Hallo,
Ich freue mich, ein derartiges Forum gefunden zu haben und werde mich gerne an Diskussionen beteiligen wenn es mir ein wenig besser geht. Aktuell bin ich ein bisschen erschöpft und verwirrt, nachdem ich mein Seelenleben und meine Probleme in einer längeren Geschichte verarbeitet habe.
Ich würde mich freuen, wenn sie jemand lesen möchte und mir seine Gedanken und Meinungen dazu mitteilen möchte.
Sie ist ein wenig länger geworden. Aber jeder der interessiert ist, hat natürlich alle Zeit der Welt zum lesen und nachdenken darüber. Ich werde zuerst die ersten vier Teile veröffentlichen. Bis dahin sind die schlimmsten und für mich belastendsten Dinge ausgesprochen.
Danach kann man ja sehen, ob jemand den Rest überhaupt lesen möchte.
Vorab: Es gibt nur kleine Details, die nicht der Realität entsprechen. Ich bin 43, Krankenpfleger, verheiratet und Vater von drei Kindern (7, 4 und 2 Jahre alt). Das jüngste Kind hat einen leichten Gendefekt, der immer wieder Krankenhausaufenthalte notwendig macht.
Ansonsten entspricht die Geschichte ziemlich genau meinem Wesen.
Alle der beschriebenen Emotionen kenne ich aus persönlicher und beruflicher Erfahrug.
Ich bin sehr stark wie die darin beschriebene Julia, aber auch ein wenig von Jarek steckt in mir. Mit einer Ausnahme: Ich trinke niemals so viel und würde auch nie betrunken Auto fahren. Das war eine literarische Freiheit.
Dafür besteht das beschriebene Verhalten von Julia bei mir auch in der Realität genau so. Es ist mir sehr peinlich. Deshalb habe ich auch die literarische Form gewählt um darüber zu schreiben.
Bitte entschuldigen sie, dass ich nicht mehr Worte dafür habe. Es war in literarischer Form einfacher zu beschreiben. Dieses Verhalten besteht nicht permanent und ich bin auch selbst bereits am aufarbeiten. Aber es ist alles noch sehr schwer für mich.
Hier ist die Geschichte. Wie gesagt, mit Ausnahme der schon angemerkten Details ist alles auch in der Realität so bei mir präsent.
Wer wir sind und wer wir waren
1. Julia
Hamburg war nachts einfacher.
Nicht schöner. Nur stiller.
Wenn die letzten Menschen aus den U-Bahnen gestiegen waren und die Büros dunkel wurden, wenn vor den Bäckereien die ersten Lieferwagen hielten und auf den großen Straßen nur noch Taxis, Busse und gelegentlich ein Rettungswagen unterwegs waren, schien die Stadt für ein paar Stunden nichts von ihren Bewohnern zu verlangen.
Niemand musste irgendwohin.
Oder glücklich sein.
Niemand musste erzählen.
Julia mochte diese Stunden, wenn die Stadt nichts von ihr bemerkte.
Nach einer Nachtschicht fuhr sie manchmal über Umwege nach Hause. Sie war müde. Wusste, dass sie schlafen sollte. Trotzdem nahm sie nicht den kürzesten Weg.
Sie fuhr an der Alster entlang.
Das Wasser lag schwarz zwischen den Lichtern. Auf den Gehwegen standen vereinzelte Menschen, die schnell gingen, irgendwohin. Julia beobachtete sie aus dem Wagen.
Diese Menschen gingen zu jemandem.
Das war meistens ihre Vermutung.
Zu einer Wohnung, in der jemand wartete.
Einem Bett, in dem schon jemand lag.
Neben einem Telefon, auf dem Nachrichten waren.
Sie hatte auch ein Telefon.
Aber selten Nachrichten.
Wenn es vibrierte, war es meistens die Arbeit.
Dienstplan.
Änderung.
Rückfrage.
Kollege.
Sie hatte keine ungelesenen Nachrichten von jemandem, der wissen wollte, wie es ihr ging.
Julia war siebenundzwanzig.
Sie war Rettungssanitäterin und darin war sie gut.
Das musste niemand sagen, es war einfach eine Tatsache.
Sie konnte ruhig bleiben. Entscheidungen treffen.
Nicht laut. Nicht befehlend.
Eine Stimme, die einen Raum nicht beherrschen musste, weil Menschen ihr trotzdem zuhörten.
Bei einem Kind ging sie in die Hocke.
Bei alten Menschen setzte sie sich manchmal neben das Bett.
Sie wusste, dass Menschen nach einem Schock manchmal nicht hören konnten, was man sagte, wenn man zu schnell sprach.
Ihre Kollegen mochten sie.
Timo, der schon seit Jahren mit ihr fuhr, sagte einmal:
„Du wärst eine gute Lehrerin geworden.“
Julia hatte gelacht.
„Ich kann keine Kinder erziehen.“
„Du kannst sie beruhigen.“
„Das ist etwas anderes.“
„Vielleicht.“
Dann hatte er den Funk gehört und die Sache war vergessen.
Julia war dankbar dafür.
Sie mochte es, wenn Dinge über sie vergessen wurden.
Regression und Fluchtverhalten (Mit längerer Geschichte)
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

, 43 - Beiträge: 5
Regression und Fluchtverhalten (Mit längerer Geschichte)
Zuletzt geändert von Paracelsus2112 am Do., 27.08.2026, 20:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

, 43 - Beiträge: 5
2 Teil:
Ihre Wohnung lag in Eimsbüttel, im dritten Stock eines Altbaus.
