Wer bin ich?

Fragen und Erfahrungsaustausch über sexuelle Problembereiche wie Sexualstörungen, rund um gleichgeschlechtliche Sexualität und sexuelle Identität, den Umgang mit sexuellen Neigungen wie Fetischismus, S/M usw. - ausser Aufklärungs-Fragen.
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ZuGutMensch34
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Wer bin ich?

Beitrag Sa., 26.03.2022, 14:32

Hallo zusammen, ich habe mich hier jetzt mal angefangen, weil ich wirklich nicht mehr weiter weis...

Ich bin 34 Jahre alt, männlich, verfüge aber noch über keinerlei sexueller Erfahrungen. Gut ich bin mir sicher,dass ich auf Frauen stehe. Ich denke, dass ich sogar sehr attraktiv für Frauen bin. Momentan leide ich an sehr extremen Stimmungsschwankungen.

Meine Unberührtheit kommt meiner Meinung nach daher, dass ich als Teenie und hinterher in der Arbeitswelt, viel gemobbt wurde. Gerade in der Pubertät, wenn man seine eigene Persönlichkeit entwickelt, kann das ja verheerende Folgen haben, im späteren Leben.
Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, und hat mich gelehrt bescheiden zu sein, eigene Bedürfnisse hinten an zustellen und immer lieb und freundlich zu sein und das zu tun was mir gesagt wird. Mein Vater hatte wenig Einflusss auf meine Erziehung.

Ich erinnere mich an ein Beispiel, als ich als Junge, ein Spielzeug von meinem Vater geschenkt bekommen habe. Meine Mutter meinte, dieses Spielzeug an einem anderen Jungen abgeben musste, weil er es so gerne haben wollte. Sie erklärte, du brauchst dieses Spielzeug doch garnicht. Du musst lernen auch so glücklich zu sein.
Dieses Beispiel lässt sich auf viele andere Situationen übertragen.

Ich denke, dass durch diesen Erziehungsstil Mobbing in der Schule vorprogrammiert ist und später auch. Weil man verhält sich ja so wie man es von seinen Eltern gelernt hat.

Später hatte ich einen Kumpel, der früh erkannt hatte, dass er homosexuell oder bis ist. Er hatte sich wohl in mich verliebt und meine Mutter vertrat die Ansicht, es doch bitte auszuprobieren, da dieser Kumpel ihr so leid täte.

Habe ich natürlich nicht, weil ich auf Mädchen, heute natürlich auf Frauen stehe. Ich entwickelte leider eine starke Angst vor diesem Kumpel, da auch er mich in der Schule öfters schikanierte. Ich weis bis heute nicht, wieso ich mit ihm befreundet war.
Hatte es was mit der Rückstellung der eigenen Bedürfnisse zu tun? Habe ich meine eigenen Bedürfnisse verlernt?

Ich bin auch jemand, der heute noch, sehr große Schwierigkeiten hat, für mich einzustehen. Ich sehe mich als Weichei.
Auch das ist ein Grund, warum ich heute noch keine sexuellen Erfahrungen sammeln konnte. Und das obwohl ich tagtäglich die hübschesten Arbeitskolleginnen um mich herum habe.
Sie mögen mich, sie wissen aber nichts von meinen Problemen.

Kombiniert mit einem schlechten Gewissen, was ich habe, wenn ich doch mal auf mein Recht oder auf ein Bedürfnis bestehe. entstehen bei mir täglich starke Stimmungsschwankungen und innere Aggressionen.

Ich glaube, wenn ich in einer schlechten Phase bin, dass ich gefälligst homosexuell zu sein habe, weil ich zu schwach bin und deswegen kein Recht habe, etwas mit einer Frau anzufangen, so sehr ich es mir eigentlich wünsche.

In einer guten Phase fühle ich mich als wäre ich der größte und bin alles und kann alles.
Vorhin hatte ich eine solche Phase, aber ich habe jetzt schon Angst wieder in eine schlechte Phase zu rutschen.

Geht es jemandem ähnlich? Oder hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und wie ist man damit umgegangen? Was hat geholfen?

Wäre für jeden Beitrag dankbar.

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Hiob
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Beitrag Sa., 26.03.2022, 20:51

Es gibt Zeiten im Leben, in denen man das nehmen muss, was man kriegen kann, sonst geht man leer aus.

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ZuGutMensch34
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Beitrag So., 27.03.2022, 14:30

Okay und was sagt mir das? Könntest du das erläutern?

