Sprachlosigkeit

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.

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Sprachlosigkeit

Beitrag Mi., 17.07.2019, 09:12

Nach langem stillen mitlesen habe ich den Drang mich mitzuteilen.
Und wieder überkommt mich das Gefühl der Zweifel ob das alles so richtig ist.
Am liebsten würde ich laut schreien, aber alles hindert mich daran, ich hindere mich daran.
Die angst lähmt mich, Tränen überkommen mich. Darüber zu sprechen war mir nie möglich, zu groß war die Angst abgelehnt zu werden, nicht liebenswert zu sein.
in meiner Ehe habe ich immer wieder neue Ausreden gefunden wie so manches nicht so geht. Alles versteckt, und verneint.zu groß war die Scham es zu benennen. Nach immer wieder Kehrenden panikattacken und flashbacks habe ich selber gemerkt dass ich so nicht mehr weiterleben will.
Das große schauspiel will ich beenden, alles engt mich nur noch ein!
Immer wieder zu lügen dass es mir gut geht, ich hasse mich selber dafür!!
soziale Kontakte gibt es kaum, ich fühle mich alleine mit allem.
kann auch in der Therapie keine richtigen Worte finden. Ich fühle schlimme Verzweiflung und große Angst.
Im Fragebogen familiengeschichte habe ich es umschrieben, sie weiß dass da was war. Beim Schreiben habe ich gemerkt kann ich an das schlimme ran. Wie konntet ihr über eure Erinnerung sprechen?
ich will das alles nicht mehr nur alleine mit mir machen. Will ein Leben das ohne diese Panik ist, aber ich finde keinen Anfang...
lange habe ich gedacht ich schaffe das alleine, habe ich auch, mit vielen vielen Einschränkungen.
Noch nie war es mir so nah noch nie habe ich die Verzweiflung so sehr gefühlt. Es überrennt mich...
Es ist alles so schwer. Und ich fühle mich schuldig!


Candykills
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 09:36

Das hat sehr lange gedauert und eigentlich haben wir nur ganz wenige Male in den 4 1/2 Jahren Therapie über Missbrauchserinerungen gesprochen.
Allerdings hatten wir auch nicht so eine Not darüber sprechen zu müssen, wie es bei dir anscheinend ist.

Vielleicht hilft es dir ja deine Gedanken aufzuschreiben und dann mit in die Therapie zu nehmen?
"Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Waldschratin
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 09:57

Mir hat dabei geholfen, mich gleichzeitig zu bewegen. Nur nicht still sitzen, denn dann war ich in Nullkommanix "weggetreten" und erstarrt.
Schreiben ist auch ne gute Möglichkeit.

Und rechne damit, dass es erst mal "schlimmer" wird, wenn du anfängst zu reden.
Es einfach rauszuhauen ist oft nicht der richtige Weg.
Vielleicht erstmal das Thema Scham angehen?
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Wenn du nicht schlafen kannst, zähl nicht die Schafe, setz dich zum Hirten ans Feuer
Verf. unbek.


Malia
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 12:05

Fühlst du dich sicher bei deiner Therapeutin?
Ich hab auch lange gebraucht, um erst einmal überhaupt anzuerkennen, dass (jetzt gerade kann ich es auch nur umschreiben) " da etwas war".
Darüber zu reden, ging erst in einem sicheren Umfeld, in dem ich verstanden und aufgefangen wurde.
Dieses Umfeld für mich sicher zu machen, hat schon viel Vorarbeit erfordert.
Das war der erste Schritt überhaupt.
(viele kleine Schritte eher)
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 12:25

Danke für eure antworten.
Ich fühle mich von meiner Therapeutin sehr verstanden und zum ersten Mal habe ich das Gefühl nicht falsch zu sein.
Ich habe ihr gesagt das ich mich unwahrscheinlich schäme und sie sagte das alle Gefühle die da sind zum ersten auch richtig sind. Und sie sagt auch das es gut ist wenn ich diese benennen kann.
Aufgeschrieben habe ich über Jahre viel für mich selber, für die thera noch nichts. Ich weiß nicht, die denkt nachher ich bin total irre.
Ich habe auch solche Angst wieder Panik zu bekommen, das ich alles nicht mehr schaffe.
Aber dieses ständige verstecken wie es mir wirklich geht möchte ich auch nicht mehr. Ich bin so durcheinander, weiß nicht was richtig und falsch ist und der Druck ist so groß.
Sie möchte mit mir in der nächsten Stunde einen sicheren Ort gestalten. Habt ihr Erfahrung damit? Die letzte Stunde war schnell um und ich hatte so viele offene Fragen dazu.