Ein Zimmer, Küche, Bad.
Das Bett stand an der Wand gegenüber dem Fenster. Daneben ein kleiner Nachttisch. Am Fußende stand das Sofa.
Der Fernseher war nicht groß.
Sie brauchte keinen großen.
Daneben stand die Spielekonsole.
Darunter die Controller.
Alles hatte seinen Platz.
Auf einem Regal standen Spiele:
Final Fantasy.
Kingdom Hearts.
The Legend of Zelda.
Skyrim.
Oblivion.
Daneben Filme.
Der Herr der Ringe.
Willow.
Einige ältere Disney-Filme.
Und ganz vorne Laurel und Hardy.
Alte Donald-Duck-DVDs.
Auf dem Sofa lagen zwei Decken.
Die graue war unauffällig, die andere hellblau und sehr weich.
Julia hatte sie vor Jahren gekauft, weil sie sich beim Anfassen irgendwie richtig angefühlt hatte.
Neben dem Fernseher standen zwei Kuscheltiere.
Ein kleiner brauner Bär mit schief angenähten Ohr und ein Stoffhase.
Beide waren vermutlich älter als ihre Wohnung.
Wenn Besuch kam, räumte Julia die Tiere in den Schrank.
Es kam selten jemand.
Der Schrank blieb deshalb meistens zu.
Nach jeder Schicht ging Julia nach Hause und schloss die Tür hinter sich.
Blieb lange im Flur stehen und lauschte.
Nichts. Das war gut. Stille beruhigte.
Dann zog sie die Schuhe aus, stellte sie nebeneinander.
Die Tasche kam an ihren Platz und ihre Uniform wurde ordentlich aufgehängt.
Danach fühlte sich die Wohnung richtig an.
Es gab Tage, an denen sie kaum sprach.
Dann setzte sie sich auf das Sofa und schaltete die Konsole ein.
Oft besuchte sie die bunten Märchenwelten in Zelda und Kingdom Hearts.
Wenn sie sich besonders leer fühlte, spielte sie Oblivion.
Sie mochte die Welten, die sich grenzenlos anfühlten.
Man konnte sich verirren und hatte trotzdem Rücksetzpunkte.
Wenn man starb, lud man den Spielstand neu.
Die Aufgaben waren übersichtlich.
Wenn sie in Skyrim durch die Berge lief, war sie nicht mehr Julia.
Niemand kannte sie.
Keiner fragte, warum sie so still war.
Alles funktionierte nach ihren eigenen Regeln.
Sie war Magierin, Kriegerin oder Diebin.
Dann konnte sie in eine Stadt gehen und wieder verschwinden.
Das gefiel ihr.
Bei Kingdom Hearts sprach sie manchmal mit.
Ganz leise.
„Komm.“
Oder:
„Nein, da.“
Oder:
„Lauf.“
Es war nichts, was sie bewusst tat.
Manchmal merkte sie es und wurde still.
Sie wusste, dass sie erwachsen war.
Eine siebenundzwanzigjährige Frau sollte nicht auf dem Sofa sitzen und mit einer Spielfigur reden.
Trotzdem tat sie es.
Oft brauchte sie die Gesellschaft von Laurel & Hardy.
Sie wusste nicht mehr, wer ihr die Filme gezeigt hatte.
Vielleicht ihre Mutter. Nicht Papa. Nein, der nicht.
Wahrscheinlich hatte sie sie selbst im Fernsehen entdeckt, als ihr Vater mit sich selbst beschäftigt gewesen war.
Er trank.
Nicht so, dass er sie schlug.
Das hatte er nie getan.
Nicht einmal.
Er war nie der Mann gewesen, vor dem sie davonlaufen musste. Weil er ohnehin nicht da war, selbst wenn er im selben Raum saß.
Der versprach, am Samstag mit ihr in den Tierpark zu gehen, und am Nachmittag noch schlief.
Jemand, der am Küchentisch saß und mit glasigem Blick Led Zeppelin Songs summte.
Dessen Gesicht sich zu einer Fratze verzerrte, wenn er getrunken hatte.
Er war immer freundlich.
Das machte es viel schlimmer.
Er hatte sie lieb.
Sie wollte das immer noch glauben.
Aber Liebe und Sicherheit waren nicht dasselbe.
Wenn ihr Vater getrunken hatte, war die Welt nicht gefährlich.
Aber unberechenbar.
Manchmal schlief er. Tanzte und fiel. Oder schnitt sich mit dem Messer, wenn sie ein Butterbrot wollte.
Julia hatte früh gelernt, dass man einen Erwachsenen nicht stören sollte, wenn er in seinem eigenen Kopf beschäftigt war.
Sie hatte sich zurückgezogen.
Und dann war sie mit ihrer Mutter weggezogen.
Papa war nur noch ein Schatten.
Donald Duck war damals einer ihrer Lieblingsfilme.
Die Welt darin war laut.
Aber die Lautstärke hatte nichts mit Gefahr zu tun.
Donald war wütend und fünf Minuten später war alles wieder in Ordnung.
Ihre Mutter war auch laut und wütend. Besonders, wenn ihr Vater anrief. Deswegen tat er es irgendwann nicht mehr.
Und Julia hatte nur gewusst, dass sie diese Filme sehen wollte, immer wieder.
Ihre Wohnung lag in Eimsbüttel, im dritten Stock eines Altbaus.
Ein Zimmer, Küche, Bad.
