therapeutische Beziehung zulassen

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dolphin188
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therapeutische Beziehung zulassen

Beitrag So., 26.05.2024, 21:25

Hallo,
ich war vor einigen Jahren hier schon mal aktiv. Wow, habe gerade nachgeschaut, vor 10 Jahren habe ich mich angemeldet und vor etwa 8 Jahren hab ich das Letzt mal etwas geschrieben. Danach habe ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder hier rein geschaut, war aber nicht aktiv.
Vor zehn Jahren begann ich eine Gesprächstherapie die auch über mehrere Jahre lief. Ich würde mal als mehr oder weniger erfolgreich bezeichnen. Wobei ich das nicht unbedingt der Therapeutin zuschreibe, dass es nicht mega erfolgreich war, sondern mir selbst. Aber ich denke, dass ich bei allem was ich in den letzten Jahren gemacht habe, Therapie, Selbsthilfe, Coaching immer irgendetwas mitgenommen und mich weiter entwickelt habe.
In der Zwischenzeit habe ich eine VT gemacht, weil ich dachte, dass mich die vielleicht weiter bringt. Aber das war nicht wirklich der Fall. Diese Therapeutin hat mir zu viel von sich als sie Oberärztin war und vergleiche zu anderen Klienten gesprochen.
Nun mache ich seit Dezember eine PT/PA auf Selbstzahler Basis. Wöchentlich. Ich merke, was die anderen Dinge die ich bisher gemacht habe bewirkt haben. Mir fällt das reden deutlich leichter. Ich sage auch etwas wenn ich nicht verstehe wo sie gerade hin will oder was sie meint. Also ich meine ich frage dann nach. Was ich sonst nicht so geschafft habe. Ich glaube, hier könnte ich wirklich dem Ziel mal einen großen Schritt näher kommen.
Das aber alles nur vorneweg um mich bzw meinen Weg ein bisschen verständlich zu machen.
Nun kam mir irgendwann der Gedanke, dass Corona mir etwas weggenommen hat, was ich jetzt gerne hätte.
Also es ist so, ich reagiere sehr stark darauf, wie jemand die Hand gibt oder einen Umarmt. Ist es so locker, wabbelig, nicht wollend oder Kraftvoll und mit Herz. Versteht ihr was ich meine? Ich weiß noch, bei meiner Thera vor 10 Jahren, sie hatte einen total festen Händedruck und ich hatte immer das Gefühl sie würde mich ins Haus "ziehen". Willkommen heißen. Nun ist mir das eingefallen, dass man sich durch Corona ja fast nicht mehr die Hand gibt. Und irgendwie fühlt es sich an als fehle da etwas. Weil ich gar nicht weiß wie sie sich anfühlt. Das klingt nun irgendwie, hmmm komisch wenn ich das so schreibe. Sagen will ich es ihr dann aber doch auch nicht, weil dann muss ich, wenn sie mir die Hand geben sollte, bestimmt immer daran denken, dass sie es nur tut, weil ich es möchte und nicht aus freiem Willen. Ihre Art mich Willkommen zu heißen ist, dass sie mir einen Tee kocht. Das war ich in den letzten beiden Therapien auch nicht gewohnt. Bei der erste gab es nix zu trinken und ich hatte immer meine eigene Flasche dabei (und ich würde nie nach so etwas fragen) und bei der letzten war Corona, da gab es das eh nicht.
Nun hab ich mich beim letzten mal gefragt, ob ich langsam angekommen bin. Ich bin eigentlich eher schüchtern und sehr zurückhaltend. Muss mich schon sehr wohl und sicher fühlen, wenn ich mal einen unüberlegten, flapsigen Satz sage. Nun war es so, dass wir über mein Problem mit meinem Zahnstatus gesprochen haben und meine Zahnarzt Angst und alles was dazu gehört. Für mich war die Maskenzeit nicht unrecht, denn da konnte ich meinen Mund dahinter verstecken. Da sagte sie, dass ihr nicht aufgefallen ist, dass mir im hinteren oberen Kiefer Zähne fehlen. Und das sie mir das als Feedback geben wolle. Da ist mir dann grinsend heraus gerutscht, dass es vielleicht nicht das beste Feedback ist, denn dann bräuchte ich ja nichts machen zu lassen. Es ist nicht so, dass ich mir Gedanken mache, dass es falsch war. nein ich war eher erstaunt über mich selbst. Da mir meine Therapeutin vor 10 Jahren sagte, dass ich mich nicht auf die Therapie einlassen kann, frage ich mich jetzt halt, ob ich jetzt dabei bin mich auf eine therapeutische Beziehung einzulassen. Ich habe keine Ahnung wie sich das anfühlen könnte.
Beim durch schauen der unterschiedlichen Posts hier, hat es mich sehr beruhigt, als ich den Threed zum Foto des Therapeuten gelesen habe. Meine Therapeutin hat ein Foto auf ihrer Homepage und jetzt habe ich mich auch getraut es mir runter zu laden und es als Bild zu ihrem Kontakt gespeichert. Komme mir nun nicht mehr ganz so abnormal vor, weil ich danach geschaut habe.
Vielen Danke fürs lesen, ich freue mich über einen Austausch mit euch.
Gute Nacht dolphin188
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Snoopy151
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Beitrag So., 26.05.2024, 21:53

