Meine Mutter hat psychische Probleme - was tun?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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Dieda
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Meine Mutter hat psychische Probleme - was tun?

Beitrag Do., 24.01.2008, 20:06

Hallo

Ich bin ziemlich ratlos was meine Mutter anbelangt. Ich weiss nicht ob sie tatsächlich psychisch krank ist (da sie noch nie beim Arzt war - Hausarzt einmal ausgenommen), oder was wir als ihre Familie tun sollen/können. Was ich mir erhoffe sind Tipps, wohin wir uns wenden können um einmal grob abzuklären was sie haben könnte. Wenn wir sie mit der Bitte, zu einem Arzt/Zentrum/wasauchimmer zu gehen konfrontieren, dann soll die darauf folgende Diskussion einen Sinn haben *seufz*

Sie bekommt aus nicht vorhandenen "Gründen" innerhalb von Sekunden Wutanfälle und dann weint/schreit sie, dass wir alle so schrecklich sind, ihr alles zu Fleiss machen/schlechte Menschen sind/sie ärgern wollen.
Ein Beispiel: Vater kommt nach Hause - hat für sie eingekauft (Achtung, schwerer Fehler: Er hat darauf vergessen, 2 Plastiksackerln von Hofer zu kaufen) - stellt die Einkäufe auf den Sessel und kommt nicht in derselben Sekunde dazu, sie in Papiertragtaschen umzuräumen - sie schreit und weint, dass er so vergesslich ist, wie sie das überhaupt aushalten soll, er macht ihr alles zu Fleiss. Dabei war sie vorher "gut gelaunt".

Hört sich vielleicht nicht sonderlich arg an, aber mit sowas täglich leben ist schlimm für die Familie! Die Frequenz dieser Anfälle steigert sich - seit etwa einem halben Jahr hat sie das fast täglich.

Danke für Eure Hilfe
Dieda

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rainyday
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Beitrag Do., 24.01.2008, 21:09

Hallo Dieda,

das hört sich schon nach einer Störung an, was du da beschreibst. Hast du mal versucht, deine Mutter in einer ruhigen Minute darauf anzusprechen? Wenn ihr ihr den Rat gebt, einen Arzt aufzusuchen, könnte ich mir gut vorstellen, dass sie wieder einen Anfall bekommt und euch vorwirft, ihr wolltet sie abschieben nach all dem was sie für euch getan hat etc.
Wäre es möglich, dass sich die Häufigkeit ihrer Ausbrüche steigert weil sie merkt, dass sie damit Erfolg hat? Ihr kuscht und versucht ihr alles Recht zu machen und sie bekommt so die Bestätigung: Meine Taktik funktioniert hervorragend!
Vielleicht will sie damit Anerkennung und Aufmerksamkeit einfordern. Vielleicht wäre das mal ein Thema - womit ist sie wirklich unzufrieden?
Ist sie geistig noch sehr fit? Dann setzt sie ihr Kleinkindverhalten vielleicht gezielt ein. Wie lange macht sie das schon?

LG rainyda
Would he walk upon the water
If he couldn't walk away?
And would you carry the torch for me?

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Dieda
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Beitrag Fr., 25.01.2008, 07:49

Hallo rainyday,

Zuerst einmal danke für Deine Antwort. Dieses Verhalten zeigt sie, solange ich mich erinnern kann - nur wie gesagt, war es früher längst nicht so häufig wie in der letzten Zeit. Es dürfte bei Ihr in gewisser Weise stressbedingt ausgelöst werden - nur macht sie sich den Stress zwangweise selbst. Sie ist jetzt in Frühpension und hat die Fitnesstrainerausbildung gemacht (und natürlich Kurse übernommen), zusätzlich organisiert sie Wanderungen und übernimmt Nordic-Walking-Kurse. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen ist sie jetzt zusätzlich noch Städte-Reiseleiterin. Das bezeichne ich als selbstgemachten Stress. Sie braucht diese Tätigkeiten, damit sie vor sich selbst bestätigt, wie gut/toll sie doch nicht ist - und wenn meine Familie ihr nicht täglich, stündlich, minütlich sagt, wie gut/toll sie nicht ist dann kommt eben ein Anfall. Und momentan kriegt sie auch Anfälle ohne Grund (so wie ich im ersten Posting beschrieben habe).