Das Bett stand an der Wand gegenüber dem Fenster. Daneben ein kleiner Nachttisch. Am Fußende stand das Sofa.
Der Fernseher war nicht groß.
Sie brauchte keinen großen.
Daneben stand die Spielekonsole.
Darunter die Controller.
Alles hatte seinen Platz.
Auf einem Regal standen Spiele:
Final Fantasy.
Kingdom Hearts.
The Legend of Zelda.
Skyrim.
Oblivion.
Daneben Filme.
Der Herr der Ringe.
Willow.
Einige ältere Disney-Filme.
Und ganz vorne Laurel und Hardy.
Alte Donald-Duck-DVDs.
Auf dem Sofa lagen zwei Decken.
Die graue war unauffällig, die andere hellblau und sehr weich.
Julia hatte sie vor Jahren gekauft, weil sie sich beim Anfassen irgendwie richtig angefühlt hatte.
Neben dem Fernseher standen zwei Kuscheltiere.
Ein kleiner brauner Bär mit schief angenähten Ohr und ein Stoffhase.
Beide waren vermutlich älter als ihre Wohnung.
Wenn Besuch kam, räumte Julia die Tiere in den Schrank.
Es kam selten jemand.
Der Schrank blieb deshalb meistens zu.
Nach jeder Schicht ging Julia nach Hause und schloss die Tür hinter sich.
Blieb lange im Flur stehen und lauschte.
Nichts. Das war gut. Stille beruhigte.
Dann zog sie die Schuhe aus, stellte sie nebeneinander.
Die Tasche kam an ihren Platz und ihre Uniform wurde ordentlich aufgehängt.
Danach fühlte sich die Wohnung richtig an.
Es gab Tage, an denen sie kaum sprach.
Dann setzte sie sich auf das Sofa und schaltete die Konsole ein.
Oft besuchte sie die bunten Märchenwelten in Zelda und Kingdom Hearts.
Wenn sie sich besonders leer fühlte, spielte sie Oblivion.
Sie mochte die Welten, die sich grenzenlos anfühlten.
Man konnte sich verirren und hatte trotzdem Rücksetzpunkte.
Wenn man starb, lud man den Spielstand neu.
Die Aufgaben waren übersichtlich.
Wenn sie in Skyrim durch die Berge lief, war sie nicht mehr Julia.
Niemand kannte sie.
Keiner fragte, warum sie so still war.
Alles funktionierte nach ihren eigenen Regeln.
Sie war Magierin, Kriegerin oder Diebin.
Dann konnte sie in eine Stadt gehen und wieder verschwinden.
Das gefiel ihr.
Bei Kingdom Hearts sprach sie manchmal mit.
Ganz leise.
„Komm.“
Oder:
„Nein, da.“
Oder:
„Lauf.“
Es war nichts, was sie bewusst tat.
Manchmal merkte sie es und wurde still.
Sie wusste, dass sie erwachsen war.
Eine siebenundzwanzigjährige Frau sollte nicht auf dem Sofa sitzen und mit einer Spielfigur reden.
Trotzdem tat sie es.
Oft brauchte sie die Gesellschaft von Laurel & Hardy.
Sie wusste nicht mehr, wer ihr die Filme gezeigt hatte.
Vielleicht ihre Mutter. Nicht Papa. Nein, der nicht.
Wahrscheinlich hatte sie sie selbst im Fernsehen entdeckt, als ihr Vater mit sich selbst beschäftigt gewesen war.
Er trank.
Nicht so, dass er sie schlug.
Das hatte er nie getan.
Nicht einmal.
Er war nie der Mann gewesen, vor dem sie davonlaufen musste. Weil er ohnehin nicht da war, selbst wenn er im selben Raum saß.
Der versprach, am Samstag mit ihr in den Tierpark zu gehen, und am Nachmittag noch schlief.
Jemand, der am Küchentisch saß und mit glasigem Blick Led Zeppelin Songs summte.
Dessen Gesicht sich zu einer Fratze verzerrte, wenn er getrunken hatte.
Er war immer freundlich.
Das machte es viel schlimmer.
Er hatte sie lieb.
Sie wollte das immer noch glauben.
Aber Liebe und Sicherheit waren nicht dasselbe.
Wenn ihr Vater getrunken hatte, war die Welt nicht gefährlich.
Aber unberechenbar.
Manchmal schlief er. Tanzte und fiel. Oder schnitt sich mit dem Messer, wenn sie ein Butterbrot wollte.
Julia hatte früh gelernt, dass man einen Erwachsenen nicht stören sollte, wenn er in seinem eigenen Kopf beschäftigt war.
Sie hatte sich zurückgezogen.
Und dann war sie mit ihrer Mutter weggezogen.
Papa war nur noch ein Schatten.
Donald Duck war damals einer ihrer Lieblingsfilme.
Die Welt darin war laut.
Aber die Lautstärke hatte nichts mit Gefahr zu tun.
Donald war wütend und fünf Minuten später war alles wieder in Ordnung.
Ihre Mutter war auch laut und wütend. Besonders, wenn ihr Vater anrief. Deswegen tat er es irgendwann nicht mehr.
Und Julia hatte nur gewusst, dass sie diese Filme sehen wollte, immer wieder.
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

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3. Teil
Jarek
Wenn er Frühdienst hatte, stand er trotzdem manchmal um fünf Uhr auf und ging eine Runde durch den Park.
Wenn er schlecht geschlafen hatte, lief er länger.
An freien Tagen ging er ins Fitnessstudio.