Ich habe noch nicht so viel Therapieerfahrung (seit knapp 1 Jahre jetzt in Therapie), aber für mich wären wichtige Kriterien, mich auf die therapeutische Beziehung einzulassen, dass ich mich traue, auch die Gedanken auszusprechen, die mir total doof vorkommen, dass ich mir weniger Gedanken mache, was sie über mich denkt (dazu erinnere ich mich immer wieder dran, dass sie im besten Fall gar nichts Wertendes über mich denkt, sondern auf professioneller Ebene mit mir arbeitet) und dass ich auch mal widerspreche oder eben einen flapsigen Satz raushaue.

Zu dem Thema "Hand geben" - das macht meine Therapeutin auch nicht (Corona-Überbleibsel, denke ich), aber ich finde es nicht schlimm - irgendwie etablieren sich andere Routinen zum Beginn. Danach fragen würde ich nicht, das käme mir auch komisch vor. Dass Deine Therapeutin Tee kocht, finde ich ungewöhnlich, aber total nett und hat doch etwas sehr einladendes und Willkommen-heißendes!

Ein Foto meiner Therapeutin habe ich auch gespeichert und schaue es bei Bedarf immer mal an - es hilft mir manchmal, mich zu sortieren, wenn ich an einem Gedanken brüte. ich habe immer schon Schwierigkeiten, Gesichter von Menschen, die mir wichtig sind, spontan abrufen zu können, da ist ein Foto hilfreich. Ich glaube also nicht, dass Du damit irgendwie unnormal bist, sondern so wird es vielen gehen!

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Beitrag Mo., 27.05.2024, 19:16

dolphin188 hat geschrieben: So., 26.05.2024, 21:25 . Da mir meine Therapeutin vor 10 Jahren sagte, dass ich mich nicht auf die Therapie einlassen kann, frage ich mich jetzt halt, ob ich jetzt dabei bin mich auf eine therapeutische Beziehung einzulassen. Ich habe keine Ahnung wie sich das anfühlen könnte.
Also erst mal ich persönlich lasse mich - wenn überhaupt - nur auf Beziehungen ein, wenn ich das Gefühl habe, es könnte "für immer" sein. Deshalb finde ich es erst mal grundsätzlich Quatsch - aus meiner persönlichen Sicht, sich das wirklich zu sehr auf eine therapeutische Beziehung einzulassen.
Wahrscheinlich sind da viele anderer Meinung, aber das ist meine.
Ich möchte jederzeit eine Distanz haben.

Letztendlich ist ja das Ziel, dass man am Ende der Therapie zu 100% auf sich allein gestellt klar kommt. Dieses Ziel behalte ich im Hinterkopf. Wenn mir eine Therapeutin was bringt, also wenn ich sehr oft denke "So habe ich das noch nicht gesehen. Wow, neue Perspektive". Wenn ich in der Therapie etwas konkretes erarbeiten kann, was mich im Alltag weiterbringt, dann hilft es mir zum Beispiel.
Therapie ist auch ein wertfreier Übungsraum in dem man sich dann mal eher traut Sachen auszuprobieren. Wenn man intelligente, wertfreie, empathisdhe Therapeuten hat, reicht das doch völlig. Und wenn man das anehmen kann, was in der Therapie als Input kommt und dort weiterkommt. Das reicht mir. Das ist ja einlassen auf eine Therapie.

