Können Therapeut & Patient jemals Freunde werden?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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dark side of me
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Können Therapeut & Patient jemals Freunde werden?

Beitrag Do., 13.12.2007, 20:39

Hallo, ich habe da mal eine Frage ...
vor über 8 Wochen habe ich meine Therapie erfolgreich zum Ende gebracht
und nun wollte ich mal fragen, ob es theoretisch möglich wäre eine
Beziehung / Freundschaft zur Ex-Therapeutin aufzubauen???

Ich meine, könnte sie ne Strafe dafür bekommen, wenn sie eine
Freundschaft / Beziehung nach beendeter Therapie mit mir anfängt?
Oder gibt es da eine Wartezeit, die sie erst abwarten muss oder
wird das nie möglich sein, weil meine Ex-Therapeutin immer meine
Therapeutin bleibt??? Bzw. eine Beziehung mit mir Konsequenzen für
sie haben könnte?

Ich bin verwirrt, würde mich sehr über Infos, Erfahrungen und etc. freuen!

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Georgine
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Beitrag Do., 13.12.2007, 21:15

das würde mich auch mal interessieren.
weiss jemand, ob etwas über die rechtliche lage im internet steht, irgendwo? die rahmenbedingungen?
ich verstehe auch immer nicht, was es heissen soll, "das sei verboten"... wer kontrolliert das? wer würde so etwas anzeigen? bekannte, die einen mit dem t. in einem cafe sehen könnten?
oder hätte der t. eventuell angst davor, der patient könnte ihn anzeigen, wenn er kein vertrauen zu dem p. hat? vielleicht könnte der t. auch angst davor haben, dass der p. bekannten davon erzählen würde?

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 13.12.2007, 21:15

So weit ich weiss gibt es eine Pflichtkontaktsperre von einem Jahr.

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Georgine
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Beitrag Do., 13.12.2007, 21:29

aber wo gäbe es eine stelle, bei der man den t. anzeigen könnte?
wer kontrolliert das? welche strafe würde den t. treffen? ihm würde die zulassung entzogen werden? für immer?
soweit ich weiss ist z.b. gerard depardieu mit seiner ehemaligen analytikerin verheiratet.

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 13.12.2007, 22:00

Naja, das ist aber nun so daß ein Therapeut die ideale Leinwand für einen Verliebtheitsfilm ist..

Der Therapeut gibt einem Aufmerksamkeit, ist einfühlsam, nimmt Anteil, man teilt sehr private Dinge... kurz, alles was man sich von einem idealen Partner auch wünschen würde.
Alles was man so im "real life" nicht so ohne weiteres bekommt. Von daher denke ich daß das Gefühl man hätt eine " ganz besondere" Beziehung schnell aufkommt und der Wunsch nach mehr aufkeimt.

Ich denke in seltenen Fällen kann sich da sicherlich auch eine Beziehung oder Freundschaft entwickeln. Nur aus dem Verhalten des Therapeuten, das eben die oben beschriebenen Qualitäten hat darauf zu schliessen daß sich auch eine zwischenmenschliche Beziehung oder insbesondere eine "Beziehung" daraus entwickelt, das kann man daraus nun überhaupt nicht schliessen. Es ist der JOB des Therapeuten sich so zu verhalten.

Aber in jedem Fall ist der Patient der emotional abhängige Part der therpeutischen Beziehung und damit in sichergestellt ist daß diese Abhängigkeit nicht zu Verwicklungen führt oder gar ein Therapeut diese Abhängigkeit eines Patienten ausnutzt gibt es eben dieses Abstinenzgebot.

Weil ein Therapeut wird genau wie ein Skilehrer, Tanzlehrer, Trainer etc unumgänglich zum Umschwärmobjekt vieler seiner Klienten werden.. Und damit das auf keinen Fall ausgenutzt wird, zum Schutz von Patient und Therapeut ist diese Regelung da.


Jenny Doe
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 00:13

aber wo gäbe es eine stelle, bei der man den t. anzeigen könnte?
wer kontrolliert das? welche strafe würde den t. treffen? ihm würde die zulassung entzogen werden? für immer?
Therapeuten verklagen können nur die klienten selber, und zwar bei der Therapeutenkammer bzw. Ärztekammer.
Kontrollieren kann/tut das keiner.
Strafe wäre ggf. Linzenzentzug.
vielleicht könnte der t. auch angst davor haben, dass der p. bekannten davon erzählen würde?
Das ist in der Tat so. Die Beziehung müsste geheimgehalten werden, auch nach der Therapie. Oder man müsste Freunde anlügen, wenn diese fragen: "Wo und wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt?"
Wir müssen das Leben loslassen, das wir geplant haben, damit wie das Leben leben können, das uns erwartet (Joseph Campbell). Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen (Hermann Hesse).