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lisbeth
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Beitrag So., 27.03.2022, 17:32

Hast du es schon mal mit einer Psychotherapie versucht?

Für mich hört es sich schon so an, als ob du gar nicht so richtig weißt, wer du bist, wie du dich siehst, wie die anderen dich sehen und wo du deinen Platz in dieser Welt finden kannst. Oder, dass du zwar eine leise Ahnung davon hast, aber dich ganz schnell verunsichern lässt, wenn andere das irgendwie anders sehen.
ZuGutMensch34 hat geschrieben: Sa., 26.03.2022, 14:32 Kombiniert mit einem schlechten Gewissen, was ich habe, wenn ich doch mal auf mein Recht oder auf ein Bedürfnis bestehe. entstehen bei mir täglich starke Stimmungsschwankungen und innere Aggressionen.
Das lässt sich verändern, nicht von heute auf morgen, aber schrittweise, mit entsprecheder Unterstützung von außen, zB durch einen Therapeuten. Falls du einen Hausarzt hast, dem du vertraust, sprich ihn doch mal auf deine Probleme an und ob er Therapeuten kennt, die er dir empfehlen kann oder eine Anlaufstelle, die dir weiter helfen können.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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alatan
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Beitrag Mo., 28.03.2022, 08:59

Welche Gefühle hast du denn gegenüber deiner Mutter, die dir solche Art Empfehlungen mit auf den Weg gegeben hat?

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Beitrag Mo., 28.03.2022, 09:25

@Lisbeth: Ja ich mache eine Verhaltenstherapie, beschränkt sich aber auf ein Einstündiges Einzelgespräch pro Woche, weil ich halt arbeiten muss. Thema ist in letzter Zeit eher, motiviert zu werden, aktiv auf Frauen zuzugehen. Er weis von meinen Mobbing-Erfahrungen und meinen Ängsten. Ich befürchte aber, dass ich mich mal wieder im Kreis drehe. Viel reden, aber nichts kommt dabei heraus.

@Alatan: Tja, jetzt wo ich darüber nachdenke, spüre ich einen Zorn auf sie. Durch ihren erziehungsstil, sind mir bisher sehr viele Dinge nicht möglich gewesen. Eher komme ich mir wie ein sklave vor, der nur zu gehorchen hat.
Ich glaube, dass meine Mutter von meiner Oma selbst so erzogen. Quasi, du wirst erst dann geliebt, wenn du machst was ich sage.

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alatan
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Beitrag Mo., 28.03.2022, 10:05

Solange du diese und andere Gefühle aus der Kindheit nicht verarbeitet und integriert hast, wirst du nicht "auf Frauen zugehen" können, zumindest aber wird es kaum zu einer anhaltenden tiefen Beziehung kommen können. Das hilft VT leider wenig.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 28.03.2022, 10:19

ZuGutMensch34 hat geschrieben: Mo., 28.03.2022, 09:25 @Lisbeth: Ja ich mache eine Verhaltenstherapie, beschränkt sich aber auf ein Einstündiges Einzelgespräch pro Woche, weil ich halt arbeiten muss. Thema ist in letzter Zeit eher, motiviert zu werden, aktiv auf Frauen zuzugehen.

Ich denke dass das Problem bei weitem komplexer ist als nur "Angst vor der Kontaktaufnahme mit Frauen" und dass es mit dem Ansprechen von Frauen ggf automatisch besser wird wenn es dir insgesamt psychisch besser geht und du allgemein mehr Selbstbewusstsein entwickelt hast.
Also ich würde nicht die ganze Therapiezeit mit dem Thema verbraten, weil es ziemlich sicher nur eine Facette eines viel umfassenderen Problems ist.

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Tupsy71
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Beitrag Di., 29.03.2022, 16:53

Stimme hier fast allen zu, ohne Aufarbeitung ung sich selber findend, wird eine gesunde Beziehung schwer werden. Wünsche dir viel Erfolg und dass du deinen Wert erkennen kannst
Tupsy

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Sydney-b
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Beitrag Mi., 30.03.2022, 21:08

Warum sprichst du nicht einmal eine deiner hübschen Kolleginnen an und lädst sie auf einen Kaffee ein?
Nicht, weil du dir eine Partnerschaft mit ihr vorstellen kannst. Sondern einfach zum "Üben".
Rein unverbindlich, dann bist du nicht so einem extremen Stress ausgesetzt.
Smalltalk üben um dich im Umgang mit Frauen sicherer zu fühlen.
Falls die Kollegin nicht möchte, nicht persönlich nehmen.
Absagen passieren allen Menschen.
Bei Gelegenheit kannst du dann eine andere Kollegin ansprechen.
Oder du gehst mit mehreren zusammen zum Mittagessen und kommst so ins Gespräch.