Hatte auch schon Therapeuten, wo es einfach nicht gepasst hat, weil die mir z. B. einfach nur ihr Lehrbuchinhalt auswendig herunter gebetet haben. Das war mir zu stumpf.
Also wenn mich eine Therapie nicht weitergebracht hat, dann frage ich mich warum und was man ändern kann.

Habe auch schon gehört, dass ich mich nicht auf eine Therapue einlassen kann. Ja, das hat aber einen Grund. Und der kann in mir, in der Therapeutin, in der Vergangen etc.pp. usw. liegen.

Ehrlich gesagt, einfach als Therapeutin zu sagen, sie können sich nicht einlassen, finde ich auch schon wieder bescheuert.
Besser wäre als Therapeutin zufragen: Was hindert sie sich auf die Therapie einzulassen? Bemerken Sie, dass sie sich nicht einlassen können? Was können Sie tun? Was kann ich tun? Etc. Pp. Einfach um die Selbstrefelxion des Patienten zu fördern.
Einlassen auf Therpaie oder sonst was entsteht ja nicht einfsch so.

Glaube, wenn man sich auf Handgeben etc. pp. konzentriert, hat man noch nicht ganz ehrlich geschaut, woran es WIRKLICH im Kern liegt. Daran wird es garantiert nicht (nur) liegen.

Leider ist es so, dass sich viele scheinbar echte Kontakte, Beziehung wünschen, aber immer in so einer komischen Anhängikeit zu Therapeuten bleiben, wirklich viel zu lange und niemals die Schritte gehen, die eigentlich notwendig wäre in der Realität.
Ich finde Ziel sollte sein, echte Beziehungen in der Realität aufzubaunen und nicht zu der Therapeutin in erster Linie.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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dolphin188
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Beitrag Mi., 29.05.2024, 21:00

Snoopy151 hat geschrieben: So., 26.05.2024, 21:53 Ich habe noch nicht so viel Therapieerfahrung (seit knapp 1 Jahre jetzt in Therapie), aber für mich wären wichtige Kriterien, mich auf die therapeutische Beziehung einzulassen, dass ich mich traue, auch die Gedanken auszusprechen, die mir total doof vorkommen, dass ich mir weniger Gedanken mache, was sie über mich denkt (dazu erinnere ich mich immer wieder dran, dass sie im besten Fall gar nichts Wertendes über mich denkt, sondern auf professioneller Ebene mit mir arbeitet) und dass ich auch mal widerspreche oder eben einen flapsigen Satz raushaue.
Ich brauche generell sehr lange bis ich mich auf einen Menschen einlassen kann, agieren oder Sprechen kann ohne nachzudenken ob ich das wirklich aussprechen kann und oft funktioniert das auch gar nicht. Nicht mal bei den mir am nähesten stehenden. Mit ein Grund, weswegen ich Therapie mache.
Deswegen war ich im nachhinein über mich selbst erstaunt, dass eine flapsige Reaktion aus mir raus kam.
Snoopy151 hat geschrieben: So., 26.05.2024, 21:53 Zu dem Thema "Hand geben" - das macht meine Therapeutin auch nicht (Corona-Überbleibsel, denke ich), aber ich finde es nicht schlimm - irgendwie etablieren sich andere Routinen zum Beginn. Danach fragen würde ich nicht, das käme mir auch komisch vor. Dass Deine Therapeutin Tee kocht, finde ich ungewöhnlich, aber total nett und hat doch etwas sehr einladendes und Willkommen-heißendes!
Ja, das sehe ich genauso. ich empfinde es auch als sehr nett und wohlwollend.
Snoopy151 hat geschrieben: So., 26.05.2024, 21:53 Ein Foto meiner Therapeutin habe ich auch gespeichert und schaue es bei Bedarf immer mal an - es hilft mir manchmal, mich zu sortieren, wenn ich an einem Gedanken brüte. ich habe immer schon Schwierigkeiten, Gesichter von Menschen, die mir wichtig sind, spontan abrufen zu können, da ist ein Foto hilfreich. Ich glaube also nicht, dass Du damit irgendwie unnormal bist, sondern so wird es vielen gehen!
Es tut einfach gut, wenn man hier im Forum dinge ließt, für die man sich selbst als bekloppt beschimpft und dann sieht man, dass es anderen genauso oder ähnlich geht.
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Beitrag Mi., 29.05.2024, 21:47

~~~ hat geschrieben: Mo., 27.05.2024, 19:16 Also erst mal ich persönlich lasse mich - wenn überhaupt - nur auf Beziehungen ein, wenn ich das Gefühl habe, es könnte "für immer" sein. Deshalb finde ich es erst mal grundsätzlich Quatsch - aus meiner persönlichen Sicht, sich das wirklich zu sehr auf eine therapeutische Beziehung einzulassen.
Wahrscheinlich sind da viele anderer Meinung, aber das ist meine.
Ich möchte jederzeit eine Distanz haben.
Ich glaube wir haben hier unterschiedliche Ansichten von Beziehung oder ich habe mich einfach falsch ausgedrückt.
Für mich gibt es viele unterschiedliche Arten von Beziehung im Leben. Die mal kürzer mal länger sind. Für mich ist Beziehung nicht nur Partnerschaft, Familie oder Freundschaft. Ich habe Arbeitsbeziehungen oder halt auch eine Art von Beziehung zu meinem Arzt oder meiner Therapeutin. Weil wir Gemeinsamkeiten haben, ein gemeinsames Ziel haben oder ähnliches und da gibt es einige Beziehungen, bei denen für mich von Anfang an klar ist, dass sie für eine bestimmte Zeit bestehen.
Zum Thema Distanz finde ich auch dass es unterschiede gibt. Aber auch Distanz in einer Beziehung, einem Miteinander.
Zu meiner Therapeutin brauche ich beides. In Beziehung gehen, aber genauso die Distanz. Sie ist nicht meine Freundin oder Partnerin. Aber sie ist eine Person die mich eine Zeit begleitet, unterstützt.

