Ich bin seit knapp 10 Jahren Opioid-Schmerzpatient und leide mein gesamtes Leben lang und schweren Depressionen. Nie haben sich Opioide auf meine Depressionen ausgewirkt, ich habe Erfahrungen, die von Tramadol/Tilidin bis Buprenorphin reichen. Allerdings bekam ich nie Morphin. Bis vor etwa 2 Monaten. Der Arzt warnte mich, dass die Nebenwirkungen heftiger wären, und das sind sie in der Tat. Selbst nach ungewöhnlich langer Zeit habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Bei den anderen Opioiden ist mir das vollständig gelungen.
Ein Nebeneffekt ist, dass ich praktisch kaum noch Depressionen habe, ohne jede andere Medikation. Todessehnsucht habe ich kaum noch und ich kann wieder arbeiten. Auch wirkt es besser gegen Schmerzen als alles andere (wenngleich ich die noch habe, aber ich nehme immer nur soviel wie unbedingt nötig - 20mg/12h), ich benötige im Vergleich ein Drittel weniger und habe zum ersten Mal einigermaßen erträgliche Schmerzspitzen, so dass ich kein zusätzliches Opiod brauche.
Dennoch finde ich das ganze zumindest bedenklich. Die körperliche Sucht ist schon schlimm genug, eine drohende, sich langsam entwickelnde Abhängigkeit macht mir aber angst... Bei den anderen Opioiden fühlte ich mich schon nach kurzer Zeit klar im Kopf. Deshalb überlege ich, wieder zu einem anderen Opioid zu wechseln. Natürlich spreche ich darüber demnächst mit meinem Arzt, aber mich würden auch andere Meinungen dazu interessieren. Wie wertet ihr das Nutzen/Risiko-Verhältnis, insbesondere im Hinblick auf die Depressionen? Ich muss dazu sagen, dass ich Antidepressiva entweder schlecht vertrage oder sie nicht so gut wirken. Zuletzt bekam ich Neuroleptika, die aber auch nicht überragend waren. Ein Klinikaufenthalt erschien bis vor kurzem noch unumgänglich, doch nun bin ich seit langer Zeit endlich wieder auf einem erträglichen und vor allem produktiven Level stabil. Letzeres hat bisher noch kein Psychopharmakon geschafft.
Depressionen und Morphium
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Nachtvogel
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, 39 - Beiträge: 299
Man kann nicht einfach so aus blauem Himmel eine Antwort auf diese Frage geben. Eine Frage wäre z.B. nach dem Grund für die Depressionen. Woher kommen sie? Und was ist ausser einigen Antidepressiva schon versucht worden? Warst du in Therapie?
Dann auch die Frage, warum du so starke Schmerzmittel brauchst. Ist es eine lebenslange Geschichte? Und lebst du damit lange? Falls es sich um einen nicht zu behandelnden Krebs handelt, bräuchtest du dir doch eigentlich nicht so viele Gedanken um mögliche Abhängigkeiten zu machen ... Falls du damit allerdings noch durchs ganze Leben musst, spielt das schon eine wichtige Rolle. Denn irgendwann geht es damit dann bergab, dann überwiegen schlechte Nebeneffekte über die guten.
Dann auch die Frage, warum du so starke Schmerzmittel brauchst. Ist es eine lebenslange Geschichte? Und lebst du damit lange? Falls es sich um einen nicht zu behandelnden Krebs handelt, bräuchtest du dir doch eigentlich nicht so viele Gedanken um mögliche Abhängigkeiten zu machen ... Falls du damit allerdings noch durchs ganze Leben musst, spielt das schon eine wichtige Rolle. Denn irgendwann geht es damit dann bergab, dann überwiegen schlechte Nebeneffekte über die guten.
Das habe ich mir mittlerweile auch schon gedacht, aber ich wollte das wohl einfach mal loswerden. Trotzdem danke für die Antwort.Man kann nicht einfach so aus blauem Himmel eine Antwort auf diese Frage geben.
