'Beschützer-Instinkt' von Therapeuten?

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I-aah
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'Beschützer-Instinkt' von Therapeuten?

Beitrag Do., 08.02.2024, 22:10

Guten Abend,
Ich weiß gar nicht, ob das in diese Kategorie passt, falls nicht, habt bitte ein Nachsehen mit mir.
Ich habe schon echt viel Scheiße durch, unter anderem diagnostiziert Borderline und kPTBS. Jedes Mal, wenn ich denke, es geht nicht schlimmer, passiert wieder eine neue Scheiße. Aber wer nicht
Nun gut, jetzt zum Eigentlichen;
Zitat meines Therapeuten; "Am liebsten würde er seine Schutzflügel über mich breiten". So etwas Ähnliches hatte er schonmal gesagt. So sehr wie ich mich einerseits über diese Aussage freue (ich hatte nie und habe niemanden, der mich "beschützt" respektive so loyal zu mir steht), frage ich mich, ob das Therapeuten nicht so an/in sich haben; diesen "Beschützerinsinkt" den Patienten gegenüber. Versteht mich nicht falsch, ich halte mich nicht für etwas Besonderes und suche hier auch keine Bestätigung, doch bin ich generell immer sehr unsicher und misstrauisch. Und so verunsichert mich auch diese Aussage in einem gewissen Maße. Sicher könnte und sollte ich das dann ansprechen, aber das traue ich mich aktuell nicht. Danke fürs Zuhören und eure Antworten und bitte bleibt freundlich. Danke.

(Hinweis Admin: Betreffzeile von "Psychotherapie" auf obige präzisiert. Bitte zukünftig - siehe Netiquette! - möglichst aussagekräftige Betreffzeilen wählen! Danke.)

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candle.
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Beitrag Do., 08.02.2024, 22:34

Hallo I-aah!
I-aah hat geschrieben: Do., 08.02.2024, 22:10 Zitat meines Therapeuten; "Am liebsten würde er seine Schutzflügel über mich breiten". ... frage ich mich, ob das Therapeuten nicht so an/in sich haben; diesen "Beschützerinsinkt" den Patienten gegenüber. Versteht mich nicht falsch, ich halte mich nicht für etwas Besonderes und suche hier auch keine Bestätigung, doch bin ich generell immer sehr unsicher und misstrauisch.
Ja, das liegt doch aber in deiner Geschichte und ist ja offenbar diagnostisch bestätigt?!

Wie könntest du denn lernen das anzunehmen?

Viele Grüße
candle
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I-aah
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Beitrag Do., 08.02.2024, 22:59

Hallo Candle,
Ich glaube, so schnell kann ich das gar nicht lernen. Das generelle Misstrauen ist zu tief.. ich würde es nur gerne besser einschätzen können. Danke für deine Antwort!
Viele Grüße

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candle.
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Beitrag Do., 08.02.2024, 23:18

Was möchtest du genauer einschätzen?
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I-aah
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Beitrag Do., 08.02.2024, 23:22

candle. hat geschrieben: Do., 08.02.2024, 23:18 Was möchtest du genauer einschätzen?
Was ich davon halten kann/soll. Ob das eine 0815 Aussage ist, ob mein Misstrauen gegenüber dieser Aussage berechtigt ist. Komplex mein Denken diesbezüglich zu erklären..

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Sydney-b
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Beitrag Do., 08.02.2024, 23:36

Ich sehe das so: Ein Automechaniker repariert deine alte Möhre und bekommt dadurch wieder TÜV. Darüber seid ihr beide glücklich, du, weil dein Auto wieder funktioniert und der Automechaniker konnte sein Know How anwenden und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt sichern.
Einem guten und emphatischen Therapeut ist es wichtig, dass er seine Patienten so hilfreich unterstützen kann, dass diese irgendwann fähig sind, sich selber zu helfen.
Und zur Zeit scheinst du noch sehr stark Schutzflügel zu brauchen, ansonsten würdest du nicht von einer Sch..zz. in die nächste reiten. ;)
Im Rahmen seiner Möglichkeit ist er für dich da um dich hilfreich zu unterstützen.

Wieviel Stunden hattest du bisher bei ihm?

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Gespensterkind
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Beitrag Fr., 09.02.2024, 07:00

Verstehe ich noch nicht so ganz. Du möchtest einschätzen können ob die Aussage Deines Therapeuten, dass er Dich am liebsten schützen würde eine 0815-Aussage ist oder ??? was oder??
Ich hatte und habe in meiner Therapie immer wieder sehr stark Probleme damit, dass ich mir bei vielen Sätzen meines Therapeuten so was denke wie: ja, das sagt er jetzt, weil er Therapeut ist und das ist halt so ein Therapeuten-Ding.

