Selbstdiagnose -> Selbsttest als Bestätigung?

Hier können Sie Ihre Fragen oder etwaige Unklarheiten zu den Selbsttests auf Psychotherapiepraxis.at thematisieren oder Ihre Gedanken zu den Ergebnissen mit anderen Besuchern diskutieren.
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Tyrael
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Re: Habe ich Borderline?

Beitrag Di., 25.05.2010, 13:53

Was habt ihr eigentlich alle immer gegen die Selbstdiagnosen!?!?!?
Ich fühl mich da irgendwie ziemlich verarscht, wenn ich mich Wochen oder Monate lang beobachte, recherchiere, meine Gefühle zu deuten versuche, Ursachen abwäge und und und, und etwas finde auf das wirklich alle meine Symthome zutreffen und schon vorher gemerkt hat dass etwas nicht normal ist mit einem selbst und dann kommt Irgendwer an und verkauft mcih für dumm und behandelt einen wie ein kleines Kind. Ich mein es ist mir schon klar das sowas durch identifizierung mit dem Krankheitsbild im Studium oder Lehrgängen vorkommt und wirklich viele Psychologiestudenten und auch Medizinstudenten damit zu kämpfen haben, aber wir haben uns erst NACHDEM wir gemerkt haben dass wir nicht normal sind damit beschäftigt und sind dann zufällig auf DIE Diagnose gestoßen die passt und recherchieren weiter ob es etwas anderes sein könnte und alle anderen diagnostischen Beschreibungen treffen nicht oder nur teilweise zu.... .

Was macht der Psychologe denn bitte anders?
Er hört sich an was wir ihm erzählen gibt es in einen Computer (oder auch die DSM-IV) in seinem Kopf ein und spuckt dann die Diagnose aus die passt!
Natürlich ist die SelbstBEHANDLUNG schwieriger, als wenn das dann ein Psychater oder ein Therapeut macht, aber das ist doch etwas ganz anderes.
Es geht hier um Diagnosen, ein Schema nicht um eine spezielle Behandlungsmethode (die dann wirklich nur von außen vorgenommen werden kann; z.B: EMDR)

Mit Freundlichen Grüßen
Tyrael
P.S.: Eröffne noch ein neues Thema explizit hierzu! Bitte um konstruktive begründete Antworten und nicht um ein: "Selbstdiagnosen sind aber schlecht, WIRKLICH!!!" .
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Daffodil
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Beitrag Di., 25.05.2010, 14:30

Die Frage ist doch, warum dir das so wichtig ist, alleine dahinter zu kommen und warum dir eine Diagnose so wichtig ist, wenn du sie von einer Behandlung losgelöst betrachtest. Warum also all die Zeit darauf verwenden, zu recherchieren und dich selbst zu beobachten etc., wenn du auch zu jemandem gehen könntest, der das studiert hat und Erfahrung damit hat und dir dann auch gleich eine Behandlung empfehlen kann.

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ENA
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Beitrag Di., 25.05.2010, 14:40

Ich glaube, Selbstdiagnosen können einen ersten Anreiz, einen ersten Hinweis geben, was mit einem los sein könnte. Letztendlich hat aber meiner Meinung jemand, der sich in seinem Studium und später in vielen Jahren Praxiserfahrung intensiv mit Diagnosen beschäftigt hat, doch die größere Chance, die passende Diagnose zu finden, wie jemand, der sich nur Diagnosen durchliest und guckt, was für ihn passen könnte.
Natürlich kann man sich auch selbst behandeln, wenn auch nicht bei allem. Zum Beispiel wird es schwierig, wenn man dringend Rückmeldungen benötigt (die man sonst vielleicht so nicht bekommt) oder Medikamente benötigt... .
Letztendlich suchen sich Leute ja auch Hilfe, weil sie eben nicht alleine damit klar kommen oder nicht das passende Umfeld haben bzw. das eigene Umfeld nicht mit den Problemen belasten will und suchen sich allein schon deshalb eine Fachkraft. Wenn man alleine klar käme, warum sollte man dann hingehen?
Also Selbstdiagnose im Sinne von "eine Idee, eine Richtung" finden, finde ich perse nicht schlecht, solange man das aushalten und damit klar kommen kann (es kann auch ziemlich verwirren und entmutigen!). Eine richtige Diagnose zur Absicherung stellen, einschließlich Hilfe holen, würde ich mir aber bei einer Fachkraft!
...und wenn man sich unsicher damit ist, ob die von einer Fachkraft gestellten Diagnose stimmt: zur nächsten gehen!...Wenn man die selbe Diagnose aber z.B. dreimal bekommt, sollte man, glaube ich, schon daran glauben, dass da etwas dran ist.


