Schwangerschaftsphobie

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Toko22
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Schwangerschaftsphobie

Beitrag Sa., 12.03.2022, 18:34

Liebe alle,

ich habe große Angst davor, dass eine Schwangerschaft bzw. Geburt wichtige Körperfunktionen zerstören wird (Harn- . Stuhlinkontinenz bei einer vaginalen Geburt, Ärztepfusch bei chirurgischen Interventionen, Zahnverlust ...). Vor den Einbußen meiner Schönheit fürchte ich mich wirklich nur peripher: Gewichtszunahme, Schwangerschaftsstreichen, Pigmentstörungen, Hängebrüste sind nicht der Rede wert :neutral:

Ich bin Mitte 30, weiblich, in Partnerschaft lebend, keine Kinder. Am Tag, an dem ich meine letzte Partnerschaft beendet hatte, habe ich mich in eine Verhaltenstherapie begeben, um 1. die Trennung konsequent durchzuziehen und 2. meinen Kinderwunsch zu reflektieren. Es folgte das schönste Jahr meines Lebens (zum ersten Mal alleine wohnen, viel fortgehen, sehr viel Sport). Fast auf den Tag ein Jahr später bin ich mit meinem aktuellen Partner zusammengekommen. Nach ca. einem Jahr Beziehung bin ich zu ihm gezogen und geplant schwanger geworden. Meine Verhaltenstherapeutin hat mir 2 Sitzungen nach Beginn meiner ersten SS eine Perinatalpsychiaterin empfohlen, da ich zum ersten Mal in meinem Leben Selbstmordgedanken hatte. Ich hatte einen Schwangerschaftsabbruch. Die Psychiaterin habe ich erst ein halbes Jahr nach der Abtreibung aufgesucht: sie meinte, dass ich 1. auf jeden Fall die Verhaltenstherapie beenden soll, da sich die Therapeutin unethisch verhalten habe und 2. die Perinatalpsychiaterin wieder aufsuchen möge, wenn ich wieder schwanger bin.

Meine Therapeutin konnte sich nicht in meine individuelle Situation hineinfühlen, hält es z.B. für unmoralisch, dass Mütter berufstätig sind, wenn es einen Vater gibt, da der Mann zahle. :kopfschuettel: Aus ihrer eigenen Expertise behauptet sie, dass Kleinkinder einen Schaden nehmen, wenn Mütter berufstätig sind. Allerfrühestens ab 3 Jahren sei es vertretbar, dass Frauen halbtags arbeiten gehen. Des Weiteren meint sie, dass eine normale Frau (wie ich es bin) keine Schäden durch eine Geburt erleiden werde. Ich solle einfach einen privaten Anästhesisten zur Geburt mitnehmen, das solle meine Geburtsängste beseitigen. :cry:

Nun ist es so, dass seit dem Verlust 2 Jahre vergangen sind, meine Verhaltenstherapie habe ich vor einem Jahr beendet. Ich möchte nun versuchen, schwanger zu werden. Beim FA war ich auch schon wegen Schwangerschaftsplanung: er meint, dass ich mich von den Weltanschauungen meiner ehem. Therapeutin lösen sollte und entspannt versuchen soll, schwanger zu werden. Es sei das Natürlichste der Welt, irgendwann werde es Blub machen und dann sei ein Baby da... Körperlich passe alles bei mir.