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Georgine
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 07:28

münchnerkindel schrieb
Aber in jedem Fall ist der Patient der emotional abhängige Part der therpeutischen Beziehung und damit in sichergestellt ist daß diese Abhängigkeit nicht zu Verwicklungen führt oder gar ein Therapeut diese Abhängigkeit eines Patienten ausnutzt gibt es eben dieses Abstinenzgebot.
ja, das ist natürlich auch richtig so.
aber wie ist es denn, wenn sich patient und therapeut dann nach dem einen jahr "outen", dass sie z.b. eine beziehung haben und so tun als sei diese nach diesem einen jahr zu stande gekommen.
ich denke, dann ist diesye legitim.
z.b. ist es ja tatsächlich bekannt, dass gerard depardieu mit seiner ehemaligen analytikerin verheiratet ist. leider weiß ich nicht, ob sie deshalb ihren beruf an den nagel gehängt hat.

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Georgine
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 07:49

neulich habe ich eine geschichte gehört, die mich an etwas erinnert hat. erst im nachhinein wurde mir bewusst, dass es meine therapiesituation war. folgendes:

ein sed funktionär will für ein paar tage in den westen rüber gehen, um an der geburtstagsfeier eines verwandten teil zu nehmen. er wird an der grenze aufgegriffen und in einem auto (vermutlich einem trabbi ) mit zugezogenen fenstern kreuz und quer durch die stadt gefahren. am ende landet er im knast, wo man ihn 3 tage lang festhält. seine familie wird nicht über seinen verbleib informiert.
als sie ihn entlassen wird ihm gewahr, dass er 3 tage lang in dem knast festgehalten wurde, der sich gnau neben seinem zuhause befindet, dem haus nämlich, in dem seine eigene familie 3 tage lang auf ein lebenszeichen von ihm wartete...

ja und genau so fühle ich mich manchmal meinem t. gegenüber, so als würde man mich blind herumfahren mich an unbekanntem ort aussetzen.
irgendwie fremdbestimmt. "wir wissen alles über sie, sie aber kennen uns und ihre bestimmung nicht."

das macht doch sehr stark die einseitigkeit des verhältnisses deutlich...


montagne
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 09:37

Hallo dark side,
wenn deine Therapie erfolgreich beendet ist, warum interessiert dich dann JETZT dieses Thema? Möchtest du eine Freundschaft mit ihr?
amor fati

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Taffi
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 09:49

Ich denke, wenn man nicht akzeptieren kann/will, dass es diese Regelung gibt, macht das deutlich, dass die Regelung notwendig und richtig ist. Denn wenn man nicht auf den Kontakt zum Thera verzichten kann/können will, zeigt das m.E. die Tendenz zur Abhängigkeit. Das wiederum hat nichts mit einer gesunden (freundschaftlichen oder partnerschaftlichen) Beziehung zu tun.

sune hat geschrieben:das macht doch sehr stark die einseitigkeit des verhältnisses deutlich...
Eben.
Es ist wichtig, jemanden dort abzuholen, wo er gerade ist. Aber manchmal ist es auch wichtig, jemanden dort zu lassen, wo er gerade sein will.

"Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht." Carlo Levi


montagne
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 11:07

Es mag sicherlich Phasen geben wo der/die KlientIn abhängig von der/dem TherapeutIn ist. Das ist nicht schlimm.
Aber zu einem wirklich gelungenen Therapieende gehört für mich persönlich dazu die Trennung als richtig und sinnvoll anzunehmen. Trauer gehört ganz bestimmt auch dazu. Und ja vllt. werden dann nochmal alte Gefühle mobilisiert, die man immer irgendwie in sich tragen wird.
Aber am Ende geht es doch darum das man selbstbewusst und unabhängig in sein Leben tritt, dass man erwachsen geworden ist. Eine "Freundschaft" zur Therapeutin würden diesen Schritt verhindern. Denn eine gleichberechtigte Freundschaft kann das wohl kaum werden.
amor fati

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Georgine
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 17:59

Denn wenn man nicht auf den Kontakt zum Thera verzichten kann/können will, zeigt das m.E. die Tendenz zur Abhängigkeit.
Es ist wichtig, jemanden dort abzuholen, wo er gerade ist. Aber manchmal ist es auch wichtig, jemanden dort zu lassen, wo er gerade sein will.

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Taffi
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 18:50

Was willst du damit sagen? Dass du abhängig sein willst und das für alle in Ordnung sein sollte? Mir kann's ja gleich sein, und das ist es auch. Aber aufmerksam wird man wohl doch noch machen und/oder seine Einschätzung geben dürfen.

btw: Interessante Strategie...
Es ist wichtig, jemanden dort abzuholen, wo er gerade ist. Aber manchmal ist es auch wichtig, jemanden dort zu lassen, wo er gerade sein will.

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Beitrag Fr., 14.12.2007, 19:13

Hallo an alle

Vielen Dank für Eure zahlreiche Beteiligung am Thema.
Trotzdem würde ich gerne wissen, ob jemand Links im Internet
kennt, wo die rechtlichen Grundlagen zu diesem Thema zu finden
sind!?! Ich weiß, dass das Thema generell Fragen und Diskussionen
aufwirft, aber trotzdem würde ich noch gerne mehr Theorie erfahren.

Vielen lieben Dank an euch alle

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Georgine
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Beitrag Fr., 14.12.2007, 19:16