Soweit ich weiss hatte sie vor ungefähr 15 Jahren einen schlimmen Anfall und mein Vater ist mit ihr Hals-über-Kopf zur Erholung für 2 Wochen weggefahren - das hat ihr bzw. ihm damals ein Arzt gesagt. Damals hatte sie mit Selbstmord gedroht. Ich war damals noch zu jung um wirklich mitzukriegen was da passiert ist. Ich weiss auch nicht, wieso der Arzt damals nicht nachgefasst hat.

Ich habe viel zu lange diese Situation akzeptiert bzw. mir eingeredet, dass es doch nicht so schlimm ist und jetzt versuche ich eben, einmal herauszufinden, was da eigentlich im Argen ist. Das eine "Diskussion" herauskommen wird bin ich mir ziemlich sicher aber ich möchte ihr etwas konkretes sagen können wenn ich mit ihr rede. Vielleicht hört sie mir mehr zu als dem Rest meiner Familie (ich war immer die diplomatische, das nette Mädchen). Hoffen darf man ja noch

Womit sie unzufrieden ist: Vor allem mit sich selbst. Sie hat kein Selbstvertrauen, obwohl man das nach aussen überhaupt nicht sieht. Sie braucht dauernde Bestätigung, dass sie perfekt ist und alle anderen schlecht/nicht gut genug. Insofern glaube ich nicht, dass sie das gezielt einsetzt, soweit denkt sie nicht. Das ist rein ein instinktgesteuertes Verhalten.

Ich hoffe, Du kannst mit dieser Beschreibung etwas anfangen...

Nochmals danke für Deine Antwort,
Dieda

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rainyday
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Beitrag Fr., 25.01.2008, 20:39

Hi Dieda,
mir ist da etwas eingefallen, was zutreffen könnte. Schau mal hier. Passt das zu deinem Problem?

LG rainyday

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Lilalaunebaer
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Beitrag Di., 17.02.2009, 19:09

HallO!
bin neu hier!
Meine Mutter ist seit Jahren manisch depressiv (verbunden mit einigen Zwängen- Waschzwang,Putzzwang,KAUFSUCHT und was das schlimmste ist: kleptomanie ab und zu mal)

so: sie bekommt eh medikamente aber holt sich halt immer nur von ihrem Psychiater Rezepte aber geht im mOment in keine Therapie oder sonstiges!
Sie wäre aber nach langem Zureden meinerseits im moment wieder bereit dazu!
Ich komm mir schon selbst vor wie ein Psychiater!
es ist nur schlimm nie zu wissen ob sie es gerade im griff hat odewr nicht!

Hat jemand Adressen von Stellen wo man am besten hingehen kann (Kasse nicht privat,sie ist ist in frühpension) ?

Wäre sehr dankbar!

Danke
lg

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Zicke_84
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Beitrag Di., 17.02.2009, 19:12

Hallo

direkte ärzte diesbezüglich kann ich dir leider nicht nennen, aber wende dich an das akh in wien, die haben eine eigene psychiologie abteilung.
ich war selbst dort und kann das nur empfehlen, die helfen einem bei der arzt suche und vermitteln...

nur ob sie mit dem therapeuten dann klar kommt, das findet man dann klarer weise erst in der therapie raus, aber als erste anlaufstelle ist das dort sicher gut.

lg Zicke

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Lilalaunebaer
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Beitrag Di., 17.02.2009, 19:39

Hallo Zicke

Du meinst sie oll dort einfach auf die Psychiatrie gehen und fragen ?