Es gibt Faktoren wie die hormonelle Veränderung, die nicht beeinflussbar sind. Was soll ich tun, wenn ich schwanger bin? Ich hatte nach den Gesprächen mit meiner Theapeutin zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass mein Leben vorbei ist und ich nie wieder glücklich sein werde, wenn ich das Kind austrage.
Folgende Szenarien hatte ich in meiner SS vor bildlich vor Augen:
... dass ich inkontinent sein werde :cry:
... dass ich in der SS Zähne verlieren werde und ich mich nie wieder trauen werde, in der Öffentlichkeit zu sprechen (z.B. Vorträge halten) :cry:
... dass ich laut meiner ehem. Therapeutin 10 Jahre nicht mehr mit meinem Partner weggehen kann, weil Kinder am Abend ja schlecht einschlafen und deshalb auf keinen Fall abends für ein paar Stunden von der Oma betreut werden sollen.
... dass ich auf Grund von Schwangerschaftsübelkeit mit meinem Partner keinen Spaß mehr habe, nur noch unausstehlich bin und die Beziehung deshalb in die Brüche gehen könnte. In der weiteren Folge Frühgeburt oder andere Komplikationen auf Grund einer potenziellen Trennung während der SS :cry:
... dass ich laut meiner Therapeutin 18 Jahre lang nicht mehr auf Dienstreisen fahren könne, weil das Kind immer zur Mutter gehöre und andere Familienmitglieder nicht so gut für das Kind seien wie die Mutter.

Hat vielleicht jemand von euch Erfahrungen mit unterschiedlichen Weltanschauungen, mit denen er/sie von seiner Therapeutin/Psychiaterin konfrontiert wurde? Ich habe 1,5 Jahre lang eine traumhafte Therapie erhalten, als es darum ging, nach meiner Trennung vom Ex neu durchzustarten. Ich werde immer gut an die erste Hälfte der Therapiezeit zurückdenken! Aber mein ambivalentes Kinderwunsch-Thema war einfach falsch aufgehoben bei der Therapeutin :kopfwand: Ich wünschte, ich wäre während der SS zur Perinatalpsychiaterin oder zu meinem alten Psychiater von früher gegangen... Die beiden haben nicht so eine einseitige (perfektionistische) aufs Kinderkriegen....

Mag mir jemand vielleicht einen Impuls mit auf den Weg geben? Was mache ich, wenn meine Hormone wieder verrückt spielen? Ich weiß, dass selbst für mental gesunde Frauen ohne große Vorbelastungen eine SS hormonell ein Horror sein kann. Was können Frauen wie ich bloß tun, die mit einem Rucksack an Themen in die SS starten?

Liebe Grüße

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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 12.03.2022, 20:04

ja, mach dich locker, 99% dieser Problematiken welche diese Thera aufzählt, treten nie ein. Und dann geh ich in eine Schwangerschafts / Geburtsvorbereitungskurs, kümmere die Früh um eine Hebamme, sprich vllt jetzt schon mit einer.
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Beitrag Sa., 12.03.2022, 22:31

Hallo Toko22,

diese Szenarien die du aufzählst, könnten zwar eintreten, (es ist auch gut sich darüber Gedanken zu machen, aber verrückt machen solltest du dich nicht.) Das hängt wohl mit mehreren Faktoren zusammen.

Natürlicher "Abgang" bzw. Abort ist auch keine Seltenheit, soweit ich weiß. Fast jede Frau die ich kenne, hatte schon einen oder mehrere.

Es fällt keinem einfach so (wegen SS) ein Zahn aus, dies hat eher damit zu tun, dass wenn sich das Zahnfleisch entzündet und nicht sachgemäß und rechtzeitig behandelt wird, Paradontitis voranschreitet und sich dadurch (die Zähne oder) ein Zahn lockert und man ihn infolgedessen verliert.

Inkontinenz ist auch nicht unbedingt wahrscheinlich, kann aber natürlich eintreten. Hat es das vielleicht in deiner Familie gegeben? Du kannst schon bevor du schwanger bist, bspw. Beckenboden-Übungen machen.

Auch ist es möglich einen (geplanten) Kaiserschnitt vornehmen zu lassen.

Dazu wird man dich aber dann auch (schon weit vor der Geburt) im Krankenhaus informieren.
Du wirst auch unterschreiben müssen, ob du, wenn es nicht anders mehr geht, eine PDA wünscht oder nicht.