Ich glaube auch, dass das so ist. Der Therapeut sagt Dinge, weil er der Therapeut ist und einen Vertrag mit Dir hat und Dir helfen möchte. Wenn ihn das alles nicht interessieren würde, was Du erlebt hast oder wie es Dir geht, dann wäre er kein guter Therapeut.
Ein Therapeut ohne Empathie wäre meines Erachtens auch kein guter Therapeut.
Das, was er sagt, das meint er bestimmt auch so und ernst.
Was könnte er sagen, damit Du ihm glaubst? Ich denke, das ist bei vielen von uns sehr schwer, dieses eigene innere fortwährende Misstrauen zu überwinden, dass man sowieso nicht ernsthaft gesehen und angenommen und wert geschätzt wird. Diese Erwartung von "enttäuscht werden" etc.
Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht das Dein Thema ist.
Die Empathie des Therapeuten, die darfst Du sicher glauben. Auch wenn Du es nicht glauben kannst.

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Sinarellas
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Beitrag Fr., 09.02.2024, 08:09

Wenn man ständig auf der Suche ist, auf der Hut ist, den Wurm in einem Essen zu finden, weil man damals einmal einen Wurm gefunden hat, wundert es mich nicht, dass du jetzt weiterhin übervorsichtig bist und dich selbst torpedierst.
Borderline und kPTBS bedeutet auch: Massive Probleme in sozialen Gefügen, anhaltendes Misstrauen anderen Gegenüber, immer wieder rein ins Hyperarousal, heftige Probleme in der Emotions-Regulation, kein oder wenig Urvertrauen, Begegnung zu anderen Menschen mit absoluter Vorsicht oder vollkommener Verschmelzung und so weiter.

Für mich bei dem Hintergrund also nachvollziehbar, dass dich das aufhorchen lässt.

Die Aussage "Am liebsten würde er seine Schutzflügel über mich breiten" deines Therapeuten habe ich so noch nicht gehört oder gelesen, also ist diese exakte Aussage sein Ding oder sogar ein Ding nur für dich, weil sein Bedürfnis dich vor etwas zu schützen groß ist. Aber ganz ähnliche Aussagen, wie "Ich würde sie gern vor weiterem Unheil schützen","Ich wünschte sie könnten einen dicken Schutzpanzer haben" usw. Das ist eine aus meiner Sicht völlig normale Geste, eine menschliche Aussage und das darfst du annehmen und ernst nehmen oder ignorieren und weglegen.
Vielleicht wählst du den Weg, dass das eine gute Aussage ist, dann könnte man sie wunderbar nehmen für eine Imaginationsübung - sofern dein Therapeut für dich etwas schützendes hat. Sowas zu internalisieren kann helfen.
..:..

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Montana
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Beitrag Fr., 09.02.2024, 13:47

Die Haltung deines Therapeuten ist zunächst mal unabhängig von solchen Aussagen. Man kann das mit einem echten, warmen Gefühl so sagen, aber man kann auch in der gleichen Weise zugewandt sein, ohne es zu sagen. Er wird wohl abgewogen haben, was für dich hilfreich sein könnte, und das Ergebnis war, dass er es sagen sollte. Meiner wiederum würde das nicht tun, und ich wäre auch auf 180, wenn er es täte. Es gab aber Situationen "in echt", wo er es ganz konkret gemacht hat. Bevor hier ein Aufschrei anderer User kommt: Therapeuten können z.B. Briefe schreiben oder mit Ärzten telefonieren. Sowas meine ich damit. Ob eine Situation auftaucht, wo ein Therapeut auf solche Weise mehr tun kann als es nur zu sagen, ist irgendwo dem Zufall geschuldet. Taten sind immer weit überzeugender als Worte. Und auch die "nutzen sich ab", und das kann relativ schnell gehen, je nachdem was sonst noch so passiert. Wenn also unausgesprochene Schwierigkeiten da sind, also der berühmte Elefant im Raum steht, dann muss das Gegengewicht schon sehr, sehr groß sein, um dagegen halten zu können. Und das ist etwas, das kann ausschließlich mit der Zeit wachsen. Abkürzungen gibt es nicht. Jedenfalls nicht im normalen Leben oder in einer Therapie, sondern man könnte höchstens an außergewöhnliche Situationen denken, wie das gemeinsame Überleben nach einem Flugzeugabsturz in Alaska oder sowas.

