Panik vor den letzten Stunden

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ArcticFox
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Panik vor den letzten Stunden

Beitrag Do., 31.03.2022, 23:03

Hallo an alle,

ich habe jetzt noch 8 Sitzungen übrig und ich habe gerade echt keine Ahnung, wie ich die noch aushalten und sinnvoll gestalten soll. Ich fühle mich so gestresst in den letzten 2 Sitzungen schon, weil ich weiß, dass es einfach nur noch so wenig Zeit ist, ich noch so viel sagen möchte und ich meinen Thera danach so krass vermissen werde. Ich fühle mich - etwas überspitzt gesagt - als würde ich auf meine Hinrichtung warten :-(

Und so Sitzungen wie heute machen mich dann einfach nur noch fertig. Wir haben heute die komplette Stunde damit zugebracht, dass er mir erklärt hat, warum er eine von mir benötigte Indikationsstellung nicht schreiben kann/möchte. Ich hatte das schon genau so erwartet und mein Redebedarf hielt sich da eigentlich in Grenzen, aber statt dass er einfach mit der Sprache rausrückt und einfach kurz 3 Sätze dazu sagt, eiert er fast ne halbe Stunde rum, wobei mir schon nach seinem ersten Satz klar war, auf was seine Antwort hinauslaufen wird. Aber habe ich ihn unterbrochen und das Ganze abgekürzt, sodass wir inhaltlich über das, was mich tatsächlich beschäftigt reden konnten? Nein, natürlich habe ich ihn ausreden lassen, weil ich nicht wollte, dass er sich schlecht fühlt... 🙄 Und jetzt sitz ich hier und ICH fühle mich schlecht, weil ich das Gefühl habe, diese wertvolle Stunde heute komplett vergeudet zu haben.

Ich sehe, wie mir die Zeit zwischen den Fingern zerinnt und will einerseits keine einzige dieser kostbaren Stunden hergeben und andererseits ist es für mich eine echte Tortur, diese letzten Stunden noch wahrzunehmen. Ich bin einfach so gestresst und panisch. Ich will ihn nicht gehen lassen :-[

Hat irgendwer nen guten Rat?

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 31.03.2022, 23:23

ArcticFox hat geschrieben: Do., 31.03.2022, 23:03Aber habe ich ihn unterbrochen und das Ganze abgekürzt, sodass wir inhaltlich über das, was mich tatsächlich beschäftigt reden konnten? Nein, natürlich habe ich ihn ausreden lassen, weil ich nicht wollte, dass er sich schlecht fühlt... 🙄

Ich sehe, wie mir die Zeit zwischen den Fingern zerinnt und will einerseits keine einzige dieser kostbaren Stunden hergeben und andererseits ist es für mich eine echte Tortur, diese letzten Stunden noch wahrzunehmen. Ich bin einfach so gestresst und panisch. Ich will ihn nicht gehen lassen :-[



Hm, du hast also die Therapie so gut wie fertig, aber du hast nichts an dem Muster geändert dass du glaubst dass sich dein Gegenüber schlecht fühlt weil du ihn beim Sprechen unterbrochen hast und du dich schlecht fühlst es zu tun?

Abgesehen dass du emotional abhängig von der Person des Therapeuten geworden bist, was hast du denn verändert in einer Weise dass es unabhängig von seiner persönlichen Anwesenheit in deinem Leben funktionieren wird?

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alatan
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 06:11

ArcticFox hat geschrieben: Do., 31.03.2022, 23:03 natürlich habe ich ihn ausreden lassen, weil ich nicht wollte, dass er sich schlecht fühlt... 🙄 Und jetzt sitz ich hier und ICH fühle mich schlecht, weil ich das Gefühl habe, diese wertvolle Stunde heute komplett vergeudet zu haben.
Also ehrlich ArcticFox, da bin ich auch perplex :kopfschuettel:
Wie wäre es, genau das zu thematisieren beim nächsten Mal? Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste, sondern so, wie du wirklich fühlst bezüglich der Zurückweisung und auch des anstehenden Abschieds.

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Shukria
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 09:44

Ich würde schauen wie du da den Druck für Dich rausbekommst. 8h sind wöchentlich ja 2Monate, wenn ihr auf aller 14Tage geht bist du schon bei 4 Monaten und danach könntest du ja auf Quartalsstunden zurückgreifen..

Oder du brauchst einfach noch Therapie dann könntest du auch einen Verfahrenswechsel anstreben aber die Grundsatzfrage ist ja, wofür brauchst du noch Stunden.

Hast du noch konkrete Themen die du vertiefen willst oder ist es eher noch ein Stück Begleitung im Alltag den du dir wünschst

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caduta
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 10:54

Liebe ArcticFox

Ich habe/hatte auch ein ziemliches Problem mit Abhängigkeit. Wir sind daher schon vor einem dreiviertel Jahr auf zweiwöchige Termine gegangen und wir haben versucht das Thema Abhängigkeit zu bearbeiten. Er hat sich immer mehr aus der Beziehung herausgezogen und ich habe versucht mehr die Verantwortung für mich zu übernehmen. Es war ziemlich schwierig, aber irgendwann ist es für mich tatsächlich besser geworden.

Inzwischen habe ich noch drei Stunden und wir sind jetzt auf sechswöchigen Abstand gegangen. Ich versuche jetzt diese sechs Wochen zu Nutzen um mich auf die Zeit nach der Therapie vorzubereiten. Ich nehme mir jeden Tag etwas Zeit für mich, schreibe Tagebuch, mache meine Übungen etc. Und einmal die Woche habe ich mir einen 'Selfapy' Termin in den Kalender eingestellt. Also eine Art Therapiestunde mit mir selbst, bei der ich schaue wo ich stehe, welche Themen ich mit ihm beim nächsten Mal besprechen möchte und welche ich auch alleine schaffe.

Dadurch dass der nächste Termin noch so weit weg ist, bin ich nicht mehr so fixiert auf die nächste Stunde. Das ist irgendwie hilfreich. Ich werde ihm auch nicht alles erzählen können beim nächsten Mal, aber das braucht es vielleicht auch nicht. Es ist gerade ein langsamer Ablösungsprozess. Und ich spüre, dass sich bei mir gerade sehr viel bewegt auch ohne ihn.

Vielleicht könnt ihr ja auch so etwas machen? Damit zieht sich die Therapie doch noch einmal sehr in die Länge und nimmt dir vielleicht etwas die Panik?

LG, caduta

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Philosophia
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 11:17

caduta hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 10:54 Und einmal die Woche habe ich mir einen 'Selfapy' Termin in den Kalender eingestellt. Also eine Art Therapiestunde mit mir selbst, bei der ich schaue wo ich stehe, welche Themen ich mit ihm beim nächsten Mal besprechen möchte und welche ich auch alleine schaffe.
Das finde ich mega :-) :-) :-)
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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ArcticFox
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 12:03

alatan hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 06:11 Wie wäre es, genau das zu thematisieren beim nächsten Mal? Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste, sondern so, wie du wirklich fühlst bezüglich der Zurückweisung und auch des anstehenden Abschieds.
Ich habe das sogar direkt gestern in den letzten 10 Minuten noch angesprochen. Da kam nur, außer dass ich froh bin, das immerhin noch in der Stunde getan zu haben, nichts weiter bei rum, weil die Stunde halt schon fast vorbei war.
münchnerkindl hat geschrieben: Do., 31.03.2022, 23:23 Hm, du hast also die Therapie so gut wie fertig, aber du hast nichts an dem Muster geändert dass du glaubst dass sich dein Gegenüber schlecht fühlt weil du ihn beim Sprechen unterbrochen hast und du dich schlecht fühlst es zu tun?
In den allermeisten Situationen habe ich dieses Problem nicht mehr, auch dem Thera gegenüber nicht. Ich war selbst überrascht. Ich fürchte, es hat auch etwas mit meinem Stress jetzt in diesen letzten Stunden zu tun. Ich falle an so manchen Stellen in meinem Verhalten ihm gegenüber gerade wieder in alte Muster zurück, die ich eigentlich schon für stabil abgelegt gehalten habe :-(