Er mochte es, wenn die Muskeln danach schmerzten.
Wenn er Auto fuhr, drehte er Heavy Metal auf, bis die Außengeräusche verschwanden.
Oft blieb er nach der Arbeit im Wagen sitzen.
Motor aus.
Musik an.
Fünfzehn Minuten.
Zwanzig.
Erst dann ging er hoch.
Jarek Nóvak war dreißig und Notarzt.
Seine Mutter war Tschechin.
Der Vater hatte sie verlassen, als Jarek noch klein war.
Kein großer Streit.
Nur zwei Erwachsene, die irgendwann festgestellt hatten, dass sie gar nicht miteinander leben wollten.
Seine Mutter wurde danach depressiv.
Es gab gute Zeiten, aber die Krankheit kam in Wellen.
Manchmal lag sie den ganzen Vormittag im Bett. Kochte nichts, wusch keine Wäsche.
Weinte vor dem Fernseher ohne erklären zu können, warum.
Als er zehn gewesen war, hatte er das erste Mal alleine eingekauft.
Zwölf, als er wusste, dass man seiner Mutter morgens besser keinen komplizierten Satz sagte.
Vierzehn, als er das erste Mal Angst bekam, sie könnte sich etwas antun.
Sie tat es nicht.
Aber Angst braucht keine tatsächliche Katastrophe.
Sie braucht nur die Möglichkeit.
Jarek war kein unglückliches Kind gewesen.
Er hatte Freunde, Schule und Fußball.
Das Medizin Studium ergriff er, weil er sie stolz machen wollte. Sie sollte sich über ihn freuen.
Vielleicht gerade deshalb hatte er früh gelernt, auf ihre Stimmung zu achten.
War heute ein guter Tag?
Konnte er Freunde mit nach Hause bringen?
Sollte er lieber draußen bleiben?
Er wusste es meistens, bevor sie etwas sagte.
Sicherheit war etwas, das kippen konnte.
Julia lernte Jarek auf der Wache kennen.
Er war neu in ihrem Team, freundlich und ruhig.
Er konnte mit Patienten umgehen.
Das war genug.
Bei einem Einsatz lag ein älterer Mann auf dem Küchenboden.
Seine Frau stand daneben und redete ununterbrochen.
Jarek untersuchte den Mann.
Julia kniete daneben.
„Ich kann nicht“, sagte der Mann.
„Was können Sie nicht?“
„Atmen.“
Julia sah ihn an.
„Doch.“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein.“
„Doch. Sie atmen gerade.“
Er sah sie an.
„Aber schlecht.“
„Ja.“
Sie lächelte.
„Dann machen wir es jetzt ein bisschen besser.“
Jarek beobachtete sie.
Später sagte er:
„Du bist gut mit Menschen.“
„Nur mit denen, die krank sind.“
„Warum?“
„Die müssen mir zuhören.“
Er lachte.
Sie nicht.
Trotzdem passierte etwas.
Ein Kaffee. Abendessen.
Ein Film und ein Spaziergang.
Julia erzählte wenig.
Jarek bemerkte es und fragte nicht nach.
Er ließ die Türen geschlossen und ihr gefiel es.
Es war im Dezember, als er sie zum ersten Mal küsste.
Vor ihrer Haustür in der Kälte.
Julia hatte gerade etwas über einen Patienten erzählt.
Jarek sagte:
„Du erklärst dich ständig.“
„Was?“
„Alles.“
Sie sah ihn an.
„Das stimmt nicht.“
„Doch.“
„Warum sollte ich mich erklären?“
„Keine Ahnung.“
Er lächelte und küsste sie.
Nur kurz.
Julia zog sich nicht zurück.
Danach sagte sie:
„Ich weiß nicht, wie das geht.“
„Was?“
„Das hier.“
Er sah sie an.
„Ich glaube, das findet man heraus.“
Sie nickte.
Abgrund
Das Konzert war an einem Freitag. Heavy Metal, alte Freunde.
Die Halle war heiß und dunkel.
Es roch nach Bier, Schweiß und nassen Jacken.
Musik, so laut, dass die Organe hüpften.
Jarek liebte es
Er hatte schon vor Beginn getrunken.
Dann noch ein Bier und Wodka.
Später verlor er die anderen aus den Augen.
Er wusste nicht mehr, wann.
Martin hatte ihm etwas zugerufen.
Dann erinnerte er sich an eine Toilette.
An eine Hand auf seiner Schulter.
Licht, Fließenboden.
Und nichts mehr
Am nächsten Morgen wachte er auf, weil er fror.
Zuerst wusste er nicht, wo er war.
Dann roch er es.
Er lag auf seinem Bett.
Es war komplett vollgekotzt.
Sein Kopf schmerzte.
Er stand auf und ging zum Fenster.
Draußen stand sein Auto.
Schief.
Ein Reifen halb auf dem Bordstein.
Jarek sah es an.
Lange.
Dann kam die Erinnerung.
Nicht an die Fahrt.
Nur an die Tatsache.
Er war gefahren.
Er selbst.
Betrunken.
So betrunken, dass er sich an nichts erinnerte.
Er hätte jemanden töten können.
Einen Radfahrer.
Ein Kind.
Einen anderen Autofahrer.
Sich selbst.
Er legte die Stirn an die Fensterscheibe.
Das Auto stand einfach da.
Die Welt hatte es zugelassen.
Keine Sirene.
Kein Unfall.
Keine Polizei.
Nichts.
Nur das Auto.
Jarek setzte sich auf den Boden.
Er begann zu zittern.
Später wusch er das Bettzeug und duschte.
Duschte.
Immer wieder dachte er an den Wagen.
Und irgendwann an seine Mutter.
Daran, wie er als Kind neben ihr gesessen hatte, wenn sie geweint hatte.
Wie er daran gedacht hatte, aufzupassen.
Jetzt war er dreißig und konnte nicht einmal auf sich selbst aufpassen.
Jarek
Wenn er Frühdienst hatte, stand er trotzdem manchmal um fünf Uhr auf und ging eine Runde durch den Park.
Wenn er schlecht geschlafen hatte, lief er länger.
An freien Tagen ging er ins Fitnessstudio.
Er mochte es, wenn die Muskeln danach schmerzten.
Wenn er Auto fuhr, drehte er Heavy Metal auf, bis die Außengeräusche verschwanden.
Oft blieb er nach der Arbeit im Wagen sitzen.
Motor aus.
Musik an.
Fünfzehn Minuten.
Zwanzig.
Erst dann ging er hoch.
Jarek Nóvak war dreißig und Notarzt.
Seine Mutter war Tschechin.
Der Vater hatte sie verlassen, als Jarek noch klein war.
Kein großer Streit.
Nur zwei Erwachsene, die irgendwann festgestellt hatten, dass sie gar nicht miteinander leben wollten.
Seine Mutter wurde danach depressiv.
Es gab gute Zeiten, aber die Krankheit kam in Wellen.
Manchmal lag sie den ganzen Vormittag im Bett. Kochte nichts, wusch keine Wäsche.
Weinte vor dem Fernseher ohne erklären zu können, warum.
Als er zehn gewesen war, hatte er das erste Mal alleine eingekauft.
Zwölf, als er wusste, dass man seiner Mutter morgens besser keinen komplizierten Satz sagte.
Vierzehn, als er das erste Mal Angst bekam, sie könnte sich etwas antun.
Sie tat es nicht.
Aber Angst braucht keine tatsächliche Katastrophe.
Sie braucht nur die Möglichkeit.
Jarek war kein unglückliches Kind gewesen.
Er hatte Freunde, Schule und Fußball.
Das Medizin Studium ergriff er, weil er sie stolz machen wollte. Sie sollte sich über ihn freuen.
Vielleicht gerade deshalb hatte er früh gelernt, auf ihre Stimmung zu achten.
War heute ein guter Tag?
Konnte er Freunde mit nach Hause bringen?
Sollte er lieber draußen bleiben?
Er wusste es meistens, bevor sie etwas sagte.
Sicherheit war etwas, das kippen konnte.
Julia lernte Jarek auf der Wache kennen.
Er war neu in ihrem Team, freundlich und ruhig.
Er konnte mit Patienten umgehen.
Das war genug.
Bei einem Einsatz lag ein älterer Mann auf dem Küchenboden.
Seine Frau stand daneben und redete ununterbrochen.
Jarek untersuchte den Mann.
Julia kniete daneben.
„Ich kann nicht“, sagte der Mann.
„Was können Sie nicht?“
„Atmen.“
Julia sah ihn an.
„Doch.“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein.“
„Doch. Sie atmen gerade.“
Er sah sie an.
„Aber schlecht.“
„Ja.“
Sie lächelte.
„Dann machen wir es jetzt ein bisschen besser.“
Jarek beobachtete sie.
Später sagte er:
„Du bist gut mit Menschen.“
„Nur mit denen, die krank sind.“
„Warum?“
„Die müssen mir zuhören.“
Er lachte.
Sie nicht.
Trotzdem passierte etwas.
Ein Kaffee. Abendessen.
Ein Film und ein Spaziergang.
Julia erzählte wenig.
Jarek bemerkte es und fragte nicht nach.
Er ließ die Türen geschlossen und ihr gefiel es.
Es war im Dezember, als er sie zum ersten Mal küsste.
Vor ihrer Haustür in der Kälte.
Julia hatte gerade etwas über einen Patienten erzählt.
Jarek sagte:
„Du erklärst dich ständig.“
„Was?“
„Alles.“
Sie sah ihn an.
„Das stimmt nicht.“
„Doch.“
„Warum sollte ich mich erklären?“
„Keine Ahnung.“
Er lächelte und küsste sie.
Nur kurz.
Julia zog sich nicht zurück.
Danach sagte sie:
„Ich weiß nicht, wie das geht.“
„Was?“
„Das hier.“
Er sah sie an.
„Ich glaube, das findet man heraus.“
Sie nickte.
Abgrund
Das Konzert war an einem Freitag. Heavy Metal, alte Freunde.
Die Halle war heiß und dunkel.
Es roch nach Bier, Schweiß und nassen Jacken.
Musik, so laut, dass die Organe hüpften.
Jarek liebte es
Er hatte schon vor Beginn getrunken.
Dann noch ein Bier und Wodka.
Später verlor er die anderen aus den Augen.
Er wusste nicht mehr, wann.
Martin hatte ihm etwas zugerufen.
Dann erinnerte er sich an eine Toilette.
An eine Hand auf seiner Schulter.
Licht, Fließenboden.
Und nichts mehr
Am nächsten Morgen wachte er auf, weil er fror.
Zuerst wusste er nicht, wo er war.
Dann roch er es.
Er lag auf seinem Bett.
Es war komplett vollgekotzt.
Sein Kopf schmerzte.
Er stand auf und ging zum Fenster.
Draußen stand sein Auto.
Schief.
Ein Reifen halb auf dem Bordstein.
Jarek sah es an.
Lange.
Dann kam die Erinnerung.
Nicht an die Fahrt.
Nur an die Tatsache.
Er war gefahren.
Er selbst.
Betrunken.
So betrunken, dass er sich an nichts erinnerte.
Er hätte jemanden töten können.
Einen Radfahrer.
Ein Kind.
Einen anderen Autofahrer.
Sich selbst.
Er legte die Stirn an die Fensterscheibe.
Das Auto stand einfach da.
Die Welt hatte es zugelassen.
Keine Sirene.
Kein Unfall.
Keine Polizei.
Nichts.
Nur das Auto.
Jarek setzte sich auf den Boden.
Er begann zu zittern.
Später wusch er das Bettzeug und duschte.
Duschte.
Immer wieder dachte er an den Wagen.
Und irgendwann an seine Mutter.
Daran, wie er als Kind neben ihr gesessen hatte, wenn sie geweint hatte.
Wie er daran gedacht hatte, aufzupassen.
Jetzt war er dreißig und konnte nicht einmal auf sich selbst aufpassen.
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

, 43 - Beiträge: 5
Am Montag ging er zur Arbeit.
Pünktlich wie immer.
Bei einem Einsatz kniete er später neben einem Mann, der nach einem Fahrradunfall bewusstlos war.
„Bleiben Sie bei mir“, sagte Jarek.
Der Mann öffnete die Augen.
Jarek legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Alles gut.“
Er sagte den Satz automatisch.
Später, im Wagen, dachte er darüber nach.
Alles gut.
Er hatte noch nie weniger daran geglaubt.
Julia wusste nichts von seinem Wochenende.
Sie bemerkte nur, dass Jarek müde war und fragte nicht.
In diesem Beruf war man immer müde
Am Donnerstag hatte sie eine besonders schwere Schicht.
Ein Kind.
Verkehrsunfall.
Zu viel Blut.
Rote Schlieren im Regenwasser.
Als sie nach Hause kam, stand sie länger als sonst im Flur.
Dann ging sie zur Couch und nahm die hellblaue Decke.
Holte den Bären aus dem Schrank und schaltete Donald Duck ein.
Sie saß auf dem Sofa.
Die Füße unter der Decke.
Der Bär neben ihr.
Sie sprach gelegentlich mit.
„Nein.“
Donald fiel.
Julia lächelte.
„Schon wieder“, sagte sie.
Dann nahm sie etwas aus der Schublade.
Sie wusste bereits, wohin der Abend führen würde.
Wenn sie in diesen Zustand kam, wurde alles langsamer. Dumpfer. Unter Narkose.
Das Verschwinden einer Anspannung, die so groß war, dass man sie vorher nicht bemerkt hatte. Wie ein Berg, dessen richtige Höhe man erst feststellt, wenn sich die Wolken seinen dunklen Gipfel frei geben.
Ihre Finger strichen über das warme Fließ der Windel. Keine große, denn Julia war schmal. Die Handgriffe erfolgten automatisch. Sie hatte es schon so oft getan, dass sie den richtigen Sitz und die perfekte Position der Klettverschlüsse genau kannte. Und dann kam die Ruhe. Jetzt war sie ein gewickeltes Baby.
Sie musste nichts.
Sie musste niemandem helfen.
Keiner musste auf sie zählen.
Jetzt durfte sie klein sein.
Geborgen. Sicher.
Für einen kurzen Moment war sie nicht die Frau, die wusste, was bei einem Herzstillstand zu tun war.
Nur einfach jemand, der gehalten werden wollte.
Die Wärme umfing sie.
Und als sie schließlich einkotete, wurde dieses Gefühl noch stärker.
Die Entspannung war tief und körperlich.
Nichts wurde von ihr verlangt.
Sie lag unter der Decke.
Der Bär neben ihr und der Daumen in ihrem Mund.
Nicht lange.
Nur bis es in ihr still wurde.
Dann kam die Scham.
Immer.
Sie wusste nie genau, wann sie begann.
Währenddessen, erst danach?
Schnell stand sie auf und stellte den Bären zurück.
Und rannte ins Badezimmer.
Sie duschte zu lange.
Das Wasser war heiß.
Schrubbte mit Seife bis ihre Haut rot glühte und brannte.
Das war gut.
Der Schmerz war verdient.
Sie blieb unter der Dusche stehen, bis sie nichts mehr fühlte.
Dann setzte sie sich auf den Badezimmerboden.
Nur wenige Gedanken.
„Damit hörst du auf.“
„Das machst du nie wieder.“
Und sie wusste, dass es nicht stimmte.
Pünktlich wie immer.
Bei einem Einsatz kniete er später neben einem Mann, der nach einem Fahrradunfall bewusstlos war.
„Bleiben Sie bei mir“, sagte Jarek.
Der Mann öffnete die Augen.
Jarek legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Alles gut.“
Er sagte den Satz automatisch.
Später, im Wagen, dachte er darüber nach.
Alles gut.
Er hatte noch nie weniger daran geglaubt.
Julia wusste nichts von seinem Wochenende.
Sie bemerkte nur, dass Jarek müde war und fragte nicht.
In diesem Beruf war man immer müde
Am Donnerstag hatte sie eine besonders schwere Schicht.
Ein Kind.
Verkehrsunfall.
Zu viel Blut.
Rote Schlieren im Regenwasser.
