03

Melody_22 hat geschrieben: Do., 07.10.2021, 13:46
-------Jetz frag ich mich, wie gefährlich ist er. Ist es schizophren, eine Psychose? Denn er scheint Wahnvorstellungen zu haben, sieht Dinge anders als sie sind. Wer kann ihn einweisen, denn er selber hat wohl schon angedeutet, instabil zu sein.
Was soll ich aus 700 km Entfernung anstellen? Und vor allem: wie kann ich mit ihm reden, wie redet man mit Psychotikern? Gibt man ihnen recht? Zeigt man sich verständig?
Danke für professionelle Hilfen!!
Wie gefährlich er wirklich ist, weiß kein Mensch. Aber mit Messer bedrohen, zeigt ja schon zu was er in der Lage ist.
Aber deine Tochter kann erwirken, dass er sich ihr nicht mehr nähern darf, mit polizeilicher Unterstützung (Anzeige Polizei). Wenn es bei der Polizei schon bekannt ist, wird es im Ernstfall auch einfacher ihn einweisen zu lassen.
Ansonsten wenn du aus Deutschland kommst, lass dich vom Weißen Ring beraten oder deine Tochter soll Kontakt zum weißen Ring aufnehmen.
Ich mein Morddrohung und mit Messer berdrohen ist eine Straftat.


Wenn es wirklich gefährlich wird, würde ich ihr raten erst mal im Frauenhaus o. Ä. Einrichtungen zu wohnen, falls möglich.

Jemand einweisen zu lassen, ist sonst sehr schwierig. Es muss eine konkrete Gefahr für sich oder andere sein.
Also jemanden mit einem Messer zu bedrohen, wäre dann ein Grund gewesen, hätte man in der Situation die Polizei gerufen.

PS: Professionelle Hilfe gibt es hier nicht. Air sind ja alle Laien, denke ich mal.
Deshalb mein Ratschlag mit dem Weißen Ring und der Polizei, die dir da vermutlich eher weiterhelfen können.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Melody_22
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Beitrag Do., 07.10.2021, 14:58

ja, vielen Dank. Sie schickte mir gestern das Foto mit dem Messer über whatsup, ich löschte es aber, damit der kleine Bruder es nicht sieht
Sie war heute bei der Polizei zur Zeugenaussage.
Ich habe versucht, nett zu dem jungen Mann zu sein, er stottert und fühlt sich sichtlich unwohl. Aber ich erstze keine Therapeutin. In der Familie gibt es einen depressiven Vater, der aber Hilfe ablehnt.
Sie ist gerade in eine WG gezogen und er hat ihr geholfen. Man kann sagen, dass sie natürlich auch mit selber das zu verantworten hat. Aber sie ist jung und jeder macht Fehler in dem Alter.

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Vogelscheuche
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Beitrag Di., 02.11.2021, 18:00

Aus eigener Erfahrung im Bekanntenkreis, am besten die Polizei informieren und alles genau schildern.
Normalerweise sind die Beamten sehr Entspannt bei sowas und holen gleich das Rote Kreuz was den Herrn in die Psychiatrie bringt.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Di., 02.11.2021, 18:50

Nicht nett sein, sondern konsequent! Sonst bestärkt ihn das noch: Du bist die Gute, Deine Tochter die Böse. Intermittierende Vertärkung nennt man das wohl.
Tipps zum richtigen Umgang mit Psychotikern: Nein, als Laie Finger davon, Sozialpsychiatrischen Dienst informieren zusätzlich zu Polizei. Alle Beweise sammeln, nix löschen, jedes Näherungsverbot konsequent anzeigen.

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Melody_22
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Beitrag Mi., 03.11.2021, 17:27

Also, ist aufgefallen, das es so ein Teufelskreis ist: sie kommen wieder zusammen, er beschimpft sie und stößt sie weg, sie löscht ihn, er kommt wieder an.
Ich habe gelernt, dass man bei Menschen mit Wahn sie unterstützen soll und "ähnliche Dinge sieht" anstatt zu sagen: nein, du spinnst wohl. Man geht auf sie ein und gibt ihnen das Gefühl, ganz bei ihnen zu sein.
Ich denke, den jungen Mann anzugreifen und gleich in die Ecke zu stellen, könnte noch mehr Frust bei ihm auslösen. Wir haben gesagt, dass er sich behandeln lassen soll und danach sehen sie weiter....er hat jetzt wieder Kontakt aufgenommen, er will, dass sie die Anzeige zurückzieht. Ich habe nur Angst, dass er aggressiv wird, wenn die Anzeige bestehen bleibt....und er meine Tochter zuhause aufsucht.

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_Leo_
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Beitrag Mi., 03.11.2021, 17:56

Psychotiker sind nicht grundsätzlich gefährlich oder gewalttätig, deswegen ist es schwer vorauszusagen wie er reagieren wird, wenn deine Tochter die Anzeige nicht zurückzieht und ihr konsequent den Kontakt abbrecht.

