Hematophobie? - Ich kann kein Blut sehen!

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Maikaefer
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Hematophobie? - Ich kann kein Blut sehen!

Beitrag So., 27.07.2008, 08:51

Hallo zusammen !

Ich habe das Problem das ich kein Blut sehen kann (mir wird schwindelig und ich kippe schließlich um). Ich weiß das haben viele Menschen, aber dieses Problem macht mir manchmal richtig zu schaffen.

Ich denke das es nur Kopfsache ist, denn manche Dinge machen mir Probleme und andere nicht. Bei mir ist zb. Schnittwunden oder Fleischwunden zu sehen ganz schlimm (ob in real oder im TV) und wenn aber in einem Film mal ein Körperteil abgetrennt wird (schaue gerne Horror-Filme ... passt irgendwie nicht, oder ?) macht es mir gar nichts aus. Piekst sich aber jemand mit der Nadel in den Finger ist das schon wieder sehr kritisch für mich. Spritzen gehen mittlerweile eigentlich wenn ich nicht hinsehe, einen guten Tag habe und mich auf etwas anderes Konzentriere.
Was aber noch weit schlimmer ist: Es reicht mir schon wenn jemand etwas von sowas erzählt oder ich davon lese. Demletzt erzählte mir jemand davon das sie ein Muttermal weggeschnitten bekam - aus höflichkeit wollte ich nichts sagen und ließ sie erzählen und hoffte das ich es durchstehe - aber nach ein paar Minuten kippte ich schließlich um. (war mir da peinlich...).

Das mit dem Blut sehen kann ich noch verkraften, davor kann ich "davonlaufen", aber Gespräche zu umgehen ist sehr schwer denn ich kann auch nicht jedesmal weggehen wenn ich mit ein paar Freunden an einem Tisch sitze und sie erzählen von so etwas oder alle auffordern nicht über sowas zu reden nur weil ich es nicht verkrafte. Manchmal wenn ich schon merke das ein Gespräch in so eine Richtung geht werde ich schon nervös und würde am liebsten im Boden versinken.

Mittlerweile gehe ich sogar nur noch sehr ungern ins Kino da ich Angst habe das im Film solche Szenen vorkommen und ich umkippe. Das ist einerseits ziemlich peinlich und andererseits ist danach der Kreislauf so unten das ich zwei Stunden total schlapp bin und erstmal ausruhen muß.

Ich glaube das mein Problem ist das ich mir immer zu sehr vorstelle wie so etwas wehtut oder wie so etwas ist wenn ich so Zeug sehe oder davon höre (ohne das ich es mir vorstellen will). Ich kann auch nicht einfach an etwas anderes denken, mein Kopf bleibt einfach bei dem Thema und läßt mich nicht an etwas anderes denken. Ich bin sogar schon beim lesen von einem Stephen King buch umgekippt (naja, ich lag schon, aber war trotzdem kurz weg). Fertiggelesen hab ich es trotzdem weil ich mir davon nicht mein Leben bestimmen lassen will - auch wenn es schwer war. Einmal umgekippt ist immer die Angst das das es wieder passiert.

Was auch stört ist, wenn ich etwas sehe oder höre nehme ich mir immer vor beim ersten Anzeichen das der Kreislauf schlapp macht wegzugehen. Aber das geht nicht. Sobald ich merke das es anfängt bin ich wie gelähmt (schwindel, sehe manchmal "schwarz/weiß", höre alles gedämpft, nervosität, zittern...) Dadurch bin ich dann so beschäftigt dagegen anzukämüfen das ich nicht mehr wegkann.

Ich versuche meistens auf etwas anderes zu schauen und an etwas ganz anderes zu denken, aber um so mehr ich versuche an etwas anderes zu denken um so mehr denke ich daran (so kommt es mir zumindest vor). Das ganze macht mir sehr zu schaffen weil ich dauernd Angst habe (es ist keine echte Angst, nur dieses unwohlgefühl in vielen Situationen das etwas passieren könnte).

Es ist schwer mit Leuten darüber zu reden die es nicht selbst haben - sie versuchen zu verstehen aber begreifen die Lage einfach nicht. "Denk einfach an was anderese" heißt es, aber wenn man nicht weiß wie das ganze einen übernimmt glaube ich nicht das man sich vorstellen kann wie machtlos man ist und auch wie sehr das einen Belasten kann.

Ist das normal das es so extrem ist (auch beim "hören" von Blut bzw. Wunden) und kann man da nichts dagegen machen ?
hat jemand ähnliche Probleme und was macht ihr dagegen ?