Für sie wäre am besten eine stationäre behandlung aber das macht sie sicher nicht aber ich bin schon froh wenn sie wenigstens mal zu einem therapeuten geht!

vielen dank
lg

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Zicke_84
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Beitrag Mi., 18.02.2009, 12:46

Hallo- ja genau das meine ich!
Nütze den moment oder die phase wo sie sich ernsthaft behandeln lassen will.
Dort hast du keine lange wartezeit - sprich sie hat kaum die möglichkeit es sich doch anders zu überlegen.

Und dort könnt ihr ja dann ein Gespräch mit dem ärzten führen- ob stationär oder ambulant besser wäre, bzw. kannst du ja bereits am telefon erwähnen das es dir als angehöriger lieber wäre wenn sie stationär geht- und dann kann ev. der arzt sie überzeugen versuchen.

sonst kann ich dir leider keine anlaufstelle nennen.

lg Zicke

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birtesbirne
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Beitrag Fr., 26.06.2009, 20:41

Hallo,
bei meiner Suche nach genaueren Informationen über die psychische Krankheit meiner Mutter bin ich in diesem Forum gelandet. Leider hat meine Mutter nie eine Therapie gemacht und ich weiß deswegen nicht was sie hat, abgesehen von der vagen Vermutung meiner Therapeutin es sei eine Persönlichkeitsstörung, sie wollte aber nichts genaueres dazu sagen und viel Informationen hab ich im Netz auch nicht gefunden. Ich bin mir recht sicher, dass sie kein Borderline hat, daher meine Frage: kennt sich jemand mit anderen Persönlichkeitsstörungen aus? Oder hat jemand vielleicht genau wie ich das Pech, ein Elternteil mit einer undiagnostizierten psychischen Krankheit zu haben?

Alexis

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lovely25
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Beitrag Sa., 27.06.2009, 00:04

hallo alexis,

erstmal herzlich willkommen hier im forum. meine frage ist, wie ist denn dein verhältnis zu deiner mutter? ich meine in wie fern kannst du mit ihr über solche dinge sprechen? und welches verhalten deiner mutter lässt dich "vermuten" das sie eine persönlichkeitsstörung hat. also ich kann von mir sagen, dass ich eine abhängige Persönlichkeitsstörung (mal intensiver, mal weniger) habe. dank guter therapie aber mittlerweile relativ gut damit zu recht komme.

lg, vera
Hoffnung ist nicht die Gewissheit, dass etwas gut ausgeht, sondern das alles Sinn macht egal wie es ausgeht!

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ENA
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Beitrag Sa., 27.06.2009, 00:11

Hallo Alexis!

Google doch im Netz einfach mal unter Persönlichkeitsstörungen oder guck Dir dort die Diagnosekriterien des ICD-10 an. Vielleicht ist das Dir das ein wenig hilfreich. Ansonsten hat eigentlich auch jede größere Stadtbücherei ein paar gute Bücher dazu (vielleicht auch die kleineren).

Ich kann mir schon vorstellen, warum Deine Therapeutin nichts genaueres über ihren Diagnoseverdacht bezüglich Deiner Mutter sagen mag.
Wie sieht das denn überhaupt bei Euch aus? Ich mein, Du schreibst ja, dass Deine Mutter nie eine Therapie gemacht hat. Heißt das denn, dass auch Du nur eine psychische Erkrankung bei Deiner Mutter vermutest oder war Sie tatsächlich mal bei einem Facharzt und hat eine Diagnose bekommen, die Du aber nicht kennst?
Wer leidet bei Euch unter der "Erkrankung"? Lebst Du noch mit ihr zusammen? Spricht Sie selber von ihren Schwierigkeiten? Hast Du den Eindruck, sie wäre,..."krankheitseinsichtig" und würde sich helfen lassen?