Woher die Depressionen kommen, weiß ich nicht, ich habe sie schon, solange ich denken kann. ADs haben mir immer geholfen, wenn ich mich umbringen wollte - mehr können sie aber nicht. Mit oder ohne, ich vegetiere einfach vor mich hin... Daneben habe ich natürlich einige Therapien und Klinikaufenthalte hinter mir, auch ohne Besserung.
Die Schmerzen sind rheumatisch bedingt, ist eine Erbkrankheit. NSAR wirken sehr gut, besser als jedes Opioid. Aber mein Magen ist mittlerweile völlig kaputt, es bleiben nur noch diese. Sogar Cox2-Hemmer vertrage ich nicht mehr. Also werde ich für den Rest meines Lebens dieses Zeug nehmen müssen, wenn nicht irgendwann aus der Forschung was neues kommt.
Mittlerweile habe ich aber nicht mehr soviel Angst. Wenn ich arbeite und aktiv bin, spüre ich praktisch nichts mehr, nur wenn ich wie jetzt vor dem Schirm sitze, kommt es mir vor, als hätte ich ein Brett vorm Kopf. Ich sollte mir wohl nicht so viele Gedanken machen. Ich werde es einfach meinem Arzt erzählen, der kennt mich schon viele Jahre.
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Nachtvogel
- Forums-Insider

, 39 - Beiträge: 299
Hallo Orbit,
hast du denn schon einmal eine Psychotherapie gegen die Depressionen versucht? AD's versuchen ja nur den "seelischen Schmerz" zu dämpfen, heilen tun sie allerdings nicht.
Ich habe selbst Erfahrungen mit Depressionen. Selbstmordversuch, längere Zeit des Dahindämmerns (völlig unfähig, was zu machen). Ich habe sämtliche AD's durchprobiert, genauso Beruhigungsmittel, Schlafmittel. Was jedoch mit der Zeit Besserung verschafft hat, war und ist wirklich die Therapie. In meinem Fall eine psychoanalytische Therapie ... aber es hängt von jedem selbst ab, welche Form zu einem am Besten passt.
Mit Morphium habe ich insofern nur Erfahrungen, als das meine Mutter es in den letzten Jahren ihres Lebens (Krebs) bekommen hat. Meist jedoch in die Wirbelsäule, dann ging davon nichts ins Blut und dadurch hat es sich nicht auf ihre Denkfähigkeit ausgewirkt (soll dann auch nicht abhängig machen). Ich glaube aber, dass dies nur möglich ist, wenn der Patient bettlägrig ist (eine mobile Form davon gibt's wohl nicht). Lag sie nicht im Bett, hatte sie Tropfen .. ich bin mir aber nicht mehr sicher, was das genau war.
Ich denke auch, dass es richtig ist, dem Arzt von deinen Bedenken zu erzählen. Vielleicht kann er dich beruhigen. Vielleicht gibt es auch andere Schmerzmittel, die ihr noch nicht ausprobiert hat. Oder du nimmst das Morphium eine Weile (weiss nicht, wie schnell es süchtig macht), bis sich dein Magen beruhigt hat und steigst dann auf ein anderes Mittel um.
LG, Nachtvogel
hast du denn schon einmal eine Psychotherapie gegen die Depressionen versucht? AD's versuchen ja nur den "seelischen Schmerz" zu dämpfen, heilen tun sie allerdings nicht.
Ich habe selbst Erfahrungen mit Depressionen. Selbstmordversuch, längere Zeit des Dahindämmerns (völlig unfähig, was zu machen). Ich habe sämtliche AD's durchprobiert, genauso Beruhigungsmittel, Schlafmittel. Was jedoch mit der Zeit Besserung verschafft hat, war und ist wirklich die Therapie. In meinem Fall eine psychoanalytische Therapie ... aber es hängt von jedem selbst ab, welche Form zu einem am Besten passt.