~~~ hat geschrieben: Mo., 27.05.2024, 19:16 Habe auch schon gehört, dass ich mich nicht auf eine Therapue einlassen kann. Ja, das hat aber einen Grund. Und der kann in mir, in der Therapeutin, in der Vergangen etc.pp. usw. liegen.
Ehrlich gesagt, einfach als Therapeutin zu sagen, sie können sich nicht einlassen, finde ich auch schon wieder bescheuert.
Ja, genauso erging es mir auch. Durch diese Aussage wurde ich noch mehr verunsichert. Da ich nun mal Probleme habe etwas auszusprechen. Genau das hatte ich beim Kennenlernen auch thematisiert, dass das ein Problem ist an dem ich arbeiten möchte. Mein Gedanke, meine Erwartung war da dann halt, dass sie mich dabei unterstützt.

~~~ hat geschrieben: Mo., 27.05.2024, 19:16 Glaube, wenn man sich auf Handgeben etc. pp. konzentriert, hat man noch nicht ganz ehrlich geschaut, woran es WIRKLICH im Kern liegt. Daran wird es garantiert nicht (nur) liegen.
Nein, natürlich konzentriere ich mich nicht darauf. Es ist nur etwas, was mir immer wieder auffällt, wie unterschiedlich es sich anfühlen kann und was es mit mir macht. Mir wurde es auch schon mehrfach gespiegelt wie das bei mir ist. z.b. ein Coach im beruflichen Umfeld sagte mir mal, dass sie so wie sie mich kennengelernt und wahrgenommen hat, nicht damit gerechnet hat, dass ich diesen festen Handschlag habe.

~~~ hat geschrieben: Mo., 27.05.2024, 19:16 Leider ist es so, dass sich viele scheinbar echte Kontakte, Beziehung wünschen, aber immer in so einer komischen Anhängikeit zu Therapeuten bleiben, wirklich viel zu lange und niemals die Schritte gehen, die eigentlich notwendig wäre in der Realität.
Genau das war auch gestern ein Thema. Das sie sagte, sie wünsche mir, dass ich dahin komme Kontakte im außen aufzubauen und zu halten. Und das sie mich vorübergehend auf diesem Weg begleitet.
Verbringe Deine Zeit mit Menschen, die dich Glücklich machen. Nicht mit denen, die du beeindrucken musst damit sie bleiben.
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