Therapieabbruch als letzter Ausweg?

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Lenaa
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Therapieabbruch als letzter Ausweg?

Beitrag Mi., 16.11.2022, 12:53

Hallo ihr Lieben,

das ist mein erster Beitrag hier und ich hoffe, dass ich hier richtig bin.

Der Grund, warum ich schreibe ist, dass ich mich von meiner Therapeutin überhaupt nicht verstanden bzw. ernst genommen fühle.

Es war schon immer so, dass sie mich oft triggert, da ich ein Bindungstrauma habe.
Das war zwar nicht toll, aber bisher habe ich es immer verstanden, weil sie ja nicht wissen kann, was mich triggert und ich auch nicht in der Lage dazu war, das mitzuteilen.

Inzwischen bin ich aber etwas weiter und kann schon meine Bedürfnisse äußern (Vor allem aufgrund guter Erfahrungen in einer Klinik). Wir haben auch schon geklärt, dass wenn sie mich triggert und ich dissoziiere, dass ich dann Zeit brauche und es mich zusätzlich triggern würde, wenn sie mich unter Druck setzt/mich aus der Dissoziation holen will.

Vorletzte Stunde habe ich mich nun auch endlich getraut darüber zu reden, dass ich mich in den letzten Jahren nicht so verstanden gefühlt habe und da ganz viele Verletzungen in mir trage, weshalb mir das Vertrauen schwer fällt und ich darüber gerne nochmal sprechen möchte, um quasi sicher zu sein, dass sie mich jetzt besser versteht und ich heute an einem anderen Punkt bin, wo ich mich besser äußern kann.

Daraufhin hat sie für mich wieder zu harsch geantwortet und ich bin dissoziiert, konnte nichts sagen. Irgendwann meinte sie dann, das wir auch noch 15min weiterschweigen können, aber wir so die Situation nicht klären können. Das hat mich dann unter Druck gesetzt und erst recht in dieser Starre gehalten. Ich fühle mich dann in dem Moment einfach überhaupt nicht damit verstanden, dass ich ja selber gerne reden würde, wenn ich nur könnte und dass ich diese Schutzfunktion in dem Moment nicht beeinflussen kann, mein Körper da sich verselbstständigt.

Dann konnte ich irgendwann kurz rausgehen und als ich reinkam, habe ich sogar nochmal versucht zu erklären, dass das "Wir können jetzt auch noch 15min weiterschweigen" sehr provokativ bei mir ankam und mich unter Druck gesetzt hat.

Bis dahin war für mich noch alles in einem bekannten Maße und ich dachte, dass es einfach an mir liegt und sie ja meine Gedanken nicht lesen kann und ich nur positive Erfahrungen machen kann, wenn ich drüber rede.

Aber dann kam das, was mich vollkommen umgehauen hat. Sie sagte dann, dass das ja stimmt mit den 15min und meinte dann, dass ich ja auch nicht in so einem dissoziativen Zustand aus der Stunde gehen will usw... Also sie ist wieder überhaupt nicht auf mein Gefühl eingegangen, sondern hat mit mir diskutiert.

Ich war kurz davor zu gehen. Durch die Unterstützung von einer Freundin konnte ich dann nochmal den Mut zusammenfassen und meiner Therapeutin in der nächsten Stunde sagen, dass mich das fassungslos gemacht hat und ich nicht weiß, wie das so weit kommen konnte, dass ich nicht weiß, was ich hätte anders machen sollen und mich total hilflos gefühlt habe. Ich habe nochmal gesagt, dass ich ja extra besprochen habe, dass ich in der Dissoziation nicht unter Druck gesetzt werden möchte und meine Bedürfnisse äußern konnte und nicht verstehe, wieso sie das dann trotzdem tut.

Dann meinte sie, dass sie ja nicht jeden Trigger vermeiden kann und mich das auch nicht weiterbringt, wenn sie Trigger vermeidet, dass ich ja immer getriggert werden kann.

Ich meinte, dass ich das verstehe und mein Ziel auch nicht ist, den Triggern für immer auszuweichen, aber ich so kein Vertrauen aufbauen kann.

Ich hätte mir gewünscht, dass sie das ernst nimmt, wenn ich ihr sagen, was mich triggert und darauf Acht gibt, um Vertrauen aufbauen zu können und dann gemeinsam Stück für Stück in die Konfrontation zu gehen.
Allerdings habe ich einfach das Gefühl, dass, wenn ich ihr sage, was das mit mir macht, sie dagegen argumentiert.

Ich bin jetzt echt fertig mit den Nerven und habe schon so oft versucht, in Klärung zu gehen und dachte, dass das an mir liegt und ich mich nicht deutlich genug zeige und ich nicht vor meinen Problemen weglaufen kann.

Inzwischen fällt mir aber nichts anderes mehr ein, als die Therapie abzubrechen.
Allerdings weiß ich ganz genau, dass ich mir dann die Schuld gebe, dass ich dann denke, dass meine Wahrnehmung gestört ist etc. und es an mir liegt, dass ich mich nicht verstanden fühle. Ich habe schließlich schon so oft den Gefanken gehabt, abzubrechen, aber mich dann immer schuldig gefühlt.

Kennt das jemand? Was würdet ihr machen? Ich kann einfach nicht mehr und die Therapie belastet mich einfach nur noch. Aber ich ich habe auch Angst zu gehen, weil ich ja immernoch meine Probleme habe und eine Traumatherapie machen muss und einen anderen Therapeuten zu finden ist ja auch super schwer.

Ich weiß nicht, wie ich aus dieser Situation kommen soll...

Liebe Grüße

Lena

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Schwertschluckerin
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 14:13

Wie lange bist du schon bei ihr?
Niemand kann dir sagen was du tun sollst. Aber wenn du ein Bindungstrauma hast, dann ist die erste Lösung immer Beziehungsabbruch.
Ihr habt eben in eurer Beziehung jetzt einen Konflikt und der gehört ausgetragen. Das trägt zur Veränderung bei und kann durchaus positiv sein. Welche Ausbildung hat sie?
Ich würde dir raten das alles nochmal anzusprechen.
Dass du abbrechen willst, dir die Schuld gibst und dich so klein machst, kann auch damit zu tun haben, dass du dann gerne die Opferrolle einnehmen willst. Ist leichter erträglich, als die Verantwortung zu übernehmen als Erwachsene Person und fürs Handeln, in dem Fall ej Beziehungsabbruch, einzustehen.

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alatan
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 14:18

Wie viele Jahre willst du denn noch Vertrauen zur Therapeutin aufbauen?

So, wie du die Dynamik zwischen euch beschreibst, klingt das nach einem (unbewussten) Machtkampf, an dem beide beteiligt sind. Vermutlich hat deine Therapeutin verpasst, frühzeitig klare Regeln aufzustellen, dazu gehört auch, sich nicht in Dissoziationen zu verlieren und "Triggerung" vorzuschützen. Es bringt nie Veränderung, in kindlichem Trotz hängenzubleiben und sich zum vermeintlichen Opfer der Therapeutin zu machen. Natürlich kann man das tun, aber das wäre selbstdestruktiv - wozu brauchst du das?

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Sydney-b
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 14:41

Du machst also eine Traumatherapie bei ihr, Tfp?
Wenn du dort schon einige Jahre bist, wie viele Stunden hast du denn noch übrig?
Oder bist du Selbstzahlerin?

Was hättest du dir konkret von ihr gewünscht, als du in der Dissoziation warst?

Hätte sie die restliche Stunde still dasitzen sollen, bis du irgendwann von alleine aus der Dissoziation kommst?
Das wäre natürlich eine Möglichkeit, würde dir aber wertvolle Therapiezeit stehlen.

Hast du noch keinerlei Vertrauen zu ihr aufbauen können?

Manchmal ist es nach mehreren Jahren Therapie auch wichtig, mal eine längere Pause einzulegen (damit deine Psyche alles Erarbeitete ordnen und verdauen kann), oder tatsächlich einen Therapiewechsel vorzunehmen.

Fühlst du dich von deiner Therapeutin abhängig?
(Diese Fragen sind dazu da, um deine genaue Problematik besser einschätzen zu können. )

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Lenaa
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 14:49

Danke für eure Einschätzungen.
Also genau das sind Fragen, die ich mir auch stelle. Ich bin 3 Jahre bei ihr und hatte immer wieder den Impuls abzubrechen, habe es aus den genannten Gründen aber nicht getan, weil ich sicher sein wollte, dass ich eben nicht weglaufe und abbreche, weil es einfacher ist. Das war auch definitiv gut in meiner damaligen Situation.

Nur bin ich nun schon weiter und reflektierter und kann zum Beispiel ansprechen, was ich denke und fühle.

Anfang des Jahres habe ich es mit meiner Therapeutin aber einfach nicht mehr ausgehalten, wollte aber nicht abbrechen und habe stattdessen mich unteranderem deswegen für eine Klinik entschieden. Ich habe mich bereit gefühlt, in der Klinik wirklich an mir zu arbeiten und die Zeit intensiv zu nutzen. Das habe ich auch getan. (Ich war schon vor 3 Jahren in der Klinik und da konnte ich mich aber gar nicht öffnen und habe mich dementsprechend auch nicht verstanden gefühlt) In der Klinik jetzt habe ich aber gemerkt, dass ich wirklich schon weit gekommen bin und mit der Therapeutin hat es echt gut geklappt, ich habe mich das erst Mal verstanden gefühlt. Sie hat mich auch ermutigt, nach der für mich passenden Hilfe zu suchen, auch wenn es schwer ist.

Auch kann ich inzwischen mich Freunden emotional anvertrauen, fühle mich von anderen Menschen verstanden usw..
Das bestärkt meinen Eindruck, dass ich auch bei meiner Therapeutin inzwischen offen genug bin, um eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung eingehen zu können. Nur bei ihr klappt es einfach nicht.

Deswegen stecke ich so im Dilemma. Ich frage mich, halte ich das einfach nur aus, weil ich mir die Schuld gebe und es passt vielleicht einfach wirklich nicht zwischen ihr und mir, hänge ich in einer ungesunden Abhängigkeit und es wäre besser sich jemand anderen zu suchen. Oder ist das ein davonlaufen und wirklich nur dem geschuldet, dass ich alles auf sie übertrage?

Ich weiß halt nicht, wie ich das rausfinden kann. Das einzige was ich habe ist mein Gefühl, welchem ich nicht vertrauen kann :roll:

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Lenaa
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 14:56

Achso und ich mache eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie bei ihr, habe bisher ca. 100 Stunden verbraucht und gerade noch 40 weiter genehmigt bekommen.

Es ist nicht so, dass ich gar kein Vertrauen zu ihr aufgebaut habe oder alles schlecht war bisher. Allein, dass ich ihr meine Meinung sagen kann, ist ja schon ein Zeichen dafür, dass ich mehr Vertrauen habe.

Aber alles was mit den traumatischen Erfahrungen zu tun hat, kann ich ihr einfach nicht sagen. Dazu habe ich zu wenig Vertrauen. Da konnte ich der Therapeutin in der Klinik innerhalb von 10 Wochen mehr sagen, als ihr in 2 Jahren.

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Philosophia
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 15:04

Vielleicht passt es zwischen euch auch einfach nicht. Würde Sinn machen, weil du zu dieser anderen Therapeutin so schnell vertrauen konntest.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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Koala141
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 15:34

Schwertschluckerin hat geschrieben: Mi., 16.11.2022, 14:13 Aber wenn du ein Bindungstrauma hast, dann ist die erste Lösung immer Beziehungsabbruch.
Wie meinst du das?

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Shukria
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Beitrag Mi., 16.11.2022, 20:22

Du hast doch ein klares Bauchgefühl - es passt nicht um mit ihr die Traumasachen aufzuarbeiten. Sie kann ja nicht mal mit dir positiv an Dissoziationen arbeiten. Wie soll das erst gehen wenn du tiefer einsteigst?

Es war hilfreich für viele Prozesse und hier sagt dein Körper und deine Psyche deutlich nein. Such dir in Ruhe jemanden der fit ist an Traumata zu arbeiten und wechsle vielleicht zu VT damit du noch mal Stunden bekommst. Das ist nicht weglaufen sondern selbstfürsorglich.

Inder aktuellen Therapie kannst du während du suchst sicher für die verbliebenen Stunden dir andere Ziele setzen.

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Gespensterkind
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Beitrag Do., 17.11.2022, 07:29

Wenn Du schon so lange bei ihr bist und Du das Gefühl hast, dass es jetzt nicht mehr passt, dann könntest Du Dir überlegen, was genau Du brauchst und ob Du das bei einem anderen Therapeuten finden könntest.
Oder ob Du überhaupt erst mal eine Therapiepause machen willst um zu schauen, ob eine weitere Therapie aktuell für Dich hilfreich und richtig wäre.
Ansonsten frage ich mich allerdings schon, was es Dir hilft, wenn Du 15 Minuten dissoziierend in der Stunde sitzt und dann geschockt darauf reagierst, dass die Therapeutin das anspricht.
Also ich meine: was hast Du denn von der Stunde und der Therapeutin, wenn Du hauptsächlich dissoziierst?
Ich finde schon, dass sie das ansprechen muss und sollte und ihr darüber sprechen solltet, wie es möglich ist, dass Du weniger dissoziierst und die Stunde auch dafür nutzen kannst, wofür Du die Therapie machen willst.
Ich weiß ja nicht, wie viel ihr in der Therapie schon darüber geprochen habt, wie Dissoziationen zu durchbrechen sind. Letztendlich erlebe ich es auch ein bisschen als "meine eigene Arbeit, mich dagegen zu entscheiden", weil manchmal WILL ich mich gar nicht dagegen entscheiden.
Ich meine damit nicht, dass Du irgendwie die Schuld hast o.ä., dass Du dissoziierst. Aber Dissoziationen sind ja etwas, was oftmals durch Traumata initiiert wird. Und wenn Du im Moment noch so viel dissoziierst, dann ist Traumaarbeit (also an den Traumainhalten zu arbeiten) sowieso noch recht schwierig.
Dann frage ich mich aber auch, was ihr dann die drei Jahre eigentlich gemacht habt. Ich weiß ja nicht, was Deine Ziele waren für die Therapie.

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Shukria
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Beitrag Do., 17.11.2022, 08:28

Also ich frage mich was die Therapeutin die 3Jahre gemacht hat wenn nach 3 Jahren Dissoziationen noch so zentral sind das man 15min in der Stunde sitzt und es nicht klar ne Hilfestellung gibt da erstmal raus zu kommen.

Für mich wirkt die Therapeutin nicht fit im Umgang und der Bearbeitung von Traumata. Welche Methoden zur Bearbeitung will sie dir denn anbieten oder sollst du nur reden? Was ist ihre Aus-Weiterbildung in dem Bereich?

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chrysokoll
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Beitrag Do., 17.11.2022, 09:57

offenbar kann diese Therapeutin nicht mit Dissoziation umgehen, hat weder das Rüstzeug noch die Lust dazu.
Und das ist dann echt schlecht.
Vorwürfe dürfen da niemals kommen, das ist dann nur noch verfahren und ich sehe da auch keine gute Lösung mehr.