Du wirst also mit dieser Unsicherheit bezüglich solcher Aussagen leben müssen. Drüber sprechen ist eine gute Idee, aber auch das wird nichts daran ändern. Das zum Thema zu machen kann dir dabei helfen, solche Situationen bewusst zur Kenntnis zu nehmen, jedesmal wieder, und sie zu würdigen. Es ist nämlich manchmal verlockend, sich das damit verbundene Gefühlschaos zu ersparen und es in der Kategorie "zu anstrengend, mach ich später" zu parken.

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Beitrag Fr., 09.02.2024, 16:15

I-aah hat geschrieben: Do., 08.02.2024, 22:10 ; "Am liebsten würde er seine Schutzflügel über mich breiten". So etwas Ähnliches hatte er schonmal gesagt. So sehr wie ich mich einerseits über diese Aussage freue (ich hatte nie und habe niemanden, der mich "beschützt" respektive so loyal zu mir steht), frage ich mich, ob das Therapeuten nicht so an/in sich haben; diesen "Beschützerinsinkt" den Patienten gegenüber]
Wenn die Therapie gut läuft, wirst du lernen dich selbst zu beschützen - irgendwann.
Der Therapeut ist auf diesem Weg nur eine Krücke für dich, die das nur für einen begrenzten Zeitraum dir stellvertretend vermitteln kann.

Darum gehts. Die Therapie egoistisch für dich zu nutzen.

Und wenn dein Ziel ist weniger misstrauisch zu werden... dann solltest du genau das in deiner Therapie besprechen.

Ich finde es verständlich alles zu hinterfragen und jedes Wort des Therapeuten auf die Goldwaage zu legen, tagelang darüber nachzudenken... etc. pp.

Aber wenn die Therapie zuende ist, weiß ich nicht, ob dir das irgendwas bringt. Du solltest dich eher fragen, wie kann ich die Therapie nutzen, damit sie dir dabei hilft, dass es dir in Zukunft besser geht. Also zusammen mit dem Therapeuten.

Alles anzweifeln... weiß ich jetzt nicht so, was dir das bringen soll. Vor allem, wenn du das verheimlichen willst und für dich allein dann nur am rumzweifeln bist.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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wind of change
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Beitrag Sa., 10.02.2024, 00:24

Ich finde die Aussage an sich ja ganz schön: über jemanden seine Schutzflügel ausbreiten wollen.

Ich denke, das ist auch ein allgemein menschliches Bedürfnis, jemand anderen beschützen zu wollen, der wehrlos schlimmen Situationen ausgesetzt war und vielleicht hast du ihm ja auch manches von solchen Erlebnissen erzählt. Also ein allgemein menschliches Bedürfnis, das nicht nur Therapeuten "vorbehalten" ist.

Aber vielleicht siehst du auch unbewusst die Gefahr (und hast deshalb auch diesen post geschrieben), ihn auch aufgrund dieser Aussage als "Retter" zu sehen, der dich vor allem möglichen beschützen kann und wird und das ist natürlich unrealistisch weil er auch nur ein Mensch mit Schwächen ist (wie jeder andere auch) und die therapeutische Beziehung ja auch ihre Grenzen hat.
Und das Bild ist ja sogar auch ganz passend dafür, denn er hat eben nicht wirklich "Schutzflügel", weil er kein "geflügeltes Wesen' oder gar "Schutzengel" ist, sondern er kann eben nur im menschlichen und therapeutischen Rahmen was für dich tun (was dann auch hoffentlich so ist und sein wird).

Auch wenn ich das Bedürfnis verständlich finde, so einen Beschützer oder sogar "Retter" zu haben, besonders wenn einem sowas in der eigenen Geschichte gefehlt hat oder sogar Situationen da waren, in denen man einen Beschützer gebraucht hätte, aber keiner da war.

Ich glaube, ich hätte mich über seine Aussage gefreut, würde aber versuchen, mir immer noch ein Stück 'Nüchternheit' zu bewahren um nicht irgendwann doch wieder enttäuscht zu werden/zu sein.
Gehe so weit, wie du sehen kannst. Wenn du dort ankommst, wirst du sehen, wie es weitergeht.
(Autor unbekannt)
Wege entstehen, indem man sie geht. (Franz Kafka)
Glaub nicht alles was du denkst (Heinz Erhardt (?))

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I-aah
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Beitrag Sa., 10.02.2024, 09:07

Erst einmal möchte ich mich sehr für die vielen Antworten bedanken und jedem einzelnen dafür, dass er sich die Zeit genommen hat, zu lesen, versuchen zu verstehen und mir so ausführlich zu antworten!
Ich werde später versuchen, ausführlicher auf jede einzelne Antwort noch einzugehen und wünsche euch ein schönes Wochenende. DANKE!

