Warum bin ich auf der Arbeit eine andere?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Susi99
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Warum bin ich auf der Arbeit eine andere?

Beitrag So., 22.05.2022, 19:44

Hallo mein Name ist Susi und ich bin neu hier um euch mal mein Problem schildern zu können :hallo:

Jeder kennt das vielleicht, das man sich bei jeder Person ein wenig anders verhält und anders auftritt. Soweit normal! Das kommt bei mir auch vor und damit habe ich keine Probleme.

Jedoch ist es bei mir so, das sobald ich auf der Arbeit bin mein ICH eine ganz andere ist. Ich bin dann keine wildfremde Person, sondern der größte Teil von mir ist komplett abgespalten und ich bin sozusagen weg. Dieser Teil der übrig ist denkt, fühlt und handelt anders und vor allem ist dieser Teil der übrig bleibt voller Angst, starrt vor sich hin, bewegt sich kaum und spricht kaum. Kurz gesagt, dieser Teil der übrig bleibt ist einfach Arbeitsunfähig und wird auch von keinen toleriert.
Ich kann zurzeit aufgrund des Problems einfach nicht arbeiten gehen.

Entwickelt hat sich das ganze damals in der Schule, da ist diese "andere" Person entstanden und ich habe mich sozusagen "aus den Staub gemacht". Das ging soweit bis die Lehrer meine Mutter angerufen haben und sich beschwert haben das ich nur vor mich hinstarre, mich nicht bewege und keine Mimik zeigen würde. Aber es ist so, das ich einfach wahnsinnige angst gehabt hatte. Als meine damalige langjährige beste Freundin mein anderes ICH kennenlernte konnte sie das alles nicht verstehen und deshalb ist die Freundschaft auseinander gegangen.

Ich wäre sehr dankbar wenn jemand dieses Problem kennt oder vielleicht selber hat und mir davon erzählen könnte. Vielleicht hat hier jemand eine Idee was das sein könnte und vor allem ob das ein normales Verhalten ist? Mir kommt es nicht normal vor und es beeinschränkt mich sehr.

Liebe Grüße Susi :flower:

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münchnerkindl
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Beitrag So., 22.05.2022, 19:47

Hört sich an wie der Effekt einer posttraumatischen Belastungsstörung. Könnte was aus der Richtung Derealisation sein oder ein "freeze" Zustand der durch ein Trauma-Trigger ausgelöst wird.

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Susi99
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Beitrag So., 22.05.2022, 21:15

Ich kenne die Derealisation, diese kommt bei mir in ganz bestimmten Situationen vor und äußert sich bei mir so, das ich meine Umgebung verschwommen und unwirklich wahrnehme. Dieses Phänomen kam bei mir auf der Arbeit nicht vor und ich hab das jetzt auch nicht so oft. Ich weiß jetzt auch nicht ob sich die Derealisation auch ganz anders äußern kann?
Was für eine Therapie für mich die Richtige wäre weiß ich leider auch nicht und irgendwie habe ich auch angst vor einer Therapie. Aber ich denke das hätte ich dringend nötig.

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candle.
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Beitrag So., 22.05.2022, 22:21

Hallo Susi!

Vorab, bevor ich wieder in die Falle tappe: Bist du in Therapie? Und Derealisation kennst du bereits als Begriff und was "suchst" du genau (diagnostisch) ?

Und vor was hattest du denn Angst in der Schule und wie hast du es geschafft einen Beruf zu erlernen?

Ich will mich hier nicht verrennen und einmischen, wenn du schon eine spezielle Diagnose im Kopf hast.

Ansonsten: Ja, kenne ich auch. Das liegt am falschen Beruf, in den ich mich habe reinzwängen lassen.

LG candle
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Susi99
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Beitrag So., 22.05.2022, 23:42

Hallo Candle,

Nein in einer Therapie bin ich zurzeit nicht und ich weiß auch nicht was das für Probleme sind die ich habe.
Meine Hoffnung war, dass das jemand kennt oder meint es zu kennen oder evtl. jemand selber hat, ich fühle mich einfach immer so unverstanden.
Ja, ich habe es geschafft trotzdem einen Beruf zu erlernen, es war nur so, das ich viele Fehler gemacht habe und die Leute mich nicht akzeptieren konnten weil ich auf sie mit dem Problem einfach komisch wirkte und nicht so arbeiten konnte wie sie es sich wünschten. Danach ging ich eine Zeit weiter arbeiten, aber es war unerträglich für mich.
Ich hatte angst wegen das was mir angetan wurde.

candle@ du sagtest du kennst dieses Problem und hast den richtigen Job gefunden und dann hat sich das Problem geregelt,
hast du dafür lange suchen müssen? Und dann waren all diese Probleme weg und es kam nie wieder?