Vielen Dank schonmal fürs zuhören, Gruß,
Maikaefer

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Nurse_with_wound
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Beitrag So., 27.07.2008, 13:56

Bei meiner Jugendfreundin war es auch immer so, ich glaube bis heute.
Sie ist sonst unglaublich starke Frau.
Ich habe Höhenangst, und habe schon von 10 Metern im Schwimmbad gesprungen, weil ich gehört habe daß es hilft die Höhenangst zu bekämpfen - es hat sich nur noch verschlimmert .Riesenrad ist Horror für mich.
Ich denke du musst dich damit abfinden, oder einen Fachmann um Hilfe bitten.
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linea
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Beitrag Do., 07.08.2008, 10:38

Hallo Maikaefer,
du sprichst mir absolut aus der Seele! Mir geht es ganz genauso!
Leider kann ich dir aber auch keinen Tip geben, wie man das bekämpfen kann.
Ich weiss auch bei mir nicht, woher das kommt und warum ich so stark reagiere.
Wenn mir Leute in den bildhaftesten Worten solche Situationen (von Operationen, Wunden, etc) erzählen, unterbreche ich aber mittlerweile schon und sage, dass ich das nicht hören kann, weil ich sonst umkippe. Die Leute fühlen sich zwar dann oft mal auf den Schlips getreten, aber ich finde, so viel Rücksicht können sie schon nehmen.
Ich stelle mir die Situationen auch immer viel zu genau vor und ein Stück verletztes Menschenfleisch ist furchtbar beklemmend für mich.
Was das Umkippen betrifft, da weiss ich schon eher, dass ich das nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Wichtig ist, sich gleich hinzusetzen, wenn einem schwarz vor Augen wird, ruhig und gleichmässig zu atmen und einen Schluck Wasser zu trinken.

Hatte irgendjemand noch diese Probleme und hat es geschafft, sie in den Griff zu bekommen?
lg
linea

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luftikus
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Beitrag Do., 07.08.2008, 14:18

Bei Blut habe ich kein Problem, aber ich kann in Spielfilmen keine Gewaltszenen ertragen - zumindest dann nicht, wenn sie einigermaßen eindringlich und realistisch dargestellt sind. Da wird mir schwindelig und kotzübel, ausserdem leide ich sehr stark mit. Anschließend werde ich die Bilder tagelang nicht mehr los, sie verfolgen mich auch mitten im Alltag.

@Antonia: Höhenangst habe ich auch. Schon mehrfach bin ich beim Wandern unversehens in unangenehme Situationen geraten, wenn der Wanderweg sich plötzlich stark verengte und an einem Abgrund entlang verlief. Dann stand ich da, mit zitternden Knien, hielt mich an einem dürren Bäumchen fest und kam nicht mehr vor und zurück...


Bec
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Beitrag Sa., 10.12.2011, 17:18

Hallo Maikaefer, ich habe das gleiche Problem und auch genau so extrem wie du.
Ich habe das Problem mitlerweile ganz gut im griff, ich habe meinen freunden einfach gesagt, sie sollen aufhören in meiner Gegenwart über blutige Angelegenheiten zu reden. Falls mich allerdings wieder ein Anfall von Schwindel überkommt, setze ich mich erstmal hin. Das bewahrt nicht immer vor der bewusstlosigkeit aber oft ist es die beste Lösung. Wenn sowas passiert, versuche ich immer Getränke mit viel Zucker zu trinken, weil das den kreislauf aufputscht und dadurch fühlt man sich dann nicht mehr so schwach. Ich empfehle dir nicht in ärztlich Behandlung zu gehen, sie werden dich nicht gut verstehen, ich spreche aus erfahrung ich war selber in therapie, aber die haben meine "angst" nicht verstanden und das liegt meiner meinung nach daran, dass sie selber nicht betroffen sind. Naja ich weiß zwar nicht wovon diese "Angst" kommen könnte und ihr werdet sicher denken, dass meine Erfahrungen nicht brauchbar sind, da ich noch ziemlich jung bin, aber ich hab dieses Problem seit ich 3jahre alt war.
Ich hoffe ich konnte bisschen helfen...

