Psychoanalyse wird ungemütlich

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Major_Tom18
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Psychoanalyse wird ungemütlich

Beitrag Mo., 16.03.2026, 22:29

Ich gehe seit Jahren zu einem alten Opa, der sicher eine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychoanalyse ist, mit vielen wohlklingenden Titeln und Ämtern in diversen Institutionen. Die Analyse hat mir zu viel Selbstvertrauen verholfen. Aber im letzten Jahr bemerkte ich eine zunehmende Aggression gegen das Alphatier ... OK, gegen meinen Therapeuten.

Als er heute meinte, wir müssten die geplante, berufliche Veränderung mal in der Therapie besprechen, reagierte ich etwas ungeschickt darauf, indem ich lachte und meine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, dass er seine Meinung, ja, sich als Therapeut, für entscheidungsrelevant zu halten scheint. Das deutete er so, dass er bei mir eine deutliche Aggression ihm Gegenüber wahrnehme. Diese Deutung provozierte mich noch zusätzlich. Er ist doch dafür da, dass ich, hoffentlich für meine Entwicklung hilfreiche, Einsichten gewinne. Die aufziehende Gewitterfront in unserer Beziehung nehme ich selbst jedoch schon lange wahr, also fühlte sich die Deutung banal an.

Und jetzt fühle ich mich irgendwie schlecht, eigentlich schuldig, weil ich nicht gerade freundlich war. Er hat mir natürlich nichts vorgehalten, keinen Vorwurf gemacht, leider. Damit hätte ich besser umgehen können als mit dem Gefühl, einen mir wohlgesinnten Menschen gegenüber ausfallend geworden zu sein, und dadurch genau dieses Wohlwollen aufs Spiel gesetzt zu haben.

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freeway
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Beitrag Di., 17.03.2026, 07:43

Vielleicht kannst du das "Wohlwollen" durch "Professionalität" ersetzen, und dabei ob er die hat oder nicht, bist du nicht entscheidungsrelevant, die liegt nicht auf dem Spielfeld, so kannst du sie auch nicht setzen. Schön so etwas hier zu lesen :)

Mit etwas sacken lassen kommst du sicher selbst darauf, was du tun/sagen kannst, damit es dir wieder etwas gemütlicher wird. Ihm scheint es ja ausreichend gemütlich zu sein, ist also deine Aufgabe, viel Glück dabei.
"Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein." Jiddu Krishnamurti


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Major_Tom18
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Beitrag Di., 17.03.2026, 12:27

Jemanden zu mögen ist etwas, das man nicht professionell vorschreiben kann. Dabei kann der äußere Rahmen natürlich trotzdem professionell eingehalten werden.

Ich will die Therapie beenden, weil sie aus meiner Sicht abgeschlossen ist. Ich will ihn aber dabei nicht verlieren, weil er mich aus Sympathiegründen loswerden will. Versteht man vielleicht nicht.

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freeway
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Beitrag Di., 17.03.2026, 13:21

Er wird ganz sicher mit sämtlichen Facetten von Verhaltensweisen, die mit so einem Entschluss einhergehen können, vertraut sein.
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MerleX
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Beitrag Di., 17.03.2026, 19:24

Wenn du gerade dabei bist, deine Therapie zu beenden und sie bisher ein wichtiger Teil deines Lebens und auch des Alltags war, dann ist die Aggression vielleicht einfach nötig im Moment, um das Ende tatsächlich einzuläuten.

Die Aggression, die in dir zunimmt, kannst du dazu nutzen, um dich zu lösen. Das heißt ja nicht, dass man sie am Therapeuten auslassen soll. Wenn du da übers Ziel hinausgeschossen bist, dann würde ich es das nächste Mal thematisieren, mich gegebenenfalls entschuldigen und ganz einfach darüber sprechen, welche widerstreitenden Gefühle gerade in dir sind. Genau das ist doch Therapie.

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