Haustier gegen Einsamkeit?

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.

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Liralealo
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Haustier gegen Einsamkeit?

Beitrag So., 26.05.2019, 18:17

Hallo Leute.
Ich bin neu hier ... bitte seid ein bisschen freundlich zu mir. Falls ich im falschen Thema poste oder so ...
Ich denke seit Langem darüber nach, ob ich mir ein Haustier anschaffen soll. Ich komme mit Menschen nicht so gut klar. Vor kurzem ist der liebste Mensch in meinem Leben gestorben und ich saß bis zuletzt an ihrem Bett und habe ihre Hand gehalten. Ich habe keine Familie, keinen Partner und kaum Freunde. Ich hatte mal welche, aber die sind jetzt seit Jahren weit weg, in Deutschland, Mexiko und Frankreich. Aber es waren nie viele. Wie gesagt, ich komme mit Menschen nicht so gut klar. Ich kann einfach nie glauben, dass jemand mit mir etwas zu tun haben will und ich nicht nur lästig bin oder so. Deshalb neige ich dazu, Menschen generell aus dem Weg zu gehen.
Das Interessante dabei ist, dass alle sagen, ich kann mit anderen Menschen so besonders gut umgehen. Ich glaube, das liegt daran, dass ich sehr schnell herausfinden kann, was jemand hören will, und auf diese Weise dann mit ihm/ihr rede. Aber das heißt nur, dass ich vielleicht eine gute Menschenkenntnis habe und mich gut auf andere einstellen kann und ihnen dann liefere, was sie brauchen, um mich für sympathisch zu halten. Für mich ist das nur Megastress. Und ich finde niemand von denen sympathisch. Ich kann ihnen nur den Eindruck vermitteln, damit sie mir nicht wehtun.
Ich neige dazu, mich von Menschen sofort zurückzuziehen, wenn der Eindruck entsteht, dass sie mich treffen wollen. Weil sie zu anstrengend sind und das, was sie von mir sehen, ja sowieso nicht ich bin, sondern nur das, was ich ihnen vorspiele, damit sie mich akzeptieren. Ich bin unendlich einsam. ich gehe arbeiten, dann sitze ich zuhause und schaue mir sinnlose Filme an. Oder putze die Wohnung. So alt bin ich doch noch nicht. Soll mein Leben so weitergehen bis ich alt bin.

Ich liebe Tiere über alles. Hatte als Kind einen Schäferhund. Der war mein bester Freund. Leider ist er inzwischen natürlich tot ...
Jetzt denke ich darüber nach, ob ich vielleicht wieder einen Hund haben könnte. Ein Hund ist ehrlich und aufrichtig. Einem Hund muss man nichts vorspielen. Er liebt einen so, wie man ist. Und er ist flauschig und liebevoll und teilt das Bett mit einem, wenn man es erlaubt. Aber er lebt nicht so lang. Ich könnte es nicht ertragen, nochmals zu erleben, dass ein geliebtes Wesen in meinen Armen stirbt.
Bitte sagt mir, was ihr dazu denkt.Danke schon im voraus.
LG! Liralealo

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Waldschratin
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Beitrag So., 26.05.2019, 18:36

Hallo Liralealo!
Erstmal herzlich willkommen hier im Forum! :flower:

Ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht's in vielerlei Hinsicht ähnlich wie dir, nur dass ich deshalb nicht einsam bin. Ich kann wohl von Haus aus gut alleine sein, bin wohl sowas wie ein "geborener Eremit", ein bissl jedenfalls, denn so ganz ohne Menschen will ich nu auch nicht. ;-)

Erstmal : Hast du schon mal versucht, deine Probleme bzgl. Menschen irgendwie anzugehen, dran zu arbeiten, das zu verändern?

Denn, ich denke nicht, dass ein Hund "die" Lösung ist für dich.
Ich hab da eher den Gedanken, dass er zum "Ersatz-Menschen" werden würde, und das bringt weder dir das Richtige, und schon gar nicht dem Hund.

Hunde haben ja auch ganz unterschiedliche Charaktere, da weißt du vorher auch nicht, ob der dann tatsächlich alle deine Bedürfnisse erfüllen wird oder nicht.
Noch dazu, mal ganz ehrliche Meinung von mir, ist ein Tier einfach nicht dazu da, einem die Bedürfnisse zu erfüllen, die man gerne "auslagern" würde aus der eigenen Verantwortung.
Wenn ich deine Intention an sich auch verstehen und nachvollziehen kann.

Was für mich der wesentlichste Punkt ist bei dem, was du schreibst, ist dieser:
Liralealo hat geschrieben:Aber er lebt nicht so lang. Ich könnte es nicht ertragen, nochmals zu erleben, dass ein geliebtes Wesen in meinen Armen stirbt.
Solange du diesen Punkt nicht zu bewältigen lernst, wirst du immer zu Lasten des Hundes mit den Tatsachen - und seiner entsprechenden Verfassung im Fall der Fälle - umgehen. Und das würde ich einem geliebten Tier, das einem so treu und zuverlässig zur Seite steht, einfach nicht antun wollen.
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Aus dem Talmud

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merrypoppins
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Beitrag So., 26.05.2019, 18:37

Hi Liralealo!
Ich finde es toll, dass du dir einen Hund zulegen willst! Ich hatte auch eine Zeit lang einen und es war wundervoll! Zu Hunden kann man einfach tolle Beziehungen aufbauen, sie sind immer da und nehmen einen immer vollkommen vorbehaltlos an. Außerdem kommt man mit einem Hund super viel raus, hat eine neue Beschäftigung (Kommandos lernen, Dinge trainieren,..) und ich finde es ist eine ziemliche Verantwortung die man da übernimmt, was auch glücklich macht, da man eine sinnvolle Aufgabe hat.

