PTBS beim Partner-wie mit Selbstanteilen umgehen?

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Alizee
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PTBS beim Partner-wie mit Selbstanteilen umgehen?

Beitrag Do., 23.06.2022, 05:43

Hallo zusammen,

mein Mann (wir sind seit ein paar Monaten getrennt und wohnen auch getrennt) wurde im frühen Kindesalter traumatisiert. Vor einigen Jahren entwickelte sich nach einem Unfall eine kPTBS und das Zusammenleben wurde immer schwieriger mit ihm. Er macht keine Therapie und ich habe erst nach der Trennung so richtig verstanden, dass es sich um eine kPTBS handelt. Mir ist aufgefallen, dass er offenbar in verschiedene innere Anteile switcht. Wie wir noch zusammen waren, hat mir ein wütender Teenie das Leben schwer gemacht. Dies führte auch zur Trennung, denn ich wurde permanent niedergemacht. Mein Mann zog sich immer mehr zurück und schob die Schuld auf mich. Ich würde alles mögliche falsch machen und somit wäre keine Nähe mehr möglich.
Wenn er sich offensichtlich in seinem Alltags-Anteil befindet, hat er nach wie vor Gefühle für mich und will auch keine Scheidung. Ich will diese auch nicht, ich liebe ihn auch noch.
Ich werde in den nächsten Wochen mit ihm ein Gespräch führen müssen und ihm das mitteilen. Vielleicht gibt es einen Weg, dass wir auch mit getrennten Wohnungen langsam wieder mehr Kontakt aufnehmen und noch eine Chance für eine Beziehung besteht. Durch meinen Auszug scheint er nicht mehr so oft in den Wut-Anteil zu gehen. Ist ja auch klar, denn der wurde durch die Nähe zu mir getriggert.

Vielleicht befinden sich in diesem Forum gerade auch Personen, die selbst von Dissoziation betroffen sind.
Kann ich mit meinem Mann dieses wichtige Gespräch auch führen, wenn er nicht im Alltags-Anteil ist? Er ist oft in so einem "netten" Freundschafts-Anteil, der vielleicht auch bloß Freundschaft will. Ich möchte natürlich, dass er sich nochmal ernsthaft Gedanken über unsere Zukunft macht. Es kam auch von ihm der Vorschlag, dass wir mal wieder Essen oder Wandern gehen. Ich sehe also noch Chancen, dass wir wieder mehr zusammen machen und uns wieder näher kommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ratschläge zu meiner Frage erhalte.

Vielen Dank und liebe Grüße
Alizee

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candle.
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Beitrag Do., 23.06.2022, 07:32

Hallo Alizee!
Alizee hat geschrieben: Do., 23.06.2022, 05:43 Er macht keine Therapie und ich habe erst nach der Trennung so richtig verstanden, dass es sich um eine kPTBS handelt.
Wann wurde er denn diagnostiziert?

Und wie kommt dein Mann denn alleine zurecht?
Ich möchte natürlich, dass er sich nochmal ernsthaft Gedanken über unsere Zukunft macht.
Ob er das aktuell gerade kann ist die Frage?

Wie stellst du dir denn vor wie ihr wieder zusammen kommt?

LG candle
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chrysokoll
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Beitrag Do., 23.06.2022, 08:05

Alizee hat geschrieben: Do., 23.06.2022, 05:43
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ratschläge zu meiner Frage erhalte.
das klingt jetzt alles sehr angelesen, sehr plakativ
Wer hat das denn wie diagnostiziert wenn dein Mann gar nicht in Therapie ist?

Du hast jedes Recht dich zu trennen wenn dein Mann Verhaltensweisen zeigt mit denen du nicht leben möchtest.
Und wer möchte schon niedergemacht werden?

Ich kann dich aber nur davor warnen da jetzt wild Laiendiagnosen zu tätigen.

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 23.06.2022, 09:01

Erstens, nach einem Unfall bekommt man keine komplexe PTBS sondern die herkömmliche PTBS. Wenn er eine kPTBS haben sollte, dann hätte der die schon vor dem Unfall gehabt.