Schwangerschaftsübelkeit, kann vorkommen, auch Sodbrennen.
Dass deine Blase schwächer wird und du auch beim Niesen ein paar Tröpfchen Urin verlierst, ist normal, innerlich dehnt sich die Gebärmutter und nimmt der Blase Platz weg. Deshalb auch gut, den Beckenboden zu trainieren. Das hilft auch nach der SS.

Es gäbe da noch SS Diabetes, das ist eher wahrscheinlich. Da wirst du im Krankenhaus mehr darüber erfahren und einen Test machen müssen. Falls dies eintritt, bekommst du dort weitere Informationen und ein Zuckermessgerät etc. (Essensplan/Empfehlungen, immer eine Handvoll, soweit ich weiß, Bewegung ist auch zu empfehlen) Ich glaube, da würde ein Teil von der KK übernommen.

Ansonsten, ja, Hormone spielen verrückt, du könntest etwas empfindlicher sein bzw. sensibler, oder auch nicht. Das ist individuell, denke ich.

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Kellerkind
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Beitrag So., 13.03.2022, 07:13

Ich habe nicht ganz verstanden, ob du einen Schwangerschaftsabbruch hattest WEIL du Suizidgedanken hattest und dir die Thera nicht richtig half ODER ob du umgekehrt Suzidgedanken hattest, weil du die an sich geplante Schwangerschaft abgebrochen hast.

Die Einstellung der ehemaligen Therapeutin zum Thema Mutterschaft sind ja schon altbacken und hanebüchen und stellen sicherlich NICHT die Norm da. Ist mir in der krassen Form noch nie in meinem 45 Jahren begegnet!
Am besten du versucht all ihre Argumente zu verwerfen und zu ignorieren und suchst dir ganz bewusst gute Vorbilder. Im Bekanntenkreis oder wenn es dort keine "gute Mutter" , dann gerne auch irgendjemanden Prominenten. Es können auch mehre Leute sein, wenn eine den einen Aspekt gut hinkrieg, die anderne einen anderen. Und dann konzentrierst du dich nur auf deine Vorbilder. Immer wenn die Gedanken an die Thera hochkommen stell dem ganz bewusst ein GEGENBEISPIEL entgegen.

Gegen die Ängste, was medizinisch alles schiefgehen kann: hier hilft womöglich Information und Statistik. So viel Informieren wie es nur geht... (Bücher, Hebammen, Ärzte, Internet)... und auch anhand von Statisik realistisch prüfen, wie oft das vorkommt. Ich meine, schau dich doch nur mal um. Wie viele Mütter kennst du, wie viele davon haben solche Komplikationen? Vermutlich kaum bis gar keine.

Aus psychologischer Sicht könnte ich mir vorstellen, dass die Ängst was mit der Hilflosigkeit zu tun hat, wenn "etwas" oder "jemand" Fremdes über deinen Körper Kontrolle hat. Es passiert ja etwas mit DEINEM Körper, dass du dann nicht mehr in Hand hast. Vielleicht weckt das alte Wunden?
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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 08:24

Pianolullaby hat geschrieben: Sa., 12.03.2022, 20:04 ja, mach dich locker, 99% dieser Problematiken welche diese Thera aufzählt, treten nie ein. Und dann geh ich in eine Schwangerschafts / Geburtsvorbereitungskurs, kümmere die Früh um eine Hebamme, sprich vllt jetzt schon mit einer.
Danke für deine Antwort und dafür, dass du mich nicht verurteilst :) . Ich habe schon Hebammen am Computer gespeichert, damit ich sie sofort zum positiven SS-Test kontaktieren kann. Ich denke darüber nach, mich schon früher bei ihr zu melden, aber eigentlich habe ich seit der Th noch mehr Angst davor, dass ich an die falsche Person gerate, die mir ein schlechtes Gewissen macht, weil ich keine Vollblut-Hausfrau bin... Ich war mir nicht sicher, ob Hebammen nicht überfordert mit meiner Phobie sind, ich fürchte mich davor, dass Hebammen Weltanschauungen predigen und mit Frauen, die dem Mutterideal nicht entsprechen, nicht umgehen können. Meine Th hat mir Vorwürfe gemacht, dass ich es nicht mal versucht hatte, ein anderes Mutterbild zu entwickeln.