Mein Rat wäre den Kontakt komplett abzubrechen und zu erwirken das er sich deiner Tochter nicht mehr nähern darf. Hält er sich nicht daran dann die Polizei informieren und Hilfe beim Weißen Ring suchen.
Denn wenn er zur Gewalt neigt (und da ist es egal ob er nun in einer Psychose ist oder nicht) dann wird das sowieso irgendwann eskalieren, wenn er nicht kriegt was er will. Dann lieber direkt konsequent sein und das Spiel nicht noch ein Jahr spielen.

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Beitrag Mi., 03.11.2021, 19:18

Vielen Dank für Eure Antworten! ;-)
Der junge Mann stottert und ich wurde schon von Freunden angefeindet, ich sei rassistisch, da ich anfangs zur Vorsicht riet.
Ich arbeite auch im sozialen Bereich und neige leider dazu, zu viel Mitleid mit den Menschen zu haben.

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münchnerkindl
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Beitrag Mi., 03.11.2021, 20:53

Ich denke das ist ein Kulturkreis in dem klare Ansagen eines männlichen "Familienvorstands" verstanden werden. Also nicht "nett sein" sondern ihm den Kontakt als Vater der jungen Frau kategorisch verbieten.

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Melody_22
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Beitrag Mi., 03.11.2021, 22:11

Ja, das hatte mein Mann auch getan. Sie traf den Freund dann heimlich, d.h. wir haben nicht einmal gewusst, dass er ihr heimlich die 700 km in den Norden nachgezogen war.
Sie sieht es mittlerweile als Fehler ein. Ich hatte mit meiner Toleranz angestrebt, dass sich die Beziehung entweder irgendwie einrenkt oder scheitert. Gerade dieses patriarchische "Verbieten" wollte ich ihm nicht spiegeln, sondern ihm Offenheit und Akzeptanz vorzeigen; dass Frauen in unserer Gesellschaft sich ihre Partner selber aussuchen dürfen.
Er rief mich mehrmals an, ich verstand nie, warum. Was sollte ich als Mutter zw. den beiden regeln. Sie sollten sich ausprobieren, den Weg alleine gehen. Die kulturellen Bausteine selber aus dem Weg räumen...
Doch wenn eine Psychose o.ä. im Raum steht, sieht die Sache schon anders aus. Da braucht man professionelle Hilfe.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Fr., 05.11.2021, 11:12

Ja, den Wahn soll man nicht ausreden, denn das eskaliert. Aber das übergriffige Verhalten schon, insbesondere dieses hin- und her bestärkt m.E. und er richtet sich in der Opferrolle ein. Habe auch mal im sozialen Bereich gearbeitet und bin mit meinen Kollegen über Kreuz, denn Grenzen setzen wurde da auch als rassistisch (je nach Täteridentität) gesehen.
Ich reagiere so angestochen, weil "mein" Täter psychotisch war und nach vielen Warnzeichen ist es eskaliert. Wehret den Anfängen. Wertschätzende Grenzsetzung, wie auch immer das geht. War auch mal auf ner Weiterbildung, da hiess es: "Mit Wattebällchenmentalität kommen Sie nicht weiter."

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Melody_22
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Beitrag Fr., 05.11.2021, 11:42

Leider ist es so, dass mittlerweile in unserer Gesellschaft fast alles als Rassismus ausgelegt werden kann. Angefangen bei diesem dämlichen Gerndern....es werden Opfer angeklagt und Täter geschützt.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag So., 07.11.2021, 12:10

Nun, das wollte ich mit meinem Kommentar keinesfalls aussagen und die Vorliebe oder Abneigung gegen Gendern tut hier nix zur Sache. Natürlich können Menschen jeder Nationalität, geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung Täter werden. Alles andere wäre m.E. paternalistisch.
Allerdings wünsche ich mir gerade in einem Forum, in dem sich auch nicht wenige Gewaltopfer aufhalten, einen wertschätzenden Umgang mit der jeweiligen Identität, derer sie ja durch die Gewalt tlw. beraubt werden sollten.
Klar bringen Migration, Minderheitenstatuts, körperliche Einschränkungen etc. Probleme mit sich, aber längst nicht jeder wird deswegen gewalttätig. Was ich aussagen wollte, ist, dass im Vorfeld mit solchen gefährdeten Menschen gearbeitet werden muss (möglichst durch neutrale Personen), zum Zeitpunkt des Übergriffs (auch Nachstellen) jedoch konsequent die Grenze gesetzt werden.
Ich hatte auch mal den Größenwahnsinn, einen Psychotiker stoppen zu wollen und deswegen lange Schuldgefühle. Hat bei mir lange gedauert, anzunehmen, dass ich das unmöglich allein stemmen kann. Und nein, zumindest bei meinem Täter hat nett sein nicht geholfen.