Lg Susi

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Takli
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 07:45

Hallo Susi!

Hast du eher Angst, daß deine Leistungen nicht gut genug sind oder hast du mehr Angst vor der Reaktion der Arbeitskollegen? Wie sieht es denn mit Freunden aus, bist du da auch "anders"?

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Candykills
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 12:20

Naja, es kann dich hier keiner diagnostizieren.

Eine Multiple Persönlichkeitsstörung - falls du daran denkst (weil du Begriffe wie Abspaltung etc. nutzt)- entwickelt sich bis spätestens zum 6.Lebensjahr, ist also ziemlich ausgeschlossen deinen Schilderungen nach.
Danach spalten sich normal also keine Persönlichkeitsanteile mehr ab.
Ich tippe einfach darauf, dass damals vielleicht etwas passiert ist (vielleicht etwas, was du sogar verdrängt haben könntest?) und in bestimmten Situationen einfach der ängstliche Teil DEINER PERSÖNLICHKEIT die Kontrolle übernimmt.

Ich vermute, dass das, was du beschreibst, so gut wie jeder mit einer Angststörung kennt und auch ähnlich empfindet a la "wo ist mein gesunder Teil hin", wenn gerade die Angst regiert und man gelähmt wird davon.

Aber ich würde einfach damit mal einen Psychotherapeuten konsultieren, wenn dich die Angst arbeitsunfähig macht. Das ist ja kein Zustand auf Dauer.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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Susi99
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 12:39

Privat bin ich nicht so, ich habe da zwar auch meine Probleme, aber ich werde dort keine andere Person.

Also ich weiß jetzt auch nicht ob ich das überhaupt hier schreiben soll, aber wenn ich mir Unterstützung wünsche sollte ich das tun. Aber es klingt verrückt :-((
Ja also wie soll ich das jetzt schreiben, ich hab einfach angst das die anderen Leute (auf der Arbeit z.b.)mich misshandeln, quälen und mich zerstören wollen.
Und ich muss sagen das ich darunter auch im Privatleben leide.
An manchen Tagen ist es besser und an manchen Tagen ganz schlimm.
Privat erzeugt dieses Gefühl grosse Wut und an Orten wie einer Arbeirsstelle erzeugt es grosse Angst.

Ich fühle mich oft ganz normal und auf einmal wache ich morgens auf und fühle mich zerstört und habe dann extreme Wut und Hass in mir.

Ich bin froh das ich jetzt den Mut gefunden habe darüber zu schreiben.

Lg Susi

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Beitrag Mo., 23.05.2022, 12:55

Hallo Candykills,

Nein an so etwas heftiges wie eine Multiple Persönlichkeit habe ich nicht gedacht.
Mir war klar das ich das definitiv nicht habe, so kommt es mir auch nicht vor.
Eine Angsstörung habe ich auch und finde deine Vermutung das mich die Angst vielleicht lähmt und ich dann keinen Zugang mehr zu mir habe irgendwie schlüssig.
Doch ich weiß ja das ich Dinge erlebt habe die schlimm waren.
Als Kind und Jugendliche hatte ich die Ptbs aber diese scheint bis heute ausgeklungen zu sein, also ich leide nicht darunter wegen dem was ich in der Kindheit erlebt habe.
Als Jugendliche wurde mir wieder was neues schlimmes angetan und das hat mich dann bis heute ziemlich zerstört. Das hört sich jetztso krass und aufgeberisch an, aber ich denke das ich ehrlich zu mir bleiben sollte. Ich komme mit dem was war nicht zurecht.

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Candykills
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 13:10

Mein Post war durchaus etwas provokant gemeint mit der Idee, dass du vielleicht dann etwas rausrückst über deine Kindheit und so.
Wie gesagt, dich kann keiner diagnostizieren hier.