Ich frage deshalb, weil ich denke, dass es ja in aller erster Linie auf Deine Mutter ankommt,...wie es ihr mit ihrer Situation geht, wie viel sie leidet, ob sie weiß/ahnt, dass sie krank sein könnte, ob sie sich helfen lassen würde, wenn sie wüßte wie und wo.
Natürlich kann es hilfreich sein, zu wissen, was mit seinen nächsten Verwandten, wie auch Bekannten/Freunden,...ist,...aber was würde Dir bzw. Deiner Mutter es bringen, wenn Du weißt, wie sich das nennt, was Du bei Deiner Mutter vermutest?
Soll jetzt nicht negativ klingen, nur ein bisschen zum Gedankenanregen. Vielleicht weißt Du das ja auch schon alles für Dich. Kann sein.

Viele Grüße, ENA!

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birtesbirne
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Beitrag Sa., 27.06.2009, 16:08

Hallo,
danke erstmal für die Antworten. Tja, ich kann mit meiner Mutter leider gar nicht über das Thema sprechen, sie ist nicht bereit und wahrscheinlich auch nicht in der Lage über sich selbst nachzudenken, Gedanken zu äußern die von ihrer "bei uns ist alles sooo toll"-Welt abweichen und auf Gefühle anderer Menschen einzugehen. Ich weiß nicht ob sie leidet, ich glaube sie schiebt alles Leid so gekonnt von sich, dass sie sie bestimmt nicht mehr spürt. Sie ist also auch nicht krankheitseinsichtig und ich lebe zum Glück nicht mehr bei ihr, das hätte sie auch gar nicht zugelassen, sie hat mich rausgeschmissen als ich 12 war, ich sollte ohne sie klarkommen und ihr gleichzeitig helfen. Ich weiß nicht, irgendwie hat sie es fertig gebracht, mich von sich zu schubsen und gleichzeitig zu binden.
Naja, meine Therapeutin ist wohl ähnlicher Meinung wie du ENA, also dass es mir nichts bringt zu wissen wie das heißt was sie hat. Ich denke das aber nciht, denn ich möchte darüber sprechen können ohne gleich alle Details erzählen zu müssen (das würde mir helfen offener damit umzugehen) und ich könnte sie so vielleicht besser verstehen. Das gleiche Problem habe ich auch jetzt grade, es fällt mir sehr schwer zu beschreiben wie ich auf die Einschätzung komme, weil ich nur einzelne Erlebnisse schildern könnte und das würde Seiten füllen.
Was ist denn eine abhängige Persönlichkeitsstörung lovely25? Ich habe mir diese Einteilungen auf den Internetseiten über Persönlichketisstörungen durchgelesen, keine davon trifft so richtig auf meine Mutter zu.

Grüße,
alexis

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ENA
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Beitrag Sa., 27.06.2009, 22:57

Hallo Alexis,

oh, ha,...mit 12 rausgeschmissen worden...das hört sich ja echt heftig an!!!

Ja..., wenn Deine Mutter nicht einsichtig ist und auch nicht äußert, dass es ihr schlecht geht, bleibt für Dich wohl wirklich nichts mehr anderes übrig, als zu gucken, wie Du selber mit der Situation umgehst.
Deine Therapeutin kann Dir da sicher gut bei helfen, oder?

Es ist natürlich schwer, da eine Diagnose oder, ich sag mal, ein Begriff für Dich rauszufinden. Deine Mutter geht ja nicht zu einem entsprechenden Arzt und selbst das was Deine Therapeutin vermutet, ist ja im Endeffekt nur so etwas wie eine vage Ferndiagnose... .

Hast Du mit Deiner Therapeutin gesprochen, warum es Dir so wichtig ist, einen Begriff dafür zu bekommen?
Vielleicht kannst Du ja auch einfach einen eigenen dafür finden oder das Verhalten Deiner Mutter kurz, mit wenigen Begriffen umschreiben?...

Ich kenne das übrigens auch, dass Diagnosekriterien nie richtig passen. Ich habe auch mal eine Weile danach gesucht, "was los ist", mich aber immer nur teilweise wieder gefunden. Nichts passte so ganz.

...oder kannst Du den Begriff Deiner Therapeutin nehmen - "Persönlichkeitsstörung"?

Liebe Grüße, ENA!

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birtesbirne
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Beitrag So., 28.06.2009, 10:12

Hey Ena,
Ich bin schon lange in Therapie und den einzigen Weg mit meiner Mutter 'umzugehen' den ich gefunden habe ist, nichts mehr mit ihr zu tun zu haben. Es ist schon fast erschreckend, wie gut das tut. Deshalb sitze ich dann auch hier und suche andere Möglichkeiten, mich darüber auszutauschen und evtl. ein bißchen dahinter zu kommen, wie man so sein kann, wie meine Mutter ist. Was ich wirklich gerne wissen würde ist, welche Ursachen es für Persönlichkeitsstörungen gibt, weiss jemand was darüber? Auf den Internetseiten die ich gefunden habe waren nur die charakteristischen Verhaltensweisen aufgelistet.
Naja, dass die Begriffe nie so ganz passen das kenne ich auch von mir selbst. Da finde ich es nicht schlimm, ich denke dass ich eben ein Individuum bin und dass diese Diagnosekriterien nicht sehr individuell sind.Ich weiß relativ genau warum mir eine Diagnose oder ein Begriff wichtig ist: meine Mutter ist mir so fremd, ich verstehe sie überhaupt nicht und habe sie auch nie verstanden. Ich denke, vielleicht komme ich ihr so auf die Spur. Der Begriff Persönlichketisstörung ist auch schon mal ein Anhaltspunkt. Eine Persönlichkeitsstörung bekommt man nicht und dann geht sie vielleicht wieder wie eine Depression, es ist ein fester Bestandteil des Charakters und entwickelt sich, ja, wann? das weiss ich nicht. Ich schätze in der Kindheit. Hat man so eine Persönlichkeitsstörung dann ein Leben lang oder kann sie auch wieder ausklingen?
Jetzt wo ich meinen Beitrag nochmal durchlese denke ich, dass meine Mutter das Fremde in mir ist, es macht mir Angst. Ist das vielleicht etwas normales für Kinder psychisch kranker? ich hoffe es

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ENA
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Beitrag So., 28.06.2009, 11:47

Hallo Alexis,

ich bin zwar keine Fachärztin, will Dir aber trotzdem ein bisschen von dem sagen, was ich weiß:

Es wird unterschieden zwischen Persönlichkeitsstil (den jeder von uns hat) und Persönlichkeitsstörung (also in etwa das Extrem eines Persönlichkeitsstils, das Probleme für den Betroffenen und die Umwelt bringt (auch wenn die Betroffenen das u.U. nicht so sehen - allerdings will auch nicht jeder bestimmte Charaktereigenschaften haben...).
Eine Persönlichkeitsstörung beginnt ihre Entwicklung in der frühesten Kindheit (wobei ich diesbezüglich die Vermutung Deiner Therapeutin sehr vage finde, sie kennt Deine Mutter ja nicht). Hier werden sozusagen die Grundsteine dafür gelegt. Was sich dann daraus entwickelt, ist abhängig davon, was danach passiert: also unter welchen Lebensbedingungen jemand aufwächst (Umfeld, Familie, finanzielle und Wohnsituation,...), wieviele und vor allem welche Kontakte er außerhalb der Familie hat, wie sich die eigene Schul- und Berufslaufbahn entwickelt hat, ob es Schicksalschläge gab, ob Drogen,... mit im Spiel waren, welche Ressourcen, also Möglichkeiten zur Bewältigung er selber mit sich bringt und hat,...und in wie weit er in der Lage ist, sich Hilfe zu holen. All das spielt damit hinein.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für eine Persönlichkeitsstörung (genauso wenig wie für andere psychische Erkrankungen auch) keine Einzelursache gibt, sondern es sich aus mehreren, also verschiedenen Umständen bedingt.
Es wird zwischen 12 oder 13 Persönlichkeitsstörungen unterschieden, es gibt aber auch Diagnosen die lauten irgendwie "nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung",...man geht also von einer Persönlichkeitsstörung aus, die aber Merkmale von verschiedenen Störungen aufweist, ohne genau auf eine bestimmte zuzutreffen. Die Störung ist aber so stark, dass sie nicht mehr nur einen "normale" Störung ist, sondern eben eine Persönlichkeitsstörung. Nicht jeder der eine Zwangsstörung hat, hat ja auch gleichzeitig eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung und nicht jeder, der lieber alleine ist und vieles nüchtern, ohne viel Emotionen betrachtet, ist gleich schizoid.