Jenny Doe
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Beitrag Di., 25.05.2010, 15:05

Hallo Tyrael
Was haben eigentlich alle immer gegen die Selbstdiagnosen!?!?!?
Selbstdiagnosen müssen ja nicht zwangsläufig und grundsätzlich falsch sein. Wenn jemand z.B. merkt, dass er Angst hat unter Menschen zu gehen, dann ist die Selbstdiagnose vielleicht noch recht einfach. Aber es gibt eine Reihe von Störungen, bei denen das nicht so einfach ist, z.B. weil Störungen symptomüberlappend sind oder weil bei einigen Störungen einiges an Hintergrundwissen notwendig ist, z.B. Wissen darüber, wie man die verschiedenen dissoziativen Störungen voneinander unterscheidet, wie sie von der Borderline abgegrenzt werden (das kriegen selbst Therapeuten nicht immer hin), wie lange welche Störung anhalten muss, um von dieser Störung sprechen zu können usw. usw. Da reicht es nicht aus, wenn man nur mal eben den DSM liest, man muss auch wissen, was das, was da steht, im Einzelnen bedeutet und wie das, was da steht von anderen Störungen abgegrenzt werden muss. Ich bekomme das selber in meinen Seminaren mit, wie schwer es manchen fällt, z.B. Zwangsgedanken von Zwanghandlungen zu unterscheiden. Denn auch verschiedene Gedanken fallen unter Handlungen. Um all die zahlreichen Störungen differenzieren zu können, bedarf es einiges an psychologisches Wissen. Psychologen müssen nicht umsonst 9 Semester studiert und eine Zusatzausbildung absolviert haben.

Therapeuten schlagen ja nicht einfach nur den DSM auf und vergleichen die Symptome. Sie messen das, was sie letztendlich diagnostizieren, wie z.B. mit Fragebögen. Der SKID und der DIPS sind z.B. Fragebögen, die dem Therapeuten sagen wo im DSM "sie suchen müssen".

Noch eine Info zur Borderline Persönlichkeitsstörung: Es ist in Diskussion, dass diese nicht mehr mit in den neuen ICD aufgenommen werden soll, da die Symptome, die im ICD ausgelistet sind, zu unspezifisch sind.
Und genau das ist die Gefahr bei Selbstdiagnosen: Man ordnet sich selbst einer Kategorie zu, beginnt sich vielleicht noch mit dieser zu identifizieren, während gleichzeitig darüber diskutiert wird, diese Diagnose abzuschaffen, da diese zu unspezifisch operationalisiert wurde.

Gruß
Jenny
Zuletzt geändert von Jenny Doe am Di., 25.05.2010, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
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ENA
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Beitrag Di., 25.05.2010, 15:14

Hups!

Da hat jemand meinen Beitrag aus dem anderen Thread in diesen hier eingefügt!

Auch okay...!

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Ragneda
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Beitrag Di., 25.05.2010, 18:12

Hast Du es nicht gewusst, Tyrael: Selbstdiagnosen sind aber schlecht, WIRKLICH!


Selbstdiagnose = Fehldiagnose. Eine richtige Diagnose zu stellen, bedarf Zeit, Erfahrung und Wissen.
Ein Hobbypsychologe besitzt nichts von dem (außer vielleicht Zeit für Polemik ). Die Tests sollen eigentlich nur die Richtung zeigen, damit man wach wird. Die können niemanden mit 100% Wahrscheinlichkeit diagnostizieren. Alleine schon deshalb, weil wir uns gerne mal selber in die Tasche lügen und selten objektiv an solchen Sachen rangehen. Gerade wenn es um eigene Person geht, neigt man dazu die Wahrheiten zu verzerren und zu biegen, so wie es einem gerade passt.
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R.L.Fellner
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Beitrag Mi., 26.05.2010, 04:55

Lieber Tyrael,

der Begriff "Selbstdiagnose" ist m.E. eigentlich ein Widerspruch in sich selbst, denn zu einer korrekten Diagnose gehört ein sehr umfangreiches Fachwissen (etwa über die Abgrenzung einzelner Symptome und Störungsbilder voneinander, die Unterscheidung von 'Initialstörungen' und Folgeerkrankungen usw.), wie schon Jenny Doe schrieb. Ganz wichtig ist aber auch ein Aspekt, der hier bisher unerwähnt blieb: die Unmöglichkeit, sich selbst 'objektiv' messen und beurteilen zu können. Das hat mit der Beschränktheit unserer Sinnesorgane zu tun, gerade im psychischen / psychologischen Bereich aber auch mit der Verzerrung unserer eigenen Wahrnehmung von uns selbst, unserer Tendenz, uns entweder tendenziell zu positiv oder zu negativ zu sehen, einzelne 'Macken' zu verdrängen oder überzubewerten und noch einer weiteren Reihe von Gründen. Vielleicht hilft Dir da mein Artikel über Wirklichkeit, die Ursachen dafür wenig besser zu verstehen.

Insofern kannst Du jederzeit mit vollstem Recht und intensivster Recherche in Literatur und Internet versuchen, Dich hinsichtlich etwaiger psychischer Störungen selbst einzuschätzen - und mit ein wenig Glück stimmt ja vielleicht sogar einiges, was Du dabei findest! Diagnostizieren (in fachlichem Sinne) kann Dich aber nur ein Psychologe, Psychotherapeut oder Psychiater - die Wahrscheinlichkeit, daß diese Diagnose dann "den Punkt trifft" wird i.d.R. weitaus höher sein, als daß das jemandem mit einer Selbsteinschätzung gelingt. Letztere sind häufig der Grund, warum viele Leute erst nach vielen wertvollen, aber verlorenen Jahren der Versuche, sich selbst "am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen", mit einer Psychotherapie beginnen - welche dann fast immer länger dauern wird als hätte man sich gleich bei den ersten Problemen Hilfe durch eine dafür ausgebildete und einem selbst gegenüber neutrale Person gesucht.

Freundliche Grüße,
R.L.Fellner

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Beitrag Mi., 26.05.2010, 15:14

Vielen Dank für die ganzen schönen Antworten!
Ich würde sagen alle meine Fragen sind beantwortet!

Liebe Grüße
Tyrael

P.S.: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Psychologen/Psychatern/und Psychotherapeuten?
Hab da nur so wage Ahnungen anhand der Worte selbst, -loge als in dem Fachgebiet Gelerter und -therapeut als Heiler/Helfer!?
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Beitrag Mi., 26.05.2010, 15:34


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Beitrag Do., 27.05.2010, 07:31

Wunderbar
Ja das wars dann, Danke nochmal!!!

LG
Tyrael
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Beitrag Do., 27.05.2010, 14:12

Schön, das wir Dir helfen konnten!

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Beitrag Mi., 10.11.2010, 18:42

R.L.Fellner hat geschrieben: Insofern kannst Du jederzeit mit vollstem Recht und intensivster Recherche in Literatur und Internet versuchen, Dich hinsichtlich etwaiger psychischer Störungen selbst einzuschätzen - und mit ein wenig Glück stimmt ja vielleicht sogar einiges, was Du dabei findest!
mit ein wenig glück würde ich irgendwas finden was das alles irgendwie anders plausibel erklärt....

habe mich erstmal eine ganze weile von allem mit der vorsilbe psych- distanziert!!
wie ihr sehen könnt erfolglos: sonst würde ich ja nicht wieder hier sein und schreiben.
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Beitrag Mi., 10.11.2010, 18:48

Abgesehen von den ganzen anderen Ängsten in Bezug zum ersten Ganz zum Psychowasauchimmer, habe ich sorge jemand anderem der den Platz (die Zeit des Psychologen) dringender braucht als ich das zu nehmen und damit quasi für sein/ihr weiterleiden verantwortlich zu sein....
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Beherit
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Beitrag Mi., 24.11.2010, 21:22

Hallo,
ich wollte auch mal was zum Thema 'Selbsttests' sagen... also wenn alle Tests 'ne richtige Diagnose wären, dann hätte ich ja unzählige Störungen!
Ich habe schon lange psychische Probleme und habe deswegen auch ständig irgendwelche Selbsttests gemacht, weil ich wissen wollte, was mit mir nicht stimmt. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich ja dann fast alles haben würde.

Also so ganz sicher sind solche Tests auf keinen Fall...
Wenn man sich mit irgendeiner Störung identifizieren kann und der Meinung ist, dass man diese hat, kann man zum Psychologen gehen und eine Diagnose stellen lassen. Ich würde jedoch nicht auf Selbsttests hören.
Die sind ja lediglich dazu da, um einen eventuellen Verdacht aufzustellen.
"Unangenehme" Gefühle sind wie bittere Medizin. Wer sie nicht einnimmt, wird krank!

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Tyrael
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Beitrag Mi., 24.11.2010, 22:33

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