Mutter, Ich und die Luftblase

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.
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AEIOU
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Mutter, Ich und die Luftblase

Beitrag Sa., 05.04.2014, 18:55

Hallo an Alle, ich bin ganz neu hier und ich weiß auch, dass mir niemand hier die Empfindungen die ich habe abnehmen kann, ich sage mir selbst sehr oft " Es ist wie es ist", aber auch jetzt, wo ich in den Mid-20ern bin, merke ich einfach, das es zuviele Tage gibt, an denen ich mich fühle, als ob ich in einer Luftblase daher schwebe. Ich habe absolut keinen Halt in garnichts. Ich weiß nicht wohin ich gehe, ich weiß nicht mit wem ich meinen Weg gehe, eigentlich gehe ich in ganz alleine. Familiäre Unterstützung habe ich keine. Meine depressive Mutter, die seit meinen Kindestagen depressiv ist, macht sich durchgehend Sorgen. Nur mittlerweile glaube ich erkannt zu haben, dass das ihr "Problem" ist, dass aus der Depression entspringt. Sorgen hat sie sich schon immer gemacht, aber ich bin der Meinung, dass sie das einfach nur der Sorgen wegen hat. Meine Mutter und ich hatten noch nie ein gutes Verhältnis. Wenn ich zurück blicke, war es miserabel. Sie hat mir sehr viele Dinge an den Kopf geworfen, die man als Kind einfach nicht hören möchte. "Verflucht sei der Tag andem du geboren wurdest", " schlag mich doch", "du bringst mich um" . Selbst in meiner Jugend habe ich das nicht verstanden, und das war für mich einfach total kontextlos zu sagen, dass ich sie doch "schlagen soll", ich habe niemals in irgendeiner Form meine Mutter irgendwie angefasst. Sie hat den Computer (damals ein rießen Gerät) einfach auf den Boden geschmissen,während ich an ihm saß. Außerdem war alles was ich gemacht habe, was ich gesagt habe, wieviel ich gewogen habe, es war alles falsch. In ihren Augen habe ich noch nie etwas richtig gemacht. "Kind, du musst auf deine Figur achten", "Kind, du bist immer nur zu Hause", "Kind, ich sehe dich nie lernen", " Kind, ich kann mich mit dir nicht unterhalten" "Kind, du musst dies du musst das".
Wenn meine Mutter nach Hause kam, stand schon das Abendprogramm. Ich bin fast jeden Abend heulend ins Bett gegangen. Es kam sehr oft zu sehr heftigen Diskussionen in der Jugend. Aber meine Mutter hat das nicht weiter interessiert, am nächsten Tag wurde das einfach nicht angesprochen, es wurde geschwiegen und so ging das Tag für Tag. Ich habe für mich dann wirklich innerlich mit dieser Frau abgeschlossen, ich habe die Situation so hingenommen und war so gut wie nie zuhause, dank meiner Hobbies denen ich nachgehen konnte. Sie kam natürlich immer wieder und sagte dann Sätze wie " Kind, du hast nur mich auf dieser Welt, ich bin deine Mutter" , aber ab einem Zeitpunkt haben diese Worte nichts mehr in mir gerührt. Meine Mutter hat mich nie nach meinem Hobby gefragt, geschweige denn vorbeigeschaut, denn man konnte dabei zuschauen. Sie hat Montags bis Sonntags(!) gearbeitet ( aber sie hätte es nicht nötig gehabt soviel zu Arbeiten, das weiß ich heute!) Unter der Woche war ich bis zu meinem 12 Lebensjahr nach der Schule im Hort bis 17 Uhr und ab meinem 13. Lebensjahr zu Hause. Wir haben wirklich nie irgendwas an Wochenenden unternommen, wenn sie Zeit hatte am Wochenende, dann lag sie auf dem Sofa vor dem TV. Und wenn ich mich dazu gesetzt habe, dann wurde mir vorgeworfen, dass ich mich ja nicht unterhalten kann. Und das es nicht an ihr liegen kann, weil sie jobbedingt, das ja jeden Tag tut. Freunde die ich hatte, waren alle nicht gut in ihren Augen. Wenn sie nach Hause kam, hatte sie schon diesen Blick, ich wusste immer was als nächstes kommt und ich habe damals wirklich die Schuld in meiner Existenz gesehen. Ich habe gedacht ich wäre ein schlechter, nichtstaugender Mensch. Trotz allem hat man mir das soweit ich glaube nicht angemerkt. Ich hatte immer Freunde und Spaß mit den Freunden, die ich nie nach Hause einlud. Daher wurde mir dann auch immer vorgeworfen "wo sind denn deine Freunde, wieso lädst du sie nicht ein?"

