Therapie-Wiederaufnahme steht bevor

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Seli_
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Therapie-Wiederaufnahme steht bevor

Beitrag Mo., 12.02.2024, 18:40

Hey zusammen!

Nach einer 7-monatigen Pause wird sich im März meine Therapeutin aus der Elternzeit zurückmelden. Wie es dann nach einer 2,5-jährigen Therapie mit drei Stunden die Woche weitergeht, ist unklar.

Ich habe das Gefühl, dass ich - je näher der Tag rückt - immer wütender, ängstlicher und unberechenbarer werde. Vor wenigen Tagen noch war es eigentlich Vorfreude, die ich in Gedanken an ihre Rückkehr verspürt habe, jetzt habe ich langsam das Gefühl, wie verrückt um mich zu schlagen (verbal gegenüber engen Bezugspersonen und auch mit Selbsthass), meine gute Etikette und vor allem die Kontrolle über meine Gefühle zu verlieren. Es ist, als hätte ich verlernt, mich um mich selber zu kümmern.

Das alles erinnert mich an meine Kindheit, in der meine psychisch erkrankte Mutter immer wieder in der Klinik war und ich nicht wusste, wann und in welchem Zustand sie wiederkommt. Ich habe das Gefühl, mein Trauma wieder 1 zu 1 zu durchleben und keine Kontrolle mehr darüber zu haben.

Habt ihr Erfahrungen mit ähnlichen Situationen und glaubt ihr, es wäre sinnvoll, mich akut behandeln zu lassen, wenn es noch schlimmer wird? Der Schmerz fühlt sich oft nahezu unerträglich an und ich spiele nahezu täglich mit dem Gedanken, in eine Klinik zu gehen.

Viele Grüße und danke vorab.
Selina

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Sydney-b
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 19:54

In was für eine Klinik möchtest du denn gehen?

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lisbeth
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 19:56

Du hast ja selbst im Herbst geschrieben, dass völlig offen ist, wie es weiter geht. Fest steht nur, dass die Therapeutin sich im März melden wird.
Seli_ hat geschrieben: So., 15.10.2023, 15:26 Erstens haben wir mit der letzten Stunde nicht festgelegt, ob wir uns im März wiedersehen - sondern es offengelassen. Die Abmachung ist, dass sie mich anruft und wir dann weitersehen, ob sie überhaupt wieder einsteigt und ob (und wie) ich noch Bedarf habe.
Und dann ist da noch dieses Problem:
Seli_ hat geschrieben: So., 15.10.2023, 18:15 Ich habe noch circa 22 Stunden übrig
22 Stunden reichen nach einer langen, hochfrequenten Analyse mMn kaum für einen "anständigen" Abschied. Dass ihr nach der Pause nochmal inhaltlich richtig tief einsteigt und da anknüpft wo ihr aufgehört habt, halte ich für eher unwahrscheinlich. Habt ihr denn vor ihrer Elternzeit jemals darüber gesprochen, wie ihr den Abschied gestalten wollt, was mit den restlichen Stunden passieren soll?
Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40 Vor wenigen Tagen noch war es eigentlich Vorfreude, die ich in Gedanken an ihre Rückkehr verspürt habe, jetzt habe ich langsam das Gefühl, wie verrückt um mich zu schlagen
"Rückkehr" - machst du dir da nicht auch selbst was vor? Es steht noch gar nicht fest, *dass* sie jetzt sofort wieder arbeiten wird. Und selbst wenn, die Zeit die ihr noch (kassenfinanziert) miteinander habt ist relativ kurz. Vielleicht kommt deine innere Unruhe auch daher, dass du dir diese Situation ganz schön schöngeredet hast? Auch von "Therapie-Wiederaufnahme" die bevorsteht zu reden (wie in deinem Titel) kommt mir so vor, als ob du dir selbst versuchst, etwas einzureden, was noch gar nicht Fakt ist.

