Angst, Kraftlosigkeit und mehr

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.

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treffchef
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Angst, Kraftlosigkeit und mehr

Beitrag So., 16.10.2022, 13:18

Hallo, ich bin der Neue und melde mich -vorraussichtlich- jetzt öfter.
Im Moment fühle ich mich "irgendwie" nicht wohl in meiner Haut, wobei das Unwohlsein schon lange anhält! Ich bin sehr -zu- empatisch und fühle mich manchmal wie im falschen Film und verstehe meine körperlichen und psychischen Reaktionen nicht mehr, vorherrschend ein zu regelmäßiges Angstgefühl, vergleichbar mit der Prüfungsangst einer mündlichen Prüfung.
Angefangen hat das Ganze vor über 10 Jahren mit einem Burnout, dem zu Grunde lag -oder vl. liegt- der Sterbeprozess zuerst meines Vaters -Lewy-Körperchen-Demenz-, dann meiner Mutter -Vaskuläre Demenz-, ergänzend Mobbing und Bossing an meinem Arbeitsplatz.
Am meisten hat mich der Zustand meines Vaters emotional -elendig zu Grunde gegangen- erschöpft, so möchte ich keinesfalls aus dieser Welt treten, eine meiner ganz großen Ängste, zumal ich Symptome -essentiellen Tremor- habe, die ich auch bei meinem Vater beobachtet habe. Ich habe durch den Tremor der meinen ganzen Körper betrifft, aber an den Händen sichtbar nach Aussen tritt, eine ständige Unsicherheit, so ein Flattern, das mich einschränkt...
Sprüche aus dem "Freundeskreis" wie "stell dich nicht so an" ärgern mich nicht einmal mehr, schlimmer wiegt das auch Ärzte mich im Stich lassen, weil ihnen scheinbar schlicht die Qualifikation für eine objektive Begutachtung fehlen.
Ich bin jetzt mit Ach und Krach berufsunfähig -50% Rente- verrentet, den Sprung zur Erwerbsunfähigkeit habe ich leider nicht geschafft da mir die Kraft weiter zu machen fehlt. Ich hege keinerlei suizidale Gedanken, aber diese Energie- und Kraftlosigkeit bremsen mich in allem aus. Eigentlich bin ich ein sehr kreativer Mensch und ich übe noch ein paar Hobby`s aus, aber das wird immer zähflüssiger, das aufraffen, das planen und, und, und...
Hinzu kommen körperliche Einschränkungen, mit ü60 ist nicht mehr alles 1A und an die täglichen Schmerzen hab ich mich schon weitestgehend gewöhnt.
Hier hoffe ich nun auf einen konstruktiven Austausch, meine Frau ist mit mir eindeutig überfordert und Gruppen- und Einzeltherapie liegen einige Jahre zurück, wobei die Einzeltherapie schlagartig mit Corona, aufgrund des Alters des Therapeuten endete.

So, das ist nur ein kleiner Schnappschuß von mir und ich freue mich auf einen interessanten Austausch!

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alatan
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Beitrag So., 16.10.2022, 17:46

Hallo treffchef,
zunächst wäre eine sehr gründliche körperliche Untersuchung einschließend essentieller Stoffe im Blut sehr wichtig. Außerdem wären allgemeine Betrachtungen des Lebensstil hilfreich: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Entspannung, Aktivitäten.
Und sicherlich könnte dann auch eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein, wenn du klar definierte Ziele dafür hast.
Gruß alatan


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treffchef
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Beitrag Mo., 17.10.2022, 10:09