Nur würde ich trotzdem die Therapie nicht einfach abbrechen, sondern versuchen zu einem irgendwie guten Ende zu kommen und parallel eine neue Therapie suchen. Eine Traumatherapie bzw. eine bei der die Therapeutin qualifiziert genug ist mit den Themen umzugehen.

Man kann Dissoziation nicht mit Vorwürfen beenden oder wegmachen, da bringt überhaupt nichts.
Ich kenne das leider sehr gut aus der früheren Psychoanalyse, der Analytiker sagte meinstens "mhm", und irgendwann "so, die Stunde ist um"
Und nach einer Zeit wurde er sauer und genervt von meinem Schweigen, erinnerte mich kühl daran dass es ja meine Stunde sei und ich so nicht weiter käme. Und ich war verzweifelt, wusste nicht was los war, warum ich nicht sprechen konnte.

Ich kann da nur raten sowas nicht ewig weiter zu führen, das wird nicht mehr besser, das hilft auch nicht (ausser vielleicht der Geldbörse des Therapeuten)

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 17.11.2022, 17:46

Lenaa hat geschrieben: Mi., 16.11.2022, 14:49 Danke für eure Einschätzungen.
Also genau das sind Fragen, die ich mir auch stelle. Ich bin 3 Jahre bei ihr und hatte immer wieder den Impuls abzubrechen, habe es aus den genannten Gründen aber nicht getan, weil ich sicher sein wollte, dass ich eben nicht weglaufe und abbreche, weil es einfacher ist. Das war auch definitiv gut in meiner damaligen Situation.


Und diese Impulse da nicht mehr hingehen zu wollen hatten auch damals schon immer handfeste Gründe im Verhalten der Therapeutin die du klar benennen kannst?

Evtl wäre es da schon in den probatorischen Sitzungen besser gewesen zu gehen und weiterzusuchen.

Gerade mit Bindungstrauma kann es ja auch passieren, dass man sich gegen Grenzverletzungen nicht ausreichend abzugrenzen traut, sich nicht traut zu gehen etc.

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Lenaa
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Beitrag Fr., 18.11.2022, 12:26

Gespensterkind hat geschrieben: Do., 17.11.2022, 07:29 Wenn Du schon so lange bei ihr bist und Du das Gefühl hast, dass es jetzt nicht mehr passt, dann könntest Du Dir überlegen, was genau Du brauchst und ob Du das bei einem anderen Therapeuten finden könntest.
Eigentlich habe ich das Gefühl inzwischen einigermaßen zu wissen, was ich brauche, aber, dass meine Therapeutin das nicht versteht oder was anderes glaubt.
Ansonsten frage ich mich allerdings schon, was es Dir hilft, wenn Du 15 Minuten dissoziierend in der Stunde sitzt und dann geschockt darauf reagierst, dass die Therapeutin das anspricht.
Also ich meine: was hast Du denn von der Stunde und der Therapeutin, wenn Du hauptsächlich dissoziierst?
Ich finde schon, dass sie das ansprechen muss und sollte und ihr darüber sprechen solltet, wie es möglich ist, dass Du weniger dissoziierst und die Stunde auch dafür nutzen kannst, wofür Du die Therapie machen willst.
Ich weiß ja nicht, wie viel ihr in der Therapie schon darüber geprochen habt, wie Dissoziationen zu durchbrechen sind. Letztendlich erlebe ich es auch ein bisschen als "meine eigene Arbeit, mich dagegen zu entscheiden", weil manchmal WILL ich mich gar nicht dagegen entscheiden.
Also ich weiß zwar nicht genau, wie lange ich nichts gesagt habe, aber 15min waren es bestimmt nicht, gefülht ehr so 5min. Und ich setze mich ja selber schon unter Druck, dass ich was sagen muss und dass ich sonst die Zeit verschwende etc.. Und ich war auch aktiv dabei zu versuchen, wieder etwas zu sagen. Kurz bevor ich es hinbekommen habe, kam dann aber der Satz mit den 15min, was mich wieder voll reinkatapultiert hat.
Ich wünschte mir, dass sie ehr in dem Moment hilft, mich nicht so unter Druck zu setzten, sowas sagt wie: "Das ist ein Schutzmechanismus. Irgendwer fühlt sich gerade bedroht. Was braucht derjenige jetzt, um sich sicherer zu fühlen, was war so bedrohend?" Dann würde sich der Teil in mir, der für die Dissoziation zuständig ist, gesehen, ernst genommen und verstanden fühlen und meiner Vermutung nach auch schneller wieder den Schutz loslassen können.

