Kann mit Abweisung schlecht umgehen

Fragen und Erfahrungsaustausch über sexuelle Problembereiche wie Sexualstörungen, rund um gleichgeschlechtliche Sexualität und sexuelle Identität, den Umgang mit sexuellen Neigungen wie Fetischismus, S/M usw. - ausser Aufklärungs-Fragen.

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wartnichtbeirot
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Kann mit Abweisung schlecht umgehen

Beitrag Do., 18.08.2022, 10:36

Mal hallo allerseits
Folgendes beschäftigt mich im Moment.
Vor ca. 2 Jahren lernte ich über eine Online-Dating Seite eine Frau kennen, nennen wir sie mal Miriam.
Wir trafen uns in einer Bar, waren uns sofort sympathisch und gingen noch am selben Abend zusammen ins Bett,
was für uns beide schön war...
Am nächsten Abend lernte sie einen anderen Mann kennen, nennen wir ihn Markus, mit dem sie auch in der Kiste landete, was sie mir offen kommunizierte.
Damit hatte ich gar kein Problem, da ich nicht zu Eifersucht neige und prinzipiell Poly bin.
Miriam und ich trafen uns noch 3x für Sex UND gute Gespräche.
Ich habe mich etwas verschossen in sie. Genau so habe ich es auch gesagt.
Innerlich war mir klar, dass ich keine klassische Beziehung mit ihr möchte.
Mein Wunsch ging eher in Richtung Freundschaft+.
Nach dem 3. Mal Sex ( der ihr, ihren Aussagen gemäß auch gefiel, (ihre körperlichen Reaktionen ließen auch darauf schließen)) eröffnete sie mir plötzlich, dass sie keinen Sexmehr mit
mir haben wolle, weil irgendetwas für sie nicht stimme, sie könne nicht artikulieren was, dass sie mich aber sehr gerne als Freund in ihrem Leben haben möchte.
Die Zurückweisung ließ mich etwas abstürzen.
Ich fühlte mich gekränkt, verletzt und in meiner Männlichkeit angegriffen.
Wir sprachen sehr offen über meine und ihre Gefühle.
Mit Markus hatte sie zu diesem Zeitpunkt weiterhin Sex...
Weshalb mit ihm und nicht mit mir?
Sie sagte mir, dass die zwei Beziehungen nicht miteinander vergleichbar seien.
Mit Markus habe sie "nur" Sex, die Verbindung zu mir sei viel tiefer.
Nach einigem kiefeln akzeptierte ich die Situation und willigte in ihr Freundschaftsangebot ein...
Seither sahen wir uns ca. einmal im Monat, verstanden uns gut, sprachen über dies und das (auch sehr persönliches) und mehr und mehr gewann die Freundschaft Wichtigkeit in meinem Leben...
Bis jetzt!
Vor ein paar Tagen bin ich nach Hause zurückgekehrt, nachdem wir 4 gemeinsame Tage in ihrem Häuschen am Land verbracht hatten.
Während dieser Zeit bemerkte ich an mir, wie stark ich sie noch begehre, mir sexuelle Intimität mit ihr wünsche.

Sie erzählte mir, dass die Sex-Beziehung (so nennt sie es selbst) mit Markus nach wie vor aufrecht ist und dass sie mittlerweile auch schon gemeinsam Swingerclubs besucht haben, bei denen sie auch Sex mit Wildfremden hatte.
Sie hat Sex... außer ausgerechnet mit mir.
Und das macht mir erneut sehr zu schaffen, nachdem ich geglaubt habe, das Ganze verarbeitet zu haben.
Wieder fühle ich mich gekränkt, zurückgewiesen, verunsichert und erschüttert.
Im Gegensatz zum ersten Mal Zurückweisung taucht allerdings diesmal auch eine Wut auf.
Auf sie, auf die Situation und auch auf mich.
Bin ich wirklich so unreif?
Ich hatte bislang das Gefühl mit Kränkungen eigentlich gut umgehen zu können.
Und daran war mein Leben nicht gerade arm... (bin bipolar und habe im Rahmen von zwei Manien mein
halbes Leben zu Klump gehaut (das volle Programm, wie aus dem Lehrbuch, bin deshalb auch in Frühpension) und habe auch diese Erschütterung mit Jobverlust, Beziehungsverlust und dem Verlust einer wirklich großen Menge Geld akzeptiert und verarbeitet.
Wieso trifft mich dann diese Zurückweisung so sehr, in meinem Gefühl überproportional?
Es geht mir nicht um Moral oder Eifersucht.
Ich mag ihr ihre sexuellen Erfahrungen von Herzen gönnen.
Summieren sich da vielleicht doch nicht so verarbeitete Kränkungen in dieser einen?
Was mache ich mit meiner Wut? (oder ist diese sogar gesund, als Teil einer endgültigen Verarbeitung?).
Ist eine "unbeschwerte" Freundschaft noch möglich? (Habe ihr meine Gefühlsmelange am letzten Tag meines Aufenthalts bei ihr kommuniziert).
Sollte ich einfach den Mund halten, das Ganze mit mir selbst ausmachen und die Freundschaft zu "genießen" versuchen?
Bin ziemlich ratlos in Bezug auf mich selbst.
Auf jeden Fall stelle die ganze Freundschaft in Frage, was schade ist, da ich mit kaum jemandem so offen über mein Inneres sprechen kann.
Ich bin (nicht positiv) erstaunt über mich selbst.

