Aber wenn ich darüber nachdenke ob ich das weiter machen soll oder nicht dann würde ich mir überlegen was das bedeutet und wie das gehen kann. Und es wird sicher nicht gehen indem ich die anderen Gruppenmitglieder als "zu schwierig" einstufe und mir beim Therapeuten "hintenrum" Rückendeckung GEGEN die Gruppe zu holen versuche.
Ich finde nicht, dass es hintenrum ist. Wenn man sowas erlebt, es seltsam findet, muss man mit dem Therapeuten drüber reden, schon um seine Wahrnehmung abzugleichen, zu verstehen, dass so ein Verhalten auch dem Alphatier der Gruppe aufstößt. In einer Gruppentherapie ist der Therapeut (zumindest vermeintlich) der GEsunde, an dem sich die Patienten orientieren. Und natürlich spricht man darüber, ob man zu empfindlich ist oder er das Verhalten ebenfalls nicht gut findet.
Das "narzisstische Element" ist meiner Meinung nach die Erwartung dass die anderen für mich "passend gemacht" werden sollen weil sie mir so wie sie sind nicht passen. Das kann man durchaus mal durchdenken finde ich, also ob da was dran ist dass man es sich generell wünscht dass die Welt eine andere - mir passendere - sein soll und ob man nicht im Kern darunter leidet dass das nicht so ist.
Ich lese so eine Erwartung aber nirgendwo. Und was ist eigentlich das Problem, wenn man sich wünscht, dass die Welt konfliktärmer wäre? Ich stehe weder in Gruppen noch im Großen und Ganzen auf Krieg oder verbalen Schlagabtausch. Dein Ansatz ist laissez faire und mal ganz ehrlich: So ist Gesellschaft nicht. Es gibt ungeschriebene Gesetze zu 'normalen' Sozialverhalten und sich das zu wünschen, ist nicht narzisstsich.
Sie schreibt ja selbst, dass sie im normalen Leben nicht unter den "freundlichen Menschen" (also jenen die in ihr Weltbild passen) leidet sondern unter jenen die sich NICHT so verhalten wie sie sich das wünscht. Und da könnte eine narzisstische Kränkung mit drin stecken nach dem Motto: Warum verhalten sich die anderen mir gegenüber nicht so wie ich es mir wünsche und brauche? Das DÜRFEN die doch gar nicht. Doch, dürfen sie, solange sie dabei kein Gesetz übertreten. Und sie darf solchen Leuten soweit möglich aus dem Weg gehen und muss sich nicht mehr als unbedingt nötig mit denen rumschlagen.
Es gibt eben viele Deppen auf der Welt und unter denen leidet man durchaus und man muss nicht immer nur bei sich anfangen und denken, dass man selbst falsch ist- gerade nicht, wenn man sensibel ist, weil man sowieso mit dem Anspruch in Therapie geht, dass man mehr aushalten können möchte. Das hat aber nichts mit Narzissmus zu tun. Jemandem auf die Art seine Wahrnehmung und seinen gesunden Menschenverstand abzusprechen, ist aus meiner Sicht übrigens auch subtile Gewalt. Es ist eine gnadenlos perfide Strategie. Poetry Slam scheint sensibel zu sein und deshalb nicht immer klar zu kommen und dann landet sie in einer Gruppe, in der sie sich nciht wohl fühlt, überlegt, ob sie lernen muss, mit sowas besser umzugehen und hier wird über ihren Narzismus spekuliert. Ich finde das sowas von daneben. Man muss nicht lernen mit sozial inkompatiblen Deppen umzugehen und denken, man sei total falsch, weil einen solch ein Verhalten belastet. Ich denke, der Lernprozess hier ist, dass poetry slam zu sich und ihren Wahrnehmungen, Gefühlen und ihrem Unwohlsein einen Zugang braucht, sie radikal akzeptiert und Konsequenzen zieht.
Ich würde jemandem, der in einer Firma mit so einem Betriebsklima arbeitet, auch raten, sich einen neuen Job zu suchen.
Ehrlich, ich ärgere mich dermaßen über diesen Strang und die Narzissmus-Etikettierung hier.