Als sie nach Hause kam, stand sie länger als sonst im Flur.
Dann ging sie zur Couch und nahm die hellblaue Decke.
Holte den Bären aus dem Schrank und schaltete Donald Duck ein.
Sie saß auf dem Sofa.
Die Füße unter der Decke.
Der Bär neben ihr.
Sie sprach gelegentlich mit.
„Nein.“
Donald fiel.
Julia lächelte.
„Schon wieder“, sagte sie.
Dann nahm sie etwas aus der Schublade.
Sie wusste bereits, wohin der Abend führen würde.
Wenn sie in diesen Zustand kam, wurde alles langsamer. Dumpfer. Unter Narkose.
Das Verschwinden einer Anspannung, die so groß war, dass man sie vorher nicht bemerkt hatte. Wie ein Berg, dessen richtige Höhe man erst feststellt, wenn sich die Wolken seinen dunklen Gipfel frei geben.
Ihre Finger strichen über das warme Fließ der Windel. Keine große, denn Julia war schmal. Die Handgriffe erfolgten automatisch. Sie hatte es schon so oft getan, dass sie den richtigen Sitz und die perfekte Position der Klettverschlüsse genau kannte. Und dann kam die Ruhe. Jetzt war sie ein gewickeltes Baby.
Sie musste nichts.
Sie musste niemandem helfen.
Keiner musste auf sie zählen.
Jetzt durfte sie klein sein.
Geborgen. Sicher.
Für einen kurzen Moment war sie nicht die Frau, die wusste, was bei einem Herzstillstand zu tun war.
Nur einfach jemand, der gehalten werden wollte.
Die Wärme umfing sie.
Und als sie schließlich einkotete, wurde dieses Gefühl noch stärker.
Die Entspannung war tief und körperlich.
Nichts wurde von ihr verlangt.
Sie lag unter der Decke.
Der Bär neben ihr und der Daumen in ihrem Mund.
Nicht lange.
Nur bis es in ihr still wurde.
Dann kam die Scham.
Immer.
Sie wusste nie genau, wann sie begann.
Währenddessen, erst danach?
Schnell stand sie auf und stellte den Bären zurück.
Und rannte ins Badezimmer.
Sie duschte zu lange.
Das Wasser war heiß.
Schrubbte mit Seife bis ihre Haut rot glühte und brannte.
Das war gut.
Der Schmerz war verdient.
Sie blieb unter der Dusche stehen, bis sie nichts mehr fühlte.
Dann setzte sie sich auf den Badezimmerboden.
Nur wenige Gedanken.
„Damit hörst du auf.“
„Das machst du nie wieder.“
Und sie wusste, dass es nicht stimmte.
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Charlie Foxtrott
- Forums-Insider

, 45 - Beiträge: 477
Hallo paracelsus,
als ehemals parentifiziertes Kind psychisch kranker Eltern, das heute beruflich (andere Branche) auch mit Tod und Gewalt in Berührung kam, hat mich Dein Text tief bewegt. Ja, keine stützende Partnerschaft, aber die Kraft der kleinen Begegnungen, Flirts, Freundschaften schätzend, müssen wir oft geben, was wir selbst nicht bekommen haben.
Ich finde die lieratrische Form so gelungen, dass ich es für Wert halte, auch in anderer Form zu veröffentlichen. Gleichzeitig ist das Schreiben doch eine schöne und wichtige Ressource, auch zum Distanzieren.
Wäre es nicht als Blog angebrachter?
Mir fällt da spontan ein Buch ein: "Unsagbare Worte" . Da gehts um MB in der Kirche, was ähnlich ist, ist der Kraftquell aus der Literatur.
als ehemals parentifiziertes Kind psychisch kranker Eltern, das heute beruflich (andere Branche) auch mit Tod und Gewalt in Berührung kam, hat mich Dein Text tief bewegt. Ja, keine stützende Partnerschaft, aber die Kraft der kleinen Begegnungen, Flirts, Freundschaften schätzend, müssen wir oft geben, was wir selbst nicht bekommen haben.
Ich finde die lieratrische Form so gelungen, dass ich es für Wert halte, auch in anderer Form zu veröffentlichen. Gleichzeitig ist das Schreiben doch eine schöne und wichtige Ressource, auch zum Distanzieren.
Wäre es nicht als Blog angebrachter?
Mir fällt da spontan ein Buch ein: "Unsagbare Worte" . Da gehts um MB in der Kirche, was ähnlich ist, ist der Kraftquell aus der Literatur.
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

, 43 - Beiträge: 5
Hallo @Charlie Foxtrott
Ich danke dir für das lesen und deine netten Worte. Vielen Dank dass du den Text auch für literarisch gelungen hältst.
Deine Idee mit einem Blog ist auch sehr gut. Ich muss mal schauen, was ich in der Richtung angehe.
Möglicherweise empfindest du es auch deshalb als so gelungen, weil ich dort richtige Emotionen und Erfahrungen beschrieben habe.
Ich fand und finde immer noch schlecht Worte, um über mich selbst und meine Gefühle zu sprechen/schreiben. Also habe ich eine literarische Form gewählt mit zwei fiktiven Figuren, obwohl ich eigentlich 1:1 über mich selbst geschrieben habe.
Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber: Im Gegesatz zur Geschichte habe ich eine Familie. Ich bin also nicht tatsächlich einsam wie die Figuren.
Trotzdem habe auch ich oft diesen Drang in kindliche Welten zu flüchten, auf Distanz zu gehen. Und ich frage mich zunehmend ob das nicht Innere Einsamkeit ist.