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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 09:03

KAA hat geschrieben: Sa., 12.03.2022, 22:31 Inkontinenz ist auch nicht unbedingt wahrscheinlich, kann aber natürlich eintreten. Hat es das vielleicht in deiner Familie gegeben? Du kannst schon bevor du schwanger bist, bspw. Beckenboden-Übungen machen.

Auch ist es möglich einen (geplanten) Kaiserschnitt vornehmen zu lassen.

Dazu wird man dich aber dann auch (schon weit vor der Geburt) im Krankenhaus informieren.
Du wirst auch unterschreiben müssen, ob du, wenn es nicht anders mehr geht, eine PDA wünscht oder nicht.
Meine beiden Omas waren Inkontinent, ob die Geburten die Ursachen waren, weiß ich nicht. Meine Schwester (0 Geburten) neigt zu Inkontinenz. Meine Mutter (3 vaginale Geburten) ist nicht Inkontinent. Ich bin auch nicht inkontinent, neige aber zu vermehrtem Harndrang (alle 2-3 Std.).

Meine Traumvorstellung wäre es, eine vaginale Geburt mit der eigenen Beleghebamme zu versuchen mit der Option, dass ich mich für einen KS entscheiden kann. Leider habe ich schon von vielen Leuten, die in KH arbeiten, gehört, dass frau ohne KS-Termin, ausgeliefert ist und nicht mehr einen KS auf Nachfrage bekommt.

Ich möchte ungern einen geplanten KS auf Grund psychiatrischer Diagnose haben. Ich würde schon lieber die Erfahrung machen, es vaginal zu versuchen. Aber zu einer vaginalen Geburt gezwungen zu werden, ist meine größte Horrorvorstellung! Da würde ich dann doch lieber den Termin machen. In meiner Wohnortnähe ist ein Spital mit Neointensiv und Beleghebammen. Leider ist das Spital ein Gegner von KS... Ich werde mich dort sicher trotzdem anmelden und den ks-Termin zur Not planen lassen, falls "meine" Beleghebamme sagt, dass unter Geburt kein KS mehr gemacht wird auf Grund psychischer Ursache. Ich möchte unbedingt in ein Spital mit Neointensiv, auch wenn ich mit der religiösen Praktik des vaginalen Gebärens nichts anfangen kann.

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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 09:14

Kellerkind hat geschrieben: So., 13.03.2022, 07:13 Ich habe nicht ganz verstanden, ob du einen Schwangerschaftsabbruch hattest WEIL du Suizidgedanken hattest und dir die Thera nicht richtig half ODER ob du umgekehrt Suzidgedanken hattest, weil du die an sich geplante Schwangerschaft abgebrochen hast.

Aus psychologischer Sicht könnte ich mir vorstellen, dass die Ängst was mit der Hilflosigkeit zu tun hat, wenn "etwas" oder "jemand" Fremdes über deinen Körper Kontrolle hat. Es passiert ja etwas mit DEINEM Körper, dass du dann nicht mehr in Hand hast. Vielleicht weckt das alte Wunden?
Liebes Kellerkind,
Ich hatte in der Frühschwangerschaft Suizidgedanken. Zum einen wegen meiner eigenen Befürchtungen (körperliche Schäden), aber v.a. wegen des perfektionistischen Mutterbildes meiner Th... in der hochsensiblen Phase einer SS, wo das Östrogen um das 200 fache erhöht ist, darf man eine schwangere Frau nicht so verunsichern. Ich weiß aber von meiner Schwägerin (bereits Mutter), dass viele Frauen, die im psychosozialen/medizinischen Bereich arbeiten, so reden können. Da muss frau lernen, sich abzugrenzen... Ich habe nur leider keine Erfahrungen mit SS und Kleinkindern. Man kann mir leicht einen Bären aufbinden. Wer nichts weiß, muss alles glauben.