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AEIOU
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Beitrag Sa., 05.04.2014, 18:57

Andere Familienangehörige habe ich nicht, mein Vater hat eine neue Familie mit drei Kindern, über meinen Vater hat meine Mutter immer schlecht geredet. und auch hier " du bist wie dein Vater"
Meine Tante war eh alles egal, mein älterer Cousin sowieso. Ein oberflächiges "wie läufts in der Schule?" in der Schule lief es scheiße, aber das habe ich natürlich nicht gesagt, das hat ja schon meine Mutter übernommen. Ich habe jedes Krisengespräch und Verzweiflung über mich zwangsweise mitbekommen, weil das Wohnzimmer an meinem Zimmer angrenzt. Jede Idee, jedes Vorhaben, alles was meinen Gedanken entsprang und nicht mit ihren übereinstimmten, und das waren fast alle Gedanken wurden für nichtig gehalten, verachtet, nicht wertgeschätzt und belächelt.
Zum Studium "Das schaffst du nicht, das ist zu hart, blablabla.
Ich habe es nach dem Abi trotzdem gewagt, und ich habe in der Zeit des Studiums wirklich viele Krisen gehabt. Weil ich in eine neues Land, eine Stadt mit neuen Leuten gezogen bin. Das Leben, dass ich in WG's erfahren durfte, hat mir wirklich die Augen geöffnet. Das was meine Mutter und ich hatten, war alles andere als normal. Und ich weiß auch, dass ich nicht normal sein kann, ich komme mit WG-Bewohnern klar, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht tauglich für Beziehungen bin, ich trage eine Aggression in mir und ich finde Menschen auch toll, aber die selben Menschen finde ich in der nächsten Sekunde schon wieder total daneben und bin mir über das Bild der Person nicht mehr sicher.
Jedenfalls, ich stehe kurz vor meinem Studiumabschluss und wohin es danach gehen soll, ich hab keine Ahnung. Es ist nicht so das ich mich vor dem was kommt fürchtet, aber ich finde den Gedanken furchtbar und den habe ich oft, dass ich hier alles alleine machen muss. Das macht mir überhaupt keinen Spaß.

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Tamila
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Beiträge: 611

Beitrag So., 06.04.2014, 16:42

Liebe AEIOU (gut dass ich hinter das Muster kam mit den Vokalen ),

Es tut mir leid, wie deine Kindheit war, das schmerzt schon beim Lesen. Bist du Deutsche und studierst in Argentinien oder bist du Argentinierin und studierst in Deutschland? Beides ist schon mal sehr mutig.
Du hast auch dein Studium angepackt, ohne die Unterstützung deiner mit sich selbst beschäftigten Mutter.

Denke immer an die wenigen guten Zeiten, egal ob sie nur ein paar Minuten waren und an alles , was du allein in deiner Kindheit ohne sie schönes erlebt hast und hattest. Mir hilft das immer.

Ich kenne auch das Gefühl, anderen Menschen gegenüber wie ein Mensch von einem anderen Planeten zu sein. Ich meine, das kommt daher, das sie durch ihr meist besseres Elternhaus vielleicht viel mehr Selbstbewusstsein haben und nicht soviel nachdenken wie Menschen, die in ihrer Kindheit unterdrückt und vernachlässigt wurden.

Dein Thema spricht mich gerade an, weil ich selbst immer die Liebe und den Schutz meiner Mutter vermisst habe. Meine war zwar nicht depressiv, aber wohl auf eine gewissen Weise traumatisiert und auch mit sich selbst beschäftigt. Ich leide da in meiner Therapie sehr drunter momentan, denn sie hat mich allein gelassen, nachdem meine Eltern sich scheiden ließen.

Hast du irgendjemanden, der von deiner Not weiß, mit dem du im realen Leben drüber redest, wie du dich fühlst? Hast du schon mal an Therapie gedacht? Denn ich denke, diese Sache wird dein Leben noch lange beeinflussen, mal mehr mal weniger stark.

LG memory, ich denk an dich.
लोकाः समस्ताः सुखिनो भवन्तु]

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