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Pianolullaby
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 17:47

Wieso sollte sie denken, dass Du irre bist?
Das ist garantiert nicht das 1. Mal dass sie mit dem Thema in Berührung ist,
und wenn sie einigermassen gut ist, weiss sie, wie es Dir damit gehen könnte.
Und dafür musst Du dich nicht schämen.

Wir sprechen in der Zwischenzeit jedes Mal über einen Aspekt des Mb und der Gewalt
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum


Candykills
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Beitrag Mi., 17.07.2019, 18:43

Kein Grund zu denken du seist irre, nur weil du ihr was geschriebenes gibst. Das machen viele Patienten, denen es schwerfällt zu sprechen. Nur zu.
"Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)


Maskerade
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Beitrag Do., 18.07.2019, 01:44

Hallo Mehrfarbe,

hey, Deine Gefühle und Gedanken sind nicht Irre, sondern sie sind für jemanden der MB erlebt hat, ganz normal.
Du bekommst hier nur das Gagenteil gesagt, von dem was Du denkst und befürchtest. Auch wenn Du das vielleicht nicht gleich annehmen kannst, so darf es Dich doch nachdenklich stimmen. Zumal, ich weiß nicht ob alle, aber die meisten sagen das aus eigener Erfahrung. Wir kennen das was Du gerade durchmachst und einige vielleicht auch, was Deine persönliche Lebensgeschichte betrifft. Durch all das hindurchgehen zu müssen und dann ein eigenes Leben finden und aufbauen, Sicherheit finden, nicht sprechen können, Keine Sprache für all das finden, verschiedene Entspannungsverfahren, Imagination, Selbstwert finden, Ängste, Depressionen, etwas vertuschen zu wollen, sich selbst fragen, ob man verrückt ist, Flashbacks, Dissoziationen, usw. … um nur ein paar zu nennen. lange Zeit Therapie, ambulant und/oder Stationär, Traumatherapie, es gibt in der Psychotherapie einige unterschiedliche Verfahren, Körpertherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, tiergestützte Therapie, Sporttherapie, Gruppen Psychotherapie, Einzel Psychotherapie, usw. … Es gibt ja Gott sei Dank heute viele Möglichkeiten, so dass man gute Chancen hat, etwas zu finden, was man für sich als Medium nehmen kann. Das Schreiben hast Du ja schon entdeckt.

Ich schreibe Dir das alles nicht, um Dich zu überschwemmen, sondern deshalb, weil ich Dir eine Idee geben möchte, was es so gibt und weil ich Dir sagen möchte, dass Du sicher auch etwas für Dich findest. Du hast geschrieben: " aber ich finde keinen Anfang..." Entschuldige, aber das sehe ich anders, ich bin der Meinung, dass Du schon einen Anfang gemacht hast. ;-) Ehrlich, das meine ich vollkommen Ernst. Du hast eine Therapie begonnen, Du hast Dir Hilfe geholt, Du hast entschieden, dass es so nicht mehr weiter gehen kann, Du möchtest an Dir arbeiten, Du beginnst, über Dein Thema/Deine Themen zu sprechen und zu schreiben.
Was bräuchte es denn noch, dass Du mit Dir zufrieden sein könntest ? Ich möchte Dir mitgeben, dass es zwar verständlich ist, dass Du so viel von Dir erwartest, aber es ist erst mal ZU VIEL. Die hohen Ansprüche vielleicht überprüfen und eine Realitätsüberprüfung machen. Du musst nicht alles in der ersten Woche können ! Auch nicht in 2,4,6,8 Wochen. Es ist ein langer Prozess, der viel Zeit braucht. Ich traue es mich kaum zu sagen, aber es ist unumgänglich, dieser Prozess braucht eben soviel Geduld , vor allem mit Dir selbst. Der größte Fehler ist es, sich unter Druck zu setzen und damit auch andere. Das geht selten gut.

So schicke ich Dir ein großes Paket mit Zeit, Geduld, Gelassenheit, Dich öffnen können, die Bereitschaft, zu lernen, Dich zeigen, so wie Du bist, zulassen was kommt, und all die Worte meiner Vorschreiber/-innen.
Liebe Grüße, Maskerade

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