Beschwerde Psychotherapeutenkammer

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
LSeneca
neu an Bo(a)rd!
neu an Bo(a)rd!
männlich/male, 21
Beiträge: 4
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beschwerde Psychotherapeutenkammer

Beitrag Mo., 11.11.2019, 20:11

Hallo zusammen,

ich bin neu hier im Forum und auf der Suche nach (ehemaligen) Psychotherapie-Patienten, die Erfahrungen mit einem Beschwerdeverfahren vor der Psychotherapeutenkammer haben.
Ich selbst habe vor über 1 1/2 Jahren eine Beschwerde über meine ehemalige Therapeutin eingereicht. Als Patient und Beschwerdeführer habe ich vor der PTK keinerlei Rechte.
Mittlerweile leide ich fast mehr unter dem ungewissen und langandauernden Ermittlungsverfahren, als unter den erlittenen Grenzverletzungen in meiner Psychotherapie.
Dennoch bin ich überzeugt davon, dass es richtig ist, "Schwarze Schafe" unter den Psychotherapeuten anzuzeigen.

Ich würde mich sehr über einen Erfahrungsaustausch freuen,

Liebe Grüße

LSeneca

Benutzeravatar

saffiatou
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 51
Beiträge: 1718
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mo., 11.11.2019, 21:17

Hallo LSeneca,

Ja, habe ich erfolgreich. Das Verfahren dauerte bei mir ca 6 Wochen, dann wurde mir schriftlich mitgeteilt, dass der Therapeut eine Strafe zahlen musste und einen Eintrag in die Akte dort bekommt.

Ich habe mich damals an die Kammer gewandt, weil der thera für eine Einsicht in meine Patientenakte ca 300 Euro verlangte, das gab der dummerweise schriftlich. Auf meine Nachfragen bei der Kammer, hat mich der Vorsitzende um eine Anzeige gebeten, er erklärte, dass er solche Therapeuten, die dermaßen gegen alle Regeln verstoßen, aus der Kammer werfen möchte. Der thera musste ca 600 Euro Strafe zahlen.

Ich denke, manchmal handeln die Kammern nach dem Motto: „ eine Krähe ...“ und manchmal, wie bei mir eben nach den Regeln.... Kannst du dort nachfragen?

Viel Erfolg,
Saffia
never know better than the natives. Kofi Annan

Benutzeravatar

Mondmann
sporadischer Gast
sporadischer Gast
anderes/other, 52
Beiträge: 29
Wohnort: Mond
Status: Offline

Beitrag Di., 12.11.2019, 20:58

Ich kenne es auch so, dass dem Patienten seitens der Kammer nichts mitgeteilt wird über das Ergebnis. Mir wurde nur mitgeteilt, dass man das Verfahren nicht führen könne, da der betreffende Therapeut nicht mehr Mitglied der Kammer war...

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
LSeneca
neu an Bo(a)rd!
neu an Bo(a)rd!
männlich/male, 21
Beiträge: 4
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mi., 13.11.2019, 11:12

Hallo Saffiatou, hallo Mondmann,

vielen Dank für eure Antworten!

Die PTK argumentiert mit dem "Datenschutzgesetz", weswegen man als Beschwerdeführer keine Auskunft über den genauen Ablauf und das Ergebnis des Verfahrens erhält. Ich finde das fragwürdig und ärgere mich darüber- bei einem gerichtlichen Verfahren wird der Kläger doch auch nicht vor die Tür geschickt, wenn das Urteil verlesen wird.
Selbst meine Bitte um einen persönlichen Anhörungstermin ist abgewiesen worden, dabei kann ich mir nicht vorstellen, dass der PTK nach dem Durchlesen meiner schriftlichen Beschwerde alles klar war.

Wenn man etwas seelisch nicht verarbeiten kann, kann man eine Psychotherapie absolvieren. Aber wenn das, was man nicht verarbeiten kann, in einer Psychotherapie passiert ist- was macht man dann?

Ich habe mir eine neue Psychotherapeutin gesucht, aber der gesamte undurchsichtige Ablauf des berufsaufsichtlichen Verfahrens führt nicht gerade dazu, dass mein Vertrauen in Psychotherapeuten wiederhergestellt wird. Innerlich hege ich mittlerweile einen tiefen Groll gegen alles, was mit Psychotherapie zu tun hat.

Die grenzüberschreitende Therapie hat mich über lange Zeit ohnmächtig gemacht- jetzt ist es das Verfahren vor der PTK, das mich hilflos fühlen lässt.

Nachfragen werden mit nichtssagenden Aussagen begegnet- wenn man telefonisch überhaupt jemanden von der PTK erreicht. Die standart Aussagen sind:

- "Tut mir leid, die zuständige Kollegin ist gerade in einer Sitzung."
- "Den Namen des zuständigen Justitiars kann ich Ihnen leider nicht nennen, es könnte ja sein, dass er doch nicht der zuständige Justitiar ist" (Die Aussage ist leider kein Witz!)
- "Der Kollege ist gerade im Urlaub."
-"Darüber kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben."
-"Das Verfahren kann noch vier Wochen, aber auch noch ein halbes Jahr dauern..."

Auch die Bundespsychotherapeutenkammer erklärt sich für nicht zuständig, "da die Landeskammern ihre berufsaufsichtlichen Verfahren eigenständig regeln."

Liebe Grüße

LSeneca

Benutzeravatar

stern
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 99
Beiträge: 16612
Wohnort: unwesentlich
Status: Offline

Beitrag Mi., 13.11.2019, 11:50

LSeneca hat geschrieben:
Mi., 13.11.2019, 11:12
Ich finde das fragwürdig und ärgere mich darüber- bei einem gerichtlichen Verfahren wird der Kläger doch auch nicht vor die Tür geschickt, wenn das Urteil verlesen wird.
Das (die Öffentlichkeit) ist eben der Unterschied zu einem gerichtlichen Verfahren... die Kammer ist sozusagen die berufliche Selbstverwaltung und berufliche Aufsicht und ahndet Verstöße gegen beruflichen Pflichten ihrer Mitglieder ggf. intern mit beruflichen Sanktionen. Bei gravierenden Verstößen kann die Kammer aber auch Strafanzeige erstatten und somit einen Prozess vor einem öffentlichen Gericht in die Wege leiten.

Ich weiß nicht, ob du einen Anwalt hast... aber eine evtl. zivilrechtliche Klage oder strafrechtliche Angeige ist dir ja (allerdings ja nach dem was war) evtl. trotzdem möglich... also das eine schließt das andere nicht zwingend aus. Die Kammer sanktioniert eher berufliches Fehlverhalten deines Therapeuten. Evtl. eigene Ansprüche gegen den Therapeuten wären anders durchzusetzen. Aufarbeitung leistet weder das eine noch das andere. Daher würde ich zunächst schauen, worum es dir hauptsächlich geht. Soweit ich weiß, informiert die Kammer über den Ausgang auch nicht unbedingt.
Liebe Grüsse
stern Bild
»Wenn man eigene unbewusste Tendenzen den anderen ansieht, nennt man das eine Projektion«
(C. G. Jung)
Lesen auf eigene Gefahr

Benutzeravatar

Lady Nightmare
sporadischer Gast
sporadischer Gast
weiblich/female, 80
Beiträge: 9
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mi., 13.11.2019, 15:21

Hallo Seneca,

das klingt in der Tat alles sehr frustrierend für den Beschwerdeführer, was du und die anderen hier zu diesem Thema schreiben. Wäre ich selbst betroffen, würde ich meine Energie daher vermutlich eher versuchen, in die neue Therapie zu stecken. Es kann ja jetzt nur darum gehen, dass es dir in psychischer Hinsicht künftig besser geht. Vielleicht hilft es dir dort über das in der vorhergehenden Therapie Erlebte zu sprechen. Du schreibst ja selbst, dass dich das Beschwerdeverfahren bald mehr belastet als die Dinge, die zum Beschwerdeverfahren geführt haben. Es sei denn, es geht um massive sexuelle Grenzüberschreitungen oder irgendeine Form von materieller Abzocke, dann würde ich andere vor ähnlichen Gefahren bewahren wollen.


Candykills
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
männlich/male, 23
Beiträge: 2634
Wohnort: שומקום
Status: Offline

Beitrag Mi., 13.11.2019, 15:36

Ich ksnn mich dem nur anschließen: ich weiß nicht, ob ich meine Kraft für so ein Verfahren vergeuden würde, außer es kam zu sexuellen Übergriffen. Ansonsten würde ich die Energie in die Aufarbeitung in einer neuen Therapie stecken.
"Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
LSeneca
neu an Bo(a)rd!
neu an Bo(a)rd!
männlich/male, 21
Beiträge: 4
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mi., 13.11.2019, 17:19

Hallo zusammen,

Danke für Eure schnellen Antworten!

Es geht um einen ziemlich ausgeprägten emotionalen-/narzisstischen Missbrauch. Genauer möchte ich nicht darauf eingehen, solange es noch kein abschließendes Urteil gibt. Nur so viel- es handelt sich um eine Kinder- und Jugendlichentherapeuten und ich denke, dass ich aufgrund meines Alters zu den wenigen Patienten gehören, die etwas gegen die Therapeutin unternehmen können. Aus diesem Grund möchte ich die Verfahren weiterführen, auch wenn es bisher eher frustrierend verläuft. Nichts zu unternehmen würde mich noch viel mehr belasten.

Solche Therapeuten dürfen m.E. nicht einfach so davon kommen.

Ein Anwalt hat mir geraten, ein Behandlungsfehlergutachten bei meiner Krankenkasse in Auftrag zu geben. Das habe ich gemacht und warte nun seit fast einem Jahr auf das Gutachten. Je nach dem zu welchem Ergebnis dieses gelangt, werde ich die Therapeutin auf Schmerzensgeld-/Schadensersatz verklagen. Die Krankenkasse selbst kann gegenüber der Therapeutin Regressansprüche geltend machen, was auch eine kleine Genugtuung wäre.
Viel wichtiger ist mir aber, dass die PTK und weitere Berufsverbände auf das Fehlverhalten der Therapeutin aufmerksam werden.

Die Therapie habe ich aufgrund von Depressionen begonnen, die ich nach einem längeren Klinikaufenthalt ganz gut im Griff habe. Die ambulante VT-Therapie, die ich noch mache, ist bloß eine Kurzzeittherapie, die bald zum Ende kommen wird, was auch gut so ist. Ich halte weder viel von den Methoden der VT-Therapie, noch etwas von den Methoden der Psychoanalyse, die ich mittlerweile sogar als recht gefährliches Unterfangen einstufen würde.
Mir persönlich haben körpertherapeutische Ansätze am besten geholfen, aber das ist ein anderes Thema. Ich möchte damit nur sagen, dass ich mich von den gängigen Therapieformen klar distanziert habe und keine Anschluss-Analyse o.Ä. anstrebe.

Beweggründe für das Beschwerdeverfahren sind für mich zusammengefasst vor allem der Schutz anderer Patienten (in dem Fall Kinder und Jugendliche) und das nachträgliche setzen von Grenzen bzw. die Stärkung/Wiederherstellung meiner Selbstwirksamkeit.

Mit diesem Thread möchte ich u.a. auch auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, die es gibt, um sich gegen (chronisch) grenzverletzende Therapeuten zu wehren.

Liebe Grüße

LSeneca