Der Text wurde länger als beabsichtigt, sorry for that, und besten Dank an alle, die sich den ganzen Sermon gegeben haben.
Was ich mir vom Forum wünsche?
Ehrlich gesagt, keine Ahnung.
Vielleicht will ich mir das ganze einfach mal von der Seele schreiben...
Wenn allerdings jemand dazu Gedanken hat, gerne...

Ich wünsche allerseits einen schönen Tag
A.




..

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Sinarellas
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Beitrag Do., 18.08.2022, 11:52

So von außen betrachtet:

Ein Mensch ist für dich und deine komplette Gefühlslage zuständig, der Mensch bestimmt wie es dir geht, wie du dich fühlst und das auf Dauer. Du kannst dich offensichtlich nicht vorstellen ohne diesen Menschen in deinem Leben zu existieren, was für mich ein sehr ungesundes Gleichgewicht ausmacht.
Du bist jetzt gerade in der Situation, dass du höchstwahrscheinlich nicht aufnahmefähig bist, es nicht schaffst dich selbst von oben zu betrachten und zu überlegen, ob du einen Menschen in deinem Leben haben #musst# der dich in so eine ungesunde Abhängigkeit bringt.
Das heißt: Ob irgendwelche Worte bei dir ankommen ist fraglich. Es tut mir leid, dass du das so erleben musst, denn das ist eine sehr verfahrene Situation für dich.
Ich wünsche dir Abstand von Menschen zu nehmen, die derart deine Gefühlslage bestimmen.

"Sollte ich einfach den Mund halten, das Ganze mit mir selbst ausmachen und die Freundschaft zu "genießen" versuchen?"
Aus meiner Außenperspektive: Du solltest den Menschen weiterziehen lassen und ihn als kurzweiligen Weggefährten verstehen, der nun eine Abbiegung macht.

Du willst etwas anderes, als der andere Mensch. Lass ihn ziehen, es lässt sich sowieso nichts erzwingen und kein Mensch der Welt ist es wert, dass du unter ihm leidest.
..:..

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Gespensterkind
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Beitrag Fr., 19.08.2022, 10:32

Ich sehe das in der Konsequenz ähnlich wie Sinarellas: Du hast andere Wünsche und Sehnsüchte als Miriam. Deshalb kann eine reine Freundschaft auf Dauer nicht funktionieren, wenn Du nicht immer wieder (oder ständig) leiden willst und Dir selbst damit weh tun möchtest.
Dir zuliebe solltest Du das beenden.
nach anderen Menschen schauen, die mit Dir Deine Vorstellungen und Wünsche teilen.

Im Moment folgst Du Miriams Wünschen wie ein Hund, der um Aufmerksamkeit bettelt. Du bist nicht der Handelnde, sondern kannst nur reagieren auf das, was sie will oder sagt. Das ist keine gesunde Rolle, denn es macht krank, wenn man darauf angewiesen ist, dass der Mensch, der einem wichtig ist, einem "ein bisschen was" gibt, aber nicht genug.

Wenn Du wieder in die Handlungs-Rolle treten möchtest, dann kannst Du das nur beenden. Und es ihr so auch sagen.

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Snowflake5
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Beitrag Fr., 19.08.2022, 10:42

Ich schließe mich dem Beitrag von Sinarellas an. Der Abstand zu dieser Person würde Dir zumindest kurzfristig gut tun.
Letztlich hast Du dieser Frau deinen Schmerz mehrfach mitgeteilt und offenbar spricht sie ja offen über ihre anderweitigen sexuellen Praktiken. Ohne zu sehr in die Beurteilung zu gehen, ist das schon für sich recht fraglich.

Und passend zum Beitrag davor: Wenn ein Mensch eine solche Wichtigkeit für Dich darstellt, liegt der Ursprung darin, dass Du etwas im Außen suchst, was Du in deinem Innern nicht findest. Sei Dir bewusst: Es ist da.

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Candykills
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Beitrag Fr., 19.08.2022, 11:54

Schließe mich auch Sinas an, sie hat den Nagel wirklich damit auf den Kopf getroffen.

Ich glaube auch, dass es sehr ungesund ist in so einer Beziehung zu bleiben, wenn man dauerhaft sich oder seine Gefühle verleugnen muss.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)


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wartnichtbeirot
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Beitrag Fr., 19.08.2022, 12:00

Danke für die Antworten.
Die gehen ja alle mehr oder weniger in dieselbe Richtung.
Ich werde sie beherzigen und zumindest mal eine Kontaktpause einlegen, bis ich mich selbst wieder beruhigt habe.
Und wenn das zum Abbruch der Beziehung führt, dann ist das halt so...