LG Bec

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Mary-Lou
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Beitrag Sa., 10.12.2011, 21:07

Hallo Maikäfer,

ich konnte früher auch kein Blut sehen (egal ob real, tv, fotos, ..), mir wurde es auch immer regelrecht schwarz vor Augen. Vor kurzem habe ich ein medizinisches Studium aufgenommen.
Ich habe lange versucht, mich meinen Ängsten zu stellen (leider sind das mehrere) auf die Art und Weise, dass ich mich mit ihnen konfrontiere. Bei mir funktioniert das i.d.R. ganz gut (Blut ist für mich heute z.B. nur noch bedingt ein Problem, vor kurzem hatte ich das erste Mal eine Schlange in der Hand, obwohl ich sonst auf 10 m Entfernung und Trennung durch eine Glaswand bereits Panik bekomme).
Aber ich kenne durchaus auch Menschen, bei denen sich die Ängste dadurch nur verschlimmert haben. Vielleicht haben sie sich bei mir auch nur verlagert? (ich leide leider seit einiger Zeit an einer Angststörung ..)

Kommst du denn oft mit Blut in Verbindung, so dass es für dich eine Beeinträchtigung darstellt? Dann wäre vllt. eine Therapie ratsam, aber ansonsten?

Edit: Auweia, jetzt seh ich erst wie alt der Thread bereits ist ...
Frühling: „Eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit.” (Henry David Thoreau)

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alina75
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Beitrag So., 11.12.2011, 23:13

Hallo !
Geh zu einem Therapeut !
Ich.weiß zwar nicht wie.diese Angst ist,aber ich.kann.mir vorstellen,dass.sie.nicht.leicht ist.
Trinke Wasser und es gibt Freunde,die einem Kraft geben,mit denen.sollst du dich umgeben (:
Alles Gute !
Alina75

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MisterBigD
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Beitrag Do., 10.07.2014, 09:31

Hallo erstmal,
Ich hab ein ähnliches leiden. Nur wenn ich meine eigenen wunden sehe (ggf fühle :D )wird mir schlecht. Schwindelgefühl, dann wird mir schwarz vor augen, und alle kraft verlässt mich. Ich hatte mich mal ordentlich "aufs maul gelegt " und eine "mächtige "schürfwunde am arm. Im laufe der wundbehandlung etc wurde mir oft schlecht und als ich den hausartz gefragt hab warum mir immer schlecht wird, musste ich einen tag lang ein puls messgerät mit mir rumschleppen. Na immerhin weis ich jetzt, dass ich nicht niedrigen blutdruck hab, sondern leicht erhöhten.
Später, als die wunde schon so weit geheilt war, das die kruste eigt nicht mehr gebraucht wurde, hat sie der arzt einfach, stückchen für stückchen abgerissen (knapp 15cm )-mir wurde schlecht. Im nachhinein wurde mir immer schlecht, wenn etwas unerwartetes passiert ist, aber etwas, das meinen körper (in meinen augen ) ernsthaft verletzen kann.
Danach hab ich mich nicht mehr verletzt, und mir wurde nicht mehr schlecht.

-bis ich nach einer beule an meinem steißbein gegoogelt hab. Da ich weis, dass dir leicht schlecht wird, belasse ich es bei der kurzform : mir wurde drei mal blut abgenommen(in drei tagen ), und mir wurde beim ersten mal so schlecht, dass ich das bewusstsein verloren hab. (Das 2.mal wurde mir nur leicht schummerig, und bein dritten garnichts mehr )
Aber hier hab ich mich auch erschrocken, weil die mir so viel abgenommen hat. Die haben mich soford auf eine liege verfrachtet und die beine hochgezogen. Das wichtigste war, dass ich die beine oben hatte (warscheinlich, damit das gehirn leichter mit blut versorgt werden kann )

Lange rede kurzer sinn,
Wenn dir wieder schlecht wird, leg dich am besten hin, und mach die beine hoch (das hilft wirklich sehr ) wenn es dir wieder einigermaßen gut geht trink einen schluck wasser (aber nicht übertreiben ). Mir hat (jetzt auch mit dem krater einer wunde am steißbein ) sehr geholfen, dass ich weis was da passiert. Ich muss die wunde zuhause behandeln und weis wovon ich rede, wenn ich sage, dass man sich an (kleinere ) wunden gewöhnen kann. Das ist garnicht so schlimm wiees sich anhört .

Als letzter tipp noch : du meintest, du hast zu viel phantasie-versuch es dir subjektiv vorzustellen. D.h, wir sind nur haufen von zellen die sich jetzt nur neu anordnen müssen. Wenn du dir das vorstellst, hast du gleichzeitig dein gehirn abgelenkt und beschäftigt.
Und sag deinen freunden einfach, dass du nicht über so etwas reden kannst, wen, es gute freunde sind, werden sie dich berücksichtigen.
Ich hoffe dir wurde nicht schlecht, als du das hier gelesen hast und ich hoffe ich konnte dir helfen
Lg MisterBigD