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Mo., 10.05.2021, 20:02
Ich danke euch sehr für Eure Antworten und "freue" mich zu lesen, dass ich nicht alleine damit bin.
Auch darüber, dass ihr mich darin bestärkt, dass dieser Prozess nach so einer langen Zeit völlig normal ist und einfach dauert. Manchmal fällt es mir einfach schwer, das so zu akzeptieren, weil ich immer denke, es ist doch "nur" mein Therapeut und kein Beziehungspartner. Aber letztendlich war es ja eine Beziehung und dann auch noch eine gute.
Ich vermisse einfach den Kontakt, das Gefühl, dass da jemand ist, der mich so gut kennt. Ich vermisse auch die Stille, die ich da in diesem Raum gefunden habe und das Gefühl, dass da jemand ist, der mich einfach nur so wie ich eben bin annimmt und alles mit mir aushält. Ich habe all das auch außerhalb meiner Therapie, also es ist nicht so, dass ich das alles in anderen Beziehungen nicht könnte. Aber bei ihm war es natürlich auf einer anderen Ebene. Er ist mir ans Herz gewachsen und ich hatte immer Angst, dass die Verbindung abbricht, wenn wir uns nicht mehr sehen.
Nach der Therapie hatte ich ihn noch ein paar Mal kontaktiert und er hat mir letztendlich auch vorgeschlagen, ob ich mir vorstellen könnte, mir einen anderen Raum zu suchen, um diesen Abschied zu verarbeiten. Weil eine erneute Stunde während des Ablösungsprozesses vermutlich eher kontraproduktiv wäre.
Ich hatte auch oft das Gefühl abhängig zu sein, aber letztendlich war es schon so, dass ich eben auch genau dahin musste. Es musste so kommen, dass ich mich abhängig fühle, weil ich dieses Gefühl bisher nie so zulassen konnte. Ich war eher das Kind, dass sich niemals von jemanden abhängig machen wollte. Auch dieses Abhängigkeitsgefühl hat so vieles offen gelegt und daran konnte ich wachsen. Bis zuletzt habe ich mich zumindest gefühlstechnisch nicht bereit gefühlt zu gehen, aber mein Kopf wusste, dass es an der Zeit ist. Wenn der Kopf irgendwann soweit ist, dann ist das irgendwie schon die halbe Miete. Weil man dann ja anfängt, auch an sich selbst zu glauben und daran, es alleine zu schaffen. Das Herz lässt sich eben nicht so einfach steuern, erst recht nicht, wenn damit ein schmerzhaftes Gehenlassen verbunden ist. Ich hatte und habe aber immer die Hoffnung, dass ich mit dieser Wunde dann leben bzw. sie von allein verschliessen kann.