Wie hast du dir denn bisher über ihre Elternzeit geholfen? Dir ging es ja im Herbst schon nicht gut - hast du dir irgendwoanders Unterstützung geholt?
Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40 Ich habe das Gefühl, mein Trauma wieder 1 zu 1 zu durchleben und keine Kontrolle mehr darüber zu haben.
Was kannst du tun, um dich wieder mehr im Hier und Jetzt zu verorten, und dir innerlich (emotional) klar zu machen, dass heute eben anders als damals ist? Da müsstest du dir doch in 2,5 Jahren Strategien erarbeitet haben? Kannst du darauf zurück greifen?
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Philosophia
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:18

lisbeth hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 19:56 Da müsstest du dir doch in 2,5 Jahren Strategien erarbeitet haben?
Seid wann erarbeitet man in der Analyse Strategien? Also bei mir waren es eher Veränderungen im Innern und neue Handlungsimpulse, die daraus folgten.
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chrysokoll
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:19

Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40
Habt ihr Erfahrungen mit ähnlichen Situationen und glaubt ihr, es wäre sinnvoll, mich akut behandeln zu lassen, wenn es noch schlimmer wird? Der Schmerz fühlt sich oft nahezu unerträglich an und ich spiele nahezu täglich mit dem Gedanken, in eine Klinik zu gehen.
wenn es für dich überhaupt nicht mehr geht, ist Klinik natürlich eine Möglichkeit.
Aber was ist denn jetzt wirklich konkret?
Ist es sicher dass sich deine Therapeutin im März meldet? Was wenn nicht, was wenn sie die Elternzeit verlängert?

Und was hast du für dich in den vergangenen Monaten beschlossen? Willst und brauchst du weiter Therapie, ist noch eine Stundenverlängerung in der Analyse möglich? Denn ansonsten kann ja leider von Wiederaufnahme keine Rede sein.
22 Stunden in einer Analyse, erst recht bei drei Terminen pro Woche ist ja nur noch ein wenig Abschied.

Ich würde an deiner Stelle die Zeit jetzt intensiv nutzen und überlegen was DU brauchst und willst. Und nicht demütig warten ob und mit welchen Nachrichten sich die Therapeutin meldet.

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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:20

lisbeth hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 19:56 22 Stunden reichen nach einer langen, hochfrequenten Analyse mMn kaum für einen "anständigen" Abschied. Dass ihr nach der Pause nochmal inhaltlich richtig tief einsteigt und da anknüpft wo ihr aufgehört habt, halte ich für eher unwahrscheinlich. Habt ihr denn vor ihrer Elternzeit jemals darüber gesprochen, wie ihr den Abschied gestalten wollt, was mit den restlichen Stunden passieren soll?
Diese Fragen hab ich mir beim Lesen auch gestellt.
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:24

Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40 Das alles erinnert mich an meine Kindheit, in der meine psychisch erkrankte Mutter immer wieder in der Klinik war und ich nicht wusste, wann und in welchem Zustand sie wiederkommt. Ich habe das Gefühl, mein Trauma wieder 1 zu 1 zu durchleben und keine Kontrolle mehr darüber zu haben.
Ich kann das gut nachvollziehen - es ist gut, dass du weißt, wo das eigentliche Trauma herkommt, nämlich von deiner Mutter. Wenn das Gefühl bleibt, kannst du das mit deiner Therapeutin besprechen und vielleicht könnt ihr das dann noch bearbeiten.
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:29

Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40 Nach einer 7-monatigen Pause wird sich im März meine Therapeutin aus der Elternzeit zurückmelden. Wie es dann nach einer 2,5-jährigen Therapie mit drei Stunden die Woche weitergeht, ist unklar.
Habt ihr denn gar nicht darüber gesprochen, wie ihr die restlichen 22 Stunden nutzen wollt? Im Endeffekt waren doch jetzt die 7 Monate schon mal ein gutes Übungsfeld zum Alleinprobieren. Das war doch dann quasi schon ein Abschied auf Probe. Hat sie dazu gar nichts gesagt, wie ihr ihre Elternzeit gut in deinen Prozess (und ihr seid ja stundenmäßig eigentlich wirklich in der Ablösungsphase) gut intergrieren könnt?
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Beitrag Mo., 12.02.2024, 20:32

Seli_ hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 18:40 Habt ihr Erfahrungen mit ähnlichen Situationen und glaubt ihr, es wäre sinnvoll, mich akut behandeln zu lassen, wenn es noch schlimmer wird? Der Schmerz fühlt sich oft nahezu unerträglich an und ich spiele nahezu täglich mit dem Gedanken, in eine Klinik zu gehen.
Ich kenne unerträglichen Schmerz auch, schrecklich - warst du denn schon mal in der Klinik?
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lisbeth
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Beitrag Di., 13.02.2024, 09:33

Philosophia hat geschrieben: Mo., 12.02.2024, 20:18
Seid wann erarbeitet man in der Analyse Strategien? Also bei mir waren es eher Veränderungen im Innern und neue Handlungsimpulse, die daraus folgten.
Ja, aber mir scheint, dass in der Hinsicht in 2,5 Jahren Analyse nicht viel passiert ist bei Seli.
Da war viel Aufmerksamkeit und exklusive Zeit mit der Analytikerin in der hochfrequenten Analyse. Allein dadurch kann sich auch eine Menge stabilisieren im inneren System. Aber die Frage, ob das (die Therapierichtung ) so wirklich passt, ob Seli mit ihren Problemen weiterkommt, wurde anscheinend nicht gestellt. Genauso wie das Therapieende offensichtlich so gar nicht geplant und besprochen wurde und jetzt auf einmal - scheinbar überraschend - vor der Türe steht.