Hallo alatan,
körperliche Untersuchung, damit meinst du sicherlich nicht die "Hauruck 15 Minuten Schnelluntersuchung" die in unserem Gesundheitssystem normal ist? Aber davon mal ab habe ich schon einiges an Blutuntersuchungen hinter mich gebracht und keiner derr Werte war extrem kritisch. Ich habe mich auch Anfangs auf beginnende Demenz untersuchen lassen da bei mir ein Normaldruckhydrozephalus festgestellt wurde (2009), aber es fehlen den Ärzten Symptome, die einen eindeutigen Schluß zulassen. Hinzu kommt das ich immer wieder den Eindruck habe nicht für Voll genommen zu werden und jeder Arzt gerne schnellst möglich auf die Psychosomatik wechselt, das ist einfacher, erklärt vieles und belastet das Budget nicht. Ich habe 17 Jahre lang im Krankenhaus (IT) gearbeitet und hatte dadurch einen Blick hinter die Kulissen.
Schlaf: seit 2008 habe ich eine Schlafapnoe die mit einem CPAP therapiert wird. Leider habe ich einen extrem hellhörigen Schlaf und wache schnell (vor allem bei unbekannten Geräuschen) auf, verschärft durch das Schnarchen meiner Frau.
Ernährung: ich koche jeden Tag frisch und möglichst leichte Kost, Schweinefleisch haben wir von unserer Karte gestrichen und den Eindruck das der Verzicht uns gut tut (ich vermisse Nichts). Brot und ab und an mal Brötchen backe ich selber (keine fertigen Backmischungen), Schinken und Wurst herstellen ist mein langjähriges Hobby.
Bewegung: definitiv zu wenig und ich habe das Problem das meine zahlreichen Baustellen, aufgrund der damit verbundenen Schmerzen, sportliche Aktivität verhindern. Derzeit versuche ich eine passende Therapie für mein rechtes Knie zu bekommen, das dauert jetzt schon über 2 Jahre und wurde subjektiv lange nicht für voll genommen, aus der Not heraus bei unterschiedlichen Ärtzten. Im MRT wurde festgestellt das die untere der beiden Oberschenkelsehnen, die an der Kniescheibe sitzen, stark eingerissen ist. Seit rund 3 Wochen warte ich z. Z. auf einen Termin bei meinem Orthopäden, damit es weiter geht... :-(
Ausserdem zickt nach langen Jahren der Ruhe mein alter (Arbeitsunfall) Archillessehnenabriss Links (1986 operativ versorgt) seit 1,5 Jahren rum und die Physio fällt leider immer mal wieder aus, wobei ich mit meinem Therapeuten grundsätzlich sehr zufrieden bin und ich überhaupt von Glück sprechen kann das ich eine Praxis gefunden habe die noch Patienten annimmt.
Meine Spinalkanalstenose (Übergang BWS/HWS) sorgt gerne mal für leichte Schwindelanfälle und die Daumensattelgelenksarthrose L beschert mir ausser Schmerzen eingschränkte Belastbarkeit, gerne auch als Überraschung.
Aktivitäten (ausser Arztbesuche): Ich habe eine Dranginkontinenz unbekannter Ursache und als Sahnehäubchen noch diverse Lebensmittel-Unverträglichkeiten die meinem Magen und Darm zu schaffen machen (Magen- und Darmspiegelung wiederholt, zuletzt 2022) und laut Facharzt nicht therapierbar sind, damit traue ich mich nur selten ausser Haus und nur wenn gesichert ist das Toiletten erreichbar sind.
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Mein größtes Problem ist das ich mich nicht aufraffen kann, das betrifft aber nicht nur Arztbesuche sondern sondern mein Leben allgemein. Richtig glücklich bin ich schon seit etlichen Jahren nicht mehr gewesen, zuletzt 2016 in der psychosomatischen Reha. Da hatte ich Glück und die Mitpatient:innen und generell die Versorgung waren 1a. Lang ist`s her...

So, für jetzt genug ausgeheult!
Vielen Dank für dein Interesse...

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Candykills
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Beitrag Mo., 17.10.2022, 13:23

Ich selbst leide unter eine chronischen-entzündlichen Darmerkrankung und ein bisschen hilfreich ist es für mich, dass ich den Euro-WC-Schlüssel habe, weil ich damit einfach zu fast allen Behinderten-Toilette Zugang habe, auch zu vielen im Ausland. Sprich: wenn die Not da ist und die normalen Toiletten besetzt/überfüllt oder einfach super eklig und dreckig, dann habe ich diese Ausweichmöglichkeit.
Nachdem, was du beschreibst, kann ich mir vorstellen, dass auch du mit einem ärztlichen Nachweis dir solch einen Schlüssel besorgen kannst. Der kostet 30 Euro und den kann man hier beantragen: https://cbf-da.de/de/shop/euro-wc-schluessel/

Zu dem Euro-WC-Schlüssel kann man sich auch das Locus-Buch bestellen, wo du halt einfach einen Überblick dann hast, wo welche Toiletten mit dem Schlüssel nutzbar sind.

Und ansonsten: auch ich checke normal ab, wo ich auf Toilette kann (zur Not halt in der Natur). Und ich kann dich auch nur ermutigen im Notfall in eine Gaststätte zu gehen und zu erklären, dass du eine chronische Darmerkrankung hast und einfach ganz dringend eine Toilette brauchst und auch gerne dafür bezahlst, wenn du dir Toilette Vorort nutzen dürftest.
Das hat bei mir zum Glück bisher immer geklappt, wenn die Not da war.

Lass dich von der Darmgeschichte nicht völlig einschränken.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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alatan
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Beitrag Di., 18.10.2022, 13:39

Hallo treffchef,
eine anhaltende Energie- und Kraftlosigkeit kann auf Mineral- und Vitaminmängel oder auf Hormonstörungen wie bei einer Schwäche der Nebennieren hinweisen. Ersteres wird oft nicht von Ärzten gecheckt, obwohl es einfach wäre, letzteres braucht Spezialuntersuchungen beim Endokrinologen.

Leider ist das Medizinsystem hier mittlerweile so, dass man dem Arzt gezielt einen Auftrag geben muss, anderenfalls geht man unter und macht sich abhängig von den oft inkompetenten Kollegen.

Ansonsten heißt es, das Leben trotz Einschränkungen in die Hand zunehmen und aktiv zu werden, sich nicht zum Opfer seiner selbst oder von jemandem anderen zu machen!

Auf geht‘s! :-D

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Sydney-b
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Beitrag Di., 18.10.2022, 14:40

Hast du dich mal auf Depressionen untersuchen lassen?
Vieles Symptome, die du hier beschrieben hast, hören sich für mich nach Depressionen an.
Vielleicht wäre es dir möglich, dies abchecken zu lassen, falls dies seither noch nicht geschehen sein sollte?