Ja, ich werde das Thema Abschied und was das in mir auslöst wohl jetzt in der nächsten Stunde mit ihm ausführlicher besprechen müssen. Ich wollte nur eigentlich erst ein anderes Thema, an dem ich die vorletzten beiden Stunden dran war, noch weiterbesprechen. Aber ich seh nach gestern auch, dass der Abschied jetzt gerade mein Problem ist und nicht erst in 2 Stunden...

Wir sind seit ein paar Monaten schon auf 14-tägigem Rhythmus und in der vorletzten Stunde hat er mir auch gesagt, dass er offen dafür ist, für die letzten Stunden noch größere Abstände mit mir zu machen. Das macht aber aus meiner Sicht nur Sinn, wenn ich keine Themen mehr bearbeiten möchte. Außerdem bin ich mir gerade unsicher, ob das mein Panik-Problem nicht eher verstärkt, weil es das Unvermeidliche nur noch länger hinauszögert. Aber vielleicht muss das nochmal aus nem anderen Blickwinkel betrachten. Das, was du über deinen 6-Wochen-Abstand schreibst, Caduta, klingt nämlich sehr schön.

Vielleicht wehre ich mich auch nur so gegen noch größere Abstände, weil ich die Beziehung wie sie jetzt ist, nicht hergeben möchte und ich aber davon ausgehe, dass sie sich mit größeren Abständen verändern wird...

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ArcticFox
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 13:29

Ich glaube, mir fehlt gerade auch ganz stark die Perspektive, dass mit dem Ende der Therapie nicht nur etwas Gutes in meinem Leben endet, sondern dass damit auch etwas Neues beginnt. Das ist nämlich sonst das, was schmerzhafte Abschiede von Liebgewonnenem für mich erträglich macht.
Ich habe das auch schon hier im Forum manchmal als Tip gelesen. Mir fehlt allerdings an dieser Stelle echt die Vorstellungskraft, inwiefern das für mich auch der Neuanfang von etwas Gutem sein soll. Oder welche konkrete Sache ich denn dann neu anfangen könnte.

Wenn ich beispielsweise an Dinge wie mein Abi denke und den Abschied von bestimmten Lehrern, dann ist ja ganz klar gewesen, dass danach etwas Neues anfängt, was zumindest das Potenzial hat, gut zu werden (Studium, Auszug von zuhause etc.)
Beim Ende der Therapie sehe ich gerade einfach nur, dass mir etwas / jemand weggenommen wird und da dann ein Loch in meinem Leben hinterlässt. Ich würde das gerne anders sehen, weiß aber nicht wie.

Hinzu kommt, dass ich vor 1 Monat überraschend meinen Job verloren habe, da also auch gerade ein Loch in meinem Leben ist und unabhängig vom Ende der Therapie einige Veränderungen in meinem Leben jetzt und in den nächsten Monaten auf mich zukommen. Dabei traue ich es mir inzwischen eigentlich durchaus zu, ohne meinen Therapeuten mit solchen Situationen umgehen zu können.

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Beitrag Fr., 01.04.2022, 13:58

Hallo ArcticFox,

deine Problematik ist mir nicht ganz fremd. Ich meine das wenigstens aus dem, was du hier geschrieben hast, herauszulesen. Aber voilà: Du bist doch schon dabei dir eine Lösung selbst zu erarbeiten, indem du die Betonung mal auf den Anfang legst ... So hab ich es bei meiner letzten größeren Krise auch versucht. Du brauchst einen neuen Job, die Zeichen stehen auf Veränderung, was immer mal wieder vorkommt im Leben und nicht immer handelt es ich bei diesen Veränderungen um glückliche Fügungen. Leider. Wie sieht es denn bei dir im Bereich sonstiger Beziehungen aus, wenn dir die Beziehung zu deinem Therapeut so wichtig wurde? Ich könnte mir vorstellen, dass es helfen würde, wenn du dir auch diesen Bereich mal anschaust. Letzten Endes wäre es doch schön, wenn du das, was du an positiven Erfahrungen mit deinem Therapeut erleben konntest, in dein Leben in irgendeiner Form übertragen könntest statt in ewiger Übertragung zu verharren.

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alatan
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 15:38

ArcticFox hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 13:29 Hinzu kommt, dass ich vor 1 Monat überraschend meinen Job verloren habe, da also auch gerade ein Loch in meinem Leben ist und unabhängig vom Ende der Therapie einige Veränderungen in meinem Leben jetzt und in den nächsten Monaten auf mich zukommen. Dabei traue ich es mir inzwischen eigentlich durchaus zu, ohne meinen Therapeuten mit solchen Situationen umgehen zu können.
Mhm, Therapie bedeutet ja in gewisser Weise "Käseglocke" - und wenn ein so großes Stressereignis wie ein Jobverlust gleichzeitig mit dem baldigen Therapieende stattfindet, ist das durchaus riskant und kann zu regressivem Erleben führen.

Ansonsten: Aus einer Übertragung nicht herauszukommen bzw. keinen guten Abschied zu schaffen, hat immer etwas mit unaufgelösten Gefühlen aus der Vergangenheit zu tun. Und etwas Wichtiges erst in den letzten zehn Minuten einer Therapiestunde anzusprechen, ist eine Form der Selbstsabotage (denn wer bleibt mit der Zerknirschung zurück?).

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ArcticFox
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 16:05

Lady Nightmare hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 13:58 Wie sieht es denn bei dir im Bereich sonstiger Beziehungen aus, wenn dir die Beziehung zu deinem Therapeut so wichtig wurde? Ich könnte mir vorstellen, dass es helfen würde, wenn du dir auch diesen Bereich mal anschaust. Letzten Endes wäre es doch schön, wenn du das, was du an positiven Erfahrungen mit deinem Therapeut erleben konntest, in dein Leben in irgendeiner Form übertragen könntest statt in ewiger Übertragung zu verharren.
Ich fürchte, da hast du einen sehr wunden Punkt getroffen...
Ich bin verheiratet und mit meiner Frau kann ich auch über vieles sprechen und ich fühle mich ihr auch mittlerweile meistens nah. Aber sie ist, abgesehen vom Therapeuten, die einzige Person in meinem Leben, bei der ich emotionale
Verbundenheit spüre und in deren Gegenwart ich mich nicht einsam fühle. Geschwister habe ich keine und die Beziehung zu meinen Eltern habe ich weitestgehend abgebrochen.
Ich habe eine gute Freundin noch aus Schultagen, mit ihr kann ich zwar offen sprechen, aber irgendwie geben mir diese Gespräche emotional nur sehr wenig. Ich habe selten das Gefühl, dass sie sich wirklich auf das Gespräch einlässt, egal ob es dabei um sie oder um mich geht.

Ansonsten habe ich in den letzten 10 Jahren zwar im Studium und im Job einige nette Leute kennengelernt, aber daraus ist nie mehr als eine lose Bekanntschaft geworden. Ich weiß inzwischen, dass das damals meistens vor allem an mir lag, weil ich offenbar ein großes Talent habe, Leute auf einer gewissen Distanz zu halten, ohne dass es mir bewusst war. Inzwischen ist es mir bewusst und ich versuche es zumindest bei einigen Personen anders zu machen, aber jetzt muss ich feststellen, dass andere Menschen selbst gar nicht unbedingt ein Interesse an engeren Beziehungen haben bzw. ähnlich nähephobisch sind, wie ich es selbst lange war. Ist vielleicht auch ne schwierige Lebensphase. Ich bin 36, die meisten Menschen in meinem Umfeld haben gerade eine Familie gegründet und sind dabei, ihre Karriere voranzutreiben. Da bleibt offenbar wenig Platz für neue Freundschaften oder auch nur ehrlich interessierten Gesprächen. Das ist ziemlich frustrierend.

Zusammengefasst kann man also sagen: Doch, ja, ich fühle mich recht einsam und mein Thera hat ein Stück weit diese Lücke gefüllt. Und ich sehe nicht, wie ich sie auf absehbare Zeit anders füllen kann.

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ArcticFox
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 16:40

alatan hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 15:38 Mhm, Therapie bedeutet ja in gewisser Weise "Käseglocke" - und wenn ein so großes Stressereignis wie ein Jobverlust gleichzeitig mit dem baldigen Therapieende stattfindet, ist das durchaus riskant und kann zu regressivem Erleben führen.
Das mag sein, aber ich kann es ja gerade auch nicht ändern. Die Kassenstunden sind aufgebraucht, eine weitere Verlängerung ist nicht mehr möglich (ich hatte sogar schon eine Verlängerung über die 100h hinaus) und auf Selbstzahlerstunden möchte mein Therapeut sich nicht einlassen. Zumindest ist das mein letzter Stand von vor einem Jahr, als es schon einmal um das Ende der Therapie ging und wir ziemlich heftig aneinandergerasselt sind. Es bleiben die Quartalsstunden, die aber ja auch nur einen sehr sporadischen Kontakt darstellen. Wie also soll ich das gerade auffangen?
alatan hat geschrieben: Fr., 01.04.2022, 15:38 Und etwas Wichtiges erst in den letzten zehn Minuten einer Therapiestunde anzusprechen, ist eine Form der Selbstsabotage (denn wer bleibt mit der Zerknirschung zurück?).
Ja, na klar, hätte ich besser schon direkt nach den ersten Sätzen ansprechen sollen. Ich weiß. Aber immerhin habe ich es noch in der Stunde angesprochen. Das ist zumindest etwas. Früher hätte ich das entweder niemals überhaupt oder erst nach ein paar Wochen angesprochen...


Ich habe erst im letzten Jahr mit Traumabearbeitung angefangen und bin damit bei weitem noch nicht durch. Ich habe daher nach einer Anschlusstherapie gesucht, die auch eher auf Trauma spezialisiert ist. Das war bislang allerdings noch nicht fruchtbar. Ich hab jetzt auch drüber nachgedacht, ob ich mir vorstellen kann, eine Gruppentherapie im Anschluss zu machen, auch weil mein Therapeut meinte, dass er es eher schwierig sieht, wenn ich direkt im Anschluss an diese Therapie eine neue Einzeltherapie starte - so im Sinne davon, dass ich dann quasi einfach nur eine Beziehung durch eine andere ersetzen würde. Ich bin darüber sehr unschlüssig. Aber ich glaube, in 4 Monaten völlig ohne Begleitung dazustehen, kann ich mir gerade nicht vorstellen.

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alatan
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 16:47

Gruppentherapie kann wunderbar sein, gerade auch als Erweiterung des Beziehungsraumes.

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Shukria
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 19:30

Wie wärs mit einem Hobby wo du unter Menschen mit den gleichen Interessen bist?

Sport oder keine Ahnung. Das ist dann auch noch mal etwas was dir nach Therapie bleibt...

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chrysokoll
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Beitrag Fr., 01.04.2022, 19:43

vor allem: Das eine schliesst das andere ja nicht aus, also z.B. eine Gruppentherapie suchen UND ein Hobby, bei dem man in Kontakt mit Menschen kommt.

Ich würde auch als erstes jetzt die Jobsuche in den Mittelpunkt stellen und versuchen die Therapie gut abzuschliessen.

Und @ArcticFox: Wenn du nun die Mechanismen gut kennst mit denen du Menschen auf Distanz hältst kannst du ja auch ganz bewusst gegensteuern und versuchen dich einmal anders zu verhalten.
man kann Freundschaften aufbauen! Und klar, das dauert, das ist nicht einfach, aber man kann es immer versuchen