An deiner Stelle würde ich mir allerdings vorher überlegen, ob dir vielleicht jemand einfällt, der auf den Hund aufpassen könnte, wenn du mal nicht kannst. Das ist schon ganz praktisch und vor allem in Notfällen super wichtig.


Malia
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Beitrag So., 26.05.2019, 18:49

Wenn dir bewusst ist, welche Verantwortung du für das Tier trägst und welche Kosten auf dich zukommen, dann halte ich es für eine gute Idee, z.B. einen Hund aus dem Tierheim zu "adoptieren".
Ja, wenn du nicht vorher stirbst, ist klar, dass der Hund dich wieder verlassen wird.
Das bedeutet: du musst auch bereit sein, den Schmerz dann auszuhalten.

Vielleicht schenkt dir dein Hund ja so viel, dass du lernst, auch Menschen langsam mehr zu vertrauen.
..nur du hast das Recht, dein Richter zu sein..
K.Wecker

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leonidensucher
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Beitrag So., 26.05.2019, 19:30

natürlich, aber den letzten Weg MUSST du mit dem Hund gehen, das bist Du ihm schuldig. Wenn es ein absolutes "nein" ist, nimm bitte davon Abstand. Wenn du es dir prinzipiell vorstellen kannst, arbeite daran.

Mir hat es jedesmal das Herz zerissen - und es zerreisst mir jetzt auch wieder, wenn ich meine Hündin anschaue - wenn ich daran gedacht habe, dass ich meinen Hund irgendwann mal gehen lassen muss. Meine letzte Hündin wurde 18 Jahre alt, und ich dachte, mich bringt das Einschläfern um. Effektiv war es nicht so schlimm, sie hat ihr Leben hoffentlich gut gelebt und ich war nicht feige und habe sie in den letzten Minuten nicht alleine gelassen. Aber für mich stand nie ausser Debatte, dass ich meinen Tieren ein würdiges Gehen nicht verwehren werde.
Schöner, als er dich von sich ließ, soll der Himmel dich wieder haben und mit Verwunderung eingestehn, daß nur die Liebe die letzte Hand an die Seelen legt.
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Sinarellas
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Beitrag So., 26.05.2019, 19:33

Ein Tier ist kein Ersatz für soziale Kontakte, kann aber dabei unterstützen.
Du solltest nicht über das Tier deinen Mangel versuchen zu kompensieren.
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shesmovedon
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Beitrag So., 26.05.2019, 19:34

Wenn du nicht durch Depressionen, Soziale Phobie oder so ständig an zu Hause gefesselt bist und mit dem Hund endsprechend verlässlichich Gassi gehen kannst, warum nicht!
Leider muss jeder Tierbesitzer dadurch, dass das Tier vor einem stirbt. Es ist sehr, sehr schlimm, aber mir hat bisher immer geholfen einem anderen Tier dann eine Platz bei mir anzubieten und ich weiß, dass es das Tier bei mir gut hat. Vielleicht würde dir der Gedanke daran auch helfen?

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Kirchenmaus
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Beitrag So., 26.05.2019, 19:38

Hallo!

Wenn du dir wirklich einen Hund holen möchtest, musst du dir bitte unbedingt überlegen, wo er bleibt, wenn du in der Arbeit ist oder ob du ihn mitnehmen kannst. Es ist kein Leben für ein Tier, wenn es täglich etwa zehn Stunden alleine verbringen muss.

Ich selbst habe seit sehr vielen Jahren immer einen Hund und möchte nie mehr ohne leben. Allerdings ist m. E. ein Hund kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Zuerst kommt das Wohl des Tieres, denn es ist von mir abhängig. Das ist natürlich mit vielen Einschränkungen verbunden – die ich gerne auf mich nehme, weil ich es liebe, mit einem Hund zu leben.

Allerdings habe ich durch den Hund auch viele Kontakte auf der Straße und in der Nachbarschaft. Menschen zu meiden wird vielleicht schwierig werden.

Vielleicht wären zwei Katzen einfacher?


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Liralealo
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Beitrag So., 26.05.2019, 19:39

Hallo Leute,
danke für eure Worte und eure Gedanken. Und ja, es hat sich nichts geändert. Ich habe dem Menschen, der mir mehr bedeutet hat als mein Leben, beim Sterben zugesehen. Ich kann das nicht nochmals. Denn wenn ich einen Hund haben möchte, würde ich das wohl müssen. Es geht nicht. Nein. Ich kann niemals wieder einen Hund haben und auch keinen Menschen. Ist nicht so, dass mir das nicht bewusst gewesen wäre. Habe eher so laut darüber nachgedacht. Ich danke euch für alles. Tschüs dann.

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leonidensucher
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Beitrag So., 26.05.2019, 20:06

Ok, dann ist aber das aktuelle Thema eher das, dass Du mit dem Verlust noch nicht zurecht kommst. Vielleicht gibst Du der Zeit ein bisschen Zeit und denkst dann nochmal nach.
Schöner, als er dich von sich ließ, soll der Himmel dich wieder haben und mit Verwunderung eingestehn, daß nur die Liebe die letzte Hand an die Seelen legt.
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Dichtblick
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Beitrag Di., 28.05.2019, 23:02

Vielleicht wäre es ja mal für den Beginn gut, wenn du in einem Tierheim mit einem Hund Gassi gehst bzw. dich als Tiersitter bewirbst. Viele Menschen brauchen immer wieder zeitweise Betreuung für ihr Haustier!
Zuletzt geändert von Pauline am Mi., 29.05.2019, 04:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Fullquoten= Komplettzitate sind zu vermeiden. Bitte Netiquette lesen. Danke.