Meine eigene Erfahrung mit der PTBS ist, dass die bei mir kommt und geht. Es gibt Zeiten, da sind die Symptome besser, dann wieder schlechter.

Bist du in therapeutischer Behanldung, weil ich finde genau da ist der Ort, wo du mit dem, was du beschreibst am besten hingehst und mal eine ordentliche Diagnostik machen lässt. Auch, weil du ja von (frühen) Kindheitstraumata sprichst. Vielleicht war dieses "andere Ich", wie du es nennst, ja auch schon viel früher da und es fiel erst in der Schulzeit auf?!

Ich find' das immer schwierig, wenn hier jemand kommt: was habe ich?
Das kann so vieles sein.
Aber anscheinend ist viel bei dir passiert.
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 15:46

Alles gut, ich fande dein Beitrag nicht provokant :)
Mir geht es nur nicht darum von jemanden eine Diagnose zu bekommen, es ging mir mehr darum darüber zu sprechen. Weil ich mit keinem mehr darüber rede.

Nein, das ich das Gefühl habe der größte Teil meines ICHs ist manchmal nicht mehr vorhanden hatte ich nie in meiner Kindheit gehabt. Das kann ich ganz sicher ausschließen dass das davon kommt. Ich hatte ansonsten eine sehr schöne Kindheit.

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candle.
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 16:09

Ich kann mir gar nichts darunter vorstellen was da bei dir passiert. Wenn du magst, kannst du es ja näher beschreiben. Dem Arbeitgeber ist nie etwas aufgefallen?

Die Freundin verstehe ich auch nicht warum sie sich distanziert hat.

candle
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 17:17

Auf der Arbeit hat jeder gemerkt das mit mir etwas nicht stimmt.
Leider wurde mir dann nicht ehrlich gesagt, das es mir nicht möglich ist so zu arbeiten.
Es war dann so, das einige einen Groll gegen mich bekamen. Und das macht es in meinem Fall alles noch schlimmer.
Ich hab den Eindruck ich "verschwinde" weil ich meine ich könnte das nicht aushalten. Aber zumindest auf der Arbeitsstelle könnte ich es aushalten, das sagt mir mein Verstand.
Und auserdem wäre es für mich einfacher und leichter wenn das nicht passieren würde.
Ich habe leider keine Idee wie ich Ich bleiben kann.

Ich muss sagen das ich früher als Jugendliche in einer Therapie war aufgrund dessen weil sich die Lehrer bei meiner Murter gemeldet haben (das habe ich im ersten Beitrag erwähnt).
Und dort habe ich häufig erwähnt das ich in der Schule das Gefühl habe eine andere zu sein. Und auf deren Frage ob mir in der Schule was angetan wird habe ich verneint. Ich war der Meinung das mir nichts angetan wird, ich konnte mir dann halt einreden dass das eine andere Person ist. Ich muss dazu sagen das mich mein früheres Verhalten heute ärgert.

Leide weiß ich nicht wie ich das genauer definieren soll. Ich habe drüber nachgedacht aber leider kann ich das nicht genauer erklären.

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Takli
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 20:28

Susi99 hat geschrieben: Mo., 23.05.2022, 17:17 Und auf deren Frage ob mir in der Schule was angetan wird habe ich verneint. Ich war der Meinung das mir nichts angetan wird, ich konnte mir dann halt einreden dass das eine andere Person ist. Ich muss dazu sagen das mich mein früheres Verhalten heute ärgert.
Du meinst du hattest Angst zu sagen, daß dir was angetan wurde und weil du in der Schule nicht du selbst warst, hast du dich nicht mit der Person identifiziert, der was angetan wurde? Warum ärgerst du dich für dieses Verhalten? Ich denke mal du warst hilflos und konntest es nicht besser, oder?

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Susi99
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 21:44

Ja so war es, ich denke das es besser wäre wenn ich alles erzählt hätte, denn dann hätte man das mit mir verarbeiten können. Das ich mir einreden wollte dass das nicht real ist hat mir am ende nichts gebracht.
Ich hab die Erfahrung gemacht das egal wie sehr man versucht das zu verdrängen und egal wie sehr man sich einreden will das einem das nicht real passiert bringt am ende nichts.
Es ist immer besser man sucht sich Hilfe, es wird immer irgendwo jemand sein der bereit ist einen zu helfen denke ich.