Mit Morphium habe ich insofern nur Erfahrungen, als das meine Mutter es in den letzten Jahren ihres Lebens (Krebs) bekommen hat. Meist jedoch in die Wirbelsäule, dann ging davon nichts ins Blut und dadurch hat es sich nicht auf ihre Denkfähigkeit ausgewirkt (soll dann auch nicht abhängig machen). Ich glaube aber, dass dies nur möglich ist, wenn der Patient bettlägrig ist (eine mobile Form davon gibt's wohl nicht). Lag sie nicht im Bett, hatte sie Tropfen .. ich bin mir aber nicht mehr sicher, was das genau war.
Ich denke auch, dass es richtig ist, dem Arzt von deinen Bedenken zu erzählen. Vielleicht kann er dich beruhigen. Vielleicht gibt es auch andere Schmerzmittel, die ihr noch nicht ausprobiert hat. Oder du nimmst das Morphium eine Weile (weiss nicht, wie schnell es süchtig macht), bis sich dein Magen beruhigt hat und steigst dann auf ein anderes Mittel um.
LG, Nachtvogel
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Ich habe wie gesagt mehrere Therapien hinter mir, hauptsächlich Gesprächstherapien.
Zur Morphiumpumpe, die in die Bauchhöhle implantiert wird, möchte ich noch anmerken, dass diese nicht auf Bettlägrigkeit beschränkt ist, obwohl die Nadel ins Rückenmark zielt. Der Vorteil davon ist, dass nur etwa 10% der Menge benötigt wird, um eine gleiche Wirkung zu erzielen.
Bis vor kurzem hätte ich noch geschworen, dass Schmerzpatienten keinerlei geistige Beeinträchtigung erfahren, jedenfalls nach kurzer Eingewöhnungsphase. Vielleicht dauert es aber bei Morphium einfach länger. Bei einer Pumpe dürfte der Effekt aber so oder so aufgrund der geringen Menge kaum auftreten.
Generell sagt man, dass Schmerzpatienten zwar körperlich süchtig werden (davon kann ich ein Lied singen, ist bereits nach 4 Wochen der Fall), aber nicht psychisch, wenn sie korrekt behandelt werden. In den letzten 10 Jahren hatte ich mal 1 Jahr Pause, ein anderes Mal 6 Monate. Das war für mich völlig problemlos, denn ich habe mich ohne genauso gefühlt wie mit. Diesmal jedoch fühle ich mich anders. Ich bin zwar nicht glücklich, euphorisch oder high, aber weit davon entfernt ist es nicht, sonst würde es wohl auch nicht antidepressiv wirken.
Es gibt noch ein paar Opioide, die ich noch nicht ausprobiert habe. Ich schwanke momentan, aber das kann ich wohl nicht entscheiden. Ich ertappe mich jetzt schon bei dem Gedanken, darauf nicht mehr verzichten zu wollen... Aber wer hat schon gerne Depressionen mit totaler Antriebsarmut?
Ach ja, und "beruhigen" tut sich mein Magen leider nicht mehr, selbst nach vielen Jahren völliger NSAR-Abstinenz.
Zur Morphiumpumpe, die in die Bauchhöhle implantiert wird, möchte ich noch anmerken, dass diese nicht auf Bettlägrigkeit beschränkt ist, obwohl die Nadel ins Rückenmark zielt. Der Vorteil davon ist, dass nur etwa 10% der Menge benötigt wird, um eine gleiche Wirkung zu erzielen.
Bis vor kurzem hätte ich noch geschworen, dass Schmerzpatienten keinerlei geistige Beeinträchtigung erfahren, jedenfalls nach kurzer Eingewöhnungsphase. Vielleicht dauert es aber bei Morphium einfach länger. Bei einer Pumpe dürfte der Effekt aber so oder so aufgrund der geringen Menge kaum auftreten.
Generell sagt man, dass Schmerzpatienten zwar körperlich süchtig werden (davon kann ich ein Lied singen, ist bereits nach 4 Wochen der Fall), aber nicht psychisch, wenn sie korrekt behandelt werden. In den letzten 10 Jahren hatte ich mal 1 Jahr Pause, ein anderes Mal 6 Monate. Das war für mich völlig problemlos, denn ich habe mich ohne genauso gefühlt wie mit. Diesmal jedoch fühle ich mich anders. Ich bin zwar nicht glücklich, euphorisch oder high, aber weit davon entfernt ist es nicht, sonst würde es wohl auch nicht antidepressiv wirken.
Es gibt noch ein paar Opioide, die ich noch nicht ausprobiert habe. Ich schwanke momentan, aber das kann ich wohl nicht entscheiden. Ich ertappe mich jetzt schon bei dem Gedanken, darauf nicht mehr verzichten zu wollen... Aber wer hat schon gerne Depressionen mit totaler Antriebsarmut?
Ach ja, und "beruhigen" tut sich mein Magen leider nicht mehr, selbst nach vielen Jahren völliger NSAR-Abstinenz.
Gerade rollen die Depressionen wieder an. Offenbar gewöhne ich mich doch noch daran. Toll.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle, denn wenn ich wieder der Alte werde, ist schreiben nicht mehr drin. Nochmals danke für die Anteilnahme.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle, denn wenn ich wieder der Alte werde, ist schreiben nicht mehr drin. Nochmals danke für die Anteilnahme.
Hi,
und sind sie angerollt, die Depris?? AD helfen natürlich schon, nur braucht man manchmal lange und ziemlich viel. Habe seit 13 Jahren Depris und ziemlich viel schon ausprobiert. Seit einigen Jahren bin ich auf Trimineurin und hab nach kurzer Eingewöhnung 200 mg genommen, bin dann im Laufe von 5 Jahren auf 25 mg runter, im Moment nehme ich wieder 100 mg. Offensichtlich ist mein Höhepunkt des Jahres der späte Frühling bzw der frühe Sommer, da geht es mir immer schlechter als sonst.
Opiate gelten jedoch generell als Stimmungsaufheller und geben auch mehr Zuversicht und Mut; mein Schwager bekam Opiate nach der Chemo und es ging ihm damit so gut, dass er noch mal in Urlaub wollte und sogar selbst wieder Auto fuhr obwohl er fast nichts mehr sah. Ich könnte mir vorstellen, dass man unter Opium kein AD braucht.
Aber frag doch den Doc, der sollte es wissen.
mfg
elias
und sind sie angerollt, die Depris?? AD helfen natürlich schon, nur braucht man manchmal lange und ziemlich viel. Habe seit 13 Jahren Depris und ziemlich viel schon ausprobiert. Seit einigen Jahren bin ich auf Trimineurin und hab nach kurzer Eingewöhnung 200 mg genommen, bin dann im Laufe von 5 Jahren auf 25 mg runter, im Moment nehme ich wieder 100 mg. Offensichtlich ist mein Höhepunkt des Jahres der späte Frühling bzw der frühe Sommer, da geht es mir immer schlechter als sonst.
Opiate gelten jedoch generell als Stimmungsaufheller und geben auch mehr Zuversicht und Mut; mein Schwager bekam Opiate nach der Chemo und es ging ihm damit so gut, dass er noch mal in Urlaub wollte und sogar selbst wieder Auto fuhr obwohl er fast nichts mehr sah. Ich könnte mir vorstellen, dass man unter Opium kein AD braucht.
Aber frag doch den Doc, der sollte es wissen.
mfg
elias
Ja, es ist ein unglaublicher Kampf, zu schreiben.und sind sie angerollt, die Depris??
ADs habe ich auch schon fast alle durch, wie gesagt, das einzige, was sie gut können, ist meine Todessehnsucht zu beseitigen - mehr aber auch nicht. Habe mit Pausen eigentlich immer welche genommen.
Opiate machen nur "glücklich", wenn man keine Schmerzen hat oder die therapeutische Dosis verlässt. In all meiner Zeit unter Opiaten habe ich nie die Dosis erhöhen müssen. Deshalb gewöhnt man sich normalerweise schnell dran und kann dann auch sogar Autofahren. Stimmungsaufhellend haben sie bei mir nie gewirkt, bis eben auf Morphium.
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