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Gespensterkind
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Beitrag So., 13.03.2022, 09:31

Ich würde mir - so wie es hier auch schon andere geschrieben haben - frühzeitig ein gutes und sicheres Netzwerk aufbauen. Damit Du nicht in Panik gerätst, wenn Du schwanger werden solltest, sondern Menschen um Dich hast, die Dich vernünftig und psychologisch gut beraten können. Dazu gehört meines Erachtens in Deinem Fall auch mindestens eine psychologische Beratungsstelle, die gibt es in Städten. Da kannst Du auch jetzt schon mal Kontakt aufnehmen, von Deinen Erfahrungen und Ängsten berichten und darum bitten (wenn das für Dich passend erscheint), ob sie Dich ggf. begleiten können.

Aufgrund der hormonellen Schwankungen kann es auch bei einer erneuten SS bei Dir erneut zu SG kommen. Dann sieht die Welt total anders ist. Es wäre wichtig, dass Du dann schon Menschen kennst, denen Du vertraust und die wissen, was Deine Sorgen sind und mit denen Du dann zeitnah sprechen kannst.


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Beitrag So., 13.03.2022, 09:33

Also ich habe gerade nachgelesen, 20-30% haben nach der Schwangerschaft Inkontinenz. Dies kann mehrere Ursachen haben.
Selbst wenn du kein Kind austrägst, könntest du davon betroffen sein, denn ich habe gelesen dass auch genetische Veranlagung eine Rolle spielt.

Eine Hebamme oder Physiotherapeut könnte dir Beckenbodenübungen zeigen um vorzubeugen, so oder so, wäre das, denke ich, jeder Frau zu raten. Deine Mutter hat ja 3 Kinder vaginal entbunden und keine Blasenschwäche entwickelt.
Alles kann, nix muss.

Dass du an so eine Therapeutin geraten bist, tut mir leid.

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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 09:49

Gespensterkind hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:31 Ich würde mir - so wie es hier auch schon andere geschrieben haben - frühzeitig ein gutes und sicheres Netzwerk aufbauen. Damit Du nicht in Panik gerätst, wenn Du schwanger werden solltest, sondern Menschen um Dich hast, die Dich vernünftig und psychologisch gut beraten können. Dazu gehört meines Erachtens in Deinem Fall auch mindestens eine psychologische Beratungsstelle, die gibt es in Städten. Da kannst Du auch jetzt schon mal Kontakt aufnehmen, von Deinen Erfahrungen und Ängsten berichten und darum bitten (wenn das für Dich passend erscheint), ob sie Dich ggf. begleiten können.

Aufgrund der hormonellen Schwankungen kann es auch bei einer erneuten SS bei Dir erneut zu SG kommen. Dann sieht die Welt total anders ist. Es wäre wichtig, dass Du dann schon Menschen kennst, denen Du vertraust und die wissen, was Deine Sorgen sind und mit denen Du dann zeitnah sprechen kannst.
Liebes Gespensterkind, danke für deine Sicht. Das soziale Netz ist tatsächlich wichtig. Mein Partner wird während der SS an meiner Seite bleiben. Sein größter Wunsch ist es, ein leibliches Kind mit mir zu bekommen (ansonsten wäre ich eher für ein Pflegekind gewesen). Auch der größte Wunsch meiner Mutter ist es, dass ich irgendwann ein Baby bekomme. Sie würde mich auf jeden Fall unterstützen, so weit es körperlich für sie möglich ist.

Was genau meinst du mit "gutes und sozial sicheres Netz"?

