Bemühungen der Therapeutin überfordern mich

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Maiblümchen
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Bemühungen der Therapeutin überfordern mich

Beitrag Fr., 23.08.2019, 16:27

Hallöchen,

ich falle einfach mit der Tür ins Haus....

Ich ertrage es nicht, dass die Therapeutin sich um mich bemüht. Sie ist nett, zugewandt und verständnisvoll.
Streifen wir so manch ein Thema, mache ich völlig dicht. Nichts geht mehr. Ich finde nicht mehr zurück in die Sitzung, nicht mehr zurück ins Gespräch. Wir sind dann beide hilflos. Das fühlt sich noch schlimmer an, dass ich Sie dann in meine Hilflosigkeit mit reingezogen habe.
Ich kann dann nur noch gehen, weil ich mich selbst nicht mehr ertrage und bleiben sich noch schlimmer anfühlt.
Sie macht sich dann Gedanken, wie Sie mir helfen kann. Und das überfordert mich. Diese Bemühung, dieses, sich um mich Gedanken machen. Dieses da sein von ihr.
Ich fühle mich so hässlich, wenn ich ihr nur zeigen könnte wie hässlich ich bin. Dann würde Sie aufhören.
Ich ertrage es nicht, dass Sie für mich da ist.

Kennt das jemand?
Zuletzt geändert von Tristezza am Fr., 23.08.2019, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreffzeile präzisiert.

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Kirchenmaus
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Beitrag Fr., 23.08.2019, 17:11

Hallo Blümchen,

ich kenne das so gut.

Was hilft? "Einfach" wieder hingehen, am besten genau das, was du hier geschrieben hast, ansprechen.

Lieben Gruß
Kirchenmaus

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Beitrag Fr., 23.08.2019, 21:42

Hi Kirchenmaus,

hast du es ansprechen können?
Ich hab's mal versucht, aber dann war mein Kopf wie leer gefegt.

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Anna-Luisa
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Beitrag Fr., 23.08.2019, 22:24

Dann druck dir diesen Thread doch einfach aus und nimm ihn mit.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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Beitrag Fr., 23.08.2019, 22:46

Ausdrucken und ihr geben? Ich würde vor Scham im Boden versinken. Sie würde dann bestimmt auch etwas dazu sagen/fragen. Schon bei dem Gedanken wird mir nicht gut.
In Moment ist mir eher nach Flucht.

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Kirchenmaus
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Beitrag Sa., 24.08.2019, 06:48

Ja, ich habe es angesprochen. Wieder und wieder.

Mittlerweile habe ich eine weitere Therapeutin, für Somatic Experiencing. Bei ihr bin ich noch nicht lange. Das Problem, Fürsorge einerseits so schmerzlich zu ersehnen und andererseits kaum zulassen zu können, ist quasi der Dauerbrenner zwischen uns.
Wir sprechen darüber und versuchen, alle Gefühle zu würdigen.

Ja, es ist hart und schmerzhaft und schambesetzt. Aber es ist nun mal das Thema – worüber sollten wir sonst sprechen, wenn nicht über genau dieses schwerwiegende Problem?

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Beitrag Di., 27.08.2019, 12:36

Danke Kirchenmaus.

Mir gelingt es nicht, darüber zu reden. Es ist mir sehr unangenehm. Ich habe Angst, dass Sie das doof findet oder von mir abgelehnt fühlt.
Ich empfinde die Fürsorge als Schmerzhaft, im Kopf, wie auch körperlich.

Weißt du für dich, woran das liegt? Warum du es dir einerseits wünschst aber andererseits nur schlecht annehmen kannst?
Ich traue es mir nicht mal zu wünschen. Sobald ich darüber nachdenke wird mir schlecht.

Bin ziemlich verwirrt....

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Kirchenmaus
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Beitrag Di., 27.08.2019, 14:51

Ja, klar, das weiß ich.

Von klein auf wurde ich von meiner Mutter gequält. Deshalb setzt ein Teil von mir Liebe (Fürsorge, Mitgefühl …) mit Zwang, Druck und Gewalt gleich. "Reine" Fürsorge ist unbekannt, deshalb total bedrohlich.
Wenn ich die Fürsorge akzeptieren könnte, würde mir gleichzeitig bewusst, was meine Mutter mir wirklich angetan hat. Der Schmerz ist offensichtlich zu groß, um ihn schon ganz zu ertragen.

Das zu erkennen, war aber schon eine lange Reise.