Ich funktioniere. Mehr als nur gut. Ich trage hohe Verantwortung als Pflegekraft auf der Intensivstation, erziehe meine Kinder, bin ein guter Ehemann.
Aber manchmal möchte ich einfach allein in meiner Welt sein.
Ich danke dir für das lesen und deine netten Worte. Vielen Dank dass du den Text auch für literarisch gelungen hältst.
Deine Idee mit einem Blog ist auch sehr gut. Ich muss mal schauen, was ich in der Richtung angehe.
Möglicherweise empfindest du es auch deshalb als so gelungen, weil ich dort richtige Emotionen und Erfahrungen beschrieben habe.
Ich fand und finde immer noch schlecht Worte, um über mich selbst und meine Gefühle zu sprechen/schreiben. Also habe ich eine literarische Form gewählt mit zwei fiktiven Figuren, obwohl ich eigentlich 1:1 über mich selbst geschrieben habe.
Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber: Im Gegesatz zur Geschichte habe ich eine Familie. Ich bin also nicht tatsächlich einsam wie die Figuren.
Trotzdem habe auch ich oft diesen Drang in kindliche Welten zu flüchten, auf Distanz zu gehen. Und ich frage mich zunehmend ob das nicht Innere Einsamkeit ist.
Ich funktioniere. Mehr als nur gut. Ich trage hohe Verantwortung als Pflegekraft auf der Intensivstation, erziehe meine Kinder, bin ein guter Ehemann.
Aber manchmal möchte ich einfach allein in meiner Welt sein.
Hallo Paracelsus,
ich möchte Dir sagen, dass mich Deine Erzählung sehr bewegt und ich Deinen Mut und Deine Offenheit bewundernswert finde. Es erfordert unheimlich viel Kraft, das eigene Seelenleben so ehrlich und verletzlich in Worte zu fassen. Dafür die literarische Form zu wählen ist eine wertvolle Möglichkeit, Deinen Gefühlen Raum zu geben, gerade dann, wenn die alltägliche Sprache an ihre Grenzen stößt.
Deine Gedanken über den Drang, in kindliche Welten zu flüchten, haben mich sehr berührt. Du fragst Dich, ob das innere Einsamkeit ist, und ich glaube, genau das beschreibt es sehr treffend. Man kann von vielen Menschen umgeben sein und perfekt funktionieren, während das eigene verletzliche Innere isoliert bleibt. Indem Du diese Welt hier als Erzählung teilst, öffnest Du eine Tür und bist mit dieser inneren Einsamkeit nicht mehr ganz allein.
Liebe Grüße
ich möchte Dir sagen, dass mich Deine Erzählung sehr bewegt und ich Deinen Mut und Deine Offenheit bewundernswert finde. Es erfordert unheimlich viel Kraft, das eigene Seelenleben so ehrlich und verletzlich in Worte zu fassen. Dafür die literarische Form zu wählen ist eine wertvolle Möglichkeit, Deinen Gefühlen Raum zu geben, gerade dann, wenn die alltägliche Sprache an ihre Grenzen stößt.
Deine Gedanken über den Drang, in kindliche Welten zu flüchten, haben mich sehr berührt. Du fragst Dich, ob das innere Einsamkeit ist, und ich glaube, genau das beschreibt es sehr treffend. Man kann von vielen Menschen umgeben sein und perfekt funktionieren, während das eigene verletzliche Innere isoliert bleibt. Indem Du diese Welt hier als Erzählung teilst, öffnest Du eine Tür und bist mit dieser inneren Einsamkeit nicht mehr ganz allein.
Liebe Grüße
Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht,
ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist. Novalis
ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist. Novalis
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Paracelsus2112
Thread-EröffnerIn - sporadischer Gast

, 43 - Beiträge: 5
Hallo @Reverie
auch dir danke ich für deine netten und warmen Worte.
Und es könnte helfen, diese innere Einsamkeit und auch Anspannung zu mildern. Danke nochmal für deinen Zuspruch!
Liebe Grüße
auch dir danke ich für deine netten und warmen Worte.
Das scheint mir auch so. Und ich es berührt mich ebenso, wenn die Geschichte auch bei dir etwas auslöst. In der Tat kann ich auf diese schreibende Art die Tür zu meinem Seelenleben besser öffnen.Indem Du diese Welt hier als Erzählung teilst, öffnest Du eine Tür und bist mit dieser inneren Einsamkeit nicht mehr ganz allein.
Und es könnte helfen, diese innere Einsamkeit und auch Anspannung zu mildern. Danke nochmal für deinen Zuspruch!
Liebe Grüße
Hallo Paracelsus,
in der letzten Zeit habe ich oft über Deine Erzählung nachgedacht. Da Du meintest, Du wartest erst mal ab, ob überhaupt Interesse an einer Fortsetzung besteht, möchte ich Dir heute einfach ein Zeichen dalassen. Mir würde es viel bedeuten, weiter an Deiner inneren Welt Anteil nehmen zu können.
Liebe Grüße
in der letzten Zeit habe ich oft über Deine Erzählung nachgedacht. Da Du meintest, Du wartest erst mal ab, ob überhaupt Interesse an einer Fortsetzung besteht, möchte ich Dir heute einfach ein Zeichen dalassen. Mir würde es viel bedeuten, weiter an Deiner inneren Welt Anteil nehmen zu können.
Liebe Grüße
Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht,
ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist. Novalis
ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist. Novalis
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