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Shukria
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Beitrag Sa., 10.02.2024, 09:54

Ich persönlich finde die Aussage nicht schön.

Da steckt ja die Wahrnehmung drinne das du beschützt werden musst, bzw nach außen hin hilflos wirkst.

Ich fände da eine Aussage wie „Ich werde mit Ihnen dran arbeiten das sie selber gut für sich einstehen können“ Perspektivisch gesehen hilfreicher. Oder das zumindest als Ergänzung zu sagen.

Das eine ist Seine Wahrnehmung, das du zur Teit zerbrechlich wirkst sodass er das Gefühl hat dich beschützen zu wollen, weil du nach außen signalisierst das du das zur Zeit nicht kannst.

Seine Aufgabe sehe ich aber auch darin dir aufzuzeigen wie der Weg ist da raus zu kommen und eigene Stärke zu entwickeln, da nicht stehen zu bleiben.

Das fehlt mir in an der Aussage.

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Montana
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Beitrag Sa., 10.02.2024, 10:58

Shukria hat geschrieben: Sa., 10.02.2024, 09:54 Ich persönlich finde die Aussage nicht schön.

Da steckt ja die Wahrnehmung drinne das du beschützt werden musst, bzw nach außen hin hilflos wirkst.
Darüber habe ich auch lange nachgedacht und deshalb geschrieben, dass ich da auf 180 wäre. Genau aus dem Grund: ich bin alles andere als hilflos und möchte auch so wahrgenommen werden.

Aber das Gegenteil wäre auch echt ungünstig. Wenn ein Therapeut sich komplett raushält aus allem und niemals einen Finger rührt, immer nur in der Therapiestunde für Gespräche zur Verfügung steht. Es gibt so viele Möglichkeiten, warum man mal einen Brief braucht, eine Bescheinigung, oder dass der Therapeut mal mit einem Arzt redet. Und wenn es dazu keine Möglichkeit gibt, weil man aus Prinzip alles selber regeln soll, dann steht man im Regen. Nicht, weil man selber nicht genau das gleiche auch verbal ausdrücken könnte, sondern weil es in der Regel nicht zählt, wenn man es selber sagt. So einen Therapeuten hatte ich mal, der hätte einen GdB-Antrag nicht unterstützt indem er den vom Versorgungsamt geschickten Befundbericht ausfüllt. Man soll ja selber klarkommen. Nur, das Versorgungsamt wertet das dann als Aussage, dass es keine Einschränkungen gibt, die der Therapeut da reinschreiben könnte. Sonst würde er das ja tun.

Wenn also ein Therapeut signalisiert, dass er immer helfen wird, wenn man sowas braucht, dann werte ich das sehr positiv.

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wind of change
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Beitrag Sa., 10.02.2024, 11:37

Ich denke nur, der Therapeut hat sich bei dieser Aussage ein Stück weit selbst überschätzt wenn er das wirklich ernst meinte mit den "Schutzflügeln", weil dauerhaft beschützen kann er nicht.
Vielleicht wollte er aber auch nur seine Anteilnahme, Mitgefühl zeigen und hat ein Bedürfnis gesehen, beschützt zu werden.
Aber was bei dem einen "gut ankommt" muss nicht bei dem anderen so sein.
Ich wäre froh gewesen, wenn jemand einfach mal meine Not gesehen hätte und etwas Mitgefühl gezeigt hätte, die Aussage kann aber natürlich auch verstanden werden als "ich traue dir nichts zu, du kannst es nicht ....". Ebenso kann eine andere Aussage "Sie machen das schon" als allein gelassen werden und im Stich gelassen werden und nicht gesehen werden aufgefasst werden. An beidem kann was dran sein ..... so kann man sich missverstehen.

Dauerhaft hilfreich ist es natürlich nicht, allein deshalb schon weil so ja wieder eine neue Abhängigkeit zum "Beschützer" entstehen würde. Und wenn i-aaah diese Aussage ernst nehmen würde und sich wirklich voll und ganz darauf verlassen würde, jetzt einen Beschützer zu haben, find ich es auch gefährlich, für i-aaaah.
Hilfreicher wäre wirklich, wenn der Therapeut sie selbst langfristig stärken würde in ihren Selbstbehauptungsmöglichkeiten. Aber es muss ja auch nicht heissen, dass der Therapeut das auch nicht tut, nur weil er diesen Satz gesagt hat.
Gehe so weit, wie du sehen kannst. Wenn du dort ankommst, wirst du sehen, wie es weitergeht.
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