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lisbeth
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Beitrag So., 13.03.2022, 09:56

Warum hältst du das, was die Therapeutin dir erzählt hat für "wahr", bzw. wo bleibt deine eigene Meinung und Haltung dazu? Du wirst doch vorher schon eine Idee gehabt haben, was Elternschaft für DICH bedeutet, wie du dir das vorstellst, welche Werte du leben und an deinen Nachwuchs vermitteln möchtest.

Das wirkt auf mich so, als ob du ihr fast hörig gewesen bist. Und dann kommt jemand anderes und sagt: Du musst abtreiben und dann treibst du ab? Und vielleicht ist das das eigentliche Problem, dass du dich (zu?) leicht von anderen beeinflussen lässt, dich deren Meinung unterordnest und dich und deine Haltung darin gar nicht findest, bzw. die gar nicht erst gefunden hast. Und die Angst vor der Schwangerschaft ist "nur" die Manifestation dessen, dass du dich da selbst nicht gut halten kannst?
Toko22 hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:49 Auch der größte Wunsch meiner Mutter ist es, dass ich irgendwann ein Baby bekomme.
Ist es denn auch dein Wunsch, oder meinst du, du musst deiner Mutter ihren "größten Wunsch" erfüllen? Das könnte für mich auch deine Ängste erklären. Weil es etwas ist, was Du tief im Innern gar nicht so richtig willst...
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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Beitrag So., 13.03.2022, 09:59

Toko22 hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:49 Was genau meinst du mit "gutes und sozial sicheres Netz"?
Professionelle Helfer, die nicht überfordert sind mit psychischen Ausnahmesituationen. Die auch dann noch gut reagieren können, wenn die Hormone durcheinander sind und wenn Angehörige (so gut diese es auch meinen) eben auch emotional zu involviert sind. Angehörige sind wichtig, aber meines Erachtens nicht ausreichend (für Deine Vorgeschichte), wenn es Dir wirklich nicht gut geht oder die Ängste stärker werden.
Helfer, deren Kontaktadresse/Telefonnummer Du hast, um sie kontaktieren zu können.
Fest vereinbarte Termine, um zu hören, wie es Dir geht, als "Ankerpunkte" während der SS.
Kontaktdaten, wohin Du Dich auch am Wochenende wenden könntest, wenn es schwierig für Dich ist.
Das meine ich so ungefähr damit.

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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 10:19

lisbeth hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:56 Warum hältst du das, was die Therapeutin dir erzählt hat für "wahr", bzw. wo bleibt deine eigene Meinung und Haltung dazu? Du wirst doch vorher schon eine Idee gehabt haben, was Elternschaft für DICH bedeutet, wie du dir das vorstellst, welche Werte du leben und an deinen Nachwuchs vermitteln möchtest.

Das wirkt auf mich so, als ob du ihr fast hörig gewesen bist.
In Bezug auf Mutterschaft habe ich null Erfahrungen, zwar Anti-Vorbilder und Vorbilder, aber diese leben ja ganz andere Leben als ich. Daher habe ich mich in Therapie begeben um meine eigenen Vorstellungen zu reflektieren. Dass ich an eine solche Hardlinerin, einen Wolf im Schafspelz gerate, hätte ich vorher nicht erwartet. Ich dachte immer, ziemlich gefestigt zu sein in meinen Einstellungen bezüglich Familie. Daher rührt meine Angst, mich wieder in professionelle Hilfe zu begeben. Heutzutage sind wir ja darüber aufgeklärt, was Kindern schadet, über die ganz schlimmen Sachen wie Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung. Aber, dass man laut einer Psychotherapeutin einem Kind schadet, wenn beide Elternteile berufstätig sind, hat mich zutiefst verunsichert... Ich hatte dadurch das Vertrauen in das Gesundheitssystem verloren. Stell dir vor, ein Arzt möchte nicht minimal-invasiv arbeiten sondern im Style der 70er Jahre! An so jemanden möchte ich nicht mehr geraten, kann aber passieren. Ich erinnere an meine oben genannten Ängste bezüglich körperlicher Schäden auf Grund der Geburtstechniken...

