ich wollte mal fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen mit Bindungsangst bzw. einem starken Nähe-Distanz-Muster gemacht hat und vielleicht ein paar Tipps oder Erfahrungen mit mir teilen kann.
Ich bin 27 und seit etwas mehr als zwei Jahren mit meinem Partner (30) zusammen. Seit einem Jahr wohnen wir zusammen.
Bei mir gibt es ein Muster, das sich bisher durch alle meine Beziehungen gezogen hat. Meine Beziehungen gingen nie länger als ungefähr zwei Jahre. Meistens fing es nach ca. 1,5–2 Jahren an: Meine Gefühle wurden plötzlich weniger, mein Nervensystem war gefühlt ständig auf Hochtouren, Kleinigkeiten am Partner haben mich extrem genervt und ich hatte immer mehr das Bedürfnis nach Abstand.
Bei meinen früheren Beziehungen muss ich allerdings rückblickend sagen, dass die Partner rational gesehen wahrscheinlich tatsächlich nicht richtig zu mir gepasst haben. Bei meinem jetzigen Partner empfinde ich das anders. Wenn ich versuche, die Situation unabhängig von meinen momentanen Gefühlen zu betrachten, denke ich wirklich, dass er der Richtige für mich sein könnte und wir sehr gut zusammenpassen. Genau deshalb möchte ich diesmal nicht einfach wieder gehen, wenn dieses alte Muster auftaucht.
Nähe war für mich schon immer schwierig. Ich bin sehr freiheitsliebend, introvertiert und brauche viel Zeit und Raum für mich. Meine früheren Partner habe ich meistens nur einmal unter der Woche und einmal am Wochenende gesehen. Mehr ging von meiner Seite aus kaum.
Bei meinem jetzigen Partner war es am Anfang genauso. Auch beim Thema Zusammenziehen habe ich sehr lange alle möglichen Ausreden und Gründe gefunden, warum es nicht gehen könnte. Gleichzeitig hat er es irgendwie geschafft, dass ich ganz langsam immer mehr Nähe zulassen konnte.
Erst konnten wir uns häufiger sehen, irgendwann dann jeden Tag, wobei ich selbst da die gemeinsame Zeit teilweise noch begrenzen musste. Und schließlich habe ich mich sogar darauf eingelassen, mit ihm zusammenzuziehen. Mittlerweile wohnen wir seit einem Jahr zusammen und grundsätzlich funktioniert das auch.
Jetzt ist allerdings genau das passiert, wovor ich irgendwie Angst hatte: Nach etwas mehr als zwei Jahren scheint mein altes Muster wieder voll da zu sein.
Ich fühle momentan sehr wenig, mein Nervensystem ist gefühlt ständig angespannt und ich kann seine Nähe teilweise kaum zulassen. Kleinigkeiten nerven mich plötzlich, ich möchte Abstand und auch meine sexuelle Lust hat deutlich abgenommen. Ich kenne auch von mir, dass ich manchmal Streit anfange oder unbewusst Distanz zwischen uns schaffe. Gleichzeitig weiß ich, dass ich in anderen Phasen sehr liebevoll sein und seine Nähe auch genießen kann.
Das Schwierige ist, dass sich der Gefühlsverlust in dem Moment natürlich total real anfühlt. Gleichzeitig sehe ich dieses offensichtliche Muster: Wieder passiert es ungefähr nach derselben Beziehungsdauer wie bei meinen vorherigen Beziehungen. Nur möchte ich diesmal nicht wieder alles beenden, einen neuen Partner kennenlernen und dann nach 1,5–2 Jahren möglicherweise wieder genau am selben Punkt stehen.
Ich möchte dieses Muster wirklich durchbrechen und herausfinden, was dahintersteckt. Ich habe zum Glück bald einen Therapieplatz und in ein paar Wochen geht es los. Bis dahin würde mich aber sehr interessieren, ob jemand von euch etwas Ähnliches erlebt hat.
Kennt jemand dieses Gefühl, dass nach zunehmender Nähe bzw. nach längerer Beziehungsdauer plötzlich die Gefühle wie abgeschaltet sind und der Partner einen auf einmal extrem schnell nervt? Vielleicht auch verbunden mit innerer Unruhe, Rückzug und weniger sexueller Lust?
Hat jemand es geschafft, so ein Muster zu durchbrechen und wieder mehr Nähe und Gefühle zuzulassen, ohne direkt die Beziehung zu beenden? Was hat euch dabei geholfen?
Ich könnte dazu noch viel mehr schreiben, aber das ist erstmal die grobe Zusammenfassung.
Natürlich weiß ich, dass es von meiner Kindheit kommt
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