Ist das wirklich so unrealistisch?
Dann frage ich mich aber auch, was ihr dann die drei Jahre eigentlich gemacht habt. Ich weiß ja nicht, was Deine Ziele waren für die Therapie.
Ich habe das Gefühl, dass ich bisher immer verzweifelt versucht habe, meinen inneren Zustand zu beschreiben, um verstanden zu werden. Die Diagnose PTBS habe ich z.B. auch erst seit der Klinik. Meine Therapeutin hat zwar irgendwann auch das Wort "traumatisch" benutzt, aber es gab nie irgendwie eine Diagnose. Also mir ist es nicht wichtig unbedingt eine ICD 10 Diagnose zu haben, sondern ehr, dass sie meinen Zustand beschreiben kann oder wir gemeinsam den Zustand beschreiben können, damit ich mich verstanden fühle und irgendeinen Therapieweg einschlagen kann.

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Beitrag Fr., 18.11.2022, 12:51

münchnerkindl hat geschrieben: Do., 17.11.2022, 17:46 Und diese Impulse da nicht mehr hingehen zu wollen hatten auch damals schon immer handfeste Gründe im Verhalten der Therapeutin die du klar benennen kannst?

Evtl wäre es da schon in den probatorischen Sitzungen besser gewesen zu gehen und weiterzusuchen.

Gerade mit Bindungstrauma kann es ja auch passieren, dass man sich gegen Grenzverletzungen nicht ausreichend abzugrenzen traut, sich nicht traut zu gehen etc.
Also ganz am Anfang hatte ich noch gar keine Verbindung zu mir und meinen Gefühlen, habe alle Bedürfnisse weggedrängt. Ich war einfach nur depressiv und habe auch nicht viel gesagt.

Später wollte ich dann ehr nicht mehr wiederkommen, weil ich mich nicht verstanden gefühlt habe und teilweise so Panik vor ihr bekommen habe, dass ich die ganze Woche an nichts anderes denken konnte, nicht zur Arbeit konnte, weil ich immer wieder Atemnot etc. bekommen habe. Das waren Situationen, wo sie mich getriggert hat, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich meine Grenzen nicht deutlich genug formuliert habe und es bei anderen Therapeuten nicht auch so abgelaufen wäre. Also das würde ich jetzt noch als "mein Problem" bezeichnen, wo sie nichts für konnte. Manchmal frage ich mich nur, ob andere Therapeuten nicht vielleicht doch etwas sensibler gewesen wären.

Inzwischen aber kommuniziere ich, was ich brauche. Aber letztes Mal hat sie ja dann gemeint, dass es mir nichts bringt, wenn sie alle Trigger vermeidet.

Da bin ich jetzt ratlos. Wenn sie die Trigger nicht zumindest am Anfang vermeidet und meine Bedürfnisse ernst nimmt, dann weiß ich nicht, wie das funktionieren soll.

Meine Vorstellung wäre, dass sie zumindest am Anfang erstmal darauf achtet, mich nicht zu triggern, wenn ich ihr schon sage, was mich triggert, damit ich Vertrauen aufbauen kann. Oder wie soll das sonst gehen?