Als ich abgetrieben habe, fühlte ich mich befreit. Während der ss hatte ich nach den Th-Sitzungen permanent Schuldgefühle, dass ich mein Kind in mein Leben integrieren wollte und nicht die Sklavin für die Familie sein kann. Ich war froh, dem Kind erspart zu haben, ungefragt in die Welt gesetzt zu hagen. Ich bin übrigens im ersten Lockdown schwanger geworden.

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Toko22
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Beitrag So., 13.03.2022, 10:25

Gespensterkind hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:59
Toko22 hat geschrieben: So., 13.03.2022, 09:49 Was genau meinst du mit "gutes und sozial sicheres Netz"?
Professionelle Helfer, die nicht überfordert sind mit psychischen Ausnahmesituationen. Die auch dann noch gut reagieren können, wenn die Hormone durcheinander sind und wenn Angehörige (so gut diese es auch meinen) eben auch emotional zu involviert sind. Angehörige sind wichtig, aber meines Erachtens nicht ausreichend (für Deine Vorgeschichte), wenn es Dir wirklich nicht gut geht oder die Ängste stärker werden.
Helfer, deren Kontaktadresse/Telefonnummer Du hast, um sie kontaktieren zu können.
Fest vereinbarte Termine, um zu hören, wie es Dir geht, als "Ankerpunkte" während der SS.
Kontaktdaten, wohin Du Dich auch am Wochenende wenden könntest, wenn es schwierig für Dich ist.
Das meine ich so ungefähr damit.
Danke für die Infos! Eine Perinatalpsychiaterin habe ich schon aufgesucht. Sie wird mir dann hoffentlich weitere Anlaufstellen kommunizieren.

An meinen alten Psychiater könnte ich mich auch wenden.

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münchnerkindl
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Beitrag So., 13.03.2022, 10:46

Also ich denke hier ist eine ausgewogene Sicht auf die möglichen Risiken nötig.

Schwangerschaften oder Geburten die schwierig oder gar zum Horrortrip werden sind machen zwar nicht einen grossen Teil aus, aber sie kommen vor.

Ich kenne so jemanden wo die Geburt zum Horrortrip mit dauerhaften Spätfolgen (wegen dem massiven Dammschnitt) ausgeartet ist, incl möglicherweise wegen Sauerstoffmangel während der Geburt (wo der Arzt den Zeitpunkt für den nötigen Kaiserschnitt einfach hat verstreichen lassen obwohl massive Probleme bestanden, Kind musste dann mit der Saugglocke zwangsgeholt werden) lernbehindertem Kind.
Sie wollte immer mehrere Kinder, hat es aber nach dem Erlebnis nicht nochmal probiert.

Es wäre einfach fahrlässig sich blauäugig vorzumachen, dass "der schlimmste Fall" immer nur anderen Menschen passieren kann, aber auf keinen Fall einem selbst. Das wäre wie zu sagen, ach Krebs, das kriegen ja nur die anderen, kann mir nicht passieren etc.

Aber, man sollte sich auch mal die Statistik anschauen wie viele Prozent aller Geburten gut verlaufen.

Und dann kann man ja auch Vorbereitungen treffen um das Risiko zu minimieren. Diese Bekannte von mir wohnt zB sehr ländlich, und hatte dann akut keine Wahl in welches KKH sie geht. Und der Arzt der da Nachtdienst hatte hatte wohl keine Ahnung von Geburten.

Aber wenn man vor der natürlichen Geburt solche Ängste hat ist es heutzutage möglich einen Kaiserschnitt nach Wunsch zu bekommen was zumindest diese Art von Risiken ausschliesst.
Zuletzt geändert von münchnerkindl am So., 13.03.2022, 11:04, insgesamt 3-mal geändert.