Und dann sind die Stunden auf einmal ausgeschöpft und man fragt sich, was nun? Die Probleme sind weiterhin da und ich komme mit mir und der Welt nicht zurecht, aber die Analytikerin hat an mir rund 30.000 Euro verdient, und wenn sich für mich nichts gebessert hat, ist es mein eigenes Problem, nicht das der Analytikerin?

Das ist ja das große Manko bei der Analyse, dass die Veränderung "von alleine" passieren soll und dass das für viele Menschen - gerade mit strukturellen Defiziten (mich selbst eingeschlossen) - der zweite oder sogar dritte Schritt vor dem ersten Schritt ist. Und viele Analytiker*innen das gar nicht bemerken oder mitdenken. Meine analytische Therapie wäre ohne die parallele Kunsttherapie, wo ich überhaupt erst gelernt habe mich emotional besser zu regulieren, grandios gescheitert. Oder sie wäre auf der Kopfebene weiter vor sich hingeplätschert und dann irgendwann versandet ohne viel zu bewirken.
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Beitrag Di., 13.02.2024, 09:51

Da muss ich dir schon wirklich mehr als Recht geben, lisbeth. Gerade, was die eigene Regulation angeht.
Und ja, ist schon wirklich mehr als erstaunlich, dass das Therapieende gar nicht fokussiert wurde. Meines Erachtens hätte das wirklich gut mit der längeren Unterbrechung verbunden werden können, wie ich oben schon sagte.
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Beitrag Di., 13.02.2024, 10:06

Ist das denn etwas, was in einer analytischen Therapie üblich ist? Mein Analytiker hat sich schlicht geweigert, mir Auskunft darüber zu geben, wie viele Stunden es noch waren, als ich so langsam nervös wurde und wusste, es können nicht mehr so wahnsinnig viele sein. Damals habe ich noch nicht penibel darüber Buch geführt, was ich inzwischen natürlich mache. Als es noch zehn Stunden waren, da hat der Analytiker sich dazu herabgelassen, mir das mitzuteilen. Thema war das Ende dann erst in den letzten 1 bis 2 Stunden.

Man kann das also vielleicht nicht der TE ankreiden, das baldige Therapieende zu ignorieren.

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Beitrag Di., 13.02.2024, 10:14

Montana hat geschrieben: Di., 13.02.2024, 10:06 Ist das denn etwas, was in einer analytischen Therapie üblich ist?
Nein - mir wurde das immer ganz genau gesagt. Wobei die Analytikerin mir mal sagte, sie kenne Kollegen, die eine dreistündige Analyse á 300 Stunden einfach bis zum Ende durchziehen, ohne überhaupt eine Abschiedphase einzubauen. Dann kommt einfach die letzte Stunde und dann ist Schluss. Ist doch irre!
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Beitrag Di., 13.02.2024, 10:15

Montana hat geschrieben: Di., 13.02.2024, 10:06 Man kann das also vielleicht nicht der TE ankreiden, das baldige Therapieende zu ignorieren.
Ich kreide das keinesfalls der TE an, sondern der Therapeutin.
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Beitrag Di., 13.02.2024, 10:17

auch ich führe exakt Buch über die Stunden, ich brauche das für mich, für meinen Überblick.
Aber meine Therapeutin würde mir auch jederzeit Auskunft geben. Momentan arbeiten wir mit den Stunden vom Fonds, danach wird nochmal eine normale Therapie beantragt. Ich brauche auch diesen Plan für mich.

Die TE kennt ja zumindest die ungefährte verbliebene Stundenzahl und das ist gerade für eine Analyse nicht viel.
Ich weiß natürlich nicht ob da jetzt schon das endgültige Kassenkontingenz ausgeschöpft ist oder ob es noch eine Verlängerungsmöglichkeit gibt

Ich kann mich da nur wiederholen und raten: Seli, was möchtest und brauchst du selbst?
Weitere Therapie? Wenn ja, wie könnte das für dich gehen. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten