Angst vor Folgeschäden durch Anti-Alkohol-Implantat

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mwb11
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Angst vor Folgeschäden durch Anti-Alkohol-Implantat

Beitrag Fr., 15.04.2022, 20:48

Hallo liebes Forum,

ich teile mit Euch hiermit meine Geschichte um Erleichterung zu finden und vielleicht sogar den ein oder anderen Ratschlag zu bekommen.

Kurz zu mir: Männlich, 34, mehrere psychiatrische Diagnosen (Zwangsstörung, Depression, Alkoholabhängigkeit). Mehrere ambulante Therapien und mittlerweile 8 Klinikaufenthalte. Ein Reha-Aufenthalt wegen Alkohol im Jahr 2020.

Im Oktober 2020 bin ich nach Polen gefahren um mir das Medikament Disulfiram (Wirkstoff) als Depot implantieren zu lassen. Das Medikament ist in Deutschland als Antabus (Markenname) bekannt aber seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen. Allerdings wird es hier immer noch in einigen Kliniken verwendet. Es ist u.a. in Österreich, Schweiz und Polen zugelassen. In Polen wird es häufig implantiert. Hier in Deutschland macht man es nicht.

Ich hatte das Medikament davor noch nie ausprobiert und habe mich zu diesem Eingriff von meinen Eltern überreden lassen. Soweit ich weiß, wurden mir 60 mg (bei ca. 60 kg Körpergewicht) verabreicht. Die OP verlief, soweit ich das als Laie beurteilen kann, komplikationslos. Nach einem Monat traten bei mir jedoch heftige Beschwerden auf:

Starker Hautausschlag mit starkem Juckreiz.
Sehr starke Muskelschmerzen in den Beinen und in den Armen sodass ich nicht imstande war mich zu bewegen.
Hohe Entzündungswerte.
Ich musste deswegen in die Notaufnahme.
Diese Symptome hielten ungefähr eine Woche an.
Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie solche unfassbaren Muskelschmerzen gehabt.


Mit diesen Beschwerden bin ich in die Salus Klinik nach Hürth gefahren um die schon lange davor geplante Entwöhnungskur von Alkohol zu machen. Die Ärzte vermuteten, dass meine Beschwerden von diesem Depot kamen.
Das Depot musste anschließend operativ von einem Chirurgen in Hürth entfernt werden. Mein Allgemeinzustand besserte sich danach tatsächlich. Das alles ereignete sich im November/Dezember 2020.

Meine große Sorge ist jedoch, dass ich eventuell einen Folgeschaden davongetragen habe. Ich habe keine Muskelschmerzen, jedoch einen mittlerweile chronischen Hautausschlag an den Händen. Mich quält besonders die Befürchtung, dass sich das Medikament nachträglich negativ auf meine Persönlichkeit ausgewirkt hat. Ich bin zurzeit sehr depressiv und habe meine früheren Interessen komplett verloren. Ich habe einfach die Sorge, dass dieses Depot mich als Person irreversibel verändert hat; in meinem Denken und Fühlen so wie es Psychopharmaka auch machen. Früher habe ich mich für Musik und Kunst begeistert aber mittlerweile habe ich den Bezug dazu verloren was mich unendlich traurig macht. In der Zeit in der ich das Depot hatte, hatte ich tatsächlich Psychopharmaka eingenommen (Escitalopram & Quetiapin).

Ich bin jetzt seit 1,5 Jahren abstinent und meine Blutwerte sind gut. Trotzdem habe ich Angst bezüglich eines Folgeschadens obwohl das Medikament ja bereits entfernt wurde. Ich bereue es wirklich sehr, diese OP überhaupt gemacht zu haben und kann mir den Vorfall nicht verzeihen. Ich bin wütend auf mich und meine Eltern wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Meine Befürchtungen bezüglich eines Folgeschadens drehen sich hauptsächlich um drei Dinge:
Persönlichkeitsveränderung (kein stichhaltiger Beweis!)
Chronischer Hautausschlag (immer wiederkehrender Ausschlag auf der rechten Hand)
Entwicklung eines unangenehmen Körpergeruchs (kein stichhaltiger Beweis!)


Diese Nebenwirkungen können laut Beipackzettel auftreten. Ich habe mittlerweile sehr viele Ärzte um Rat gefragt.
Alle haben gesagt, dass ein Folgeschaden unwahrscheinlich ist. Engste Angehörige haben eine Veränderung meiner Persönlichkeit oder einen Körpergeruch verneint. Trotzdem habe ich diese Befürchtung und Suizidgedanken deswegen. Das Schlimmste ist einfach, das ich den Vorfall nicht rückgängig machen kann und die gegenwärtige Situation akzeptieren muss. Ich kann das aber einfach nicht und quäle mich jeden Tag mit Selbstvorwürfen.

Danke fürs Lesen.

Schöne Grüße
mwb11

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Beitrag Sa., 16.04.2022, 19:54

mwb11 hat geschrieben: Fr., 15.04.2022, 20:48 Alle haben gesagt, dass ein Folgeschaden unwahrscheinlich ist. Engste Angehörige haben eine Veränderung meiner Persönlichkeit oder einen Körpergeruch verneint. Trotzdem habe ich diese Befürchtung und Suizidgedanken deswegen. Das Schlimmste ist einfach, das ich den Vorfall nicht rückgängig machen kann und die gegenwärtige Situation akzeptieren muss. Ich kann das aber einfach nicht und quäle mich jeden Tag mit Selbstvorwürfen.
Ich denke, für die menschliche Psyche ist es immer einfacher etwas konkret greifbares zu haben, das Gefühl, die Kontrolle zu haben.

Dir geht es psychisch nicht gut. Du hast Suizidgedanken und vermutlich sind die Gründe sehr, sehr viel komplexer und schmerzhafter, wenn du dir sie genau ansehen würdest.

Die Psyche neigt halt dazu, alles zu vereinfachen und kontrollieren zu wollen. Du denkst, wenn die deine Entscheidung in der Vergangeheit nun rückgängig machst, wäre alles gut.

So musst du nichts tun. Du kannst auf ewig in dieser Vergangenheit leben. Du hast eben diese Entscheidung für dich getroffen, dass du daran festhalten willst, egal was Ärzte oder Angehörige sagen.

Ich denke, das hat eben auch Vorteile. Du musst dich nicht mit deinem Leben auseinander setzen. Das ist anstrengend, schmerzhaft, erzeugt Widerstände, ist unangenehm, braucht Kraft. Allerdings verpasst du dann eben auch die Chancen, du hättest eventuell etwas für dich zu verbessern, wenn du so viel in der Vergangenheit lebst.
Deine Leben findet hat ausschließlich in der Gegenwart statt.

Es ist nicht das Schlimmste, dass du den Vorfall nicht rückgängig machen kannst.
Das Schlimmste wäre, wenn du bis in alle Ewigkeiten den Vorfall in Endlosschleife in deinem Kopf immer und immer wiederholst und dein ganzes Leben verpasst.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Beitrag Sa., 16.04.2022, 20:19

Also ich habe mal von hochdosiertem Cortison massive Nebenwirkungen gehabt, Gleichgewichtsstörungen, kognitive Probleme (stand im Supermarkt und wusste nicth mehr was ich da machen soll) und so ein ganz seltsames Gefühl als wäre ich betrunken oder auf einer anderen Substanz und noch massive Depressionen.

Ich habe das 8 Tage genommen aber es hat mehrere Monate gedauert bis sich diese Nebenwirkungen wieder gegeben haben. Danach war es aber wieder vollständig wie davor, es hat keinen dauerhaften Schaden gemacht.