Dass ein Mensch "verschiedene Gesichter" hat und die Art des Verhaltens zwischen zB normal-erwachsen, kindlich, wütend etc wechselt bedeutet das nicht dass er irgendwie multipel ist. Es könnte in Richtung emotional instabile Persönlichkeitsstörung Typ Borderline gehen wo auch stark wechselhafte emotionale Zustände ablaufen, was aber nicht wirklich relevant ist weil er sich ja nicht in Behandlung begeben, also vermutlich auch nicht diagnostizieren lassen will.

Ich kenne Dissoziation aus eigenem Erleben und sehe in deinen Beschreibungen nichts das konkret darauf hindeutet.

Ich wüsste auch nicht was es bringen soll wenn du dich exzessiv mit den Problemen deines Ex auseinandersetzt. Er ist nicht mehr dein Partner, er hat sich entschieden keine Therapie zu wollen also gibt es keinen Grund ihm hier irgendwas aufzunötigen das er garnicht möchte. Es wäre also sinnvoll wenn du mal deine emotionale Verstrickung anschaust und aufhörst ihn irgendwie therapieren zu wollen.

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Sydney-b
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Beitrag Do., 23.06.2022, 11:13

Was liebst du an einem Mann, der dich permanent nieder macht, Wutanfälle hat und dir für alles die Schuld gibt?
Warum schaust du nur auf ihn?
Und nicht auf dich?
Es hat ja was mit dir zu tun, dass du dich jahrelang emotional missbrauchen lässt.
Da würde ich ansetzen.

Deinen Mann wirst du nicht ändern können.
Selbst wenn ihn irgendwas an dir triggern sollte, hat er keinerlei Anrecht darauf, dich permanent abzuwerten.
Warum suchst du nach Entschuldigungen für sein bösartiges Verhalten?
Vielleicht ist er einfach ein A....l ...ch und sein Verhalten hat gar nichts mit dem Unfall zu tun?
Außerdem liegt der Unfall einige Jahre zurück und dein Mann ist erwachsen und hätte sich in der Zwischenzeit Hilfe holen können, wenn er die als notwendig angesehen hätte.

Für dich wäre es viel besser wenn du dir Hilfe suchst um herauszufinden, warum du dir so ein mieses Verhalten jahrelang gefallen lässt?
Sonst ist die Möglichkeit sehr groß, dass dir beim nächsten Partner genau wieder das gleiche passieren wird.

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lisbeth
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Beitrag Do., 23.06.2022, 15:08

Alizee hat geschrieben: Do., 23.06.2022, 05:43 Durch meinen Auszug scheint er nicht mehr so oft in den Wut-Anteil zu gehen. Ist ja auch klar, denn der wurde durch die Nähe zu mir getriggert.
Ich kann den anderen nur zustimmen: Das ist klassisches gaslighting und emotionaler Missbrauch - Er schiebt dir die Schuld für seine Wutausbrüche zu, anstatt Verantwortung für sich und sein Handeln und seine Emotionen zu übernehmen - und du kaufst ihm das auch ab. Dabei bist du dann in der klassischen Rolle der "Co-Abhängigen", weil du sein Verhalten immer wieder entschuldigst und aktiv stützt und für ihn mitkompensierst. Du ermöglichst es ihm mit deinem Verhalten, dass er sich so ungebremst ausagiert, denn er hat ja keinerlei Konsequenzen zu berfürchten. Dein Partner mag traumatisiert sein, das kann hier keiner beurteilen - aber das rechtfertigt trotzdem nicht, dass er seine Wut an dir ungebremst auslässt.
Sydney-b hat geschrieben: Do., 23.06.2022, 11:13 Für dich wäre es viel besser wenn du dir Hilfe suchst um herauszufinden, warum du dir so ein mieses Verhalten jahrelang gefallen lässt?
Sonst ist die Möglichkeit sehr groß, dass dir beim nächsten Partner genau wieder das gleiche passieren wird.
Das kann ich nur doppelt unterstreichen!
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott