Einzeltherapie statt Paartherapie beim selben Therapeuten

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Jolo
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Einzeltherapie statt Paartherapie beim selben Therapeuten

Beitrag Do., 07.11.2019, 11:04

Hallo zusammen,

ich bin seit ein paar Sitzungen in Einzeltherapie. Nun war ich mit meinem Mann zu einer einmaligen Paartherapiesitzung.
Am Ende stellte er uns die Frage wie wir weiter verfahren möchten. Beide Einzeltherapie oder weiterhin neben meiner Einzeltherapie zusätzlich eine Paartherapie.

Jetzt meine Frage...kommt der Therapuet nicht in Loyalitätsschwierigkeiten (trotz Neutralitätsgebot) wenn er uns beide in Einzelsitzungen therapiert? Ist das überhaupt zulässig oder zu empfehlen? Hat das schonmal jemand von euch gemacht?

Vielen Dank!!!

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Rosenstock
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Beitrag Do., 07.11.2019, 11:35

Ich würde es nicht machen und für mich fühlt sich das auch höchst unprofessionell an.
Lg Rosenstock

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Philosophia
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Beitrag Do., 07.11.2019, 11:54

Ginge für mich auch überhaupt nicht
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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Jolo
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Beitrag Do., 07.11.2019, 12:13

Rosenstock hat geschrieben:
Do., 07.11.2019, 11:35
Ich würde es nicht machen und für mich fühlt sich das auch höchst unprofessionell an.
Lg Rosenstock
Ich würde mich auch nicht sehr wohl dabei fühlen. Aber ab und an eine Paartherapie neben meinen Einzelsitzungen wäre schon okay, oder?

Mein Therapeut ist sehr erfahren und alles andere als unprofessionell. Er hat Lehrtätigkeiten an der Uni und ist psychologischer Psychotherapeut und Supervisor. Dennoch wäre es für mich wie es sich für euch anfühlt. Danke für eure Einschätzung!

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Philosophia
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Beitrag Do., 07.11.2019, 12:19

Na und, bloß weil er die von dir genannten Tätigkeiten ausführt (woher weißt du das überhaupt?!), heißt das nicht automatisch, dass er sich auch wirklich professionell verhält. (Vielleicht denkt er deshalb, er weiß es besser und darf alles...)
Jedenfalls ist es ethisch und moralisch nicht cool, irgendjemanden im Einzelsetting zu behandeln, den du kennst. Muss er eigentlich ablehnen. Paartherapie ist sicher nicht so schlimm, aber ich würde mir auch hierfür jemanden suchen, den ihr beide nicht kennt (aber ich bin da auch sehr kritisch).
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R.L.Fellner
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Beitrag So., 10.11.2019, 09:40

Liebe Jolo,

auch aus "fachlicher" Sicht kann ich den Eindruck der Vorposter nur bestätigen:

ich hielte es für unprofessionell, wenn Ihr Therapeut Sie beide in Form einer Einzeltherapie betreut.

Ich verstehe nicht, was der Begriff "Neutralitätsangebot" in diesem Kontext überhaupt bedeuten soll, denn "Neutralität" (in therapeutischem Sinne) ist in solch einem Setting nicht möglich. Es ist ja nicht zu verhindern, dass Ihr Therapeut z.B. vertrauliche Informationen in seine Überlegungen einbezieht und dann - mehr oder weniger bewußt - in die Arbeit mit dem Partner mit einfließen läßt. Das kann - in begrenztem Sinne - funktionieren, wenn z.B. ergänzend zu einer Einzeltherapie gelegentlich Paarsitzungen stattfinden, aber auch da müßte aus meiner Sicht der Therapeut nicht nur gut einschlägig geschult sein (z.B. systemische Ausbildung, bei der diese Kriterien einen ganz wesentlichen Teil der Ausbildung darstellen), sondern auch genau wissen & transparent mit Ihnen beiden planen, welche Ziele für welchen Kontext verfolgt werden, wie er gedenkt, mit der Frage der Vertraulichkeit umzugehen usw.

Dass Ihr Therapeut offenbar "alles für möglich hält", erzeugt bei mir ein skeptisches Gefühl und läßt mich eher empfehlen, dass Sie (wenn Sie möchten und sich prinzipiell von ihm gut unterstützt fühlen) beie ihm Ihre Einzeltherapie fortsetzen, die Paartherapie (und/oder Ihr Mann Einzelsitzungen) jedoch bei jemandem anders wahrnehmen. Ich vermute, dass es dann auch Ihrem Mann leichter fallen dürfte, einen solchen Prozess zu beginnen - ohne befürchten zu müssen, der begleitende Therapeut wäre schon voreingenommen.

Freundliche Grüße und alles Gute!
R.L.Fellner

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diesoderdas
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Beitrag Do., 14.11.2019, 23:45

Mein ehemaliger Therapeut meinte auch mal, es wäre für ihn kein Problem mehrere aus einer Familie zu behandeln.

Ich finde allerdings auch, dass sowas einfach rein gar nicht geht. No go. Wobei ich nicht behaupten will, dass das ohne jegliche Ausnahme immer schief gehen muss oder problematisch sein muss.
Es hat ja aber schon seinen Grund, dass solche Einstellungen selbst unter den meisten Psychotherapeuten eben NICHT für gut befunden werden. Ich finde die Gefahren dabei viel zu groß.

Und wenn Therapeuten meinen, dass das alles ganz easy klappen würde - vielleicht halten die dann einfach ein bisschen zu viel von sich und ihrem Können.

Und selbst wenn der Therapeut damit gut klar kommt, kann so eine Konstellation immer noch für die Behandelten problematisch werden.

Ich wüsste also keinen Grund, der für eine Behandlung beim gleichen Therapeuten sprechen würde.

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Jolo
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 16:27

Hallo Herr Fellner,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich hatte jetzt nochmal eine Einzelsitzung bei meinem Therapeuten. Ich habe ihn auf das Thema angsprochen und es war wohl ein Missverständnis. Er würde meinen Mann zu einer Therapeutin weiterleiten. Das hätte er uns dann kommuniziert wenn wir uns entschieden hätten in welcher Weise wir nun weitermachen möchten.
Letztendlich werde ich zu ihm weiterhin in Einzeltherapie gehen und gelegentlich mit meinem Mann eine Paartherapie bei ihm wahrnehmen.

Viele Grüße!
Zuletzt geändert von Tristezza am Sa., 16.11.2019, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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diesoderdas
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 16:50

Das klingt doch viel besser :-)