Nur Mut!
Wer nicht wagt - der nicht gewinnt :!:

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Wurstel
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Beitrag Sa., 02.04.2022, 18:31

Wurstel


Beschreibe doch mal das Verhalten Deiner Mutter (und insbesondere ihre Hintergründe für ihr Verhalten) näher, damit man sich ein besseres Bild machen kann.

Du schreibst, daß Dein Vater mit Deiner Erziehung kaum zu tun hatte. Wieso nicht? Waren Deine Eltern getrennt? Wie oft hast Du ihn gesehen? Und was hat er zu dieser Sache (also zur Einstellung Deiner Mutter) gesagt?

Zur Sache mit dem Mobbing:
Ich glaube nicht, daß das was mit der Einstellung Deiner Mutter (die sie Dir wahrscheinlich eingelernt hat) zu tun hat. Hier wären auch die Hintergründe zu erfragen. Um welche Art von Mobbing hat es sich denn gehandelt? Was ist da konkret passiert?


Wurstel

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Gespensterkind
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Beitrag So., 03.04.2022, 09:36

Sydney-b hat geschrieben: Mi., 30.03.2022, 21:08 Warum sprichst du nicht einmal eine deiner hübschen Kolleginnen an und lädst sie auf einen Kaffee ein?
Nicht, weil du dir eine Partnerschaft mit ihr vorstellen kannst. Sondern einfach zum "Üben".
Rein unverbindlich, dann bist du nicht so einem extremen Stress ausgesetzt.
Smalltalk üben um dich im Umgang mit Frauen sicherer zu fühlen.
Das finde ich zum Beispiel einen guten Vorschlag. Üben, üben, üben. Und das könntest Du auch in der VT besprechen. Üben, ohne den Gedanken, dass daraus nun die mega-Freundschaft oder ein sexueller Kontakt wird.
alatan hat geschrieben: Mo., 28.03.2022, 10:05 Solange du diese und andere Gefühle aus der Kindheit nicht verarbeitet und integriert hast, wirst du nicht "auf Frauen zugehen" können, zumindest aber wird es kaum zu einer anhaltenden tiefen Beziehung kommen können. Das hilft VT leider wenig.
Ich kann dem nicht ganz so zustimmen, sind aber natürlich nur meine eigenen VT-Erfahrungen. Ich finde sehr wohl, dass VT auch dabei helfen kann.
Aber ich glaube auch, dass es nicht primär um "ich lerne keine Frauen kennen" oder "ich hatte noch nie eine tiefere Beziehung" geht - sondern um sehr viel, was dahinter steckt.

Und vielleicht ist es wirklich erst einmal ein Voraussetzung, dass Du Dich selbst ein Stück weit gern hast und magst. Sonst wird das mit Beziehungen schwierig.
Sozialkontakte dabei zu üben halte ich für wichtig. Weil von nur darüber reden passiert gar nichts und kann sich nichts ändern.

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Beitrag Mi., 13.04.2022, 09:26

Hallo,

ja mir ist klar, so lange ich einige Dinge nicht richtig verarbeitet habe, sind Beziehungen zu Frauen wohl noch weit weg.

Ich habe diesen Eröffnungspost mal ausgedruckt und meinem Psychotherapeuten vorgelegt, leider muss jetzt erst ein Antrag auf eine folgebehandlung gestellt werden, weshalb er noch nicht viel dazu gesagt hat.

Sein erster Eindruck war, dass mir väterliche Erziehung gefehlt hat. Ich bin mal gespannt.

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Sydney-b
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Beitrag So., 12.06.2022, 00:10

Wurde deine Folgebehandlung genehmigt?

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Beitrag Mo., 13.06.2022, 08:30

Also erst war er drei Wochen im Urlaub, dann hat er das wohl verpennt, ich selbst hatte eben keine Zeit, wegen Arbeit, alle paar Minuten hinterher zu telefonieren. Letzte Woche habe ich dann doch endlich den Antrag auf Therapie Verlängerung unterschrieben. Jetzt muss ich warten.