Von daher ist das Ganze ein nicht so ganz einfaches und leicht zu durchschauendes Thema. Gerade deswegen gibt es ja u.a. auch die ganzen Kriterien, von denen so und so viel stimmen müssen, bevor man eine solche Diagnose vergibt.

Ich glaube zwar immer noch, dass Dich die Auseinandersetzung mehr verwirrt als weiterbringt (das ist meine Vermutung, kann natürlich auch anders sein!), aber ich kann Deinen Wunsch auch verstehen, endlich mal begreifen zu können und Worte dafür finden zu wollen, was da eigentlich ist, was da eigentlich wirklich passiert ist und warum. Ich hab das in anderen Dingen auch.

Okay, aber nicht desto trotz mag ich Dir zwei Bücher empfehlen, wenn Du Dich damit weiter auseinander setzen magst:
- "Grundformen der Angst" von Fritz Riemann. Ein Klassiker, in dem sehr schön und ausführlich beschrieben wird (mit Blick in die Kindheit und mögliche Auslöser - aus analytischer Sicht), wie ausgehend von den Grundängsten bestimmte Persönlichkeitstypen entstehen können.
- "Integrative Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen" von Peter Fiedler. Ist ein wirkliches Fachbuch und nicht ganz billig. Dafür wird da meines Erachtens sehr schön der Unterschied zwischen Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörung, sowie deren Funktion beschrieben. Es wird erläutert, wie verschiedene Persönlichkeitsstörungen/Kriterien gemeinsam auftreten können und es werden Therapieansätze aufgezeigt. ...aber es ist ein Fachbuch.

Achso und...auch wenn die Frage an lovely gerichtet war (Verzeihung lovely, aber Du kannst ja dafür mehr inhaltlich berichten als ich): Eine abhängige Persönlichkeitsstörung ist eine dependente Persönlichkeitsstörung,...aber die wirst Du ja auch bei Deinen Recherchen im Netz gefunden haben.
Du fragst, ob man eine P.-Störung sein Leben lang hat... . Also so genau weiß ich das nicht. Ich denke, so die Grundzüge (also wie die P.-Stile) behält man sein Leben lang,...aber man kann durch aus soweit daran arbeiten, dass man damit ein relativ gutes Leben leben kann und sich und andere dabei nicht gefährdet.
Du fragst, ob es normal für Kinder psychisch kranker Eltern ist (obwohl das ja nicht feststeht, aber vermutet wird), dass eben diese das Fremde in einem sind, die einem Angst machen... . Also ich glaube, dass kann durchaus sein, weil man sich ja auch als Kind zunächst einmal über die Eltern definiert. Man sagt ja z.B auch, wenn ein Elternteil fehlt, dass ein Teil von einem fehlt. ...und dass Dir das Angst macht, dieses Unbekannte, das kann ich sehr gut nachvollziehen!!!

So, jetzt habe ich aber wirklich genug geschrieben. Hoffe ich habe Dich nicht verwirrt, sondern eher geholfen. Mehr wollte ich auch nicht.

Liebe Grüße, ENA!